Papst Franziskus erzählt eine Anekdote – die nicht stimmen kann

Welcher Kardinal Hummes?

Papst Franziskus mit Vertretern der in Italien gegründeten Missionsorden (30. September 2019).
Papst Franziskus mit Vertretern der in Italien gegründeten Missionsorden (30. September 2019).

(Rom) Papst Fran­zis­kus emp­fing am Mon­tag, 30. Sep­tem­ber, Dele­ga­tio­nen von „Mis­si­ons­or­den ita­lie­ni­scher Grün­dung“ in Audi­enz. Das Kir­chen­ober­haupt erzähl­te ihnen in der Sala Cle­men­ti­na des Apo­sto­li­schen Pala­stes eine Anek­do­te, bei der etwas durch­ein­an­der­ge­ra­ten sein muß. 

Fran­zis­kus sag­te den Missionaren:

„Mir fällt etwas ein, das mir Kar­di­nal Hum­mes gesagt hat: Er ist ‚in Pen­si­on‘, aber der Beauf­trag­te der Bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz für die gesam­te Ama­zo­nas-Regi­on. Wenn er ein Dorf, ein Städt­chen besucht, ist eines der ersten Din­ge, die er macht, auf den Fried­hof zu gehen, um die Grä­ber der Mis­sio­na­re und der Mis­sio­na­rin­nen zu sehen. Er hat mir das erzählt und dann emp­foh­len: ‚Sie alle ver­die­nen es, zu den Altä­ren erho­ben zu wer­den für den Samen, den sie dort gesät haben.‘ Ein schö­ner Gedanke.“

In der Tat ist das ein „schö­ner Gedan­ke“. Aller­dings will die Anek­do­te nicht mit einer ganz ande­ren Hal­tung von Clau­dio Kar­di­nal Hum­mes zusam­men­pas­sen. Im Spät­som­mer 2016 – ein Jahr bevor Papst Fran­zis­kus offi­zi­ell die Ein­be­ru­fung einer Ama­zo­nas­syn­ode ankün­dig­te – fand in Bra­si­li­en auf Ein­la­dung von Msgr. João Bos­co Bar­bo­sa de Sou­sa, Bischof von Osas­co, eine Tagung statt. Fran­zis­kus hat­te den „sehr befrei­ungs­theo­lo­gisch“ aus­ge­rich­te­ten Bar­bo­sa de Sou­sa 2014 zum Diö­ze­san­bi­schof ernannt. 

Bischof Bar­bo­sa de Sou­sa, der bei der Tagung erklär­te, für eine Ama­zo­nas­syn­ode sei bereits „alles vor­be­rei­tet“, hat­te Kar­di­nal Hum­mes ein­ge­la­den in sei­ner Funk­ti­on als Ama­zo­nas-Beauf­trag­ter der Bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und als Vor­sit­zen­der des kirch­li­chen Netz­werks REPAM, wo die Fäden für die Syn­oden­vor­be­rei­tung zusammenlaufen. 

Der Kar­di­nal beklag­te auf der Tagung den Prie­ster­man­gel, der im Ama­zo­nas­becken herr­sche, wes­halb „neue Wege“ not­wen­dig sei­en. Ein Teil­neh­mer mach­te dar­auf den Vor­schlag, an alle Mis­si­ons­or­den der Kir­che zu appel­lie­ren, je zwei Prie­ster­mis­sio­na­re zu ent­sen­den. Damit kön­ne der not­wen­di­ge Bedarf an Prie­stern für das Ama­zo­nas­becken, von dem Hum­mes gespro­chen hat­te, gedeckt werden.

Die simp­le Lösung irri­tier­te Kar­di­nal Hum­mes. Auf­ge­regt kon­ter­te er:

„Nein, nein, das ist nicht, was der Papst will. Seit dem Kon­zil darf es kei­ne Mis­sio­na­re mehr geben. Jedes Volk muß sich selbst evan­ge­li­sie­ren. Es darf nur mehr einen ein­hei­mi­schen Kle­rus geben, nur mehr ein­hei­mi­sche Prie­ster und Bischö­fe, auch ohne aka­de­mi­sche Bildung.“

Katholisches.info schrieb am 21. Sep­tem­ber 2016:

„Damit war die Kat­ze aus dem Sack.“

Kar­di­nal Hum­mes hat­te zuge­ge­ben, nicht wirk­lich eine Lösung für den von ihm behaup­te­ten Prie­ster­man­gel zu wol­len, der als Vor­wand dient, den prie­ster­li­chen Zöli­bat abzu­schaf­fen und einen ver­hei­ra­te­ten Kle­rus einzuführen.

Hum­mes berief sich dabei auf den Papst und trat als des­sen Spre­cher auf. Papst Fran­zis­kus habe ihm gesagt, so der bra­si­lia­ni­sche Pur­pur­trä­ger, des­sen Vor­fah­ren aus dem Huns­rück stam­men, „den Bischö­fen zu sagen, sie sol­len eine gro­ße Anzahl stän­di­ger Dia­ko­ne wei­hen“. Die­se ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­ne, soge­nann­te viri pro­ba­ti, ein­ge­führt vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, sol­len die bereit­ste­hen­den, ver­hei­ra­te­ten Män­ner sein, die gemäß die­sem Plan zu Prie­stern geweiht wer­den sollen.

Mis­sio­na­re darf es nicht mehr geben? Mis­sio­na­re sind laut Kar­di­nal Hum­mes etwas ganz Schlimmes? 

Der­sel­be Hum­mes besucht immer als eines der ersten Din­ge, wenn er in ein Dorf oder eine Stadt kommt, die Grä­ber der Mis­sio­na­re? Der­sel­be Hum­mes ist der Mei­nung, daß alle Mis­sio­na­re kano­ni­siert wer­den sollten?

Eine der bei­den Hum­mes-Dar­stel­lun­gen kann nicht stimmen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shot)

3 Kommentare

  1. Das kann schon zusam­men­pas­sen. Wenn Hum­mes in sich geht, weiß er, dass er einen fal­schen Weg beschrei­tet. Wenn er aber wie­der unter die Men­schen geht und Teil des öffent­li­chen Rau­mes, ins­be­son­de­re der Medi­en und des libe­ral-pro­gres­si­ven Kle­rus wird, will er etwas gel­ten und schlüpft wie­der in sei­ne Rol­le als umju­bel­ter Befreiungstheologe.

  2. „Es darf nur mehr einen ein­hei­mi­schen Kle­rus geben …“
    Soll die­ser (angeb­li­che?) Wil­le von Papst Fran­zis­kus viel­leicht welt­weit gel­ten? Wenn ja, ist der Prie­ster­man­gel z.B. in Öster­reich mit einem Schlag um nicht viel weni­ger dra­ma­tisch als in Amazonien.

  3. Die „hohen Her­ren“ wol­len uns wohl für dumm verkaufen?!
    Auch sie wer­den es nicht schaf­fen — wie vie­le sog. Wür­den­trä­ger vor ihnen — die Hl. Kir­che kaputt zu kriegen!

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