Kardinal Müller: „Papst Franziskus sollte Benedikt XVI. statt des Atheisten Scalfari zum Berater machen“

„Volksfront“ zwischen äußeren Kirchengegnern und inneren Säkularisten

Kardinal Müller: „Die zölibatäre Lebensweise Jesu Christi entspricht innigste dem sakramentalen Priestertum“.
Kardinal Müller: „Die zölibatäre Lebensweise Jesu Christi entspricht innigste dem sakramentalen Priestertum“.

(Rom) Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, der ehe­ma­li­ge Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, ver­öf­fent­lich­te heu­te eine Lec­tio magi­stra­lis zur Ver­tei­di­gung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums. Dar­in bezeich­net er den Zöli­bat als „Basti­on des Tran­szen­den­ten“, die zer­stört wer­den soll und erhebt wort­ge­wal­ti­ge Ankla­ge gegen „äuße­re und inne­re Kräf­te“, die eine men­schen­ge­mach­te Welt­ein­heits­re­li­gi­on ohne Gott anstre­ben. Der Wort­laut der Lec­tio, die heu­te von Kar­di­nal Mül­ler bei La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na ver­öf­fent­licht wur­de.

Der Zölibat, die letzte transzendente Bastion, die man einreißen will

Von Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler*

Der Ver­such der Medi­en wegen der Mit­ar­beit von Bene­dikt XVI. am Buch von Kar­di­nal Sarah „Aus den Tie­fen unse­rer Her­zen“ Ver­wir­rung zu stif­ten, ist nichts ande­res als ein Zei­chen der sich in der Öffent­lich­keit aus­brei­ten­den Para­noia wegen der angeb­li­chen Koexi­stenz zwei­er Päp­ste. Angeb­lich, denn in der katho­li­schen Kir­che kann es nur einen Papst geben, da „der Bischof von Rom als Nach­fol­ger Petri das immer­wäh­ren­de, sicht­ba­re Prin­zip und Fun­da­ment für die Ein­heit der Viel­heit von Bischö­fen und Gläu­bi­gen ist“ (Lumen gen­ti­um, 23).

Im Bei­trag von Bene­dikt XVI. zum Buch von Kar­di­nal Sarah woll­te man eine neue Bestä­ti­gung für die­se Stö­rung der Wahr­neh­mung der zwei gegen­sätz­li­chen Grund­sät­ze für die Ein­heit fin­den. Eben­so offen­sicht­lich ist, dass Papst Fran­zis­kus und sein Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. nicht die Urhe­ber die­ser krank­haf­ten Pola­ri­sie­rung sind, son­dern viel­mehr die Opfer einer ideo­lo­gi­schen Pro­jek­ti­on.

„Benedikt XVI. ist kein Pensionist“

Letz­te­re stellt eine Gefahr für die Ein­heit der Kir­che dar und unter­gräbt zugleich auch den Pri­mat der römi­schen Kir­che. Alle die­se Fak­ten zei­gen nur, dass das psy­chi­sche Trau­ma, das durch den Rück­tritt von Papst Bene­dikt Anfang 2013 aus­ge­löst wur­de, im „Glau­bens­sinn des Got­tes­vol­kes“ (LG 12; 35) noch nicht ver­heilt ist. Die Gläu­bi­gen haben jedoch ein Recht auf ein kla­res theo­lo­gi­sches Urteil über die Koexi­stenz eines regie­ren­den Pap­stes und sei­nes nun eme­ri­tier­ten Vor­gän­gers. Die­ser außer­ge­wöhn­li­che Vor­gang, dass der Papst, Ober­haupt des Bischofs­kol­le­gi­ums und der sicht­ba­ren Kir­che, deren unsicht­ba­res Ober­haupt Chri­stus selbst ist, vor sei­nem Tod die Cathe­dra Petri ver­lässt, die ihm auf Lebens­zeit ver­lie­hen wur­de, kann nie­mals nach welt­li­chen Kri­te­ri­en ver­stan­den wer­den im Sin­ne etwa eines alters­be­ding­ten Rechts auf Pen­sio­nie­rung oder im Sin­ne des popu­lä­ren Wun­sches, die Per­son des eige­nen Chefs aus­zu­wech­seln. Wenn es auch stimmt, dass das Kir­chen­recht die­se Mög­lich­keit abstrakt vor­sieht (Can. 332 §2 CIC), feh­len doch bis heu­te sowohl detail­lier­te Bestim­mun­gen als auch kon­kre­te Erfah­run­gen, um den Sta­tus die­ser Figur zu beschrei­ben und mehr noch, wie die­se in der Pra­xis zum Wohl der Kir­che ver­wirk­licht wer­den kann.

