Lücke im päpstlichen Kalender — Erneut „spektakuläre“ Fußwaschung am Gründonnerstag?

(Rom) Das Amt für die lit­ur­gi­schen Fei­ern des Pap­stes ver­öf­fent­lich­te den Kalen­der für die Zele­bra­tio­nen des Pap­stes bis zum Zwei­ten Sonn­tag nach Ostern. Für die Tage des Tri­du­um Sacrum wer­den alle Zele­bra­tio­nen von der Chri­sam­mes­se im Peters­dom am Vor­mit­tag des Grün­don­ners­tags bis zum Apo­sto­li­schen Segen Urbi et Orbi am Oster­sonn­tag um 12 Uhr mit­tags genannt. Nicht ange­führt ist die Mes­se vom Letz­ten Abend­mahl am Abend des Grün­don­ners­tags, mit der das Tri­du­um Sacrum lit­ur­gisch beginnt. Der Kalen­der wur­de in der Mitt­wochs­aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no abge­druckt (sie­he Bild unten).

Vatikanisten spekulieren über „spektakuläre“ Fußwaschung 2015

Unter Vati­ka­ni­sten wur­den bereits Wet­ten abge­schlos­sen, wem Papst Fran­zis­kus in die­sem Jahr „spek­ta­ku­lär“ die Füße waschen werde.

Liturgischer Kalender des Papstes im Osservatore Romano vom 28.01.2015
Lit­ur­gi­scher Kalen­der des Pap­stes im Osser­va­to­re Roma­no vom 28.01.2015

Die Mes­se am Abend des Grün­don­ners­tags ist von kon­sti­tu­ti­ver Bedeu­tung für die Katho­li­sche Kir­che und inhalt­lich von kon­zen­trier­ter Dich­te. Es wird der Fuß­wa­schung gedacht, die der Herr an den Apo­steln vor­nahm. Ein Zei­chen dafür, daß die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on immer ein demü­ti­ges Die­nen sein muß. Um dies zum Aus­druck zu brin­gen, wuschen Päp­ste Kar­di­nä­len und Bischö­fen die Füße als direk­te Nachgereihte.

Das ist aber nur ein Ele­ment. Am sel­ben Abend wird der Ein­set­zung des Aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­ments gedacht und, damit untrenn­bar ver­bun­den, der Ein­set­zung des Wei­he­prie­ster­tums durch Jesus Chri­stus. Die­se dop­pel­te Ein­set­zung bil­det den Mit­tel­punkt der Grün­don­ners­tags­lit­ur­gie und ist auf das Eng­ste mit der Kir­che als geweih­tem Sakral­raum ver­bun­den. Das ver­langt, daß die Hei­li­ge Mes­se in Coe­na Domi­ni von den Ober­hir­ten in ihrer Bischofs­kir­che mit dem gläu­bi­gen Volk zele­briert wird. 2014 rief eine Initia­ti­ve katho­li­scher Medi­en die Bischö­fe auf, an die­sem Abend ihre Kathe­dra­len nicht zu ver­las­sen, um an ande­ren Orten zu zelebrieren.

Die­se Initia­ti­ve hat­te einen Grund und muß­te gleich­zei­tig wegen die­ses Grun­des ins Lee­re fal­len, da es der Papst selbst war, der sei­ne Bischofs­kir­che, die Late­ran­ba­si­li­ka ver­ließ. Eini­ge medi­en­af­fi­ne Bischö­fe kün­dig­ten an, dem päpst­li­chen „Vor­bild“ fol­gen zu wollen.

Achsenverschiebung weg von der heiligen Eucharistie hin zur Fußwaschung

Jesus wusch nicht irgendwem die Füße, sondern den Aposteln
Jesus wusch nicht irgend­wem die Füße, son­dern den Aposteln

2013 besuch­te Papst Fran­zis­kus ein Jugend­ge­fäng­nis bei Rom. Er zele­brier­te dort unter Aus­schluß des gläu­bi­gen Vol­kes in einer Mehr­zweck­hal­le und wusch jun­gen Gefan­ge­nen die Füße, dar­un­ter auch Mäd­chen und Mos­lems. Eine mensch­lich sym­pa­thisch wir­ken­de, lit­ur­gisch aber höchst umstrit­te­ne Geste. Unge­klärt ist bis heu­te, ob der Papst eben­so undif­fe­ren­ziert die Hei­li­ge Kom­mu­ni­on spen­de­te. Das Pres­se­amt des Hei­li­gen Stuhls nahm dazu nicht Stellung.

