Luthers Fürsten-Protestantismus und die schrecklichen Folgen

500 Jahre Reformationsgedenken in Schwarz-Rot-Gold (hier: politische-bildung.de)
500 Jahre Reformationsgedenken in Schwarz-Rot-Gold (hier: politische-bildung.de)

Gast­bei­trag von Hubert Hecker.

Der pro­te­stan­ti­sche Kir­chen­ge­schicht­ler Tho­mas Kauf­mann wirft der Füh­rungs­rie­ge sei­ner Kir­chen­ge­mein­schaft vor, das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um mit „Pro­pa­gan­daslo­gans“ geprägt zu haben. Im Vor­spann sei­nes FAZ-Arti­kels vom 15. 9. 2017 heißt es:

„Die evan­ge­li­sche Kir­che hat sich in die Idee ver­rannt, Luther habe Demo­kra­tie und Men­schen­rech­te gebracht.“

Nationalpopulistische Luther-Bilder

Das Kon­strukt vom luthe­ri­schen Vor­kämp­fer für demo­kra­ti­sche Frei­heit ist pass­ge­nau auf die aktu­el­len Bedürf­nis­se des Zeit­gei­stes gemünzt. Dar­über hin­aus hat die Bun­des­re­gie­rung mit Geld und Res­sour­cen Ein­fluss auf das Refor­ma­ti­ons­ge­den­ken genom­men, aus­ge­drückt in dem schwarz-rot-gol­de­nen Luther-Logo für die drei „natio­na­len“ Luther-Aus­stel­lun­gen: Der Staat möch­te mit dem „deut­schen Refor­ma­tor“ einen neu­en Legi­ti­ma­ti­ons­my­thos für sei­ne aktu­el­le Gestalt kre­ieren. Die­ses Inter­es­se ist ähn­lich dem der DDR-Füh­rung von 1983, als Hon­ecker Luther zu des­sen 500. Geburts­tags-Jubi­lä­um als früh­bür­ger­li­chen Revo­lu­tio­när auf­bla­sen ließ.

Bei­de Luther-Kon­struk­te haben mit dem histo­ri­schen Refor­ma­tor wenig bis nichts gemein­sam. Es sind popu­li­sti­sche fake news einer natio­nal­po­li­ti­schen PR-Stra­te­gie.

Gleich­wohl ist die ideo­lo­gi­sche Bot­schaft der pro­te­stan­tisch-deut­schen „Jubi­lä­ums­bla­se“ ange­kom­men. Ein Tübin­ger Rhe­to­rik-Pro­fes­sor meint: „Luther lie­fer­te den deut­schen Bei­trag zum Auf­bruch in eine neue Dimen­si­on des west­li­chen Den­kens: die Mei­nungs­frei­heit“ sowie das poli­ti­sche „Frei­heits­ide­al“ (FNP 28. 10). In einem Leser­brief der FAZ heißt es: Luther habe erst­mals sei­ne Zeit­ge­nos­sen zu „mün­di­gen Bür­gern“ erklärt.

Luthers Fürsten-Protestantismus führte zu Religionszwang

Bekannt­lich hat­te Luther das Gegen­teil gelehrt: Die Chri­sten­men­schen soll­ten in ihrer bür­ger­li­chen Exi­stenz unter­tä­ni­ge, „dienst­ba­re Knech­te“ der fürst­li­chen Obrig­keit sein. Wäh­rend im Hoch- und Spät­mit­tel­al­ter in den Städ­ten die bür­ger­schaft­li­che Selbst­ver­wal­tung auf­blüh­te, för­der­te Luther die gänz­li­che Unter­wer­fung der Men­schen unter die erstar­ken­de Macht der Ter­ri­to­ri­al­herr­scher. Mit die­ser Beherr­schungs­ideo­lo­gie ebne­te Luther den Weg der Für­sten in die abso­lu­ti­sti­sche Herr­schaft über das Volk. Die wur­de in der Neu­zeit nur noch durch tota­li­tä­re Herr­schafts­for­men über­trof­fen. Und auch dazu hat der Pro­te­stan­tis­mus in Deutsch­land einen erheb­li­chen Anteil bei­gesteu­ert – etwa durch die Wah­len der NSDAP oder die Legi­ti­ma­ti­ons­pre­dig­ten für den „Füh­rer“ von evan­ge­li­schen Pfar­rern und Bischö­fen.