In der Welt der Poli­tik sind Ant­ago­ni­sten im Macht­kampf üblich. Sobald der Geg­ner erst ein­mal über­wun­den ist, lau­fen die Din­ge wei­ter, als sei nichts gewe­sen. So soll­te es aber unter den Jün­gern Chri­sti nicht sein, weil in der Kir­che Got­tes alle Brü­der sind. Gott allein ist unser Vater. Und nur Sein Sohn Jesus Chri­stus, das mensch­ge­wor­de­ne Wort (Joh 1,14–18), ist der Mei­ster aller Men­schen (Mt 23,10). Bischö­fe und Prie­ster sind auf­grund der sakra­men­ta­len Weih Die­ner der Kir­che, die vom Hei­li­gen Geist aus­er­wählt wer­den (Apg 20,28). Sie lei­ten die Kir­che Got­tes im Namen und in der Auto­ri­tät Chri­sti, und Er spricht durch ihren Mund in sei­ner Eigen­schaft als Gött­li­cher Lehr­mei­ster der Ver­kün­di­gung (1 Thess 2,13) Er hei­ligt die Gläu­bi­gen in den Sakra­men­ten durch sie.  Und Chri­stus ist schließ­lich der „Wäch­ter und Hir­te eurer See­len“ (1 Petr 2,25), er sorgt sich um das See­len­heil der Men­schen, indem er Prie­ster (Bischö­fe oder Pres­by­ter) in Sei­ne Kir­che beruft, damit sie ihre Hir­ten sind (1 Petr 5,2f; Apt 20,28). Der Bischof von Rom übt das Amt des Hei­li­gen Petrus aus, der von Jesus, dem Herrn der Kir­che, zur Auf­ga­be des uni­ver­sa­len Hir­ten beru­fen wur­de (Joh 21,15–17). Aber auch die Bischö­fe sind Brü­der unter­ein­an­der, obwohl sie als Mit­glie­der des Bischofs­kol­le­gi­ums mit und unter der Auto­ri­tät des Pap­stes ver­eint sind (LG, 23).

Ein noch leben­der „Ex“-Papst ist brü­der­lich mit allen Bischö­fen ver­bun­den und unter­steht der Lehr­au­to­ri­tät und der Juris­dik­ti­on des regie­ren­den Pap­stes. Das schließt kei­nes­wegs aus, dass sein Wort noch gro­ßes Gewicht in der Kir­che hat auf­grund sei­ner theo­lo­gi­schen und geist­li­chen Kom­pe­tenz wie auch auf­grund sei­ner Regie­rungs­er­fah­rung sowohl als Bischofs wie auch als Papst.

Das Ver­hält­nis eines jeden eme­ri­tier­ten Bischofs zu sei­nem Nach­fol­ger muss durch einen Geist der Brü­der­lich­keit geprägt sein. Ein Wunsch nach welt­li­chem Pre­sti­ge und poli­ti­schen Macht­spie­len ist ein Gift im Kör­per der Kir­che, dem Leib Chri­sti. Das gilt a for­tio­ri mehr noch für das noch heik­le­re Ver­hält­nis des amtie­ren­den Pap­stes zu sei­nem Vor­gän­ger, der auf die Aus­übung des Petrusam­tes und auf alle Vor­rech­te des päpst­li­chen Pri­mats ver­zich­tet hat, wes­halb er mit Sicher­heit nicht mehr der Papst ist.

„Die gemeinsame Front der inneren und äußeren Feinde der Kirche“

Was vor allem über­rascht, ist, dass jene Kir­chen­fein­de, die aus den Rei­hen des alt­li­be­ra­len und mar­xi­sti­schen Neu­hei­den­tums stam­men, gemein­sa­me Sache mit dem kir­chen­in­ter­nen Säku­la­ris­mus machen, der vom Wunsch getrie­ben ist, die Kir­che Got­tes in eine welt­weit akti­ve, huma­ni­tä­re Orga­ni­sa­ti­on umzu­wan­deln.

Der mili­tan­te Athe­ist Euge­nio Scal­fa­ri brü­stet sich damit, der Freund von Papst Fran­zis­kus zu sein. Ver­eint durch die gemein­sa­me Idee einer ein­zi­gen, pla­ne­ta­ri­schen Reli­gi­on mensch­li­chen Ursprungs (ohne Drei­fal­tig­keit und ohne Inkar­na­ti­on) bie­tet er ihm sei­ne Zusam­men­ar­beit an. Die Idee einer Volks­front von Gläu­bi­gen und Nicht-Gläu­bi­gen wird gegen jene pro­pa­giert, die Scal­fa­ri als Fein­de und Geg­ner in den Rei­hen der Kar­di­nä­le und Bischö­fe und der Katho­li­ken („Rechts­kon­ser­va­ti­ve“) aus­macht. Dar­in fin­det er gleich­ge­sinn­te Gei­ster, die dem Kreis jener ange­hö­ren, die sich selbst als Teil einer „Ber­go­glia­ni­schen Gar­de“ bezeich­nen. Die­ses Netz­werk von Links­po­pu­li­sten, ange­trie­ben vom blo­ßen Wunsch nach Macht, per­ver­tiert die potestas ple­na des Pap­stes in einen potestas illi­mi­ta­ta et abso­lu­ta. Dar­in spie­gelt sich offen­kun­di­ger Volun­ta­ris­mus wider: Gemäß ihrer Sicht­wei­se ist alles gut und wahr, weil es der Papst will, und nicht weil der Papst etwas sagt oder tut. Sie wider­spre­chen dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, das das Lehr­amt im Dienst der Offen­ba­rung aner­kennt, „indem es nichts lehrt, als was über­lie­fert ist, weil es das Wort Got­tes aus gött­li­chem Auf­trag und mit dem Bei­stand des Hei­li­gen Gei­stes voll Ehr­furcht hört, hei­lig bewahrt und treu aus­legt“ (Dei Ver­bum, 19). Sie ent­pup­pen sich daher als dämo­ni­sche Geg­ner des Papst­tums, so wie es dog­ma­tisch in den Leh­ren des Ersten und Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils defi­niert ist. Wenn zwi­schen Jesus und Sei­nen Jün­gern der Grund­satz des Die­nens und der Maß­stab der Freund­schaft (Joh 15,15) gal­ten, wie kann dann das Ver­hält­nis zwi­schen dem Papst und sei­nen Brü­dern im Bischofs­amt geprägt sein von einem unter­wür­fi­gen Oppor­tu­nis­mus und einem blin­den und irra­tio­na­len Gehor­sam, der sich außer­halb der Glau­bens­ein­heit und der Ver­nunft befin­det, die der katho­li­schen Theo­lo­gie inne­wohnt? Gemäß der libe­ral-mar­xi­sti­schen Sicht­wei­se wäre ein Papst „auf der Höhe der Zeit“ in dem Maße legi­ti­miert als er die rück­sichts­lo­se Agen­da der extre­men Lin­ken zu Ende füh­ren und einen Ein­heits­geist bar jeder Tran­szen­denz för­dern wür­de, ohne Gott und ohne histo­ri­sche Heils­ver­mitt­lung durch Chri­stus, dem ein­zi­gen Mitt­ler zwi­schen Gott und den Men­schen (1 Tim 2,5).