2014 wie­der­hol­te Papst Fran­zis­kus „sei­nen“ Weg und zele­brier­te die Mis­sa in Coe­na Domi­ni in einer Behin­der­ten­ein­rich­tung bei Rom. Dort wusch er er Behin­der­ten die Füße. Wie­der­um unter Aus­schluß des gläu­bi­gen Vol­kes, aber nicht der Öffent­lich­keit. Die Medi­en berich­te­ten eif­rig über den päpst­li­chen Aus­flug, wäh­rend die Bischofs­kir­che von Rom, die Late­ran­ba­si­li­ka im zwei­ten Jahr hin­ter­ein­an­der ver­waist blieb. Damit ver­fe­stig­te Fran­zis­kus eine Ach­sen­ver­schie­bung in der Wahr­neh­mung weg von der hei­li­gen Eucha­ri­stie hin zur Fuß­wa­schung, die zudem einer Umdeu­tung unter­wor­fen wur­de. Damit stellt sich auch die Fra­ge nach dem eucha­ri­sti­schen Verständnis.

Päpstlicher Aktionismus

Letztes Abendmahl
Letz­tes Abendmahl

Die vati­ka­ni­schen Medi­en paß­ten sich bereit­wil­lig dem päpst­li­chen Aktio­nis­mus an und berich­te­ten 2014 schon im Vor­feld, der Papst wer­de Behin­der­ten „unter­schied­li­chen Glau­bens, Volks­zu­ge­hö­rig­keit und Alters“ die Füße waschen.

Die Lücke im heu­te vom Osser­va­to­re Roma­no ver­öf­fent­lich­ten Kalen­der der päpst­li­chen Zele­bra­tio­nen legt nahe, daß Papst Fran­zis­kus für die Mes­se vom Letz­ten Abend­mahl auf der Suche nach einem exklu­si­ven, aber medi­en­träch­ti­gen Kon­text für die demü­ti­ge Fuß­wa­schung ist. Unter den Vati­ka­ni­sten gibt bereits eini­ge hoch­quo­tier­te Vor­stel­lun­gen. Wegen der vati­ka­ni­schen Geheim­hal­tung auch ziem­lich irritierende.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: AciPrensa/Osservatore Romano/Pagina Catolica

20 Kommentare

  1. Mei­nes Wis­sens wur­de frü­her immer Prie­stern durch den Papst die Füße gewa­schen — und das ist auch allei­ne so logisch, das Jesus eben den Apo­steln die Füße wusch.

    Es geht hier nicht ein­mal um mann oder Frau, son­dern um Prie­ster oder Laie — das ist in die­sem Zusam­men­hang der ent­schei­den­de Punkt.

    Nun hat aber bereits Bene­dikt XVI. im Jahr 2006 dies auf­ge­löst, indem er erst­ma­lig Lai­en-Män­nern die Füße wusch. das war damals so spek­ta­ku­lär, dass sogar der „Spie­gel“ dar­über einen Arti­kel schrieb:
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/papst-kreuzweg-karfreitag-mit-benedikt-xvi-fotostrecke-13360.html

    Man muss folg­lich die Aktio­nen des F. hier fair ein­ord­nen: er setzt fort, was Bene­dikt hier ange­zet­telt hat. Lei­der haben die vor­ein­ge­nom­me­nen Tra­di­tio­na­li­sten auf­grudn ihrer Bene­dikt-Blind­heit und auf­grund ihrer Frau­en­ab­wer­tung nicht erfasst, dass Bene­dikt nicht anders als F. bereits den Sinn des Ritus total ent­stellt hat­te, denn wie gesagt: Es geht hier nicht um Mann oder Frau, son­dern um Kle­ri­ker oder Laie.
    Auch der Lai­en­mann war nicht im Abendmahlssaal!

