Karrieresprung für den Vatikan-Botschafter bei der UNO?

Bernardito Auza
Msgr. Bernadito Auza, Ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, gilt als neuer Favorit für das Amt des Substituten des Kardinalstaatssekretärs.

(Rom) Nicht Erz­bi­schof Charles Sci­clu­na, der päpst­li­che Son­der­ge­sand­te im Fall Bar­ros (Chi­le), soll neu­er Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs wer­den, son­dern der Vati­kan­di­plo­mat, Kuri­en­erz­bi­schof Ber­nar­di­to Auza. So lau­ten jüng­ste Hin­wei­se aus dem Vati­kan.

Papst Fran­zis­kus ernann­te den bis­he­ri­gen Sub­sti­tu­ten, Kuri­en­erz­bi­schof Gio­van­ni Ange­lo Becciu, am 26. Mai zum neu­en Prä­fek­ten der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se. Bereits am 20. Mai hat­te das Kir­chen­ober­haupt Becci­us Erhe­bung in den Kar­di­nal­s­rang bekannt­ge­ge­ben. Die Kre­ierung erfolgt zur Vigil des dies­jäh­ri­gen Festes der Apo­stel­für­sten Petrus und Pau­lus.

Ein Nach­fol­ger als Sub­sti­tut im vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at, das ist die Num­mer Zwei hin­ter dem Kar­di­nal­staats­se­kre­tär, wur­de noch nicht ernannt.

Zunächst galt der Erz­bi­schof von Mal­ta, Charles Sci­clu­na, als päpst­li­cher Favo­rit. Sci­clu­na war bereits bis 2012 an der Römi­schen Kurie tätig gewe­sen. Papst Fran­zis­kus soll mit sei­ner Arbeit als Son­der­ge­sand­ter im heik­len Fall Bar­ros sehr zufrie­den sein. Aller­dings zieht sich die Ange­le­gen­heit hin. Noch im Juni wird Msgr. Sci­clu­na erneut nach Chi­le rei­sen, um im Bis­tum Osor­no, der von Msgr. Juan Bar­ros Madrid gelei­te­ten Diö­ze­se im Süden Chi­les, Anhö­run­gen durch­zu­füh­ren.

Bernardito Auza, seit 2014 Botschafter des Vatikans bei der UNO
Ber­nar­di­to Auza, seit 2014 Bot­schaf­ter des Vati­kans bei der UNO

Msgr. Ber­nar­di­to Cleo­pas Auza ist Stän­di­ger Beob­ach­ter des Hei­li­gen Stuhls bei den Ver­ein­ten Natio­nen. Anders aus­ge­drückt: Er ist der vati­ka­ni­sche Bot­schaf­ter bei der UNO.

Auza, Jahr­gang 1959, stammt von den Phil­ip­pi­nen, wo er 1985 für sein Hei­mat­bis­tum Tali­bon zum Prie­ster geweiht wur­de. Nach erfolg­rei­chem Abschluß sei­ner Stu­di­en in sei­ner Hei­mat absol­vier­te er die Diplo­ma­ti­sche Aka­de­mie des Vati­kans und trat in den Diplo­ma­ti­schen Dienst des Hei­li­gen Stuhls. Nach Tätig­kei­ten an den Apo­sto­li­schen Nun­tia­tu­ren für Mada­gas­kar, Bul­ga­ri­en und Alba­ni­en war er von 1999 bis 2006 im vati­ka­ni­schen Außen­mi­ni­ste­ri­um (Sek­ti­on für die Bezie­hun­gen mit den Staa­ten des Staats­se­kre­ta­ri­ats) tätig. Anschlie­ßend zwei Jah­re bereits an der vati­ka­ni­schen Ver­tre­tung bei der UNO.