Christian III. von Dänemark und Norwegen: Zwangsprotestantisierung
Chri­sti­an III. von Däne­mark und Nor­we­gen: Zwangs­pro­te­stan­ti­sie­rung

Luther über­höh­te die welt­li­che Macht der Für­sten zur Obrig­keit von Got­tes Gna­den und Auf­trag. Spä­ter über­trug er pro­te­stan­ti­schen Herr­schern sogar die ober­ste Kir­chen­ge­walt, als „Not­bi­schö­fe“ kaschiert. Die geist­li­che Macht über die welt­li­chen Unter­ta­nen führ­te zur Herr­schafts­ein­heit von Staat und Reli­gi­on. Die stand im Gegen­satz zu der tau­send­jäh­ri­gen Tra­di­ti­on der Chri­sten­heit, nach der poli­ti­sche und geist­li­che Macht getrennt war. Die­se biblisch basier­te Tren­nung (Steu­er an den Kai­ser, Lie­be und Ehr­furcht zu Gott) wur­de prak­tisch und sinn­fäl­lig in der Gegen­über­stel­lung von Papst und Kai­ser oder „Prie­ster­tum und König­tum“ (sacer­do­ti­um et impe­ri­um).

Das luthe­ri­sche Kir­chen­re­gi­ment der Lan­des­für­sten führ­te zu bei­spiel­lo­sem Reli­gi­ons­zwang gegen die Unter­ta­nen – etwa in Ost­preu­ßen. Als 1525 der letz­te Hoch­mei­ster des Deut­schen Ordens, Albrecht von Preu­ßen, sich zum Luther­tum bekann­te, erklär­te man alle Lan­des­un­ter­ta­nen zu Pro­te­stan­ten und behan­del­te sie ent­spre­chend. Das Her­zog­tum Preu­ßen wur­de zum ersten Staats­we­sen mit pro­te­stan­ti­scher Pflicht­re­li­gi­on.

Im Jah­re 1537 führ­te der däni­sche König Chri­sti­an III. im mit­re­gier­ten Nor­we­gen den Pro­te­stan­tis­mus als reli­giö­ses und poli­ti­sches „take­over“ ein. Die oktroy­ier­te Kir­chen­ord­nung mach­te alle nor­we­gi­schen Katho­li­ken zwangs­wei­se zu Pro­te­stan­ten. Der däni­sche König setz­te sich als Kir­chen­ober­haupt der „nor­we­gi­schen Staats­kir­che“ ein. Die blieb bis 2012. Deut­lich wur­de der kolo­nia­li­sti­sche Cha­rak­ter der Pro­te­stan­ti­sie­rung auch dar­in, dass den Nor­we­gern weder die Bibel noch die Lit­ur­gie in der eige­nen Volks­spra­che zuge­stan­den wur­de. Die däni­schen Fas­sun­gen ver­stan­den aber nur die Gebil­de­ten. Wegen die­ser luthe­ri­schen „Zwangs­be­keh­rung“ damals fin­det das aktu­el­le Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um in Nor­we­gen nur gerin­ges Inter­es­se.

Für den deut­schen Sprach­raum wer­den die staat­li­chen Zwangs­pro­te­stan­ti­sie­run­gen in vie­len dama­li­gen Herr­schafts­ge­bie­ten gezielt aus­ge­blen­det. Jeden­falls wird das The­ma in den gro­ßen natio­na­len Refor­ma­ti­ons­aus­stel­lun­gen unter den Tep­pich gekehrt.

Luthers narzisstische Anmaßung und heiliger Hochmut

Und wenn doch ein­mal der ent­spre­chen­de kri­ti­sche Ein­wand kommt, heißt das reflex­haf­te Muster der Exkul­pa­ti­on Luthers: Den Staats­pro­te­stan­tis­mus habe der Refor­ma­tor eigent­lich nicht gewollt – genau­so wenig wie die Abspal­tung von der Kir­che. Die Umstän­de hät­ten ihn dazu gezwun­gen. Als wenn Luther, der wegen sei­nes „stand­haf­ten“ Auf­tre­tens gegen Kai­ser und Kir­che beim Reichs­tag zu Worms 1521 als heroi­scher Wider­ständ­ler gefei­ert wur­de (und bis heu­te ver­mark­tet wird), in den Fol­ge­jah­ren ein schwäch­li­ches Opfer der poli­ti­schen Umstän­de gewor­den wäre.

