Treu und standfest in der Ulmer Reformation: Pfarrer und Spitalspropst Jörgen (Georg) Bauler

"Bei dem alten Glauben bleiben"


Als Propst leitete Jörgen Bauler das Heiliggeistspital der Stadt Ulm, die bedeutendste Wohlfahrtseinrichtung der alten Reichsstadt. Das Spital wurde im verheerenden alliierten Luftangriff am 17. Dezember 1944 völlig zerstört und seine Ruine in den 50er Jahren abgetragen.
Als Propst leitete Jörgen Bauler das Heiliggeistspital der Stadt Ulm, die bedeutendste Wohlfahrtseinrichtung der alten Reichsstadt. Das Spital wurde im verheerenden alliierten Luftangriff am 17. Dezember 1944 völlig zerstört und seine Ruine in den 50er Jahren abgetragen.

Von Her­mann-Seba­sti­an Hütterlin

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Die Reichs­stadt Ulm war im Spät­mit­tel­al­ter und am Beginn der Renais­sance das Zen­trum des Schwä­bi­schen Bun­des und eine der wich­tig­sten Städ­te in Süddeutschland.

Gele­gen am Zusam­men­fluß von Donau und Iller, mit besten Ver­bin­dun­gen zu den Alpen­päs­sen im All­gäu nach Tirol und Ita­li­en und zum Boden­see­raum mit der Schweiz, nach Augs­burg und nach Nürn­berg sowie mit einem aus­ge­dehn­ten und wirt­schaft­lich pro­spe­rie­ren­den Herr­schafts­ge­biet auf der Schwä­bi­schen Alb und in der Donau­nie­de­rung, war Ulm aus­ge­spro­chen mäch­tig und reich.

Die Stadt­re­gie­rung mit den Patri­zi­er­ge­schlech­tern war sehr selbst­be­wußt. Sie küm­mer­te sich sehr genau um die Wirt­schaft und die gei­sti­gen und seel­sor­ge­ri­schen Struk­tu­ren in den vie­len Dör­fern im frucht­ba­ren Ulmer Becken.

Beson­ders wich­tig war dabei die Beset­zung der vie­len Pfarr­stel­len und Kapla­nei­en, weil hier sowohl die Inter­es­sen der Reichs­stadt Ulm als auch jene des Bischofs von Kon­stanz invol­viert waren. Zugleich gab es unzäh­li­ge Kle­ri­ker ohne finan­zi­el­le Res­sour­cen, die eine Pfrün­de oder Prä­ben­de anstreb­ten. Zudem war die Höhe die­ser Pfrün­de sehr unter­schied­lich. 1496 z. B. wur­de die Pfar­rei Türk­heim frei, eine etwas klei­ne­re Ort­schaft bei Geislin­gen an der Stei­ge neben Nell­in­gen und mit schlech­te­ren Böden. Eber­hardt Graf von Würt­tem­berg bemüh­te sich inten­siv bei der Stadt Ulm, damit sie für die­se Pfarr­stel­le (mit 250 Gul­den dotiert) den Tübin­ger Huma­ni­sten Johan­nes Strae­ler, einen engen Freund von Johann Reuch­lin und Hilfs­leh­rer von des­sen Bru­der, nomi­nier­te. Ein Freund und Kol­le­ge Strae­lers bekam zu glei­cher Zeit nur mit viel Mühe eine Kaplans­stel­le an der damals klei­nen Kapel­le Waib­lin­gen, inzwi­schen eine gro­ße Stadt, (mit 60 Gul­den dotiert). Sic tem­po­ra mutantur…

Jör­gen Bau­ler, höchst­wahr­schein­lich um 1460 in guten Ver­hält­nis­sen im Boden­see­raum gebo­ren, fin­det sich 1485 in der Matri­kel der Stu­den­ten der Uni­ver­si­tät Tübin­gen als magi­ster arti­um. 1486 wird er Pfarr­herr in Nell­in­gen, einem statt­li­chen Hau­fen­dorf auf der Schwä­bi­schen Alb, nörd­lich von Ulm. Damals zähl­te es etwa 1.300 See­len; die Pfrün­de betrug stol­ze 600 Gul­den, also das Zwei­ein­halb­fa­che von Türk­heim und das Zehn­fa­che von Waib­lin­gen, was die Wich­tig­keit der Land­wirt­schaft im Spät­mit­tel­al­ter unterstreicht.