    • In dem von Ihnen ver­link­ten Spíe­gel-Bericht heißt es wört­lich: „Papst Bene­dikt XVI. wäscht am Grün­don­ners­tag die Füße von zwölf k a t h o l i s c h e n Laien“.

      Da ist ja wohl noch ein klei­ner Unter­schied zwi­schen “ katho­li­schen“ und „kir­chen­fer­nen“ Lai­en. In die­sem Fall han­del­te es sich näm­lich um eine Muslima.

      Und außer­dem ich zu beach­ten, wie wun­der­bar auf ein­mal Bischof Franz von Rom zum Füs­se­küs­sen knien kann.

      • Haben Sie nicht wei­ter­ge­le­sen? Ich zitie­re für Sie auch noch den Rest:

        „Anders als sei­ne Vor­gän­ger wusch der Papst in der Late­ran-Basi­li­ka in Rom nicht zwölf Prie­stern die Füße, son­dern wähl­te der Kir­che nah ste­hen­de Lai­en für das Zere­mo­ni­ell aus.“

        Es hat im übri­gen nie­mand behaup­tet, dass es des­halb oaky sei, Nicht­ka­tho­li­ken die Füße zu waschen.

        Bit­te blei­ben wir doch in der logi­schen Gedan­ken­rei­he: Wenn es bei dem Zere­mo­ni­ell tra­di­tio­nell dar­um ging, 12 Prie­stern (als Apo­stenach­fol­gern) die Füße zu waschen, dann war es schon ein Tra­di­ti­ons­bruch, nun plötz­lich Lai­en dafür ein­zu­set­zen. Fängt man so erst ein­mal an, stürzt ein tabu nach dem andern um — bis wir dann auch eben Mus­li­men die Füße waschen…

      • Auch ein logi­scher Gedan­ke scheint es zu sein, dass die Jün­ger Jesu bevor ihnen die Füße gewa­schen wur­den, noch KEINE von ihm ein­ge­setz­ten Prie­ster waren.
        Man kann hier hin­ter dem Kom­ma suchen, wie man will, mei­ner Mei­nung nach wäre Papst Bene­dikt nicht so weit gegan­gen wie Papst F.
        Es ist in gewöhn­li­chen Pfar­ren nicht unüb­lich, dass wenn es denn eine Fuß­wa­schung am Grün­don­ners­tag gibt, die­se an Katho­li­ken, nor­ma­ler­wei­se Pfarr­an­ge­hö­ri­gen gemacht wird.
        Dort kann man aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den nicht 12 Prie­stern die Füße waschen, das ist klar. Aber für den Papst soll­te es ja orga­ni­sa­to­risch mög­lich sein 12 Katho­li­ken auf­zu­trei­ben die sich für die­sen rein sym­bo­li­schen Akt hergeben.
        Es wird wohl wie­der eine rei­ne, öffent­lich­keits­wirk­sa­me Beschau wer­den, die der amtie­ren­de Papst heu­er plant.
        Ich schät­ze es könn­ten Homo­se­xu­el­le und Wie­der­ver­hei­ra­te­te sein denen er die Füße wäscht, aber was weiß man schon.
        Die eigent­li­che Bedeu­tung die­ses Aktes geht sowie­so ver­lo­ren, bei die­sem Papst unter dem die christ­li­che Spi­ri­tua­li­tät völ­lig ver­ober­fläch­licht wurde.

