Joseph Schielle, Grundriß der katholischen Apologetik

Hilfsmittel gegen das Defizit an Glaubenswissen

Der Triumph der Eucharistie über Unwissenheit und Verblendung von Peter Paul Rubens, 1625/1626
Der Triumph der Eucharistie über Unwissenheit und Verblendung von Peter Paul Rubens, 1625/1626

Rezen­si­on von Hans Jakob Bürger

Der Prie­ster Joseph Schiel­le (1871–1966) war fünf­zig Jah­re Dom­ka­pi­tu­lar in Eich­stätt (1916–1966); er starb im geseg­ne­ten Alter von 95 Jah­ren. Eine sei­ner zahl­rei­chen Auf­ga­ben war die Sor­ge um den katho­li­schen Reli­gi­ons­un­ter­richt an höhe­ren Schu­len. Er ver­fass­te in den 20er-Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts meh­re­re apo­lo­ge­ti­sche Schrif­ten, die schließ­lich in dem Werk Grund­riß der katho­li­schen Apo­loge­tik mündeten.

Ange­sichts der all­ge­mei­nen Glau­bens­ver­dun­stung, ja des gra­vie­ren­den Defi­zits an Glau­bens­wis­sen, ist es nicht ver­wun­der­lich, wenn heut­zu­ta­ge auch unter jenen Katho­li­ken, die Ver­ant­wor­tung in der katho­li­schen Kir­che tra­gen, etwa beim soge­nann­ten „Syn­oda­len Weg“, anti­ka­tho­li­sche The­sen pro­pa­giert und durch­ge­setzt wer­den sol­len. Aber lei­der gibt es auch unter Prie­stern einen erheb­li­chen Man­gel an katho­lisch-theo­lo­gi­scher Kompetenz.

Joseph Schiel­le: Grund­riß der katho­li­schen Apologetik

Ver­mut­lich war dies alles Grund dafür, dass der Reno­va­men-Ver­lag den Grund­riß der katho­li­schen Apo­loge­tik von Schiel­le wie­der auf­ge­legt hat. Für den Druck zugrun­de gelegt wur­de die 9. Auf­la­ge aus dem Jahr 1953.

Die gegen­wär­ti­ge Glau­bens- und Kir­chen­kri­se zeigt deut­lich, wie wich­tig die Kennt­nis des gan­zen katho­li­schen Glau­bens­gu­tes ist. Mit dem Grund­riß der katho­li­schen Apo­loge­tik wird ein Hand­buch ange­bo­ten, das bei­des ver­bin­det: die katho­li­sche Leh­re und die Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Positionen.

Joseph Schiel­le wid­met sich der Auf­ga­ben­stel­lung der Apo­loge­tik im klas­si­schen Sin­ne. Den­noch ist das Buch leicht ver­ständ­lich und nicht in der klas­si­schen theo­lo­gi­schen Amts­spra­che ver­fasst. Nach der Erör­te­rung der gött­li­chen Offen­ba­rung wird die­sel­be bewie­sen und deren unver­fälsch­te Wei­ter­ver­mitt­lung durch die römisch-katho­li­sche Kir­che dar­ge­legt. Dabei setzt sich Schiel­le in popu­lär­wis­sen­schaft­li­cher Form mit Ein­wür­fen gegen den Glau­ben aus­ein­an­der, die immer wie­der vor­ge­bracht wur­den und werden.

Dem Wert der vor­ge­brach­ten Argu­men­ta­ti­on tut es kei­nen Abbruch, dass man­che Geg­ner, die Schiel­le anspricht, inzwi­schen weit­hin ver­ges­sen sind, denn deren Posi­tio­nen sind heu­te noch immer ver­brei­tet. Sie müs­sen immer­zu wider­legt wer­den. Die Neu­ver­öf­fent­li­chung der Apo­loge­tik Schiel­les lie­fert einen Bei­trag dazu, den deut­schen Bücher­markt nicht kampf­los auf­zu­ge­ben bzw. der Gehäs­sig­keit gegen den Glau­ben und die Kir­che zu über­las­sen. Viel­mehr hilft die vor­lie­gen­de Apo­loge­tik Mut zu fas­sen, um mit dem Apo­stel Pau­lus in die Offen­si­ve zu gehen: „Ich weiß, wem ich geglaubt habe.“ (2 Tim 1,12)

„Apo­loge­tik ist die Wis­sen­schaft, wel­che die Glaub­wür­dig­keit der von der katho­li­schen Kir­che ver­kün­de­ten gött­li­chen Offen­ba­rung beweist“, defi­niert das Buch. „Die noch nicht Gläu­bi­gen sol­len durch sie über­zeugt wer­den, daß es ver­nünf­tig ist, der Offen­ba­rung Glau­ben zu schen­ken; die bereits Gläu­bi­gen sol­len im Glau­ben bestärkt, gegen Zwei­fel sicher­ge­stellt und in den Stand gesetzt wer­den, den Glau­ben gegen Angrif­fe zu ver­tei­di­gen. Ihre Bewei­se schöpft die Apo­loge­tik haupt­säch­lich aus der Ver­nunft und Geschichte.“

Joseph Schiel­le: Grund­riß der katho­li­schen Apo­loge­tik; Reno­va­men-Ver­lag 2022; 276 Sei­ten; 18 Euro; ISBN: 978–3956211607

Text: Die­ser Bei­trag erschien zuerst bei CNA Deutsch
Bild: Wikicommons/Renovamen-verlag.de

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