Und es zeigt das gro­ße Inter­es­se der Reichs­stadt Ulm an ihren Ter­ri­to­ri­en, daß sie gera­de in den wich­ti­gen länd­li­chen Orten Huma­ni­sten und Stu­dier­te als Pfar­rer einsetzte.

1492 wur­de die gro­ße Dorf­kir­che erneut erwei­tert und mit herr­li­chen spät­go­ti­schen Fres­ken aus­ge­stat­tet (das himm­li­sche Jeru­sa­lem, das Letz­te Urteil, die Auf­er­ste­hung, die Aus­sendung der Jün­ger, dazu meh­re­re für die Land­wirt­schaft und für das Patro­nat wich­ti­ge Hei­li­ge, drei Madon­nen). Beson­ders enge Ver­bin­dun­gen bestan­den von Nell­in­gen zu dem berühm­ten hohen Ulmer Prä­la­ten Neithart, dem zu sei­ner Zeit größ­ten Pfrün­den­samm­ler von Süd­deutsch­land. Auf dem ersten Fres­ko ist Neithart selbst im Chor­ha­bit abge­bil­det. Auch zu der Bene­dik­ti­ner­ab­tei Ell­wan­gen und der Zister­zi­en­ser­ab­tei Kaisheim bestan­den enge Kon­tak­te. Typisch für die Herbst­zeit des Mit­tel­al­ters war die Mari­en­ver­eh­rung mit einem Mari­en­al­tar und einer eige­nen Kaplans­stel­le und die über­aus rei­che Aus­tat­tung des Altars mit Holz­schnitz­ar­bei­ten und Reta­beln. Die Namen der Ulmer Mei­ster Jörg Syr­lin Vater und Sohn, Bar­tho­lo­mä­us Zeit­blom, Hans Mult­scher, Michel Erhart, u. a. sind weitbekannt.

Pfar­rer Bau­ler arbei­te­te mehr als 30 Jah­re sehr spi­ri­tu­ell und seel­sor­ge­risch auf­op­fernd in Nell­in­gen und hob die Bil­dung unge­mein. Er erteil­te nebst zwei Schul­mei­stern Schul­un­ter­richt, trat ver­mit­telnd und schüt­zend ein bei der Volks­er­he­bung der Geislin­ger gegen Ulm, wur­de Dechant für die nörd­li­chen und west­li­chen Ter­ri­to­ri­en von Ulm, dazu auch von Blau­beu­ren, und mach­te in die­ser Funk­ti­on wei­te Visi­ta­ti­ons­rei­sen. Auf sehr schlech­ten Wegen hat er die aus­ge­dehn­ten Gebie­te der Schwä­bi­schen Alb besucht. Die kai­ser­li­chen Auf­ent­hal­te in Ulm dürf­te er haut­nah mit­er­lebt haben. Ab 1512 unter­rich­te­te Bau­ler ein Bau­ern­büb­chen in Latein und Grie­chisch, was noch von Reuch­lin selbst gese­hen wur­de: Die­ses Büb­chen war der spä­te­re Huma­nist, Ori­en­ta­list und kai­ser­li­cher Kanz­ler Johann Albert Wid­mann, spä­ter Wid­man­stet­ter (geb. 1506). Von ihm stammt die erste Aus­ga­be des Neu­en Testa­ments auf syrisch nebst einer ersten syri­schen Grammatica).

In den frü­hen Jah­ren nach 1500 ver­än­der­te sich die Welt völ­lig: Eine klei­ne Eis­zeit führ­te zu Miß­ern­ten und Ver­ar­mung wei­ter Bevöl­ke­rungs­schich­ten, die Ent­deckung Ame­ri­kas lei­te­te die Han­dels­strö­me um, die Renais­sance führ­te zu mensch­li­cher Hybris und revo­lu­tio­nä­rem Gedan­ken­gut, die Refor­ma­ti­on bahn­te sich an…