2008 ernann­te ihn Papst Bene­dikt XVI. zum Apo­sto­li­schen Nun­ti­us für Hai­ti und mach­te ihn gleich­zei­tig, wie für Bot­schaf­ter des Vati­kans üblich, zum Erz­bi­schof. Msgr. Auza ist Titu­lar­erz­bi­schof von Sau­ci­um, einem unter­ge­gan­ge­nen Bis­tum, das um 1000 in der heu­te mon­te­ne­gri­ni­schen Stadt Šas (histo­risch auch als Svač und ita­lie­nisch Suacia bekannt) errich­tet wur­de, als das Gebiet unter vene­zia­ni­sche Hoheit gelang­te. Als die Osma­nen im frü­hen 16. Jahr­hun­dert die Gegend erober­ten, wur­de das Bis­tum mit dem Erz­bis­tum Shko­dra ver­eint. Eine freie Reli­gi­ons­aus­übung unter der mus­li­mi­schen Herr­schaft war aber nur mehr ein­ge­schränkt mög­lich.

2014 kehr­te Auza im Auf­trag von Papst Fran­zis­kus als Lei­ter der stän­di­gen Nie­der­las­sung des Vati­kans zur UNO zurück.

Die wahr­schein­li­che Ernen­nung Auz­as zum neu­en Sub­sti­tu­ten, eine Bestä­ti­gung steht noch aus, wird im Zusam­men­hang mit Akti­vi­tä­ten eines weit bekann­te­ren Fili­pi­no gese­hen, von Kar­di­nal Luis Anto­nio Tag­le.

Tag­le, drei Jah­re vor Auza zum Prie­ster geweiht, wur­de 2001 von Johan­nes Paul II. zum Bischof Imus ernannt. 2011 mach­te Bene­dikt XVI. ihn zum Erz­bi­schof von Mani­la und 2012 zum Kar­di­nal. Die­se För­de­rung durch den deut­schen Papst wur­de von Beob­ach­tern mit eini­ger Ver­wun­de­rung zur Kennt­nis genom­men, aber mit des­sen Sym­pa­thie für Theo­lo­gen erklärt. Tag­le war 1997 in die Inter­na­tio­na­le Theo­lo­gen­kom­mis­si­on auf­ge­nom­men wor­den, deren Vor­sitz damals Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger führ­te. Die Ver­wun­de­rung galt der Zuord­nung Tag­les, der Mit­ar­bei­ter der berühmt-berüch­tig­ten „Schu­le von Bolo­gna“ war, jener pro­gres­si­ven Denk­fa­brik, die ein [pro­gres­si­ves) Deu­tungs­mo­no­pol zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil behaup­tet. Der der­zei­ti­ge Lei­ter der „Schu­le“, der Histo­ri­ker Alber­to Mel­lo­ni, gehört zu den laut­stärk­sten Cla­queu­ren des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats mit unge­ho­bel­ten Ver­bal­at­tacken gegen jede noch so lei­se Kri­tik an Aus­sa­gen, Gesten und Ent­schei­dun­gen von Papst Fran­zis­kus.

Tag­le dürf­te die Ernen­nung sei­nes Lands­man­nes in eine der höch­sten vati­ka­ni­schen Posi­tio­nen begrü­ßen. Dem Erz­bi­schof von Mani­la, den Fran­zis­kus 2014 als Nach­fol­ger von Kar­di­nal Mara­dia­ga als Chef der Cari­tas Inter­na­tio­na­lis, der im Vati­kan ange­sie­del­ten Dach­or­ga­ni­sa­ti­on der natio­na­len Cari­tas­ver­bän­de instal­lier­te.

Tag­le wird seit eini­gen Jah­ren als poten­ti­el­ler Nach­fol­ger von Papst Fran­zis­kus genannt. Ihm selbst wird nach­ge­sagt die­ses Amt anzu­stre­ben. Dafür spre­chen nicht nur sei­ne in ver­schie­de­ne Spra­chen über­setz­ten, auto­bio­gra­phi­schen Schrif­ten, mit denen er an einem inter­na­tio­na­len Image feilt, son­dern auch sei­ne auf­fal­lend häu­fi­ge Anwe­sen­heit in Rom.

Sein Lands­mann Auza könn­te mit der Erhe­bung zum Sub­sti­tu­ten erst am Beginn einer strah­len­den Kar­rie­re ste­hen. Sämt­li­che Sub­sti­tu­te seit 1835 wur­den bis­her im näch­sten Schritt zu Kar­di­nä­len kre­iert. Ange­lo Becciu ist der jüng­ste Beleg dafür.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/Salt and Light TV (Screen­shot)