Kardinäle und Bischöfe verteidigen Papst Leo XIV. gegen Trumps Kritik

Die USA haben ein Problem mit ihren Präsidenten


Trump postete sich am Sonntag selbst als Jesus. Kurz danach griff er Papst Leo XIV. an, weil dieser zum Frieden mahnte
Trump postete sich am Sonntag selbst als Jesus. Kurz danach griff er Papst Leo XIV. an, weil dieser zum Frieden mahnte

Der Vati­kan­jour­na­list Edward Pen­tin berich­tet in einem Arti­kel im Natio­nal Catho­lic Regi­ster über eine wach­sen­de inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zung füh­ren­der Kir­chen­ver­tre­ter für Papst Leo XIV., nach­dem die­ser von US-Prä­si­dent Donald Trump scharf kri­ti­siert wor­den war.

Im Zen­trum steht dabei die Ver­tei­di­gung des Pap­stes durch hoch­ran­gi­ge Kar­di­nä­le und Bischö­fe aus ver­schie­de­nen Län­dern, die sei­ne kon­se­quen­te Aus­rich­tung auf Frie­den, Dia­log und das Evan­ge­li­um betonen.

Breite Unterstützung für den Papst

Beson­ders deut­lich äußer­te sich der deut­sche Kuri­en­kar­di­nal und ehe­ma­li­ge Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Ger­hard Lud­wig Mül­ler. Er erklär­te, nie­mand habe das Recht, den Papst zu kri­ti­sie­ren, wenn die­ser treu das Evan­ge­li­um des Frie­dens ver­kün­de. Kar­di­nal Mül­ler warn­te zudem davor, den Namen Got­tes für poli­ti­sche oder eige­ne Inter­es­sen zu instrumentalisieren.

Er erin­ner­te dar­an, daß alle Kar­di­nä­le dem Papst Gehor­sam ver­spro­chen hät­ten und ver­pflich­tet sei­en, ihn und die Kir­che not­falls unter Ein­satz ihres Lebens zu ver­tei­di­gen. Zugleich reflek­tier­te Kar­di­nal Mül­ler die ethi­schen Span­nungs­fel­der inter­na­tio­na­ler Poli­tik: Zwar kön­ne es not­wen­dig sein, gefähr­li­che Regime ein­zu­däm­men, doch dür­fe dies nicht in mora­lisch pro­ble­ma­ti­sche Kriegs­lo­gi­ken führen.

Trumps Kritik

Aus­lö­ser der Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen war Kri­tik von Donald Trump, der dem Papst vor­warf, eine fal­sche Außen­po­li­tik zu ver­tre­ten und indi­rekt zu dul­den, daß der Iran in den Besitz von Atom­waf­fen gelan­gen könn­te. Außer­dem unter­stell­te er, der Papst agie­re zu poli­tisch und sei bewußt als Gegen­ge­wicht zu sei­ner eige­nen Poli­tik gewählt worden.

Die­se Vor­wür­fe bezie­hen sich auf die kla­re Ableh­nung eines Krie­ges gegen den Iran durch Papst Leo XIV., die die­ser öffent­lich ver­tre­ten hatte.

Weitere Stimmen aus der Weltkirche

Neben Kar­di­nal Mül­ler stell­ten sich zahl­rei­che wei­te­re Kir­chen­ver­tre­ter hin­ter den Papst.

Der Gene­ral­vi­kar von Rom, Kar­di­nal Bald­as­sa­re Rei­na, sprach von „vol­ler Unter­stüt­zung“ ange­sichts „ver­stö­ren­der Angrif­fe“ auf die Frie­dens­leh­re des Papstes.

Auch die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz unter Lei­tung von Matteo Zup­pi äußer­te Bedau­ern über die Kri­tik und bekräf­tig­te die Rol­le des Pap­stes als Ver­kün­der von Wahr­heit und Frieden.

Inter­na­tio­na­le Stim­men wie Kar­di­nal Fer­nan­do Cho­malí (Sant­ia­go de Chi­le) bezeich­ne­ten Leo XIV. als glaub­wür­di­gen und inte­gren Führer.