1516 wur­de Bau­ler vom Rat der Stadt Ulm zum Propst des Hei­lig-Geist-Spi­tals in Ulm ernannt, damals für die Sozi­al­pfle­ge der Reichs­stadt Ulm zustän­dig und mit dem größ­ten Land­be­sitz im Ter­ri­to­ri­um aus­ge­stat­tet. Dabei han­del­te es sich um die wich­tig­ste sozia­le Ein­rich­tung einer Stadt, ent­spre­chend ange­se­hen war ihr Vor­ste­her. Bau­ler muß­te dafür sein eige­nes Ver­mö­gen ganz dem Spi­tal schen­ken. Wie aus den Akten der Stadt her­vor­geht, erteil­te Bau­ler per­sön­lich Latein- und Grie­chisch­un­ter­richt an die eige­nen Spitalschüler.

Mit dem reli­giö­sen Leben ging es in Ulm damals rapi­de berg­ab: Nach­dem die berühm­ten und hoch­ge­lehr­ten Mün­ster­dom­her­ren und Ple­ba­ne Ulrich Krafft und Kon­rad Krafft ver­stor­ben waren, wur­de 1518 ein schwa­cher Pfar­rer ein­ge­setzt, und nach des­sen Tod kei­ne Neu­be­set­zung mehr durchgeführt.

Ab 1520 nah­men die Gehäs­sig­kei­ten der städ­ti­schen Obrig­keit gegen die Kir­che immer mehr zu. Das nied­ri­ge Bil­dungs­ni­veau und der welt­li­che, nicht sel­ten ordi­nä­re Lebens­stil des nie­de­ren Kle­rus tat ein übri­ges. Die Stadt­rä­te aus dem Patri­zi­at sym­pa­thi­sier­ten mit den Luther­schen The­sen. Die Ordens­nie­der­las­sun­gen wur­den unter Druck gesetzt (Augu­sti­ner Chor­her­ren, Fran­zis­ka­ner) oder mit Gewalt ver­jagt (Domi­ni­ka­ner).

Die öffent­li­che Zele­bra­ti­on der hei­li­gen Mes­se und nicht-luthe­ri­sche Pre­dig­ten wur­den 1524 verboten.

Die ein­dring­li­che und demü­ti­ge Bit­te 1524 von Pfar­rer Bau­ler, ihn ohne öffent­li­ches Auf­se­hen kurz pre­di­gen zu las­sen, und wohl nur über das Neue Testa­ment, wur­de abgeschmettert.

1525 wur­de Johann Albert Wid­man­stet­ter in das Gefol­ge eines durch­rei­sen­den Bischofs und päpst­li­chen Lega­ten auf­ge­nom­men und zog nach Italien.

1526 wur­de das Spi­tal zum Gefan­ge­nen- und Kran­ken­la­ger für die geschla­ge­nen und gefan­ge­nen Bau­ern des Bau­ern­kriegs. Propst Bau­ler, der sich zu die­ser Zeit bereits 40 Jah­re seel­sor­ge­risch für die Land­be­völ­ke­rung ein­ge­setzt hat­te, ver­sorg­te die Unglück­li­chen. Weni­ge Mona­te spä­ter zog er sich nach Günz­burg in die Stil­le zurück.

Doch die Zei­ten waren für Stil­le nicht geeignet.

1527 wur­de in Ulm die Refor­ma­ti­on ein­ge­führt, und das ganz plötz­lich mit har­ter Hand und auf Befehl der Stadtregierung.

Ein Groß­teil des nie­de­ren Kle­rus war schon ver­schwun­den, vie­le hat­ten sich ver­hei­ra­tet, ande­re waren ein­fach geflo­hen. Die Akten der Reichs­stadt Ulm berich­ten detail­liert, teils wört­lich, über die Ereig­nis­se. Es wur­de ein „Pfarr­ex­amen“ ver­an­stal­tet, wo an drei nach­ein­an­der­fol­gen­den Tagen (5., 6. und 7. Juni 1527) die Geist­li­chen vor einer Kom­mis­si­on mit ange­rei­sten refor­mier­ten Theo­lo­gen (u. a. Johan­nes Brenz und Johan­nes Oeco­lam­pa­di­us) zu erschei­nen hatten.

