Raffael im Apostolischen Palast wiederentdeckt — „Weit höhere Qualität“

Die Restaurierungsarbeiten in der Sala di Costantino brachten die Bestätigung.
Die Restaurierungsarbeiten in der "Sala di Costantino" brachten die Bestätigung.

(Rom) Die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten in der Sala di Costan­ti­no der Stan­zen des Raf­fa­el brach­ten die lang erwar­te­te Bestä­ti­gung: Die weib­li­chen Alle­go­rien der Freund­schaft und der Gerech­tig­keit sind Wer­ke des gro­ßen Raf­fa­els.

Die berühm­ten Stan­zen befin­den sich im Apo­sto­li­schen Palast des Vati­kans. Der erste Raum, der für Emp­fän­ge genützt wur­de, ist the­ma­tisch Kai­ser Kon­stan­tin dem Gro­ßen gewid­met. Raf­fa­el (1483–1520), gefei­er­ter Künst­ler sei­ner Zeit, gilt heu­te als einer der bedeu­tend­sten Maler der Hoch­re­nais­sance. Die von Papst Juli­us II. in Auf­trag gege­be­nen Stan­zen wur­den von Raf­fa­el und sei­ner Schu­le unter Papst Leo X. aus­ge­stal­tet. Leo X. ist der Papst, der Mar­tin Luther exkom­mu­ni­zier­te.

Die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten wer­den von Maria Lud­mil­la Pust­ka gelei­tet. Pust­ka ist Chefre­stau­ra­to­rin der Vati­ka­ni­schen Muse­en im Bereich Male­rei. Arnold Nes­sel­reith, wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter der Abtei­lung Kunst des 15./16. Jahr­hun­derts der Vati­ka­ni­schen Muse­en, erhielt durch die Arbei­ten Gewiß­heit, daß es sich tat­säch­lich um Raf­fa­els Wer­ke han­delt, wie in den zeit­ge­nös­si­schen Quel­len ange­ge­ben.

Besondere Maltechnik verrät des Meisters Handschrift

Kurz vor sei­nem über­ra­schen­den Tod, also zum Jah­res­wech­sel 1519/1520, führ­te der Mei­ster, der die Deko­ra­ti­on des Ban­kett- und Emp­fangs­saals geplant hat­te, noch mit eige­ner Hand die bei­den alle­go­ri­schen Frau­en­gestal­ten aus. Sie stel­len die Tugen­den der Freund­schaft und der Gerech­tig­keit dar. Die übri­gen Arbei­ten wur­den dann von sei­nen Schü­lern, beson­ders Giu­lio Roma­no (1499–1546) und Gio­van Fran­ces­co Pen­ni (1488–1530), voll­endet.

Als die Restau­ra­to­ren die Male­rei aus näch­ster Nähe betrach­ten konn­ten, „war klar, daß hier der Mei­ster selbst Hand ange­legt hat­te“, so Fabio Pia­cen­ti­ni gegen­über Radio Vati­kan. Es geht um eine beson­de­re Tech­nik, Öl auf Mau­er.

Nes­sel­reith bestä­tigt. Aus den Quel­len habe man gewußt, daß Raf­fa­el noch zwei Figu­ren in die­sem Saal gemalt hat. Wir wuß­ten, daß er vor sei­nem Tod noch zwei Ver­su­che der Öl-Tech­nik in die­sem Saal unter­nahm.“ Die­se Tech­nik trifft auf die bei­den Alle­go­rien zu, „die von einer Qua­li­tät sind, die weit über jener liegt, von der sie umge­ben sind“. Sobald Raf­fa­el eine Her­aus­for­de­rung über­wun­den hat­te, habe er sich sofort der näch­sten gestellt. So habe er ent­schie­den, die­sen Raum mit einer neu­en Tech­nik in Öl zu malen. „Er konn­te nur mehr zwei Figu­ren malen“, so Nes­sel­reith. Sei­ne Schü­ler haben dann die Arbeit auf tra­di­tio­nel­le Wei­se abge­schlos­sen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can Insi­der (Screen­shot)