Die Her­ren, die die öffent­li­che Mei­nung mani­pu­lie­ren, und die Ideo­lo­gen die­ser Welt (der Civi­tas ter­re­na) miss­brau­chen ihre Macht, wenn sie das natür­li­che Moral­ge­setz und die Gebo­te Got­tes nicht beach­ten. Sie usur­pie­ren wie­der­holt den Platz Got­tes und ver­wan­deln sich in Dämo­nen in mensch­li­cher Ver­klei­dung. Wo Gott aber als ein­zi­ger Herr aner­kannt wird, dort herr­schen Gna­de und Leben, Frei­heit und Lie­be. Im Reich Got­tes sind die Wor­te Jesu grund­sätz­li­che Anlei­tung:

„Bei euch aber soll es nicht so sein, son­dern wer bei euch groß sein will, der soll euer Die­ner sein (…) Denn auch der Men­schen­sohn ist nicht gekom­men, um sich die­nen zu las­sen, son­dern um zu die­nen und sein Leben hin­zu­ge­ben als Löse­geld für vie­le“ (Mk 10,43–45).

Die sakra­men­ta­le Wei­he (zum Bischof, Prie­ster und Dia­kon) bleibt gül­tig und wirk­sam und mit ihr auch die Ver­ant­wor­tung für die Leh­re der Kir­che und ihre pasto­ra­le Mis­si­on. Die alten Geg­ner von Joseph Ratz­in­ger (als Glau­bens­prä­fekt wie auch als Papst) haben kein Recht gegen ihn eine dam­na­tio memo­riae zu ver­hän­gen, umso weni­ger als sich der Groß­teil von ihnen von sei­nen Eigen­schaf­ten als Kir­chen­leh­rer durch einen bestür­zen­den theo­lo­gi­schen und phi­lo­so­phi­schen Dilet­tan­tis­mus unter­schei­det. Der Bei­trag von Bene­dikt XVI. zum Buch von Kar­di­nal Sarah kann nur von jenen als Akt der Oppo­si­ti­on gegen Papst Fran­zis­kus dis­kre­di­tiert wer­den, die die Kir­che Got­tes mit einer ideo­lo­gisch-poli­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on ver­wech­seln. Sie wol­len nicht ver­ste­hen, dass die Glau­bens­ge­heim­nis­se nur mit dem „Geist Got­tes“ erfasst wer­den kön­nen, aber nicht mit dem „Geist der Welt“.

„Der irdisch gesinn­te Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Got­tes kommt“ (1 Kor 2,14).

Am Anfang woll­ten nicht ein­mal die Apo­stel ver­ste­hen, dass es Men­schen gibt, die frei­wil­lig bereit sind um des Him­mel­rei­ches wil­len auf die Ehe zu ver­zich­ten. Zu ihnen sag­te Jesus: „

Nicht die Gesun­den brau­chen den Arzt, son­dern die Kran­ken“ (Mt 19,12).

Und ihnen dann erklär­te:

„Jeder, der um des Rei­ches Got­tes wil­len Haus oder Frau, Brü­der, Eltern oder Kin­der ver­las­sen hat, wird dafür schon in die­ser Zeit das Viel­fa­che erhal­ten und in der kom­men­den Welt das ewi­ge Leben“ (Lk 18,29–30; vgl Mt 19,29).

Die Behaup­tung, dass Bene­dikt der heim­li­che Geg­ner des regie­ren­den Pap­ste sei, und dass die Ver­tei­di­gung des sakra­men­ta­len Prie­ster­tums und des Zöli­bats Teil einer Obstruk­ti­ons­po­li­tik gegen das erwar­te­te, nach­syn­oda­le Schrei­ben zur Ama­zo­nas­syn­ode wäre, kann nur im frucht­ba­ren Boden der theo­lo­gi­schen Igno­ranz gedei­hen. Nie­mand wider­legt die­sen fixen Gedan­ken bril­lan­ter als Papst Fran­zis­kus selbst.

Im Vor­wort zum Sam­mel­band über die Prie­ster­wei­he, anläss­lich des 65. Prie­ster­ju­bi­lä­ums von Joseph Ratz­in­ger im Jahr 2016, schreibt Papst Fran­zis­kus:

„Jedes Mal, wenn ich die Wer­ke von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. lese, wird mir klar, dass er Theo­lo­gie auf den Knien betrie­ben hat und noch immer betreibt: Auf Knien, weil man sieht, dass er nicht nur ein her­aus­ra­gen­der Theo­lo­ge und Lehr­mei­ster des Glau­bens ist, son­dern ein Mann, der wirk­lich glaubt, der wirk­lich betet. Man sieht, dass er ein Mann ist, der die Hei­lig­keit ver­kör­pert, ein Mann des Frie­dens, ein Mann Got­tes.“

Nach­dem er die Kari­ka­tur des katho­li­schen Prie­sters als Funk­tio­när und Exper­te einer Kir­che, die einer NGO gleicht, ver­wor­fen hat, unter­streicht Papst Fran­zis­kus erneut den außer­ge­wöhn­li­chen Sta­tus von Joseph Ratz­in­ger als Theo­lo­ge auf der Cathe­dra Petri mit fol­gen­den Wor­ten:

