Wenn Wunder Wissenschaft werden

Eucharistische Wunder und die Tilma von Guadalupe – neue wissenschaftliche Untersuchungen


Auf der diesjährigen SEEK-Kongreß sprach der Jesuit P. Robert Spitzer über Wissenschaft und Glauben anhand von drei eucharistischen Wundern und der Tilma von Guadalupe.
Auf der diesjährigen SEEK-Kongreß sprach der Jesuit P. Robert Spitzer über Wissenschaft und Glauben anhand von drei eucharistischen Wundern und der Tilma von Guadalupe.

Auf dem Kon­greß SEEK 2026, der vom 1. bis 5. Janu­ar zeit­gleich in Colum­bus (Ohio), Den­ver und Fort Worth in den USA statt­fand, stell­te der Jesu­it Pater Robert Spit­zer wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zu drei eucha­ri­sti­schen Wun­dern und zur Til­ma Unse­rer Lie­ben Frau von Gua­d­a­lu­pe vor. Ziel des Vor­trags ist es, zu zei­gen, daß wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se und Glau­be an die rea­le Gegen­wart Chri­sti in der Eucha­ri­stie kei­nes­wegs im Wider­spruch stehen.

SEEK (für „Suchen“, die Auf­for­de­rung nach zu suchen) wird jähr­lich von der an Uni­ver­si­tä­ten akti­ven Fel­low­ship of Catho­lic Uni­ver­si­ty Stu­dents (FOCUS) orga­ni­siert, einer Orga­ni­sa­ti­on, die auch an euro­päi­schen Uni­ver­si­tä­ten aktiv ist. Ihre Ziel­grup­pe sind Stu­den­ten, jun­ge Erwach­se­ne, Hoch­schul­grup­pen, die sich mit ihrem Glau­ben aus­ein­an­der­set­zen und geist­lich wach­sen wol­len, wobei sie mit Prie­stern und Ordens­leu­ten zusammenarbeiten.

Die dies­jäh­ri­ge Aus­ga­be war einer der am stärk­sten besuch­ten Kon­gres­se die­ser Art Spit­zer, Grün­der des Magis Cen­ter und bekann­ter Mode­ra­tor auf EWTN, sprach über ein Feld, das in der heu­ti­gen Kul­tur oft als unver­ein­bar gilt: die Schnitt­stel­le von Wis­sen­schaft, Ver­nunft und Wun­der. Er erwähn­te auch das KI-Tool Magi­sAI, das theo­lo­gi­sche, mora­li­sche und wis­sen­schaft­li­che Fra­gen beant­wor­ten kann, beton­te jedoch, daß der Fokus sei­ner Aus­füh­run­gen auf dok­tri­nä­ren und wis­sen­schaft­li­chen Bele­gen für die Eucha­ri­stie liegt.

Drei eucharistische Wunder im Fokus

Spit­zer behan­del­te drei kon­kre­te Fäl­le: Bue­nos Aires, Argen­ti­ni­en (1996), Tixtla, Mexi­ko (2006) und Sokół­ka, Polen (2008). Er wies dar­auf hin, daß alle drei Fäl­le von unab­hän­gi­gen Wis­sen­schaft­lern unter­sucht wur­den, eini­ge jedoch nur lokal kirch­lich aner­kannt sind und kei­nes offi­zi­ell vom Vati­kan appro­biert wurde.

Bue­nos Aires: Eine kon­se­krier­te Hostie, die nach kirch­li­chem Pro­to­koll in Was­ser gelegt wur­de, löste sich nicht auf, wie es laut natur­wis­sen­schaft­li­chen Geset­zen, phy­si­ka­li­schen und che­mi­schen Pro­zes­sen, zu erwar­ten gewe­sen wäre. Statt­des­sen ent­wickel­te sich auf der Ober­flä­che eine Sub­stanz mit mor­pho­lo­gi­schen Merk­ma­len des mensch­li­chen Herz­mus­kels. Unter­su­chun­gen durch Dr. Ricar­do Casta­ñón Gómez erga­ben, daß es sich um Herz­mus­kel­ge­we­be des lin­ken Ven­tri­kels han­del­te, das leben­de wei­ße Blut­kör­per­chen ent­hielt – ein Phä­no­men, das außer­halb des Kör­pers nor­ma­ler­wei­se nicht mög­lich ist. Eine Über­prü­fung durch den Patho­lo­gen Dr. Fre­de­rick Zugi­be bestä­tig­te die Ergebnisse.

Tixtla: Wäh­rend einer Mes­se 2006 begann eine Hostie zu blu­ten. Ana­ly­sen erga­ben laut Spit­zer, daß das Gewe­be leben­den Herz­mus­kel ent­hielt, aus dem fri­sches Blut aus­trat, ohne Anzei­chen von Zer­set­zung. Mole­ku­la­re und histo­lo­gi­sche Unter­su­chun­gen zeig­ten funk­tio­nie­ren­de Herz­fa­sern und wei­ße Blut­kör­per­chen, also auch in die­sem Fall fri­sches Blut. Eine spä­te­re Über­prü­fung bestä­tig­te, daß die Hostie ein Ver­hal­ten bestän­di­ger Lebens­zei­chen zeigte.