Der erste Tag war dem Ordens­kle­rus der Stadt gewid­met und ging recht schnell über die Büh­ne wegen Auf­lö­sung der Bet­tel­or­den und krank­heits­be­ding­ter Abwe­sen­heit der Chor­her­ren. Am zwei­ten Tag kam der Säku­lar­kle­rus der Stadt an die Rei­he. Der Druck war enorm.

Nach­dem kein Mün­ster­pfar­rer mehr bestellt war, kam als erster der im Rang fol­gen­de alte Propst des Hei­lig-Geist-Spi­tals Jör­gen Bau­ler (damals etwa 66 Jah­re alt) vor die Exami­na­to­ren. Die­se geben sich recht kultiviert.

Pfar­rer Bau­ler sag­te beschei­den, daß „er zu wenig gebil­det sei, um über schwie­ri­ge theo­lo­gi­sche The­men zu dis­pu­tie­ren mit gelehr­ten Her­ren“. Sei­ne Aus­sa­ge hat­te er sehr höf­lich for­mu­liert, aber zugleich in der Sache eisern:

„Daß er ein alter Mann sei und von theo­lo­gi­schen Fra­gen nicht viel weiß. Aber er bit­tet den ehr­wür­di­gen Rath, daß er ihm all­zeit getreu­lich gedient habe und daß er bei dem alten Glau­ben und bei dem Abschied sei­ner kai­ser­li­chen Maje­stät blei­ben möch­te, das hät­te er sich verdient.“

Ein unglaub­lich muti­ges Zeug­nis ange­sichts der herr­schen­den Ver­hält­nis­se und beson­ders für einen damals betag­ten Mann unter so gro­ßem Druck.

Oeco­lam­pa­di­us ver­such­te offen­sicht­lich noch mit Respekt und etwas Sym­pa­thie, Jör­gen Bau­ler zu über­re­den. Vergebens.

Das gro­ße tap­fe­re Vor­bild Bau­lers mach­te Mut: Weit­aus die mei­sten Prie­ster optier­ten für den über­lie­fer­ten Glauben.

Am drit­ten Tag kam der Land­kle­rus dran: Die Prie­ster von Nell­in­gen und Umge­bung blie­ben stand­fest beim alten Glau­ben. Pfarr­herr Dr. Georg Oswald von Geislin­gen an der Stei­ge, ein enger Freund Bau­lers und sehr wort­ge­wandt, 43 Jah­re alt, brach­te eine mehr­stün­di­ge theo­lo­gi­sche Dis­pu­ta­ti­on mit den Exami­na­to­ren zustan­de. Er ver­sprach eine aus­führ­li­che schrift­li­che Ant­wort in den näch­sten zehn Tagen. Es kam nicht mehr dazu: Er wur­de sofort unter Ent­eig­nung sei­nes Ver­mö­gens aus dem Ulmer Land ver­bannt und zog nach Über­lin­gen am Bodensee.

Die Situa­ti­on lief aus dem Ruder. Um die Refor­ma­ti­on durch­zu­bo­xen, wur­de in aller Eile das „Examen“ been­det und die neue Leh­re als all­ge­mein und allein ver­bind­lich dekretiert.

Jör­gen Bau­ler zog sich unbe­hel­ligt wie­der ins Günz­bur­gi­sche zurück. Dort ver­such­te er der dor­ti­gen not­lei­den­den Land­be­völ­ke­rung mit sei­nen letz­ten Kräf­ten und unter Ver­wen­dung sei­ner inzwi­schen dürf­ti­gen Pen­si­on nach bestem Ver­mö­gen zu helfen.

Die letz­te Nach­richt ist im Janu­ar 1531 von dem „Wei­ßen­hor­ner Chro­ni­sten“ akri­bisch und sehr bit­ter notiert:

„Die Ulmer haben den letz­ten Propst ihres Spi­tals vom Hun­ger ster­ben lassen.“

In fide constans

Epi­log: 20 Jah­re spä­ter wird sein frü­he­rer Schü­ler und Zög­ling Johann Albert Wid­man­stet­ter eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Ein­nah­me der Reichs­stadt Ulm durch Kai­ser Karl V. in Novem­ber 1546 spie­len und bei der gro­ßen Schlacht bei Mühl­berg am 24. April 1547, wo die Pro­te­stan­ten geschla­gen wer­den. Wid­man­stet­ter bringt auch Petrus Cani­sius nach Ita­li­en und die Jesui­ten nach Deutschland.