In Eng­land sicher­ten Richard Moth (Erz­bi­schof von West­min­ster) und John Wil­son (Erz­bi­schof von Southwark) dem Papst Gebet und Unter­stüt­zung zu. Sie beton­ten, daß ange­sichts von Krieg und Leid die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums nicht miß­braucht wer­den dürfe.

Auch die schot­ti­schen Bischö­fe wür­dig­ten den Papst als mora­li­sche Ori­en­tie­rung in einer kri­ti­schen Zeit und rie­fen dazu auf, Gewalt zu been­den und den Weg des Frie­dens zu wählen.

Reaktion des Papstes

Papst Leo XIV. selbst reagier­te gelas­sen auf die Angrif­fe. Zu Beginn sei­ner Afri­ka­rei­se erklär­te er, kei­ne Angst vor poli­ti­schem Druck zu haben und wei­ter­hin mutig das Evan­ge­li­um zu verkünden.

Er ver­ur­teil­te aus­drück­lich den Miß­brauch des Got­tes­na­mens zur Recht­fer­ti­gung von Krie­gen und kün­dig­te an, sich wei­ter­hin ent­schie­den für Frie­den, Dia­log und mul­ti­la­te­ra­le Lösun­gen ein­zu­set­zen. Ange­sichts des welt­wei­ten Leids dür­fe die Kir­che nicht schweigen.

Moralische Fragen von Krieg und Frieden

Ein beson­de­rer Schwer­punkt des Arti­kels liegt auf den dif­fe­ren­zier­ten Aus­füh­run­gen von Ger­hard Lud­wig Mül­ler zur soge­nann­ten gerech­ten Kriegführung.

Er erkann­te an, daß Staa­ten – ins­be­son­de­re die USA – eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung für Frie­den und Sicher­heit tra­gen und unter Umstän­den auch mili­tä­ri­sche Mit­tel ein­set­zen dür­fen, etwa um schwe­re Men­schen­rechts­ver­bre­chen zu stop­pen. Dabei ver­wies er auf Gewalt und Repres­si­on im Iran.

Gleich­zei­tig warn­te er ein­dring­lich vor den mora­li­schen Kosten jedes Krie­ges: Krieg sei nie­mals „sau­ber“, und selbst gerecht­fer­tig­te mili­tä­ri­sche Hand­lun­gen könn­ten Schuld nach sich zie­hen. Auch histo­ri­sche Fehl­ent­wick­lun­gen wie eine ver­fehl­te Beschwich­ti­gungs­po­li­tik gegen­über tota­li­tä­ren Regi­men dürf­ten sich nicht wiederholen.

Mül­ler plä­dier­te daher für einen Mit­tel­weg: Ein­satz für Frie­den, aber nicht um jeden Preis – viel­mehr für einen „gerech­ten Frie­den“, der auch die Befrei­ung unter­drück­ter Völ­ker einschließt.

Zugleich unter­strich er das Exi­stenz­recht Isra­els und äußer­te die Hoff­nung, daß mili­tä­ri­sche Gewalt künf­tig über­flüs­sig werde.

Der Arti­kel von Edward Pen­tin im Natio­nal Catho­lic Regi­ster zeigt, daß die Kri­tik von Donald Trump am Papst eine brei­te Gegen­re­ak­ti­on inner­halb der Welt­kir­che aus­ge­löst hat.

Über ideo­lo­gi­sche und geo­gra­phi­sche Gren­zen hin­weg stel­len sich zahl­rei­che Kir­chen­füh­rer hin­ter Papst Leo XIV. und bekräf­ti­gen sei­ne zen­tra­le Bot­schaft: Die Kir­che ist dem Frie­den ver­pflich­tet – auch dann, wenn die­se Posi­ti­on poli­tisch umstrit­ten ist.

Und die Reak­tio­nen der Kir­chen­män­ner betref­fen nur Trumps Kri­tik an Papst Leo XIV. Da wäre noch das von Trump am Sonn­tag­abend gepo­ste­te KI-gene­rier­te Bild von sich selbst als Jesus… 

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Breit­bart (Screen­shot)

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