„Kar­di­nal Ger­hard Lud­wig Mül­ler hat rich­tungs­wei­send bekräf­tigt, dass das theo­lo­gi­sche Werk von Joseph Ratz­in­ger zuerst und von Bene­dikt XVI. dann ihn unter die gro­ßen Theo­lo­gen auf dem Stuhl Petri ein­reiht wie zum Bei­spiel Papst Leo dem Gro­ßen, Hei­li­ger und Kir­chen­leh­rer. (…) Unter die­sem Gesichts­punkt und in ange­mes­se­ner Berück­sich­ti­gung des Glau­bens­prä­fek­ten möch­te ich hin­zu­fü­gen, dass er uns viel­leicht gera­de heu­te, als eme­ri­tier­ter Papst, auf offen­sicht­li­che Wei­se eine sei­ner größ­ten Lek­tio­nen der ‚Theo­lo­gie auf den Knien‘ erteilt.“

„Der mit Christus verbundene Priester ist kein Funktionär.“

Der Bei­trag von Bene­dikt XVI. zum Buch von Kar­di­nal Sarah bie­tet eine her­me­neu­ti­sche, chri­sto­lo­gisch-pneu­ma­to­lo­gi­sche Ver­tie­fung der Ein­heit von Altem und Neu­em Testa­ment, einer Ein­heit, die auf der gött­li­chen Offen­ba­rung sei­ner selbst in der Geschich­te grün­det. Er bie­tet damit eine Hil­fe, um die theo­lo­gi­sche und geist­li­che Kri­se des Prie­ster­stan­des zu über­win­den, dem „eine immer wich­ti­ge­re Auf­ga­be (…) im Bereich der Erneue­rung der Kir­che Chri­sti“ zukommt (Pres­by­terorum Ordi­nis, 1). Der Prie­ster ist kein Fir­men­funk­tio­när, der reli­gi­ös-sozia­le Dienst­lei­stun­gen anbie­tet. Er ist eben­so wenig ein Ver­tre­ter einer auto­no­men Gemein­schaft, die vor Gott ihre eige­nen Rech­te gel­tend machen könn­te, anstatt „jede gute Gabe und jedes voll­kom­me­ne Geschenk (…) von oben, vom Vater der Gestir­ne“ zu emp­fan­gen (Jak 1,17). Durch die hei­li­ge Wei­he wird er viel­mehr Jesus Chri­stus gleich­ge­macht, dem Hohe­prie­ster und Mitt­ler des Neu­en Bun­des, dem gött­li­chen Mei­ster und Guten Hir­ten, der sein eige­nes Leben für die Scha­fe der Her­de Got­tes hin­gibt (LG, 29; PO, 2).

Aus die­ser con­for­mitas cum Chri­sto folgt auch die Tat­sa­che, dass die zöli­ba­tä­re Lebens­wei­se von Chri­stus auf das Eng­ste dem sakra­men­ta­len Prie­ster­tum ent­spricht. Jesus selbst sprach von den Jün­gern, die ent­halt­sam leben und aus frei­er Ent­schei­dung auf die Ehe und eine eige­ne Fami­lie ver­zich­ten als jenen, die das kom­men­de Reich bezeu­gen und für das Heil der Men­schen arbei­ten (Mt 19,12; 1 Kor 7,32). Der Zöli­bat ist zwar nicht kate­go­risch von der Natur des Prie­ster­tums ver­langt, er ent­spricht aber auf innig­ste Wei­se dem Wesen die­ses Sakra­ments, da es Chri­stus reprä­sen­tiert, das Haupt der Kir­che, mit der Auto­ri­tät, die aus dem Auf­trag und der ganz Gott geweih­ten Lebens­wei­se her­rührt (vgl. PO, 16). Aus die­sem Grund stel­len die Dis­pen­sen vom Zöli­bats­ge­setz, wie sie sich auf unter­schied­li­che Wei­se in der Ost- und in der West­kir­che ent­wickelt haben, Aus­nah­men und nicht die Regel des prie­ster­li­chen Zöli­bats dar. Die Kir­che muss grund­sätz­lich auf ein zöli­ba­tä­res Prie­ster­tum abzie­len. Aus­ge­hend von den bibli­schen Ursprün­gen und in Fol­ge der Pflicht zur Ent­halt­sam­keit in der Ehe für die ver­hei­ra­te­ten Kle­ri­ker nahm die Pra­xis Form an, Bischö­fe, Prie­ster und Dia­ko­ne nur aus dem Kreis jener Kan­di­da­ten zu wei­hen, die von Anfang an ver­spre­chen, als Zöli­ba­tä­re zu leben.

