Papst Franziskus: „Synodalität ist der Weg, den Gott sich von der Kirche des 3. Jahrtausend erwartet“

Papst Franziskus, links hinter dem Papst Kardinal Lorenzo Baldisseri, Synoden-Generalsekretär, vor Beginn des Festaktes am vergangenen Samstag
Papst Fran­zis­kus vor dem Fest­akt, links dahin­ter Kar­di­nal Loren­zo Baldisseri

Gedenkfeier
zum 50. Jahrestag der Errichtung der Bischofssynode

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ANSPRACHE DES HEILIGEN VATERS FRANZISKUS

Audi­enz­hal­le Pauls VI.
Sams­tag, 17. Okto­ber 2015

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Selig­kei­ten, Emi­nen­zen, Exzel­len­zen, Brü­der und Schwestern,

wäh­rend die ordent­li­che Gene­ral­ver­samm­lung in vol­lem Gan­ge ist, des 50. Jah­res­ta­ges der Insti­tu­ti­on der Bischofs­syn­ode zu geden­ken, ist für uns alle ein Grund zur Freu­de, des Lobes und dem Herrn zu dan­ken. Vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zur der­zei­ti­gen Ver­samm­lung haben wir Schritt für Schritt inten­si­ver die Not­wen­dig­keit und die Schön­heit des „gemein­sa­men Gehens“ ausprobiert.

Zu die­sem freu­di­gen Anlaß wün­sche ich einen herz­li­chen Gruß zu ent­bie­ten an Sei­ne Emi­nenz, Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, Gene­ral­se­kre­tär, mit dem Unter­se­kre­tär, Sei­ner Exzel­lenz Msgr. Fabio Fabe­ne, den Offi­zia­len, den Con­sul­to­ren und den ande­ren Mit­ar­bei­tern des Gene­ral­se­kre­ta­ri­ats der Bischofs­syn­ode, jenen Ver­bor­ge­nen, die ihre Arbeit jeden Tag bis spät in den Abend ver­rich­ten. Zusam­men mit ihnen grü­ße und dan­ke ich den Syn­oden­vä­tern und den ande­ren Teil­neh­mern der statt­fin­den­den Ver­samm­lung für ihre Anwe­sen­heit sowie allen in die­ser Hal­le Anwesenden.

In die­sem Moment wol­len wir auch an jene erin­nern, die im Lau­fe von 50 Jah­ren im Dienst der Syn­ode gear­bei­tet haben, ange­fan­gen von den Gene­ral­se­kre­tä­ren, die auf­ein­an­der­folg­ten: die Kar­di­nä­le Wła­dys­ław Rubin, Jozef Tom­ko, Jan Pie­ter Schot­te und Erz­bi­schof Niko­la Eter­ović. Ich nüt­ze die­se Gele­gen­heit, um von Her­zen mei­ne Dank­bar­keit jenen aus­zu­drücken, Leben­de und Ver­stor­be­ne, die mit groß­zü­gi­gem und kom­pe­ten­ten Ein­satz zur Durch­füh­rung der syn­oda­len Akti­vi­tät bei­getra­gen haben.

Von Anfang mei­nes Dien­stes als Bischof von Rom an beab­sich­tig­te ich, die Syn­ode auf­zu­wer­ten, die eine der kost­bar­sten Erb­schaf­ten der jüng­sten kon­zi­lia­ren Ver­samm­lung ist. Für den seli­gen Paul VI. soll­te die Bischofs­syn­ode das Abbild des öku­me­ni­schen Kon­zils wie­der­ho­len und des­sen Geist und Metho­de wider­spie­geln. Der­sel­be Papst sah vor, daß das syn­oda­le Organ „mit der Zeit noch ver­bes­sert wer­den kann“ (Motu pro­prio Apo­sto­li­ca solli­ci­tu­do, 15. Sep­tem­ber 1965). Das griff zwan­zig Jah­re spä­ter der hei­li­ge Johan­nes Paul II. auf, als er erklär­te, daß „die­ses Instru­ment viel­leicht noch ver­bes­sert wer­den kann. Viel­leicht kann sich die kol­le­gia­le pasto­ra­le Ver­ant­wor­tung in der Syn­ode noch voll­stän­di­ger aus­drücken“ (Schluß­an­spra­che, 6. Bischofs­syn­ode 1983). Schließ­lich appro­bier­te 2006 Papst Bene­dikt XVI. eini­ge Ände­run­gen der Ordo Syn­odi Epi­scopo­rum, auch mit Blick auf die in der Zwi­schen­zeit erlas­se­nen Vor­schrif­ten des Codex Iuris Cano­ni­ci und des Codex Cano­num Ecccle­siar­um Ori­tena­li­um.