Bild: Stich von Mat­thä­us Meri­an d. Ä. (Wiki­com­mons)

Quel­len:

Carl-Theo­dor Keim: Die Refor­ma­ti­on der Reichs­stadt Ulm. Ein Bei­trag zur schwä­bi­schen und deut­schen Refor­ma­ti­ons­ge­schich­te, Stutt­gart 1851.

Heinz Kop­pen­hö­fer: Suche nach ver­weh­ten Spu­ren… 500 Jah­re Andre­as-Kir­che in Nellingen/​Alb, hrsg. von der Evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­de, Nell­in­gen 1991.

Riez­ler, Sig­mund Rit­ter von: „Wid­man­stet­ter, Johann Albrecht“ in: All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­phie, Bd. 42 (1897), S. 357–361.

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2 Kommentare

  1. Zusätz­li­che inter­es­san­te Lite­ra­tur hierzu:
    Specker Hans E. : Kir­chen und Klö­ster in Ulm /​Süddeutsche Ver­lags­ge­sell­schaft) 1979
    Specker, Hans E. und Weig, Ger­hard: Die Ein­füh­rung der Refor­ma­ti­on in Ulm, 1981
    Letz­te­res Buch, ver­öf­fent­licht nach dem 450-jäh­ri­gen Geden­ken der Ein­füh­rung der Refor­ma­ti­on ald­ort (1527) wider­spie­gelt zeit­ge­mäß den damals stark aus­ge­präg­ten refor­ma­to­risch-pro­te­stan­ti­schen Blick; es ent­hält jedoch auch eine gro­ße Menge
    an direk­ten Informationen.
    So dort in Ulm ab 1520 den zuneh­mend stren­ge­ren und kräf­ti­ge­ren Ein­fluß der Stadt­re­gie­rung auf die Kir­chen und die Aus­übung des Katho­li­schen Glau­bens: die hoch­an­ge­se­he­ne und mäch­ti­ge Stel­le des Mün­ster­pfarr­herrs und Stadt­pleb­ans wur­de nicht mehr neu besetzt, statt­des­sen wur­de ein schwa­che Prie­ster aus zwei­ter Gar­ni­tur als „Pfar­rer am Mün­ster“ ohne Macht ernannt.
    Der höhe­re Unter­richt für Jun­gen (Latein und Grie­chisch) dürf­te ab 1521 nur an der städ­ti­schen Schu­le erteilt wer­den, jedoch mit der hier sehr inter­es­san­ten Zufü­gung, daß es dem Spi­tal­herrn (in hoc casu : Jör­gen Bau­ler) erlaubt war, den Buben des Spi­tals den­glei­chen zu erteilen).
    Die Gebie­te um Nell­in­gen, Türk­heim, Geislingen/​Steige blei­ben übri­gens noch lan­ge katho­lisch durchtränkt.
    1547 wer­den die kai­ser­li­che Trup­pen dort stra­te­gisch und logi­stisch gut gese­hen ihr Win­ter­quar­tier beziehen.
    Beson­ders inter­es­sant (aus pro­te­stan­ti­scher Sicht natür­lich pro­ble­ma­tisch) ist der prä­gnan­te Satz des Ulmer Ober­bür­ger­mei­sters und Patri­zi­ers Bes­se­rer bei sei­ner demü­ti­gen Audi­enz beim Kai­ser Karl V nach der Kapi­tu­la­ti­on von Ulm (Novem­ber 1546):
    “ …Daß man damals (1527) natür­lich Sachen gemacht hat, die man heu­te aners machen würde…“
    Das ist natür­lich die de fac­to-Plei­te­er­klä­rung der deut­schen Refor­ma­ti­on (1517–1547) und wird des­halb natür­lich bravst verschwiegen.

  2. Die Refor­ma­ti­on war eine Revo­lu­ti­on und das Ver­hal­ten von Ideo­lo­gen ist fast über­all faschistisch.
    Wo gibt es eine aner­kann­te Defi­ni­ti­on vom Rechtsextremismus?

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