Teil des Luthergedenkens
Teil des Luther­ge­den­kens (hier: Reformation-und-politik.de)

Es gibt eine bes­se­re Erklä­rung für die zahl­rei­chen Wand­lun­gen und Wider­sprü­che zwi­schen dem jun­gen und dem älte­ren Luther: Der Refor­ma­tor lavier­te als nar­ziss­ti­scher Macht­mensch der öffent­li­chen Ein­fluss­nah­me in scham­lo­sem Oppor­tu­nis­mus.

Als es gegen die katho­li­sche Kir­che ging, pro­pa­gier­te er die ‚geist­li­che (Gewis­sens-) Frei­heit eines jeden Chri­sten­men­schen’ (1520). Als dann in den Jah­ren dar­auf sei­ne Anhän­ger­schaft in mora­li­sche und reli­giö­se Anar­chie wei­ter­schritt, for­der­te Luther eine bedin­gungs­lo­se geist­li­che Unter­tä­nig­keit unter sei­ne Lehr­mei­nung. Er setz­te sich selbst in „gro­ßer Anma­ßung und hei­li­gem Hoch­mut“ (sanc­ta super­bia) auf den Thron der biblisch-theo­lo­gi­schen Unfehl­bar­keit, indem er sich und sei­ne Wor­te mit Chri­stus ineins­setz­te. Geist­li­che Frei­heit in Oppo­si­ti­on zu Luthers Glau­bens­mei­nung – etwa von Eras­mus von Rot­ter­dam – brand­mark­te er dar­auf­hin als gegen Chri­stus gerich­tet. Schließ­lich ver­pflich­te­te er die fürst­li­che Macht, die nicht-luthe­ri­schen Glau­bens­rich­tun­gen wie Täu­fer oder Men­no­ni­ten aus­zu­mer­zen.

Ähn­lich wider­sprüch­lich agier­te Luther zur kirch­li­chen Ord­nung. 1520 pro­pa­gier­te er das all­ge­mei­ne Prie­ster­tum, nach dem jeder getauf­te Laie Prie­ster, Bischof und Papst sei. Aus ihrer Mit­te soll­ten die Chri­sten ihre Pfar­rer wäh­len. Als die pro­te­stan­ti­schen Gemein­den viel­fach nicht die luther­ge­neh­men Pre­di­ger wähl­ten, ver­teu­fel­te er die­se Pra­xis. Ab 1524 soll­ten nur noch fürst­lich beauf­trag­te Super­in­ten­den­ten die Pfar­rer ein- und abset­zen kön­nen.

Protestanten brechen die Augsburger Friedensregeln

Luther selbst war daher voll­stän­dig für den Für­sten-Pro­te­stan­tis­mus und deren geist­li­che Herr­schaft über die Men­schen ver­ant­wort­lich. Im Pas­sau­er von 1552 und drei Jah­re spä­ter im Augs­bur­ger Reli­gi­ons­ver­trag sank­tio­nier­ten die deut­schen Für­sten die­ses luthe­ri­sche Zwangs­prin­zip als Teil der Reichs­ver­fas­sung. Die zen­tra­le Bestim­mung lau­te­te: Der Herr­scher einer Regi­on bestimmt die Reli­gi­on sei­ner Unter­ta­nen (cui­us regio eius reli­gio).

 

Blau das Gebiet des Erzstiftes Magedeburg (zum Vergleich die heutigen Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt, grau)
Blau das Gebiet des Erz­stif­tes Mage­de­burg (zum Ver­gleich die heu­ti­gen Lan­des­gren­zen von Sach­sen-Anhalt, grau)

