Treffen zwischen US-Präsident Trump und Papst Franziskus am Rande des G7-Gipfels in Taormina

Taormina, Griechisches Theater: Am Rande des G7-Gipfels am 26./27. Mai wird US-Präsident Donald Trump mit Papst Franziskus zusammentreffen
Taormina, Griechisches Theater: Am Rande des G7-Gipfels am 26./27. Mai wird US-Präsident Donald Trump mit Papst Franziskus zusammentreffen

(Rom/Washington) Am 10. April hieß es in Rom noch, es lie­ge kei­ne Anfra­ge für einen Besuch aus Washing­ton vor. Seit gestern ist es fix. US-Prä­si­dent Donald Trump möch­te mit Papst Fran­zis­kus zusam­men­tref­fen. Dies bestä­tig­te Prä­si­den­ten­spre­cher Sean Spi­cer in Washing­ton. Aus Rom ließ Vati­kan­spre­cher Greg Bur­ke zur sel­ben Zeit wis­sen, daß der Papst „stets bereit“ ist, Staats­chefs, die dies wünsch­ten, zu emp­fan­gen. Mit den glei­chen Wor­ten zitiert die dem US-Prä­si­den­ten nahe­ste­hen­de Inter­net-Zei­tung Breit­bart News Kuri­en­erz­bi­schof Ange­lo Becciu vom vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at. Der Ter­min muß noch bestä­tigt wer­den, steht aber fak­tisch bereits fest.

Kon­kret wird hin­ter den Kulis­sen an Details gefeilt. Am 26./27. Mai nimmt Trump am G7-Gip­fel teil, der auf der ita­lie­ni­schen Mit­tel­meer­in­sel Sizi­li­en statt­fin­det. Im male­ri­schen Taor­mi­na wer­den sich die Staats- und Regie­rungs­chefs der sie­ben füh­ren­den Staa­ten der west­li­chen Welt tref­fen (USA, GB, D, F, I, CAN, J). Taor­mi­na liegt hoch über dem Ioni­schen Meer zu Füßen des Ätna. Der Vul­kan ist seit dem 27. Febru­ar wie­der aktiv und stößt Lava­fon­tä­nen und Rauch­wol­ken aus.

Gast­ge­ber des Gip­fels ist Ita­li­ens Mini­ster­prä­si­dent Pao­lo Gen­ti­lo­ni, der Sproß einer katho­li­schen Adels­fa­mi­lie. Von Beruf Jour­na­list begann der Graf sei­nen poli­ti­schen Akti­vis­mus in ver­schie­de­nen mao­isti­schen und ande­ren Grup­pie­run­gen der extre­men Lin­ken, fand Mit­te der 80er Jah­re über die ita­lie­ni­schen Grü­nen Anschluß an das Macht­ge­fü­ge und kam so 2007 mit der sozi­al­li­be­ra­len-links­ka­tho­li­schen Par­tei La Mar­ghe­ri­ta bei den seit 2013 regie­ren­den Links­de­mo­kra­ten (Demo­kra­ti­sche Par­tei) an.

Der Ita­li­en-Auf­ent­halt Trumps, so die Vor­stel­lun­gen in Washing­ton, soll mit einem Tref­fen mit Papst Fran­zis­kus gekop­pelt wer­den. Fest steht, daß Papst Fran­zis­kus sich am 27. Mai zu einem Pasto­ral­be­such in Ligu­ri­en auf­hält. Aktu­ell wird an einem Ter­min gefeilt, der – soviel scheint fest­zu­ste­hen – zwi­schen dem 25. und dem 28. Mai liegt.

Das tra­di­tio­nel­le „Fami­li­en­pho­to“ der G7-Staats- und Regie­rungs­chefs samt EU-Spit­ze wird am Mor­gen des 27. Mai vor der Hin­ter­grund einer atem­rau­ben­den Land­schafts­ku­lis­se im berühm­ten grie­chi­schen Thea­ter von Taor­mi­na auf­ge­nom­men. Am Abend des­sel­ben Tages wird das Orche­ster des Mai­län­der Teatro alla Sca­la eben­dort zu Ehren der G7- und EU-Spit­zen ein Kon­zert geben.