In der Ost­kir­che wur­de durch einen Bruch mit der Tra­di­ti­on der frü­hen Kir­che – und sicher nicht nach ihrem Vor­bild – von der Zwei­ten Trul­lani­schen Syn­ode (691/692), die bezeich­nen­der­wei­se im Kai­ser­pa­last und nicht in einer Kir­che statt­fand, Prie­stern und Dia­ko­nen erlaubt, ein Ehe­le­ben zu füh­ren. In der latei­ni­schen Kir­che hin­ge­gen wur­den spä­ter nur mehr zöli­ba­tä­re Män­ner geweiht, die bereits zuvor ver­spro­chen hat­ten, ein zöli­ba­tä­res Leben zu füh­ren. In den Kir­chen des Ostens wur­de den ver­hei­ra­te­ten Kle­ri­kern, aber nicht den Bischö­fen, erlaubt, im Ehe­stand zu blei­ben vor­aus­ge­setzt, sie ent­hal­ten sich für eine bestimm­te Zeit vor der Zele­bra­ti­on der Gött­li­chen Lit­ur­gie und hei­ra­ten nicht mehr, soll­te ihre Ehe­frau ster­ben. Die­se Bestim­mung gilt auch für jene katho­li­schen Kle­ri­ker, die eine Dis­pens von der Ver­pflich­tung zum Zöli­bats (LG, 29) erhal­ten haben. Die katho­li­sche Kir­che akzep­tiert die­ses Pra­xis in den unier­ten Ost­kir­che im Namen des höhe­ren Wohls der Ein­heit und gewährt seit Pius XII., und was die Angli­ka­ner betrifft seit Bene­dikt XVI., dass jene Geist­li­chen, die aus ande­ren Kon­fes­sio­nen zur vol­len Ein­heit mit der Kir­che zurück­keh­ren und bereits ver­hei­ra­tet sind, von der Zöli­bats­pflicht dis­pen­siert wer­den, falls sie zu Prie­stern geweiht wer­den.

„Angriff auf das sakramentale Priestertum“

Eine Abschaf­fung des prie­ster­li­chen Zöli­bats nach dem Modell der pro­te­stan­ti­schen und angli­ka­ni­schen Gemein­schaf­ten des 16. Jahr­hun­derts wäre, kurz­um, ein Angriff gegen die Natur des Prie­ster­tums und ein Akt der Ver­ach­tung der gesam­ten katho­li­schen Tra­di­ti­on. Wer will die Ver­ant­wor­tung vor Gott und Sei­ner hei­li­gen Kir­che über­neh­men für die kata­stro­pha­len Fol­gen für die Spi­ri­tua­li­tät und die Theo­lo­gie des katho­li­schen Prie­ster­tums? Mil­lio­nen von Prie­stern seit der Grün­dung der Kir­che wür­den sich auf das innig­ste ver­letzt füh­len durch die Behaup­tung, ihr exi­sten­ti­el­les Opfer für das Reich Got­tes und die Kir­che habe sich nur auf eine äuße­re, recht­li­che Dis­zi­plin gestützt, die nichts mit dem Prie­ster­tum und dem Lebens­mo­dell des Zöli­bats um des Him­mel­reichs wil­len zu tun habe. Die Knapp­heit an Prie­stern (an Zahl und Qua­li­tät) in west­li­chen Staa­ten, die einst christ­lich waren, ist nicht einer Knapp­heit an Beru­fun­gen durch Gott geschul­det, son­dern einem Man­gel in unse­rem Leben gegen­über dem Evan­ge­li­um von Jesus Chri­stus, dem Sohn Got­tes und Ret­ter der gan­zen Welt.

Wir erle­ben nicht nur eine Dis­kus­si­on, son­dern eine ver­bis­se­ne Schlacht gegen den Zöli­bat und auch gegen das sakra­men­ta­le Prie­ster­tum. Die pro­te­stan­ti­schen Refor­ma­to­ren des 16. Jahr­hun­derts hiel­ten das Kir­chen­amt nur für eine reli­giö­se Funk­ti­on inner­halb der christ­li­chen Gemein­schaft, und so beraub­ten sie es des sakra­men­ta­len Cha­rak­ters. Wenn die Prie­ster­wei­he nicht mehr einer inne­ren Anglei­chung an Chri­stus, dem Gött­li­chen Mei­ster, dem Guten Hir­ten und Hohe­prie­ster des Neu­en Bun­des, ent­spricht, dann geht auch das Ver­ständ­nis für die inni­ge Ver­bin­dung mit dem Zöli­bat um des Him­mel­rei­ches wil­len ver­lo­ren, das im Evan­ge­li­um ver­wur­zelt ist (Mt 19,12; 1 Kor 7,32).

Im Zuge der Pole­mik der pro­te­stan­ti­schen Refor­ma­ti­on und auf­grund einer imma­nen­ti­sti­schen Sicht­wei­se des Men­schen, die ihnen eigen ist, sahen die fran­zö­si­schen Auf­klä­rer im prie­ster­li­chen Zöli­bat und in den Ordens­ge­lüb­den nur eine Form der Repres­si­on des sexu­el­len Instinkts, die zu Neu­ro­sen und Per­ver­sio­nen füh­ren könn­te, ähn­lich jener spä­te­ren The­se, die von der Tie­fen­psy­cho­lo­gie ver­tre­ten wur­de, die Sexua­li­tät als eine mecha­ni­sche Befrie­di­gung der Instink­te betrach­tet, die, falls „unter­drückt“, Neu­ro­sen und Per­ver­sio­nen ver­ur­sa­chen wür­de.

In der gegen­wär­ti­gen Dik­ta­tur des Rela­ti­vis­mus wird die Beto­nung einer sakra­men­ta­len Auto­ri­tät, die von einer höhe­ren Gött­li­chen Auto­ri­tät her­rührt, als ein kle­ri­ka­ler Macht­hun­ger wahr­ge­nom­men, und das zöli­ba­tä­re Lebens­mo­dell wie eine öffent­li­che Ankla­ge gegen eine Sicht­wei­se, die die Sexua­li­tät zu einer ego­isti­schen Lust­ge­win­nung redu­ziert. Der prie­ster­li­che Zöli­bat erscheint wie eine letz­te Basti­on einer radi­kal tran­szen­den­ten Aus­rich­tung des Men­schen und der Hoff­nung auf eine zukünf­ti­ge Welt im Jen­seits, die jedoch laut den athe­isti­schen Grund­sät­zen eine gefähr­li­che Illu­si­on sei. Die katho­li­sche Kir­che wird des­halb auf ver­bis­se­ne Wei­se ange­fein­det, weil sie eine ideo­lo­gi­sche Alter­na­ti­ve zum radi­ka­len Imma­nen­tis­mus der Macht- und Wirt­schafts­eli­te dar­stellt, die eine abso­lu­te Kon­trol­le über den Geist und den Kör­per der dar­ben­den Mas­sen der Mensch­heit anstrebt.