Das Haupt­ziel des Augs­bur­ger Für­sten­ver­tra­ges war es, den Frie­den zu sichern, indem der sta­tus quo in der Kon­fes­si­ons­ver­tei­lung des Rei­ches fest­ge­schrie­ben wur­de. Die­sem Zweck dien­te auch die Klau­sel vom „geist­li­chen Vor­be­halt“. Danach muss­te ein geist­li­cher Ter­ri­to­ri­al­herr, ein (Fürst-)Bischof oder Abt, beim Kon­fes­si­ons­wech­sel sein Amt abge­ben. Das ent­spre­chen­de Bis­tum oder Klo­ster soll­te katho­lisch blei­ben, indem dort ein neu­er Bischof bzw. Abt gewählt wur­de.
Die­se Frie­dens­re­ge­lun­gen wur­den von Sei­ten der Pro­te­stan­ten viel­fach durch­bro­chen. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten wur­den allein sie­ben katho­li­sche Bis­tü­mer pro­te­stan­ti­siert. Dar­un­ter waren die Erz­bis­tü­mer Mag­de­burg und Bre­men. Wei­te­re vier­zig gro­ße Klö­ster­be­sit­zun­gen ris­sen sich evan­ge­li­sche Her­ren unter den Nagel. Nur im Erz­bis­tum Köln konn­te 1583 die geplan­te pro­te­stan­ti­sche Macht­über­nah­me ver­hin­dert wer­den. Der dadurch aus­ge­lö­ste Truch­ses­si­sche Krieg war ein Vor­zei­chen für den spä­te­ren 30jährigen Krieg.

Die pro­te­stan­ti­schen Für­sten boy­kot­tier­ten seit 1588 die Gerichts- und Ver­mitt­lungs­gre­mi­en des Rei­ches, um die fried­lich-juri­sti­sche Bei­le­gung der oben beschrie­be­nen Revi­si­ons­fäl­le zu ver­hin­dern. Die cal­vi­ni­sti­sche Kur­pfalz trat 1608 sogar aus dem Reichs­tag aus und leg­te damit das wich­tig­stes Ver­fas­sungs- und Bera­tungs­or­gan des stän­disch orga­ni­sier­ten Deut­schen Rei­ches lahm.

Ausländische Bündnispartner der Protestanten gegen Kaiser und Reich

Gleich­zei­tig bil­de­ten 29 Reichs­stän­de unter der Füh­rung der Kur­pfalz das Kampf­bünd­nis der „Pro­te­stan­ti­schen Uni­on“. Die schloss bald eine Mili­tär­ko­ali­ti­on mit der aus­län­di­schen Macht Frank­reich ab – wie schon der Schmal­kal­di­sche Bund 60 Jah­re vor­her. Die fran­zö­si­schen Köni­ge ver­folg­ten das epo­cha­le Inter­es­se, den habs­bur­gi­schen deut­schen Kai­ser zu schwä­chen. Gleich­zei­tig woll­ten sie mit dem Bünd­nis die ‚Uni­on’ zu ihrem Ver­bün­de­ten gegen Spa­ni­en machen. Mit die­ser pro­te­stan­ti­schen Bünd­nis­po­li­tik war die spä­te­re Aus­wei­tung des zunächst inner­deut­schen Kon­fes­si­ons- und Für­sten­krie­ges auf euro­päi­schen Dimen­sio­nen vor­ge­prägt, was den Krieg in die grau­sa­me Län­ge zog.

Prager Fenstersturz 1618, Auftakt zu einem protestantischen Putschversuch
Pra­ger Fen­ster­sturz 1618, Auf­takt zu einem pro­te­stan­ti­schen Putsch­ver­such

Das pro­te­stan­ti­sche Macht­stre­ben in Böh­men war schließ­lich der Aus­lö­ser für den 30jährigen Krieg vor 400 Jah­ren. Seit dem Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­den galt für die land­säs­si­gen pro­te­stan­ti­schen Rit­ter und Städ­te die Klau­sel, auch unter katho­li­schen Lan­des­her­ren unter Auf­la­gen die luthe­ri­sche Kon­fes­si­on prak­ti­zie­ren zu kön­nen. Aber im Böh­men der habs­bur­gi­schen Herr­schaft hat­ten sich – ähn­lich wie im Reich – luthe­ri­sche und refor­mier­te Kräf­te unrecht­mä­ßig breit gemacht. Der seit 1612 regie­ren­de Kai­ser Mat­thi­as dräng­te die Pro­te­stan­ten mit eini­gen Erlas­sen zurück.

