Altrituelle Dominikaner haben neuen Prior

Saint-Vincent Ferrier
Die 1979 gegründete und 1988 von Rom anerkannte Fraternitas Sancti Vincentii Ferrerii, eine altrituelle Dominikanergemeinschaft, wählte einen neuen Prior.

(Paris) Die Fra­ter­ni­té Saint-Vin­cent Fer­rier (Fra­ter­ni­tas Sanc­ti Vin­cen­tii Fer­re­rii) eine alt-ritu­el­le, tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Domi­ni­kaner­ge­mein­schaft, wähl­te am ver­gan­ge­nen 22. Sep­tem­ber auf ihrem Gene­ral­ka­pi­tel einen neu­en Prior.

Père Louis-Marie de Blignières
Père Lou­is-Marie de Blignières

Zum Pri­or für die kom­men­den sechs Jah­re wur­de der Grün­der und erste Ordens­obe­re, Père Lou­is-Marie de Bli­gniè­res, gewählt. Pater de Bli­gniè­res lei­te­te die Gemein­schaft von Domi­ni­ka­nern, die den Eigen­ri­tus des Pre­di­ger­or­dens pfle­gen, bereits von der Grün­dung 1979 bis 2011. Die­se lan­ge Amts­zeit war nur mit Son­der­er­laub­nis des Hei­li­gen Stuhls mög­lich gewor­den, um die noch jun­ge Grün­dung durch Kon­ti­nui­tät zu kon­so­li­die­ren. Die domi­ni­ka­ni­sche Tra­di­ti­on sieht kei­ne direk­te Wie­der­wahl eines Obe­ren vor. Eine erneu­te Wahl kann erst nach dem Ende des Man­dats eines ande­ren Obe­ren erfol­gen. Zum zwei­ten Pri­or der Gemein­schaft, die im Klo­ster zum Hei­li­gen Tho­mas von Aquin in Ché­me­ré-le-Roi in May­enne ihren Sitz hat, wur­de 2011 Père Domi­ni­que-Marie de Saint Lau­mer gewählt, der seit der Grün­dung der Bru­der­schaft ange­hört und 1988 zum Prie­ster geweiht wurde.

Mit dem Ende sei­ner Amts­zeit wur­de eine Wie­der­wahl von Père Lou­is-Marie de Bli­gniè­res möglich.

Die Suche nach der Wahrheit und die Gründung der Bruderschaft

Pri­or de Bli­gniè­res wur­de 1949 als Oli­vi­er Mar­quis Le Bar­bier de Bli­gniè­res, Sohn eines fran­zö­si­schen Offi­ziers, in Madrid gebo­ren. In Paris absol­vier­te er ein Diplom­stu­di­um in Mathe­ma­tik und Phy­sik mit einer wei­ter­füh­ren­den Spe­zia­li­sie­rung in Astro­phy­sik. Wäh­rend des Stu­di­ums fand er nach einer Abkehr vom Glau­ben wie­der zur Kir­che zurück und trat im Schwei­zer Wal­lis in ein Bene­dik­ti­ner­klo­ster ein. Kurz dar­auf wech­sel­te er in das Prie­ster­se­mi­nar der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. in Eco­ne. 1977 wur­de er von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re zum Prie­ster geweiht. Damals stand er sedis­pri­va­tio­ni­sti­sche Posi­tio­nen nahe.

Plan von Kloster und Kirche
Plan von Klo­ster und Kirche

Zum Ordens­le­ben hin­ge­zo­gen und dem hei­li­gen Tho­mas von Aquin ver­pflich­tet, grün­de­te er 1979 die Bru­der­schaft des hei­li­gen Vin­zenz Fer­rer. Seit 1981 gibt die Bru­der­schaft die theo­lo­gi­sche Quar­tals­schrift Sedes Sapi­en­tiae her­aus. Die Gemein­schaft wid­met sich vor allem dem Stu­di­um des gro­ßen Domi­ni­ka­ner­hei­li­gen Tho­mas von Aquin und der Scho­la­stik. 1981 leg­te der erste Bru­der die Gelüb­de ab.

Ab 1986 erfolgt eine Annä­he­rung an Rom, sodaß 1987 die ersten Brü­der ihre tho­mi­sti­schen Stu­di­en an päpst­li­chen Uni­ver­si­tä­ten in Rom auf­neh­men konnten.

1988 wur­de die Bru­der­schaft in die vol­le Ein­heit mit Rom auf­ge­nom­men und von der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei als Gemein­schaft päpst­li­chen Rechts kano­nisch errich­tet. Der Bischof von Laval in Frank­reich bestä­tig­te ihre Nie­der­las­sung in sei­nem Bis­tum. Nach der end­gül­ti­gen Appro­ba­ti­on der Sta­tu­ten durch den Hei­li­gen Stuhl im Jahr 1995 seg­ne­te Bischof Armand Mail­lard von Laval das Klo­ster. 1998 erfolg­te die erste Wahl eines Pri­ors nach den von Rom gebil­lig­ten Statuten.

