David Yallop verstorben

David Yallop
David Yallop, Autor von „Im Namen Gottes?“ ist in London gestorben: Sein Stil der Sensationsgier war vor allem verkaufs-, aber weniger wahrheitsorientiert.

(Wel­ling­ton) Am 31. August ist der bri­ti­sche Schrift­stel­ler David Yallop in Lon­don ver­stor­ben.

Dies gab sei­ne Fami­lie in einer Pres­se­er­klä­rung bekannt. Yallop wur­de 81 Jah­re alt. In den letz­ten Lebens­jah­ren litt er, laut Anga­ben der Fami­lie, an Alz­hei­mer.

Yallop wur­de durch inve­sti­ga­ti­ve Bücher über unge­klär­te oder nicht ganz kla­re Kri­mi­nal­fäl­le bekannt. Als Dreh­buch­au­tor arbei­te­te er unter ande­rem für die bri­ti­sche Komi­ker­grup­pe Mon­ty Python.

Yallop-Buch: Im Namen Gottes?
Yallop-Buch: Im Namen Got­tes?

1984 ver­öf­fent­lich­te er das Buch In God’s Name, das im sel­ben Jahr unter dem Titel Im Namen Got­tes? auch in deut­scher Aus­ga­be erschien. Über­set­zun­gen in wei­te­re Spra­chen folg­ten. The­ma des Buches ist der über­ra­schen­de Tod von Papst Johan­nes Paul I., der im Jahr 1978 zum Papst gewählt wor­den war, aber nur für 33 Tage regier­te.

Yallop ver­brei­te­te mit sei­nem Buch ver­schie­de­ne Hypo­the­sen, die von der offi­zi­el­len Erklä­rung des Vati­kans abwi­chen, dar­un­ter auch, daß der Papst ermor­det wor­den sei.

Durch die sen­sa­tio­nel­le, aber frei erfun­de­ne Behaup­tung, Johan­nes Paul I. sei ver­gif­tet wor­den, wur­de das Buch zum „Best­sel­ler“ und ver­stärk­te im kol­lek­ti­ven Bewußt­sein einer Genera­ti­on, lan­ge noch vor Dan Brown, das Kli­schee von Vati­kan, Geheim­nis­sen, Intri­gen und Mord.

Eine zen­tra­le Rol­le in sei­nem Buch spiel­te die irre­gu­lä­re Frei­mau­rer­lo­ge P2 (Pro­pa­gan­da 2), die in Ita­li­en 30 Jah­re lang phan­ta­sti­sche Ver­schwö­rungs­theo­rien ins Kraut schie­ßen ließ. Phan­ta­sien, die vor allem von der damals oppo­si­tio­nel­len Lin­ken gegen ihre poli­ti­schen Geg­ner geför­dert wur­den. Eben­so­lan­ge befaß­ten sich Staats­an­walt­schaf­ten, Gerich­te und par­la­men­ta­ri­sche Unter­su­chungs­aus­schüs­se mit der 1982 vom Staat auf­ge­lö­sten und ver­bo­te­nen Loge, pro­du­zier­ten aber kaum mehr als Papier­ber­ge und hei­ße Luft. Durch die maß­lo­sen Über­trei­bun­gen wur­de viel­mehr die Chan­ce ver­paßt – oder ver­hin­dert –, ernst­haft die Rol­le der Frei­mau­re­rei zu beleuch­ten.

Licio Gelli (1919-2015)
Licio Gel­li (1919–2015)

Nach allem was bekannt wur­de, han­del­te es sich bei Pro­pa­gan­da 2 um eine Seil­schaft von Geschäfts­leu­ten, die vor allem Geld machen woll­ten, und sich durch die äuße­re Form einer Loge inter­es­san­ter und wich­ti­ger zu machen ver­such­te.

Auf Justi­z­ebe­ne gab es am Ende nur eine ein­zi­ge rele­van­te Kon­se­quenz: Der Grün­der und Vor­sit­zen­de der Loge P2, Licio Gel­li, wur­de 1994 wegen des betrü­ge­ri­schen Bank­rotts des Ban­co Ambro­sia­no zu zwölf Jah­ren Haft ver­ur­teilt. 2015 starb Gel­li im Alter von 96 Jah­ren in sei­ner Vil­la in Arez­zo.

Yallop, der sich selbst als „katho­li­schen Agno­sti­ker“ bezeich­ne­te, griff ab 2007 noch ein­mal das The­ma katho­li­sche Kir­che auf. Damals ver­öf­fent­lich­te er ein Buch über das Pon­ti­fi­kat von Papst Johan­nes Paul II., konn­te aber nicht mehr annä­hernd an den Erfolg von „Im Namen Got­tes?“ anknüp­fen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Youtube/Wikicommons/MiL