Das eigent­li­che Tref­fen erfolgt zwi­schen sie­ben plus zwei Per­so­nen: Donald Trump, The­re­sa May, Ange­la Mer­kel, Pao­lo Gen­ti­lo­ni, Justin Tru­deau, Shin­zo Abe, dem neu­en fran­zö­si­schen Staats­prä­si­den­ten sowie Donald Tusk (Prä­si­dent des EU-Rates) und Jean-Clau­de Juncker (Prä­si­dent der EU-Kom­mis­si­on). Ins­ge­samt wer­den die neun Genann­ten aber von einem gigan­ti­schen Troß von 10.000 Dele­ga­ti­ons­teil­neh­mern, Sicher­heits­kräf­ten und wei­te­rem Per­so­nal beglei­tet. Das sind gleich­viel Leu­te als Taor­mi­na Ein­woh­ner hat.

In den ver­gan­ge­nen bald 100 Jah­ren besuch­te jeder US-Prä­si­dent das amtie­ren­de katho­li­sche Kir­chen­ober­haupt. Den Auf­takt mach­te Woo­d­row Wil­son am 4. Janu­ar 1919, obwohl erst in den 80er Jah­ren unter Ronald Rea­gan vol­le diplo­ma­ti­sche Bezie­hun­gen zwi­schen den USA und dem Hei­li­gen Stuhl her­ge­stellt wur­den.

Papst Fran­zis­kus mach­te im Vor­feld der US-Wah­len kein Hehl dar­aus, ger­ne den jüdi­schen Sena­tor Ber­nie San­ders im Wei­ßen Haus zu sehen. Gegen San­ders setz­te sich jedoch Hil­la­ry Clin­ton als Kan­di­da­tin der Demo­kra­ti­schen Par­tei durch und unter­lag ihrem repu­bli­ka­ni­schen Her­aus­for­de­rer Donald Trump. Fran­zis­kus sprach Trump im Vor­wahl­kampf sogar sein Christ­sein ab, weil die­ser gegen die ille­ga­le Mas­sen­ein­wan­de­rung aus Latein­ame­ri­ka den teil­wei­se bereits bestehen­den Grenz­zaun zwi­schen den USA und Mexi­ko aus­bau­en und ver­voll­stän­di­gen will. Die seit der Wahl­nie­der­la­ge in Lethar­gie ver­fal­le­ne Demo­kra­ti­sche Par­tei beschränkt sich dar­auf, Trump in sei­ner Regie­rungs­ar­beit zu behin­dern. Die links­li­be­ra­len Leit­me­di­en der USA hin­ge­gen erklär­ten inzwi­schen Papst Fran­zis­kus zum „Anti-Trump“. Die erste Begeg­nung zwi­schen dem Papst und dem US-Prä­si­den­ten wird daher mit Span­nung erwar­tet.

In Sachen Mas­sen­ein­wan­de­rung ver­tre­ten die bei­den Ober­häup­ter ein­deu­tig kon­trä­re Posi­tio­nen. Aller­dings war es nicht die „win­zi­ge Min­der­heit der Besit­zen­den“ mit ihrer „Wirt­schaft, die tötet“, wie Papst Fran­zis­kus am Oster­sonn­tag dem Bischof von Assi­si schrieb, son­dern die Wäh­ler der alten Indu­strie­staa­ten an den Gro­ßen Seen mit ihrer von Arbeits­lo­sig­keit bedroh­ten Arbei­ter­schaft, die Trump den Wahl­sieg ver­schaff­ten. Man wird sehen, wie sich die­ser Umstand aus­wir­ken wird.

Text: Andre­as Becker
Bild: Wiki­com­mons