Man ver­klei­det sich in einem the­ra­peu­ti­schen Gestus als Phil­an­thro­pen, die nichts ande­res machen wür­den, als den armen Prie­stern und Ordens­leu­ten einen Gefal­len zu tun, indem sie sie aus dem Käfig einer unter­drück­ten Sexua­li­tät befrei­en. Die­se Wohl­tä­ter der Mensch­heit mer­ken in ihrer tri­um­phie­ren­den Igno­ranz aber nicht, wie sehr sie die Wür­de aller Chri­sten belei­di­gen, die in ihrem auf Gott aus­ge­rich­te­ten Gewis­sen die Unauf­lös­lich­keit der Ehe ernst­neh­men oder die Ent­halt­sam­keit des Zöli­bats mit Hil­fe der Gna­de treu ein­hal­ten. Genau dort, wo die­se gläu­bi­gen Chri­sten im Inner­sten ihres Gewis­sens vor Gott die wich­tig­sten Ent­schei­dun­gen tref­fen, wol­len jene, die eine über­na­tür­li­che Beru­fung des Men­schen leug­nen, sie über­zeu­gen, in den begrenz­ten Hori­zont einer zum Tod ver­ur­teil­ten Exi­stenz ein­zu­tre­ten, so als wür­de der leben­di­ge Gott nicht exi­stie­ren (Gau­di­um et spes, 21).

„Seit Erschaf­fung der Welt wird sei­ne unsicht­ba­re Wirk­lich­keit an den Wer­ken der Schöp­fung mit der Ver­nunft wahr­ge­nom­men, sei­ne ewi­ge Macht und Gott­heit. Daher sind sie unent­schuld­bar. Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. (…) Sie behaup­te­ten, wei­se zu sein, und wur­den zu Toren. Sie ver­tausch­ten die Herr­lich­keit des unver­gäng­li­chen Got­tes mit Bil­dern, die einen ver­gäng­li­chen Men­schen und flie­gen­de, vier­fü­ßi­ge und krie­chen­de Tie­re dar­stel­len“ (Röm 1,20–23).

Die nie­der­träch­ti­ge Ankla­ge behaup­tet, dass jene fin­ste­ren Reak­tio­nä­re in der Kir­che, die den sakra­men­ta­len Zöli­bat, eine welt­frem­de Sexu­al­mo­ral – so erscheint sie in den Augen der Anklä­ger – und einen men­schen­feind­li­chen Zöli­bat ver­tei­di­gen, damit die not­wen­di­ge Moder­ni­sie­rung der katho­li­schen Kir­che und ihre Anpas­sung an die moder­ne Welt ver­zö­gern oder sogar behin­dern wür­den. Sie tole­rie­ren besten­falls noch eine Kir­che ohne Gott, ohne das Kreuz Chri­sti und ohne die Hoff­nung auf das ewi­ge Leben. Die­se „Kir­che des dog­ma­ti­schen Indif­fe­ren­tis­mus und des mora­li­schen Rela­ti­vis­mus“, die auch Athe­isten und Nicht-Gläu­bi­ge umfas­sen könn­te, darf über das Kli­ma, die Über­be­völ­ke­rung und die Migran­ten spre­chen; sie hat aber zur Abtrei­bung, zur Selbst­ver­stüm­me­lung, die unter dem Stich­wort Geschlechts­um­wand­lung läuft, zur Eutha­na­sie und zum tadelns­wer­ten Cha­rak­ter einer sexu­el­len Ver­bin­dung außer­halb der Ehe zwi­schen einem Mann und einer Frau zu schwei­gen. Sie müss­te die sexu­el­le Revo­lu­ti­on abso­lut akzep­tie­ren, da es sich um einen Akt der Befrei­ung von der Ableh­nung des Kör­pers durch die katho­li­sche Sexu­al­mo­ral hand­le. Auf die­se Wei­se wür­de sie ein Zei­chen der Reue für die tra­di­tio­nel­le Ableh­nung des Kör­pers sen­den, die aus dem manichäi­schen Erbe des Hei­li­gen Augu­sti­nus stam­me.

„Ein Berater für den Papst“

Trotz aller die­ser Schmei­che­lei­en hal­ten die gläu­bi­gen Katho­li­ken an der wohl­be­mes­se­nen Über­zeu­gung fest, daß statt des Athe­isten Scal­fa­ri, der weder an Gott glaubt noch imstan­de ist, das „Myste­ri­um der hei­li­gen Kir­che“ (LG, 5) zu begrei­fen, Bene­dikt XVI. (Joseph Ratz­in­ger) ein unend­lich kom­pe­ten­te­rer Bera­ter für den Stell­ver­tre­ter Chri­sti, Nach­fol­ger des Petrus und Ober­hir­te der Welt­kir­che, wäre. Das gilt sowohl für sei­ne theo­lo­gi­schen Qua­li­tä­ten und sei­ne geist­li­che Intui­ti­on im Geheim­nis der Lie­be Got­tes, wie auch für sei­ne Erfah­rung in der Ver­ant­wor­tung als Papst, allein vor Gott, für die Welt­kir­che, einer Ver­ant­wor­tung, die Bene­dikt als ein­zi­ger unter allen noch leben­den Men­schen auf Erden mit Papst Fran­zis­kus teilt.

