Die Fastenzeit gegen den Evolutionismus

Memento, homo, quia pulvis es, et in pulverem reverteris


Gedenke Mensch, daß du Staub bist
Gedenke Mensch, daß du Staub bist

Von Rober­to de Mattei*

Memen­to, homo, quia pul­vis es, et in pul­ve­rem rever­te­ris“ („Geden­ke, Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurück­keh­ren wirst“). Mit die­sen Wor­ten, gespro­chen vom Prie­ster bei der Auf­le­gung der Asche auf das Haupt der Gläu­bi­gen, beginnt am Ascher­mitt­woch im römi­schen Ritus die Fastenzeit.

Der Ursprung die­ser lit­ur­gi­schen For­mel geht auf das erste Kapi­tel der Gene­sis zurück, als der Herr nach dem Sün­den­fall Adams zu ihm sprach: „Im Schwei­ße dei­nes Ange­sichts sollst du dein Brot essen, bis du wie­der zur Erde zurück­kehrst; denn aus ihr bist du genom­men: Staub bist du, und zum Staub wirst du zurück­keh­ren!“ (Gen 3,19).

Alle Kir­chen­vä­ter kom­men­tie­ren die­se bibli­sche Stel­le und erin­nern dar­an, daß die Fol­ge des Adams­falls die mensch­li­che Natur ver­derbt und sterb­lich gemacht hat. Die­se Ver­derbt­heit wur­de auf die gesam­te Mensch­heit über­tra­gen, da Adam, nach­dem er sterb­lich gewor­den war, sterb­li­che Kin­der zeug­te. Augu­sti­nus sagt: „Der Tod des Lei­bes, der ein­tritt, wenn die See­le den Kör­per ver­läßt, wür­de den Men­schen nicht betref­fen, hät­te er nicht gesün­digt. Denn es wur­de gesagt: ‚Staub bist du und zum Staub wirst du zurück­keh­ren‘“ (De Gene­si ad lit­teram VI, 25, 36).

Der aus der Erde gebo­re­ne Mensch kehrt auf­grund sei­nes Auf­be­geh­rens zur Erde zurück. Der Text der Gene­sis ent­hält eine Auf­for­de­rung zur Demut, indem er dar­an erin­nert, daß der Mensch nicht der Schöp­fer sei­ner selbst ist, und er ruft dazu auf, sich nicht an irdi­sche Güter zu klam­mern, da das Wort „Staub“ die Ver­gäng­lich­keit aller irdi­schen Din­ge bezeich­net. Ambro­si­us von Mai­land kom­men­tiert den Vers aus der Gene­sis fol­gen­der­ma­ßen: „Erken­ne, o Mensch, dei­ne Natur; dei­ne Fleisch­lich­keit möge sich nicht über­he­ben. Aus Erde bist du genom­men und zur Erde kehrst du zurück“ (De Paradi­so, XI, 51). Demut ent­steht aus der Erkennt­nis der eige­nen Her­kunft: Der Mensch hat sein Dasein nicht aus sich selbst gege­ben, er ist in allem und von allem von Gott abhängig.

Die­ser Hin­weis auf die Wahr­heit der mensch­li­chen Bedin­gung klingt auch in den gro­ßen Leh­rern der mit­tel­al­ter­li­chen Spi­ri­tua­li­tät nach. Bern­hard von Clairvaux stellt mit sei­ner aske­ti­schen Stren­ge dem Men­schen drei Fra­gen, die jede Über­heb­lich­keit ent­lar­ven: „Quid fuisti? Quid es? Quid eris?“ („Wer warst du? Wer bist du? Wer wirst du sein?“). Die Ant­wort ist stets die­sel­be: pul­vis – Staub. Staub ist nicht nur das bio­lo­gi­sche Schick­sal des Kör­pers, son­dern das Zei­chen einer radi­ka­len Schöp­fungs­ab­hän­gig­keit. Der Mensch ist nicht das Pro­dukt einer spon­ta­nen Trans­for­ma­ti­on der Mate­rie, son­dern wur­de durch Got­tes direk­ten Akt aus dem Lehm der Erde geformt. Und gera­de weil er unmit­tel­bar von Gott geschaf­fen wur­de, wird sei­ne Rück­kehr zum Staub in der Hei­li­gen Schrift als Fol­ge der Schuld dar­ge­stellt, nicht als natür­li­che Pha­se eines evo­lu­tio­nä­ren Pro­zes­ses. Der Aus­spruch „Memen­to, homo, quia pul­vis es, et in pul­ve­rem rever­te­ris“ besitzt eine theo­lo­gi­sche Dich­te, die weit über den blo­ßen mora­li­schen Hin­weis auf die Ver­gäng­lich­keit des Lebens hin­aus­geht. Er umfaßt eine Sicht auf die Her­kunft des Men­schen, die dem Evo­lu­tio­nis­mus dia­me­tral entgegensteht.

