Vatikan entscheidet Auflösung des Birgittenklosters von Altomünster

Birgitten
Vatikan verodnete das endgültige Aus für das Birgittenkloster Altomünster.

(München) Am Mittwoch gab das Erzbistum München-Freising die Auflösung des Klosters der Birgitten von Altomünster bekannt.

„Das oberste Gericht der Apostolischen Signatur hat die Auflösung des St.-Birgitta-Klosters in Altomünster, Landkreis Dachau, endgültig bestätigt. In einem entsprechenden Dekret aus dem Vatikan, das der Erzdiözese nun vorliegt, wird die bereits im Juni 2017 erfolgte Zurückweisung der Beschwerde der letzten Ordensangehörigen, die im Kloster lebte, Schwester Apollonia Buchinger OSsS, gegen die Auflösung bestätigt. Das in lateinischer Sprache verfasste Dekret hält ausdrücklich fest, dass es im Kloster Altomünster zum Zeitpunkt der Auflösung keine Kandidatinnen, Postulantinnen oder Novizinnen gab und die so bezeichneten Frauen weder gültig zugelassen noch Nonnen aus einem anderen Kloster waren. Mit dem Dekret bestätigt sich erneut, dass eine noch im Kloster wohnende vermeintliche Ordensanwärterin zu keinem Zeitpunkt als solche zu betrachten war und zum Auszug verpflichtet ist.

Das Erzbistum kann sich nun verstärkt auf ein Nutzungskonzept für das ehemalige Kloster und damit verbundene Flächen konzentrieren und die Zukunft Altomünsters als einen kirchlichen Ort entwickeln.“

Am Montag veröffentlichte Papst Franziskus sein neues Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate. Darin finden sich Worte, die gegen das zweitausendjährige, kontemplative Ordenswesen gerichtet scheinen:

„Es ist nicht gesund, die Stille zu lieben und die Begegnung mit anderen zu meiden, Ruhe zu wünschen und Aktivität abzulehnen, das Gebet zu suchen und den Dienst zu verachten. Alles kann als Teil der eigenen Existenz in dieser Welt akzeptiert und integriert werden und sich in den Weg der Heiligung einfügen. Wir sind aufgerufen, die Kontemplation auch inmitten des Handelns zu leben, und wir heiligen uns in der verantwortlichen und großherzigen Ausübung der eigenen Sendung“ (GeE, 26).

Die Birgitten

Heilige Birgitta von Schweden
Heilige Birgitta von Schweden

Die heilige Birgitta von Schweden (1303–1373), die bekannteste Mystikerin Skandinaviens, entstammte über ihre Mutter Ingiborg dem königlichen Geschlecht der Folkunger. Ihr Mann, der Ritter Ulf Gudmarsson, hatte als Lagman ein führendes Amt in der schwedischen Landschaft Östergötland inne. Mit ihm hatte Birgitta vier Söhne und vier Töchter. Nach einer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela entschieden sich beide zum Klostereintritt. Ulf wurde Zisterzienser. Birgitta gründete 1346 nach Schauungen und auf göttlichen Auftrag hin das Kloster Vadstena. Es wurde zum Mutterkloster des von ihr dazu gegründeten Ordens des Allerheiligsten Erlösers (OSSalv), ein kontemplativer Orden mit strenger Klausur,

Der Orden breitete sich vor allem im nordischen Bereich aus, in den skandinavischen Ländern, in Estland und Livland sowie im deutschen Sprachraum. Nur in geringem Ausmaß hingegen in den romanischen Staaten.

In Deutschland erlebte der Orden im Spätmittelalter vielleicht sogar seine größte Blüte und zählte die meisten und wohlhabendsten Klöster. Birgitta gründete einen Frauenorden, sah jedoch zur Zelebration des heiligen Meßopfers und der seelsorglichen Betreuung der Ordensfrauen vor, daß zum Kloster auch Priester (maximal 13), Diakone und Brüder gehören sollten. Sie lebten außerhalb der Klausur und strikt von den Nonnen getrennt. Die Leitung des Gesamtklosters übte die Äbtissin aus. Den männlichen Zweig leitete ein Prior.

Altomünster – das jüngste Kloster überlebte am längsten

Das älteste Kloster in Deutschland war Marienwohlde bei Lübeck, das 1413 entstand. Kurz darauf folgten die Gründungen von Marienkron bei Stralsund und Marienforst im Erzstift Köln. Das 1496 gestiftete Frauenkloster Maria-Altomünster war die zwölfte und jüngste Gründung des Birgittenordens auf deutschem Boden. Sie war eine von zwei Tochtergründungen der bayerischen Abtei Gnadenberg. 760 hatte der heilige Alto hier eine Einsiedelei errichtet, aus der ein Benediktinerkloster wurde. 1056 kam es zu einem Tausch. Die Benediktinerinnen des Klosters Altdorf (Weingarten) in der Nähe des Bodensees konnten in das Kloster Altomünster übersiedeln, während die Benediktiner nach Altdorf gingen und das abgebrannte Kloster wiederaufbauten. 1496 ging das Kloster auf herzoglichen Wunsch an den Birgittenorden über.

Die Visionen der heiligen Birgitta
Die Visionen der heiligen Birgitta

Nur vier Klöster überstanden die protestantische Reformation, wie insgesamt der Birgittenorden durch seinen nordischen Schwerpunkt von der Reformation in schwere Mitleidenschaft gezogen wurde. In Skandinavien konnte sich unter schweren Entbehrungen nur das Mutterkloster Vadstena noch einige Zeit halten, bis auch dieses 1595 vom lutherisch gewordenen Staat aufgehoben und enteignet wurde. Seit 1963 besteht dort wieder ein Konvent. In den katholischen Ländern erlebte der Orden in der Neuzeit eine zweite Blüte, die in Spanien, wohin der Orden erst nach der Reformation gelangte, zur Entstehung eines eigenen Ordenszweiges führte.