Was Papst Fran­zis­kus in dem Vor­wort zum Buch über das Prie­ster­tum sei­nes Vor­gän­gers schreibt, soll­te von allen „Wis­sen­den und Mäch­ti­gen die­ser Welt“ (1 Kor 2,6) gele­sen wer­den, bevor sie ihre para­noi­schen Phan­ta­sien über Papst­geg­ner, Kar­di­nä­le im Krieg unter­ein­an­der und bevor­ste­hen­de Schis­men in alle vier Him­mels­rich­tun­gen posau­nen:

„[Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.] ver­kör­pert jene stän­di­ge Bezie­hung zum Herrn Jesus, ohne die nichts mehr wahr ist, alles zur Rou­ti­ne wird, die Prie­ster fast zu haupt­amt­li­chen Ange­stell­ten, die Bischö­fe zu Büro­kra­ten und die Kir­che nicht mehr Kir­che Chri­sti, son­dern unser Pro­dukt, eine letzt­lich über­flüs­si­ge NGO.“

Fran­zis­kus fährt fort, indem er sich am 28. Juli 2016 an die in der Sala Cele­men­ti­na zur Buch­prä­sen­ta­ti­on ver­sam­mel­ten Kar­di­nä­le, Bischö­fe und Prie­ster wand­te, nicht wie zu Unter­ge­be­nen, denen man kom­man­diert, son­dern wie man zu Freun­den spricht:

„Lie­be Mit­brü­der! Ich wage zu sagen, wenn einer von Ihnen jemals Zwei­fel am Zen­trum Ihres Dien­stes, sei­ner Bedeu­tung, sei­ner Nütz­lich­keit hat, wenn Sie jemals Zwei­fel dar­an haben, was die Men­schen wirk­lich von uns erwar­ten, dann medi­tie­ren Sie gründ­lich über die­se Sei­ten Sie uns ange­bo­ten wer­den: weil sie von uns vor allem das erwar­ten, was Sie in die­sem Buch beschrie­ben und bezeugt fin­den: dass wir ihnen Jesus Chri­stus brin­gen und sie zu ihm füh­ren, zu dem fri­schen und leben­di­gen Was­ser, nach dem sie mehr als alles ande­re dür­sten. das nur er schen­ken kann und das kein Ersatz jemals erset­zen kann; dass wir sie zu vol­lem und wah­ren Glück­se­lig­keit füh­ren; wenn nichts mehr sie befrie­digt, dass wir sie dazu brin­gen, ihren inner­sten Traum zu ver­wirk­li­chen, den kei­ne Macht jemals ver­spre­chen und erfül­len kann!“

*Der Text ist eine Über­set­zung des ita­lie­ni­schen Tex­tes, der heu­te von Kar­di­nal Mül­ler bei der katho­li­schen Inter­net­zei­tung La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­dia­na ver­öf­fent­licht wur­de.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/MiL (Screen­shot)

5 Kommentare

  1. Lei­der ist Papst Fran­zis­kus nicht mehr an sei­nen Wor­ten zu mes­sen. Alle Ver­su­che ihn frei­zu­spre­chen, indem man ihm rei­ne und gute Absich­ten unter­stellt — und ihn damit zur Recht­gläu­big­keit anzu­spor­nen sucht — müs­sen schei­tern und sich in der Schlin­ge des Wider­spruchs die­ses Pon­ti­fi­kats ver­fan­gen.

    Franz­i­kus ist die per­so­ni­fi­zier­te Oppo­si­ti­on. Er sel­ber ist der anfa­chen­de Geist auch des syn­oda­len Weges und aller libe­ra­len Neue­rungs­ver­su­che.

    Schö­ne Wor­te von Kar­di­nal Mül­ler, beson­ders in bezug auf den Zöli­bat, aber lei­der unwirk­sam.

    Das Schis­ma ist unaus­weich­lich. Wer katho­lisch blei­ben will, kann nicht mehr fol­gen.

    Es gibt doch auch so etwas wie ein Glau­bens­ge­spür. Und das sagt: Fran­zis­kus und der syn­oda­le Weg sind eins.

  2. Man muss S.E. Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler tief dank­bar sein für sei­ne ein­deu­ti­ge und ent­schie­den katho­li­sche Wort­mel­dung zu Prie­ster­tum und Zöli­bat in der Röm.-kath. Kir­che. Sei­ne Lec­tio magi­stra­lis ver­dient es, dem deut­schen Epi­sko­pats, zumin­dest einem nicht unbe­trächt­li­chen Teil, zuvör­derst aber ihrem Vor­sit­zen­den Kar­di­nal Marx förm­lich um die Ohren geschla­gen zu wer­den.

    Aber eigent­lich wäre das ja Auf­ga­be des Pap­stes. Der aber umarmt statt­des­sen „brü­der­lich“ einen alters­stu­ren, wohl kaum mehr belehr- und noch weni­ger bekehr­ba­ren Athe­isten mit frei­mau­re­ri­scher Fami­li­en­tra­di­ti­on. Nicht zu fas­sen! Und wenn er, Fran­zis­kus, tat­säch­lich mal in Wut gerät (was ja bekannt­lich sogar des öfte­ren gesche­hen soll), schlägt er lie­ber mal einer zier­li­chen, chi­ne­sisch aus­se­hen­den und offen­sicht­lich auch from­men Frau (hat sich vor der Begeg­nung sogar bekreu­zigt) sicht­bar erbost auf die Hän­de. — Nun ja, wir wis­sen es: Wir haben der­zeit halt doch einen ziem­lich wider­sprüch­li­chen Pon­ti­fex.