Sokół­ka: Hier blu­te­te eine Hostie wäh­rend der Mes­se 2008. Mikro­sko­pi­sche Unter­su­chun­gen zeig­ten, daß Mole­kü­le des Bro­tes und des Herz­ge­we­bes auf mikro­sko­pi­scher Ebe­ne ver­schmol­zen waren – bis zu den Myo­fi­bril­len. Nach Spit­zer sei dies mit bekann­ten bio­lo­gi­schen, che­mi­schen oder mecha­ni­schen Mit­teln nicht repro­du­zier­bar. Die­ses Phä­no­men gel­te für alle drei unter­such­ten Bei­spie­le, da sie natur­wis­sen­schaft­lich nicht erklär­bar seien.

Spit­zer beton­te, daß die­se Wun­der nicht den Glau­ben erset­zen, son­dern ihn unter­stüt­zen und ratio­nal begründ­bar machen.

Die Tilma von Guadalupe

Anschlie­ßend behan­del­te Spit­zer die Til­ma von Gua­d­a­lu­pe, die seit rund 500 Jah­ren erhal­ten ist. Das Gewe­be besteht aus Aga­ven­fa­sern, die nor­ma­ler­wei­se inner­halb weni­ger Jahr­zehn­te zer­fal­len. Den­noch zeigt die Til­ma kei­ne Ris­se oder Ver­blas­sung, und die Far­ben sind in die Fasern ein­ge­bet­tet, ohne Pin­sel­stri­che oder Schutzschichten.

Beson­ders bemer­kens­wert sei das opti­sche Ver­hal­ten der Far­ben, das je nach Blick­win­kel vari­iert – ver­gleich­bar mit Schmet­ter­lings­flü­geln. Außer­dem wür­den Refle­xio­nen in den Augen der Jung­frau Sze­nen wie­der­ge­ben, näm­lich die Ent­fal­tung der Til­ma am 12. Dezem­ber 1531. Die abge­bil­de­ten Ster­nen­kon­stel­la­tio­nen des Man­tels stim­men exakt mit dem dama­li­gen Nacht­him­mel über Mexi­ko über­ein – aus einer Per­spek­ti­ve, die kein Mensch haben konnte.

Spit­zer unter­strich, daß die­se Phä­no­me­ne zei­gen, daß Gott auf außer­ge­wöhn­li­che Wei­se in der Geschich­te wir­ken kann.

Wissenschaft, Glaube und Freiheit

In einem Gespräch nach der Kon­fe­renz mit CNA wies Spit­zer auf die weit ver­brei­te­te Annah­me hin, die Wis­sen­schaft habe Gott wider­legt. Dem wider­sprach er ent­schie­den: „Heu­te gibt es mehr wis­sen­schaft­li­che Hin­wei­se auf Gott als je zuvor.“ Umfra­gen zeig­ten zudem, daß 68 Pro­zent jun­ger Wis­sen­schaft­ler an Gott oder eine höhe­re Macht glau­ben. Spit­zer sieht dar­in eine Chan­ce: Durch die Glaub­wür­dig­keit der Wis­sen­schaft kön­ne Gott wis­sen­schaft­li­che Ent­deckun­gen nut­zen, um den Glau­ben zu fördern.

„Man kann genü­gend Bewei­se lie­fern, damit jemand, der glau­ben möch­te, dies ver­nünf­tig und ver­ant­wor­tungs­voll tun kann.“ Der Mensch habe aber die Ent­schei­dungs­frei­heit, denn Gott wol­le aus frei­en Stücke und Über­zeu­gung erkannt, aner­kannt und dar­aus fol­gend ange­be­tet werden.

Der heilige Carlo Acutis als Vorbild

Als Bei­spiel für jun­ge Gläu­bi­ge ver­wies Spit­zer auf den im Sep­tem­ber von Papst Leo XIV. hei­lig­ge­spro­che­nen Car­lo Acu­tis, der die welt­wei­ten eucha­ri­sti­schen Wun­der online kata­lo­gi­sier­te. Er zei­ge, daß Lie­be zur hei­lig­sten Eucha­ri­stie, intel­lek­tu­el­le Sorg­falt und moder­ne Instru­men­te sich ver­bin­den las­sen. Spit­zer wörtlich:

„Glau­be und Wis­sen­schaft sind nicht wider­sprüch­lich, son­dern zutiefst kom­pa­ti­bel. Wis­sen­schaft macht Infor­ma­tio­nen zugäng­lich und über­zeu­gend und wird so zu einem mäch­ti­gen Ver­bün­de­ten bei der Suche nach dem Glauben.“

Er schloß mit einer zen­tra­len Bot­schaft: Hei­lig­keit, intel­lek­tu­el­les Enga­ge­ment und Lie­be zur Eucha­ri­stie kön­nen Hand in Hand gehen.

Mit sei­nem Vor­trag mach­te Pater Spit­zer deut­lich, daß es nicht dar­um gehen, sich einer Wis­sen­schafts­gläu­big­keit zu unter­wer­fen, son­dern die Spra­che der Ver­nunft zu nut­zen, um dem Myste­ri­um der Eucha­ri­stie auf dem Altar demü­tig zu begegnen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: seek​.focus​.org (Screen­shot)

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