Wir müs­sen die­sen Weg fort­set­zen. Die Welt, in der wir leben und die zu lie­ben und der zu die­nen wir auch in ihren Wider­sprüch­lich­kei­ten beru­fen sind, erfor­dert von der Kir­che eine Stei­ge­rung der Syn­er­gien in allen Berei­chen ihrer Sen­dung. Genau der Weg der Syn­oda­li­tät ist der Weg, den Gott sich von der Kir­che des drit­ten Jahr­tau­sends erwartet.

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Das, um das Gott uns bit­tet, ist – in gewis­ser Wei­se – schon alles im Wort „Syn­ode“ ent­hal­ten. Gemein­sam gehen – Lai­en, Hir­ten, der Bischof von Rom – ist ein leicht in Wor­ten aus­zu­drücken­des Kon­zept, aber nicht so leicht in die Pra­xis umzusetzen.

Nach­dem es beton­te, daß das Volk Got­tes aus allen Getauf­ten besteht, die geru­fen sind, „eine geist­li­che Heim­statt und ein hei­li­ges Prie­ster­tum“ zu bil­den (Lumen Gen­ti­um 10), ver­kün­det das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil: „Die Gesamt­heit der Gläu­bi­gen, da sie die Sal­bung haben, die vom Hei­li­gen kommt (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glau­ben nicht irren und tut die­se ihre beson­de­re Eigen­schaft durch den über­na­tür­li­chen Glau­bens­sinn des gan­zen Vol­kes kund, wenn sie ‚von den Bischö­fen bis zu den letz­ten gläu­bi­gen Lai­en‘ ihre uni­ver­sa­le Über­ein­stim­mung in Din­gen des Glau­bens und der Sit­ten zeigt.“ (Lumen Gen­ti­um, 12, künf­tig LG). Das ist die berühm­te Unfehl­bar­keitin creden­do“.

Im apo­sto­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii Gau­di­um habe ich es unter­stri­chen: „Das Volk Got­tes ist hei­lig in Ent­spre­chung zu die­ser Sal­bung, die es „in creden­do“ unfehl­bar macht“ (EG 119) und ich habe hin­zu gefügt: „Jeder Getauf­te ist, unab­hän­gig von sei­ner Funk­ti­on in der Kir­che und dem Bil­dungs­ni­veau sei­nes Glau­bens, akti­ver Trä­ger der Evan­ge­li­sie­rung, und es wäre unan­ge­mes­sen, an einen Evan­ge­li­sie­rungs­plan zu den­ken, der von qua­li­fi­zier­ten Mit­ar­bei­tern umge­setzt wür­de, wobei der Rest des gläu­bi­gen Vol­kes nur Emp­fän­ger ihres Han­delns wäre“ (EG, 120). Der sen­sus fidei ver­hin­dert, streng zwi­schen Eccle­sia docens und Eccle­sia dis­cens zu unter­schei­den, zumal auch die Her­de über eine eige­nen „Wit­te­rung“ ver­fügt, um die neu­en Wege zu unter­schei­den, die der Herr der Kir­che auf­tut. (Wört­lich sag­te Papst Fran­zis­kus „dischiude­re“, was sinn­ge­mäß meint, etwas bis­her Ver­schlos­se­nes auftun.)