Die Familie de Blignières

Lou­is-Marie de Bli­gniè­res jün­ge­rer Bru­der Arn­aud trat nach sei­ner Aus­bil­dung an einer Mili­tär­aka­de­mie einer alt­ri­tu­el­len Bene­dik­ti­ner­ge­mein­schaft bei und wur­de 1979 von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re zum Prie­ster geweiht. Wegen der recht­mä­ßi­gen, aber uner­laub­ten Bischofs­wei­hen durch Erz­bi­schof Lef­eb­v­re schloß er sich 1988 der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus an, die sich in die vol­le Ein­heit mit Rom begab und vom Hei­li­gen Stuhl noch im sel­ben Jahr kano­nisch aner­kannt wurde.

Die Bauarbeiten sind inzwischen weiter fortgeschritten (s. Video)
Die Bau­ar­bei­ten sind inzwi­schen wei­ter fort­ge­schrit­ten (s. Video)

Ein wei­te­rer Bru­der ist der bekann­te katho­li­sche Publi­zist Hugues Le Bar­bier de Bli­gniè­res, bes­ser bekannt unter dem Fami­li­en­na­men der Mut­ter als Hugues Kéra­ly. Ein Jahr nach des­sen Tod wid­me­te er 1990 ihrem Vater das Buch „Her­vé de Bli­gniè­res: Ein Kämp­fer in den Wir­ren des Jahr­hun­derts“.

Ihr Vater, Her­vé Mar­quis Le Bar­bier de Bli­gniè­res, war Berufs­of­fi­zier. Er kämpf­te im Zwei­ten Welt­krieg und ver­brach­te fünf Jah­re in deut­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft. 1945 befreit, trat er 1947 in die Frem­den­le­gi­on ein und kämpf­te in Indochina.

1956 aus Süd­ost­asi­en zurück­ge­kehrt, wirk­te er an der Reform der Mili­tär­hoch­schu­le Éco­le supé­ri­eu­re de guer­re mit. Als Oberst­leut­nant nahm er ab 1958 am Alge­ri­en­krieg teil und wur­de, zum Oberst beför­dert, Stabs­chef der 1961 gebil­de­ten gehei­men Unter­grund­ar­mee OAS. 1963 wur­de er dafür in Frank­reich zu sechs Mona­ten Ker­ker ver­ur­teilt. Nach sei­ner Frei­las­sung war er Vor­sit­zen­der der Inter­es­sen­ge­mein­schaft der von der FLN in Alge­ri­en ent­führ­ten Fami­li­en und Kin­der. 1970 ent­ging er selbst nur knapp einer Ent­füh­rung. 1989 starb er auf Schloß La Hai­chois in sei­ner Hei­mat Bretagne.

Der Urgroß­va­ter, Ernest Mar­quis Le Bar­bier de Bli­gniè­res, ein Jurist, war unter Kai­ser Napo­le­on III.Generalinspekteur der Finan­zen und nach dem deutsch-fran­zö­si­schen Krieg Prä­fekt in den Voge­sen und an der Loire. Anschlie­ßend wur­de er unter dem arme­ni­schen Pre­mier­mi­ni­ster Bog­hos Nubar Pascha Mini­ster für Öffent­li­che Arbei­ten in Ägypten.

Bau der Klosterkirche Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz

Die alt­ri­tu­el­le Domi­ni­kaner­ge­mein­schaft baut in Ché­me­ré-le-Roi in May­enne ein Klo­ster und eine Klo­ster­kir­che im tra­di­tio­nel­len Stil. Der Roh­bau der Kir­che wur­de in die­sem Jahr fer­tig­ge­stellt. Sie soll Unse­rer Lie­ben Frau vom Rosen­kranz geweiht werden.

Am heu­ti­gen Rosen­kranz­fest fand die Seg­nung des neu­en Gäste­hau­ses des Klo­sters statt.

Vor einem Jahr zele­brier­te ein Prie­ster der Bru­der­schaft, Père Augu­sti­ne-Marie Aubry, erst­mals seit 745 Jah­ren wie­der eine Hei­li­ge Mes­se in der bekann­te­sten Kreuz­rit­ter­burg des Ori­ents, dem Krak des Che­va­liers (heu­te Syrien).

Nähe­re Infor­ma­tio­nen zum Bau des Klo­sters und der Bruderschaft:

Wenn Sie die Errich­tung von Kir­che und Klo­ster oder die Bru­der­schaft unter­stüt­zen möchten:

 

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: FSVF