In den vor­aus­ge­hen­den Ver­sen beschreibt die Hei­li­ge Schrift die Erschaf­fung des Men­schen fol­gen­der­ma­ßen: „Da form­te Gott der Herr den Men­schen aus Staub vom Erd­bo­den, hauch­te ihm den Atem des Lebens in die Nase, und so wur­de der Mensch eine leben­di­ge See­le“ (Gen 2,7). Der Text ist außer­or­dent­lich klar: Der Mensch, bestehend aus Kör­per und See­le, stammt weder von Homi­ni­den noch von Affen oder ande­ren nie­de­ren Tier­for­men ab, son­dern wur­de direkt von Gott aus dem Lehm der Erde geschaf­fen. Dem ent­spricht die Stra­fe nach der Sün­de: Du bist Staub, und zum Staub wirst du zurück­keh­ren. Der Kör­per der ersten Frau wur­de eben­falls direkt von Gott aus Adams Rip­pe geformt (Gen 2,21–24), und auch hier läßt sich die bibli­sche Aus­sa­ge nicht mit der Erzäh­lung des Evo­lu­tio­nis­mus in Ein­klang bringen.

Kar­di­nal Erne­sto Ruf­fi­ni hebt in sei­ner Stu­die La teo­ria dell’Evoluzione secon­do la sci­en­za e la fede (Die Evo­lu­ti­ons­theo­rie nach Wis­sen­schaft und Glau­be, Cen­tro Libra­rio Soda­li­ti­um, Ver­rua Savoia 2023) zahl­rei­che Zita­te her­vor, die den ein­stim­mi­gen Kon­sens der Kir­chen­vä­ter zu die­sem Punkt bele­gen: von Ire­nä­us bis Cyrill von Jeru­sa­lem, von Gre­gor von Nys­sa bis Johan­nes Chry­so­sto­mus, von Hie­ro­ny­mus bis Augu­sti­nus. Nach letz­te­rem „wur­de Adam aus Lehm in voll­kom­me­ner Männ­lich­keit geformt“, also als voll­ende­ter Mensch und nicht im embryo­na­len Zustand (De Gene­si ad lit­teram VI,18,29). Tho­mas von Aquin erläu­tert in der Sum­ma Theo­lo­giae (I, q. 91) die theo­lo­gi­sche Ange­mes­sen­heit der For­mung des Men­schen aus der Erde und betont, daß die­ser Akt zugleich die Demut der Mate­rie und die Wür­de der von Gott ein­ge­hauch­ten gei­sti­gen Form offen­bart. Sein Leh­rer, Alber­tus Magnus, stell­te die Fra­ge, „ob der Kör­per des Men­schen von jemand ande­rem als von Gott geschaf­fen wer­den könn­te“, und ant­wor­tet: „Kar­di­nal Erne­sto Ruf­fi­ni hebt in sei­ner Stu­die La teo­ria dell’Evoluzione secon­do la sci­en­za e la fede (Die Evo­lu­ti­ons­theo­rie nach Wis­sen­schaft und Glau­be, Cen­tro Libra­rio Soda­li­ti­um, Ver­rua Savoia 2023) zahl­rei­che Zita­te her­vor, die den ein­stim­mi­gen Kon­sens der Kir­chen­vä­ter zu die­sem Punkt bele­gen: von Ire­nä­us bis Cyrill von Jeru­sa­lem, von Gre­gor von Nys­sa bis Johan­nes Chry­so­sto­mus, von Hie­ro­ny­mus bis Augu­sti­nus. Nach letz­te­rem „wur­de Adam aus Lehm in voll­kom­me­ner Männ­lich­keit geformt“, also als voll­ende­ter Mensch und nicht im embryo­na­len Zustand (De Gene­si ad lit­teram VI,18,29). Tho­mas von Aquin erläu­tert in der Sum­ma Theo­lo­giae (I, q. 91) die theo­lo­gi­sche Ange­mes­sen­heit der For­mung des Men­schen aus der Erde und betont, daß die­ser Akt zugleich die Demut der Mate­rie und die Wür­de der von Gott ein­ge­hauch­ten gei­sti­gen Form offen­bart. Sein Leh­rer, Alber­tus Magnus, stell­te die Fra­ge, „ob der Kör­per des Men­schen von jemand ande­rem als von Gott geschaf­fen wer­den könn­te“, und ant­wor­tet: „Man muß sagen, daß der Kör­per des ersten Men­schen, nach Aus­sa­ge der Hei­li­gen und nach dem katho­li­schen Glau­ben, weder ange­mes­sen noch mög­lich war, von jemand ande­rem als Gott selbst geschaf­fen zu wer­den“ (Sum­ma Theo­lo­giae, II, Tract. XIII, q. 85).