Es war die­se Über­zeu­gung, die mich gelei­tet hat, als ich gewünscht habe, daß das Volk Got­tes in der Vor­be­rei­tung für die dop­pel­te Syn­oden­ver­samm­lung über die Fami­lie kon­sul­tiert wer­de, wie es nor­ma­ler­wei­se mit jedem „Linea­men­ta“ [Vor­be­rei­tungs­do­ku­men­ten] geschieht und geschah. Sicher­lich, eine Befra­gung die­ser Art könn­te in kei­ner Wei­se aus­rei­chen, um den sen­sus fidei zu hören. Aber wie hät­te man über die Fami­lie spre­chen kön­nen, ohne die Fami­li­en zu befra­gen, indem man ihre Freu­den und ihre Hoff­nun­gen anhört, ihre Lei­den und ihre Äng­ste (vgl. Gau­di­um et Spes, 1)? Durch die Ant­wor­ten auf die zwei an die Orts­kir­chen ver­schick­ten Fra­ge­bö­gen haben wir die Mög­lich­keit gehabt, zumin­dest eini­ge von ihnen anzu­hö­ren rund um Fra­gen, die sie aus der Nähe betref­fen und zu denen sie viel zu sagen haben.

Eine syn­oda­le Kir­che ist eine Kir­che des Zuhö­rens im Bewußt­sein, daß Zuhö­ren „mehr ist als blo­ßes Hören“ (unkla­re Quel­len­an­ga­be). Es ist ein wech­sel­sei­ti­ges Zuhö­ren bei dem jeder etwas zu ler­nen hat. Treu­es Volk, Bischofs­kol­le­gi­um, Bischof von Rom: der eine hört auf die ande­ren, und alle hören auf den Hei­li­gen Geist, den „Geist der Wahr­heit“ (Joh 14,17), um zu erken­nen, was Er „sei­nen Kir­chen sagt“ (Apg 2,7).

Die Bischofs­syn­ode ist der Kon­ver­genz­punkt die­ser Dyna­mik des Hörens, das auf allen Ebe­nen des Lebens der Kir­che statt­fin­det. Der syn­oda­le Weg beginnt mit dem Hören auf das Volk, das an der pro­phe­ti­schen Sen­dung Chri­sti teil­hat (LG, 13) nach einem der Kir­che des ersten Jahr­tau­sends teu­ren Grund­satz: „Quod omnes tan­git ab omni­bus trac­ta­ri debet“ [Was alle angeht, muß von allen bespro­chen wer­den]. Der Weg der Syn­ode geht wei­ter im Hören auf die Hir­ten. Über die Syn­oden­vä­ter han­deln die Bischö­fe als ech­te Wah­rer, Ver­mitt­ler und Zeu­gen des Glau­bens der gan­zen Kir­che, den sie auf­merk­sam unter­schei­den müs­sen kön­nen von den häu­fig sich ändern­den Strö­mun­gen der öffent­li­chen Mei­nung. Am Vor­abend der Syn­ode im ver­gan­ge­nen Jahr habe ich bekräf­tigt: „Vom Hei­li­gen Geist erbit­ten wir für die Syn­oden­vä­ter vor allem die Gabe des Hörens: des Hörens auf Gott, so daß wir mit Ihm den Schrei des Vol­kes hören; auf das Volk hören, bis wir den Wil­len ein­at­men, zu dem Gott uns ruft“ (Anspra­che auf dem Peters­platz, 4. Okto­ber 2014).

Schließ­lich gip­felt der syn­oda­le Weg im Hören auf den Bischof von Rom, der geru­fen ist als „Hir­te und Leh­rer aller Chri­sten“ zu spre­chen (1. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Pastor Aeter­nus; CIC 749 §1): nicht von sei­nen per­sön­li­chen Über­zeu­gun­gen aus­ge­hend, son­dern als ober­ster Zeu­ge des fides toti­us Eccle­siae, „als Garant des Gehor­sams und der Über­ein­stim­mung der Kir­che mit dem Wil­len Got­tes, dem Evan­ge­li­um Chri­sti und der Tra­di­ti­on der Kir­che“ (Anspra­che zum Abschluß der Syn­ode 2014, 18. Okto­ber 2014).

Die Tat­sa­che, daß die Syn­ode immer cum Petro et sub Petro han­delt, also nicht nur mit dem Papst, son­dern auch unter dem Papst, ist kei­ne Beschrän­kung der Frei­heit, son­dern eine Garan­tie der Ein­heit. Tat­säch­lich ist der Papst durch den Wil­len des Her­ren „das immer­wäh­ren­de und sicht­ba­re Prin­zip und das Fun­da­ment für die Ein­heit sowohl der Bischö­fe als auch der Men­ge der Gläu­bi­gen“ (LG, 23; vgl. 1. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Pastor Aeter­nus). Damit hängt das Kon­zept der „hier­ar­chi­ca com­mu­nio“ zusam­men, das vom Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gebraucht wur­de: die Bischö­fe sind ver­bun­den mit dem Bischof von Rom durch das Band der bischöf­li­chen Gemein­schaft (cum Petro) und sind zur glei­chen Zeit hier­ar­chisch ihm als Haupt des Kol­le­gi­ums unter­ge­ord­net (sub Petro) (LG, 22; Dekret Chri­stus Domi­nus, 4).