Der Pra­ger Fen­ster­sturz durch bewaff­ne­te Adli­ge war der Auf­takt zu einem geplan­ten Staats­streich, um Böh­men zu einem pro­te­stan­ti­schen König­reich zu machen. Das Direk­to­ri­um der Putsch-Rebel­len setz­te den habs­bur­gi­schen König ab und rief den cal­vi­ni­sti­schen Kur­für­sten Fried­rich V. von der Pfalz zum neu­en König aus. Des­sen Trup­pen sowie das vom Her­zog von Savoy­en finan­zier­tes Heer des Ernst von Mans­feld, „eine beson­ders ruch­lo­se Figur“ (Münk­ler), dran­gen in die öster­rei­chi­schen Stamm­lan­de der Habs­bur­ger ein und stan­den im Juni 1619 sogar vor Wien… Es begann ein schreck­li­cher Dau­er­krieg im Her­zen Euro­pas, der in wei­ten Tei­len des Deut­schen Reichs bis zu 50 Pro­zent der Bevöl­ke­rung dezi­mier­te.

Nach dem dies­jäh­ri­gen Luther-Jubel­jahr kön­nen 2018 die poli­ti­schen Aus­wir­kun­gen von Luthers Für­sten­pro­te­stan­tis­mus’ als Fol­ge­ju­bi­lä­um zum 400jährigen Beginn des 30jährigen Kriegs gefei­ert wer­den.

Text: Hubert Hecker
Bild: Politische-Bildung.de/Reformation-und-politik.de/Wikicommons (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Der Arti­kel zeigt prä­gnant die Zwei­ge­sich­tig­keit Mar­tin Luthers zwi­schen mit­tel­al­ter­li­chem und neu­zeit­li­chem Den­ken. Die Ver­fol­gung abwei­chen­der reli­giö­ser Mei­nun­gen ist dem Mit­tel­al­ter ja kei­nes­wegs fremd.

    Man­che Fest­stel­lun­gen sind aller­dings all­zu holz­schnitt­ar­tig: So ist der Abso­lu­tis­mus kei­ne pro­te­stan­ti­sche Erfin­dung, aller­dings durch­aus die Frucht der kon­fes­sio­nel­len Aus­ein­an­der­set­zung: Stich­wort „Son­nen­kö­nig“

    Auch darf hin­sicht­lich der Säku­la­ri­sie­rung geist­li­cher Staa­ten nicht über­se­hen wer­den, dass die jewei­li­gen Dom­ka­pi­tel bereits stark pro­te­stan­tisch durch­setzt waren.
    Was mir dabei zu kurz kommt, ist das brei­te Inter­es­se der sei­ner­zeit füh­ren­den ade­li­gen Fami­li­en an der Aneig­nung von katho­li­schem Kir­chen­gut, ein ganz wesent­li­ches Motiv für den Über­tritt zum Pro­te­stan­tis­mus.

    Einen Gegen­satz zwi­schen spät­mit­tel­al­ter­li­cher Städ­te­frei­heit und luthe­ri­schem Für­sten­re­gi­ment her­zu­stel­len, scheint mir abwe­gig, da ja die frei­en Reichs­städ­te mehr­heit­lich pro­te­stan­tisch gewor­den sind. Frei­lich muss man sagen, dass eben die­se Reichs­städ­te in der Fol­ge meist deut­lich an Ein­fluss ver­lo­ren.

    Inter­es­sant ist der Hin­weis auf das Des­in­ter­es­se am Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um in Nor­we­gen, das unter dänisch-kolo­nia­li­sti­schen Vor­zei­chen „zwangs­lu­the­ri­siert“ wor­den ist.

    Dass die Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­en im Lau­fe der Geschich­te der Selbst­ver­ge­wis­se­rung im jewei­li­gen Zeit­geist dien­ten, ist all­ge­mein bekannt.
    Wich­tig scheint mir dabei zu sein, dass der Katho­li­zis­mus auf­grund sei­ner uni­ver­sa­len Orga­ni­sa­ti­on deut­lich weni­ger der Gefahr aus­ge­setzt ist, par­ti­ku­la­ren Sicht­wei­sen zum Opfer zu fal­len, wie dies etwa in der NS-Lastig­keit des deut­schen „Mainstream“-Protestantismus wäh­rend der 1930er Jah­re erkenn­bar ist.

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