Die Ein­heit die­ser patri­sti­schen und scho­la­sti­schen Tra­di­ti­on spie­gelt sich im bestän­di­gen Lehr­amt der Kir­che über die unmit­tel­ba­re Ent­ste­hung des Kör­pers des ersten Men­schen wider. Das Dekret der Päpst­li­chen Bibel­kom­mis­si­on vom 30. Juni 1909 bekräf­tig­te den wesent­li­chen histo­ri­schen Cha­rak­ter der ersten Kapi­tel der Gene­sis und schloß aus, daß sie auf einen rein sym­bo­li­schen Mythos redu­ziert wer­den könnten.

Evo­lu­tio­ni­sten bestrei­ten die bibli­sche Offen­ba­rung von Adam und Eva als ein­zi­gen Vor­fah­ren der Mensch­heit und ver­tre­ten einen evo­lu­tio­nä­ren Poly­ge­nis­mus, der die gleich­zei­ti­ge Ent­ste­hung von Men­schen an ver­schie­de­nen Orten der Erde durch lan­ge bio­lo­gi­sche Trans­for­ma­tio­nen aus nie­de­ren Arten postu­liert. Die Leh­re der Kir­che lehrt hin­ge­gen, daß Adams Kör­per nicht aus einer bereits bestehen­den Kör­per­form her­vor­ging, son­dern direkt von Gott aus einer Hand­voll Erde geschaf­fen wur­de und daß Adam und Eva das erste und ein­zi­ge Paar waren, von dem die gesam­te Mensch­heit abstammt. Mit der Ver­nei­nung der Histo­ri­zi­tät von Adam und Eva, redu­ziert auf eine kol­lek­ti­ve Meta­pher, fällt die Erb­sün­de, und damit die Not­wen­dig­keit der Mensch­wer­dung Chri­sti, des Erlö­sers der Menschheit.

Der Staub der Gene­sis ist nicht das Pro­dukt einer tie­ri­schen Evo­lu­ti­on, son­dern die unbe­leb­te Mate­rie, die direkt vom Schöp­fer geformt wur­de. Daher steht die Evo­lu­ti­ons­theo­rie im Wider­spruch zum katho­li­schen Glau­ben. Und gera­de des­halb kön­nen die Wor­te der Fasten­zeit „Geden­ke, Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurück­keh­ren wirst“ als anti-evo­lu­tio­ni­sti­sches Mani­fest ver­stan­den wer­den, das uns ein­lädt, über Ursprung und Schick­sal des Men­schen nachzudenken.

*Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017, und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

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