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Die Syn­oda­li­tät als kon­sti­tu­ti­ves Ele­ment der Kir­che bie­tet uns den ange­mes­sen­sten Inter­pre­ta­ti­ons­rah­men um den hier­ar­chi­schen Dienst zu ver­ste­hen. Wenn wir ver­ste­hen, daß, wie der hei­li­ge Johan­nes Chryso­s­to­mos sagt, „Kir­che und Syn­ode Syn­ony­me sind“ (Expli­ca­tio in Ps 149, PG 55, 493) – weil die Kir­che nichts ande­res ist als das „gemein­sa­me Gehen“ der Her­de Got­tes auf den Wegen der Geschich­te Chri­stus dem Herrn ent­ge­gen – dann ver­ste­hen wir auch, daß in ihrem Inne­ren nie­mand über die ande­ren „erho­ben“ sein kann. Im Gegen­teil, in der Kir­che ist es not­wen­dig, daß jemand „sich ernied­rigt“, um sich auf dem Weg in den Dienst an den Brü­dern (Radio Vati­kan — Deut­sche Sek­ti­on über­setzt gen­der­ge­recht „Geschwi­ster“) zu stellen.

Jesus hat die Kir­che gegrün­det und an ihre Spit­ze das apo­sto­li­sche Kol­le­gi­um gesetzt, in dem der Apo­stel Petrus der „Fels“ ist (vgl. Mt 16,18), jener der sei­ne Brü­der im Glau­ben stär­ken soll (vgl. Lk 22,32). Aber in die­ser Kir­che befin­det sich, wie in einer auf den Kopf gestell­ten Pyra­mi­de, die Spit­ze unter­halb der Basis. Des­halb hei­ßen die­je­ni­gen, die Auto­ri­tät aus­üben, „Die­ner“: weil sie gemäß dem ursprüng­li­chen Sinn des Wor­tes die Klein­sten von allen sind. Indem er dem Volk Got­tes dient, wird ein jeder Bischof, für den ihm anver­trau­ten Teil der Her­de, vica­ri­us Chri­sti (LG, 27), Stell­ver­tre­ter jenes Jesus, der sich beim letz­ten Abend­mahl nie­der­knie­te, um die Füße der Apo­stel zu waschen (Joh 13,1–15). Und in einem ähn­li­chen Hori­zont ist der Nach­fol­ger Petri nichts ande­res als der ser­vus ser­vor­um Dei (vgl. Anspra­che zum Abschluß der Syn­ode 2014, 18. Okto­ber 2014).

Ver­ges­sen wir das nie! Für die Jün­ger Jesu, gestern, heu­te und immer, ist die ein­zi­ge Auto­ri­tät die Auto­ri­tät des Dien­stes, die ein­zi­ge Macht die Macht des Kreu­zes, gemäß den Wor­ten des Mei­sters: „Ihr wißt, daß die Herr­scher ihre Völ­ker unter­drücken und die Mäch­ti­gen ihre Macht über die Men­schen miß­brau­chen. Bei euch soll es nicht so sein, son­dern wer bei euch groß sein will, der soll euer Die­ner sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Skla­ve sein“ (Mt 20,25.27). Unter euch soll es nicht so sein: in die­sem Aus­druck gelan­gen wir direkt zum Herz des Geheim­nis­ses der Kir­che – „bei euch soll es nicht so sein“ – und erhal­ten das not­wen­di­ge Licht um den hier­ar­chi­schen Dienst zu verstehen.

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In einer syn­oda­len Kir­che ist die Bischofs­syn­ode nur der sicht­bar­ste Aus­druck einer Dyna­mik der Gemein­schaft, die alle kirch­li­chen Ent­schei­dun­gen inspiriert.