Die zweite Blüte und der schnelle Niedergang

Vom ursprünglichen Orden existierten 2012 noch fünf unabhängige Klöster. Heute gibt es noch Vadstena und zwei Abteien in den Niederlanden. Syon in England wurde 2012 aufgelassen und Altomünster nun aufgehoben.

Die Abtei Altomünster überstand im katholischen Bayern die Reformation, was der tatkräftigen Äbtissin Ottilia Öffler zu verdanken war. Im Durchschnitt lebten 30 Nonnen im Kloster und etwa 15 Priester und Brüder. 1803 fiel sie in Napoleonischer Zeit dem Klostersturm zum Opfer und wurde aufgehoben. Die Schwestern durften bis zu ihrem Tod im Kloster bleiben. Vier Schwestern überlebten so lange, bis sich das kirchenfeindliche Klima gelegt hatte und König Ludwig I. von Bayern ihnen 1841 wieder erlaubte, Novizinnen aufzunehmen. Seither existierte Altomünster als reines Frauenkloster.

Klosterkirche von Altomünster
Klosterkirche von Altomünster

1947 zählte der Konvent 62 Nonnen. Einen so hohen Stand gab es nur im frühen 16. Jahrhundert. Heute lebt nur mehr eine Birgittin in Altomünster, die ehemalige Priorin Apollonia Buchinger, weshalb der Vatikan bereits 2015 die Aufhebung des Klosters angeordnet hatte. Dagegen wehrte sich die einzige Nonne, wie sich nun zeigte, ohne Erfolg. Sr. Apollonia mußte das Kloster im Februar 2017 verlassen. Eine Anwärterin, die als Postulantin eintreten wollte, war nun Gegenstand eines Rechtsstreites gegen die Klosteraufhebung, die mit dem Urteil der Apostolischen Signatur entschieden wurde. Das Erzbistum München-Freising, das Eigner der Liegenschaften ist, strengte erfolgreich vor bayerischen Gerichten ein Räumungsverfahren an.

Ein neues Birgittenkloster in Bremen gehört zum dritten weiblichen Zweig, der 1911 von der schwedischen Konvertitin Elisabeth Hesselblad in der Tradition des Erlöserordens, der heute weltweit an die 50 Niederlassungen zählt. Dem erst vor wenigen Jahren entstandenen Kloster in Bremen gehört bisher keine deutsche Ordensfrau an.

Vor wenigen Jahren entstand in den USA als jüngster ein altritueller Zweig des Birgittenordens, der zur ursprünglichen Tradition zurückkehrte und die überlieferte Form des Römischen Ritus pflegt.

Text: Johannes Thiel
Bild: SMM/Wikicommons (Screenshots)

8 Kommentare

  1. Die vom Vatikan betriebene Auflösung von Klöstern und Gemeinschaften geht zügig weiter. Der Heilige Vater hält auch kontemplatives Leben für unangebracht.

  2. So schlimm das Ganze ist:
    nicht nur Rom, auch das Erzbistum München-Freising hat anscheinend einen erheblichen Anteil an der Auflösung. Wobei eine einzelne verbliebene Ordensschwester wohl schwerlich ein ganzes Klostergebäude unterhalten kann. Und das die Anwärterin nach dem Auszug der Schwester Apollonia dann alleine im Kloster geblieben ist, ist doch auch etwas sonderbar, oder? Wie sollte sie alleine in den Orden eintreten, alleine ihr Noviziat usw. dort machen? Sie hatte dann doch zumindest mit der Schwester zusammen ausziehen müssen. Sie alleine konnte doch nicht Novizin und Novizenmeisterin in einer Person sein. Das wichtigste und entscheidenste am Ordensleben ist doch nicht der Ort allein.

  3. Für einen Barrikadenmann man das gerechtfertigt sein, für einen Mann der Kirche
    ist Skepsis gegenüber rein kontemplativen Orden dagegen eher ein Grund seine Ämter in jender Kirche aufzugeben. (kann sie doch im Kern nur auf Glaubensverlust beruhen)

  4. Ich würde mich freuen, wenn Sie nicht nur die inhaltlich falsche Wiedergabe des Dekrets der Apostolischen Signatur durch das Ordinariat München und Freising zitieren würden, sondern auch berücksichtigen würden, daß es in dem Dekret nicht heißt, es gäbe uns Kandidatinnen und Postulantinnen nicht, sondern daß dort steht, daß wir wie auch Schwester Walburga, die im römischen Zweig des Birgittenordens Profeß abgelegt hatte, bei der Auflösungsentscheidung nicht zu berücksichtigen sind. In einem Video auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/profile.php?id=100013663590818 habe ich das erklärt.

  5. „Das Erzbistum kann sich nun verstärkt auf ein Nutzungskonzept für das ehemalige Kloster und damit verbundene Flächen konzentrieren und die Zukunft Altomünsters als einen kirchlichen Ort entwickeln.“
    Auf ein Nutzungskonzept konzentrieren und einen Ort entwickeln, das Technokraten-Deutsch von Baubehörden dürfte nicht zufällig sein…

  6. Es ist soetwas von betrüblich, am Körper der Kirche die Amputation eines Gliedes nach dem Anderen mitansehen zu müssen… anstatt dessen Erneuerung. In der Kirche in Deutschland scheint immer weniger Raum für entschieden geistliches Leben gegeben zu werden, so dass die wirklich tief gläubigen Menschen sukzessive aus den Raum der Kirche vertrieben werden…vielleicht geht die Erneuerung der Kirche wirklich nur noch von aussen, und gar nicht mehr von innen.

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