    Übri­gens: Nicht nur in Papa Eme­ri­tus, son­dern auch in Kar­di­nal Mül­ler hät­te der amtie­ren­de Papst zwei­fel­los einen theo­lo­gisch hoch­kom­pe­ten­ten Rat­ge­ber, der als gebür­ti­ger Mainz-Fin­the­ner, als aus­ge­wie­se­ner Freund und Ken­ner indi­ge­ner Men­schen in Süd­ame­ri­ka und als volks­na­her ehe­ma­li­ger Regens­bur­ger Bischof durch­aus ein Gespür und ein offe­nes Ohr auch für die soge­nann­ten ein­fa­chen und immer noch glau­bens­treu­en Leu­te hat.

  3. Misst man den Papst an sei­nen rea­len Taten wie etwa die Schaf­fung des „Hau­ses der Abra­ha­mi­ti­schen Fami­lie“ (soll eine Moschee, eine Syn­ago­ge und eine Kir­che umfas­sen, eben­so soll im Gebäu­de­kom­plex ein Stu­di­en- und For­schungs­zen­trum über die Brü­der­lich­keit aller Men­schen unter­ge­bracht wer­den, der als Aus­tra­gungs­ort der Fei­er­lich­kei­ten zur Ver­lei­hung eines sog. „Human Bro­ther­hood Awards“ vor­ge­se­hen ist), sei­ne Anwe­sen­heit und För­de­rung paga­ner Ritua­le bei der Syn­ode, die kom­plet­te Gleich­schal­tung der Kir­che mit der Glo­ba­len Agen­da der Funk­ti­ons­eli­ten, Koope­ra­ti­on mit UN-Agen­tu­ren, dann wird man nicht mehr ernst­haft von fal­scher Bera­tung aus­ge­hen kön­nen.

    Soll­te dies aber doch der Fall sein und er hät­te sich als Stell­ver­tre­ter Chri­sti wirk­lich nichts­ah­nend einen heid­ni­schen Feder­kopf­schmuck ange­zo­gen und von einem Scha­ma­nen „seg­nen“ las­sen, stellt sich objek­tiv die Fra­ge nach sei­ner gei­sti­gen Gesund­heit. Jeder katho­li­sche Laie, der sei­ne Sin­ne noch bei­sam­men hat, weiß um das Fre­vel­haf­te die­ser Tat auch ohne „Bera­ter“.

  4. Die­se „Lec­tio“ ist wirk­lich histo­risch. Was da alles drin­nen steckt. So deut­lich hat das wohl noch kaum ein so rang­ho­her Kir­chen­ver­tre­ter gesagt:

    „Ber­go­glia­ni­sche Gar­de“, Volks­front, gemein­sa­me Sache mit den Kir­chen­fein­den, men­schen­ge­mach­te, welt­be­zo­ge­ne Welt­ein­heits­re­li­gi­on ohne Gott, die Mäch­ti­gen, die die öffent­li­che Mei­nung mani­pu­lie­ren, die „Agen­da der extre­men Lin­ken“, „lin­ke Netz­wer­ke“, Alli­anz von Libe­ra­len und Mar­xi­sten (genau die beherrscht die EU und macht sie von einem ver­nünf­ti­gen Pro­jekt von wirk­li­chen Gemein­sam­kei­ten und der Han­dels­för­de­rung zu einem poli­ti­schen Zwangs­kä­fig.

    Eine histo­ri­sche Rede, kaum zu glau­ben.

    • Für­wahr eine histo­ri­sche Lek­ti­on, gera­de weil sie für die Zukunft der Kir­che von emi­nen­ter, von welt­wei­ter Bedeu­tung ist. Abge­se­hen von durch­aus mög­li­chen kor­ri­gie­ren­den Ein­flüs­sen auf den Ver­lauf des sog. Syn­oda­len Wegs in Deutsch­land, wird Kar­di­nal Mül­lers Brand­schrei­ben auch beim näch­sten Kon­kla­ve, das der vor­ma­li­ge Glau­bens­prä­fekt beim Abfas­sen die­ses Schrei­bens wohl mit im Blick gehabt haben dürf­te, dank Inter­net nicht ohne Wir­kung blei­ben. ((Die omi­nö­se „Malea­chi-Päp­ste­weis­sa­gung“ jetzt mal ganz außen vor gelas­sen, obwohl auch sie — m.W. noch nicht aus­rei­chend erforscht – noch immer mit im Raum schwe­ben dürf­te, der zufol­ge der jet­zi­ge Papst der letz­te (oder vor­letz­te?) sei …))

      Dass die Früch­te bis­he­ri­gen ber­go­glia­ni­schen Wir­kens eher bit­te­ren, ja fau­li­gen Geschmacks sind, lässt sich an den chao­ti­schen Zustän­den inner­halb der kath. Kir­che erschmecken. Der von Bene­dikt XVII. stets beklag­te theo­lo­gi­sche Rela­ti­vis­mus mani­fe­stiert sich unter Ber­go­glio immer stär­ker auch im Bereich der Pasto­ral. Es gibt bis­lang kei­nen erkenn­bar posi­ti­ven Fran­zis­kus-Effekt – weder beim Glau­bens­le­ben des Vol­kes noch beim Nach­wuchs für das Prie­ster- und Dia­kon­amt, auch nicht im Bereich der pasto­ra­len Beru­fe ohne Wei­he. Eher das Gegen­teil ist der Fall. Je pro­te­stan­ti­scher die kath. Kir­che wird, um so unat­trak­ti­ver wird sie für suchen­de Men­schen. Dank eines inko­hä­ren­ten amtie­ren­den Pap­stes? Höchst­wahr­schein­lich des­we­gen.

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