Die erste Ebe­ne der Aus­übung der Syn­oda­li­tät ver­wirk­licht sich in den Teil­kir­chen. Nach­dem er die edle Insti­tu­ti­on der Diö­ze­san­syn­ode wie­der ein­ge­führt hat, in der Prie­ster und Lai­en geru­fen sind, gemein­sam mit dem Bischof für das Wohl der gesam­ten kirch­li­chen Gemein­schaft zusam­men­zu­ar­bei­ten (CIC 460–468), wid­met der Codex Iuris Cano­ni­ci jenen brei­ten Raum, die all­ge­mein „Orga­ne der Gemein­schaft“ in den Teil­kir­chen genannt wer­den: der Prie­ster­rat, das Kol­le­gi­um der Con­sul­to­ren, das Dom­ka­pi­tel und der Pasto­ral­rat (CIC 495–514). Nur in dem Maß, in dem die­se Orga­ne mit „unten“ ver­bun­den blei­ben und von den Men­schen aus­ge­hen, von den all­täg­li­chen Pro­ble­men, kann eine syn­oda­le Kir­che begin­nen, Gestalt anzu­neh­men: die­se Instru­men­te, die manch­mal müh­se­lig vor­an­kom­men, müs­sen als Gele­gen­heit des Hörens und Tei­lens auf­ge­wer­tet wer­den.

Die zwei­te Ebe­ne ist die der Kir­chen­pro­vin­zen und Kir­chen­re­gio­nen, der Par­ti­ku­lar­kon­zi­li­en und auf beson­de­re Wei­se die der Bischofs­kon­fe­ren­zen (CIC 431–459). Wir müs­sen dar­über nach­den­ken, um noch mehr durch die­se Orga­ne die Zwi­schen­in­stan­zen der Kol­le­gia­li­tät, viel­leicht durch Inte­gra­ti­on oder Aktua­li­sie­rung eini­ger Aspek­te der anti­ken Kir­chen­ord­nung, zu ver­wirk­li­chen. Der Wunsch des Kon­zils, die­se Orga­ne mögen zum Anwach­sen des Gei­stes der bischöf­li­chen Kol­le­gia­li­tät bei­tra­gen, hat sich noch nicht voll­stän­dig erfüllt. Wir sind auf hal­bem Weg, auf einem Teil des Weges. In einer syn­oda­len Kir­che, wie ich bereits gesagt habe, „ist es nicht ange­bracht, daß der Papst die ört­li­chen Bischö­fe im Urteils­ver­mö­gen zu allen Pro­ble­men ersetzt, die in ihren Gebie­ten auf­tre­ten. In die­sem Sinn spü­re ich die Not­wen­dig­keit, in einer heil­sa­men „Dezen­tra­li­sie­rung“ vor­an­zu­schrei­ten“ (EG, 16).

Die letz­te Ebe­ne ist die der Welt­kir­che. Hier wird die Bischofs­syn­ode, in Ver­tre­tung des gesam­ten katho­li­schen Epi­sko­pats, zum Aus­druck der bischöf­li­chen Kol­le­gia­li­tät inner­halb einer ganz und gar syn­oda­len Kir­che (Dekret Chri­stus Domi­nus 5, CIC 342–348). Zwei ver­schie­de­ne Begrif­fe: „bischöf­li­che Kol­le­gia­li­tät“ und „eine ganz und gar syn­oda­le Kir­che“. Das drückt eine col­le­gia­li­tas affec­ti­va aus, die unter eini­gen Umstän­den zu einer „effek­ti­ven“ wer­den kann, wel­che die Bischö­fe unter­ein­an­der und mit dem Papst in der Für­sor­ge für das Volk Got­tes ver­bin­det (Johan­nes Paul II., Pasto­res Gre­gis, 8).

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Der Ein­satz zum Auf­bau für eine syn­oda­le Kir­che – Auf­trag, zu dem wir alle geru­fen sind, jeder in der Auf­ga­be, die ihm der Herr anver­traut hat — ist mit öku­me­ni­schen Impli­ka­tio­nen schwan­ger. Aus die­sem Grund habe ich jüngst in Gesprä­chen mit einer Dele­ga­ti­on des Patri­ar­chen von Kon­stan­ti­no­pel die Über­zeu­gung wie­der­holt, daß „die genaue Prü­fung wie sich im Leben der Kir­che das Prin­zip der Syn­oda­li­tät und der Dienst des­sen, der vor­steht, aus­drücken, einen bedeu­ten­den Bei­trag zum Fort­schritt in den Bezie­hun­gen zwi­schen unse­ren Kir­chen bie­ten wird“ (Rede an die Öku­me­ni­sche Dele­ga­ti­on des Patri­ar­chats von Kon­stan­ti­no­pel, 27. Juni 2015).

Ich bin über­zeugt, daß in einer syn­oda­len Kir­che auch die Aus­übung des Petri­ni­schen Pri­mats mehr Licht emp­fan­gen kann. Der Papst steht nicht ‚allein, über der Kir­che, son­dern in ihr drin­nen als Getauf­ter unter Getauf­ten und drin­nen im Bischofs­kol­le­gi­um als Bischof unter Bischö­fen, gleich­zei­tig geru­fen – als Nach­fol­ger des Apo­stels Petrus – die Kir­che von Rom zu lei­ten, die in der Lie­be allen Kir­chen vor­steht (vgl. hei­li­ger Igna­ti­us von Antio­chi­en, Epi­stu­la ad Roma­nos, Pro­emio: PG 5, 686).

Indem ich die Not­wen­dig­keit und die Dring­lich­keit bekräf­ti­ge, an „eine Neu­aus­rich­tung des Papst­tums“ (so die offi­zi­el­le deut­sche Über­set­zung von Evan­ge­lii Gau­di­um, 32. Im ita­lie­ni­schen Ori­gi­nal heißt es „con­ver­sio­ne del papa­to“, was eigent­lich „Ver­wand­lung“, „Umwand­lung“ oder gar „Bekeh­rung“ des Papst­tums meint.) zu den­ken, wie­der­hol­te ich ger­ne die Wor­te mei­nes Vor­gän­gers Papst Johan­nes Paul II.; „Als Bischof von Rom weiß ich sehr wohl […], daß die vol­le und sicht­ba­re Gemein­schaft aller Gemein­schaf­ten, in denen kraft der Treue Got­tes sein Geist wohnt, der bren­nen­de Wunsch Chri­sti ist. Ich bin über­zeugt, dies­be­züg­lich eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung zu haben, vor allem wenn ich die öku­me­ni­sche Sehn­sucht der mei­sten christ­li­chen Gemein­schaf­ten fest­stel­le und die an mich gerich­te­te Bit­te ver­neh­me, eine Form der Pri­mats­aus­übung zu fin­den, die zwar kei­nes­wegs auf das Wesent­li­che ihrer Sen­dung ver­zich­tet, sich aber einer neu­en Situa­ti­on öff­net“ (Enzy­kli­ka Ut unum sint, 95).

Unser Blick wei­tet sich auch auf die Mensch­heit. Eine syn­oda­le Kir­che ist wie ein erho­be­nes Ban­ner unter den Völ­kern (vgl. Jes 11,12) in einer Welt, die – obwohl sie zu Betei­li­gung, Soli­da­ri­tät und Trans­pa­renz in der öffent­li­chen Ver­wal­tung auf­ruft – oft das Schick­sal gan­zer Bevöl­ke­run­gen in die gie­ri­gen Hän­de klei­ner Macht­grup­pen aus­lie­fert. Als Kir­che, die gemein­sam mit den Men­schen unter­wegs ist, an den Mühen der Geschich­te teil­hat, hegen wir den Traum, daß die Wie­der­ent­deckung der unver­letz­li­chen Wür­de der Völ­ker und der Funk­ti­on der Auto­ri­tät als Dienst auch der Zivil­ge­sell­schaft hel­fen kann, sich in Gerech­tig­keit und Brü­der­lich­keit (Radio Vati­kan – Deut­sche Sek­ti­on über­setzt gen­der­ge­recht „Geschwi­ster­lich­keit“) auf­zu­rich­ten und eine schö­ne­re und dem Men­schen wür­di­ge­re Welt zu schaf­fen für die Genera­tio­nen, die nach uns kom­men wer­den (EG, 186–192; Enzy­kli­ka Lau­da­to si, 156–162).

Dan­ke.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Secretum Meum Mihi

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