      • @ dhmg

        Jesus hat­te die Zwölf schon lan­ge zuvor beru­fen und mit dem letz­ten Abend­mahl ja eingesetzt!
        Die Lai­en, die Bene­dikt ein­lud, waren z.T. Fami­li­en­vä­ter, fürs Prie­ster­amt also nach mensch­li­chem Ermes­sen ein­deu­tig ver­lo­ren und zur Ehe berufen.…

        Ob Bene­dikt selbst so weit gegan­gen wäre, ist uner­heb­lich — mit einer sol­chen Geste legt man Hemm­schwel­len tiefer…

      • Selbst­ver­ständ­lich weiß ich das, aber Prie­ster waren sie erst durch die Fuß­wa­schung. Es scheint mir sowie­so egal, wie man es dreht und wen­det, Papst F. ist mei­nes Erach­tens hier wie sonst auch einen Schritt zu weit gegan­gen. Er wird sich auch heu­er beim Kreuz­weg nicht ver­nei­gen oder sich wie beim Fron­leich­nam­s­um­zug ver­tre­ten las­sen unter faden­schei­ni­gen Aus­re­den. Das macht gemein­sam mit dem Medi­en­spe­ka­kel am Grün­don­ners­tag ein sehr, sehr schlech­tes Bild.

        Hemm­schwel­len tie­fer legen — das den­ke ich nicht. Nur weil Bene­dikt Lai­en-Katho­li­ken anstatt Prie­stern die Füße gewa­schen hat, legt er nicht die Hemm­schwel­le tie­fer. Wie gesagt, in nor­ma­len Pfar­ren wer­den eben­falls Laien(Pfarrgemeinderäten z.bsp) am Grün­don­ners­tag die Füße gewa­schen, das ist kei­ne Häre­sie oder Tabu­bruch in mei­nen Augen. Schwe­rer wiegt für mich was F. tut.
        Es macht für mich eine ganz schlech­te Sym­bo­lik, wenn er aus­ge­rech­net Gefan­ge­nen die Füße wäscht. Sind das also sei­ne Jün­ger — die Geset­zes­bre­cher? Ohne über die­se Men­schen urtei­len zu wol­len, es geht hier nur um die Symbolik.

  2. Soll­te auch die­ses Jahr eine „spek­ta­ku­lär“ tra­di­ti­ons­fer­ne Fuss­wa­schung statt­fin­den, so wür­de schlicht das­je­ni­ge fort­ge­setzt, was Mario Palma­ro und Ales­san­dro Gnoc­chi mit „Defor­ma­ti­on des Evan­ge­li­ums im Lich­te der Welt“ bezeich­net haben.

    Wie im Arti­kel bereits erklärt wurde:
    Unser Herr und Gott Jesus Chri­stus hat Sei­nen Jün­gern die Füsse gewa­schen und nicht „irgend­je­man­dem“

    War­um?

    Weil die Fuss­wa­schung NICHT von der Ein­set­zung des aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­men­tes zu tren­nen ist.

    Er wähl­te denn auch NUR die zwölf Apo­stel zur Teil­nah­me aus, die mit ihm im Glau­ben und in der Lie­be geeint waren, ( ausser dem Ver­rä­ter Judas Iskariot)
    An die­sem Abend setz­te sie unser Herr und Gott Jesus Chri­stus als Prie­ster des Neu­en und Ewi­gen Bun­des ein und stif­te­te denn auch das aller­hei­lig­ste Altarsakrament.Die Fuss­wa­schung am Grün­don­ners­tag hat mit der Beauf­tra­gung der Apo­stel für ihren Dienst zu tun und NICHT mit der Barm­her­zig­keit der Kir­che gegen­über den Sündern!

  3. Ein selbst­ver­lieb­ter Nar­ziß, die­ser Ber­go­gliac­cio, die Dia­gno­se, die er vor Weih­nach­ten den Kuria­len gestellt hat, trifft voll­in­halt­lich auf ihn sel­ber zu.
    Pro­jek­ti­on nann­te das Sig­mund Freud, und so jemand, den sei­ne eige­nen Obe­ren schon vor Jahr­zehn­ten als „ver­rückt“ ein­stuf­ten, wähl­ten die Kar­di­nä­le zum „Papst“!
    Das Papst­tum in sei­ner tief­sten Ernied­ri­gung, zum Spiel­ball sei­ner Eska­pa­den ver­kom­men. Ein Nero im wei­ßen Gewand, der sei­ne Brü­der „mor­det“, um den Fein­den der Kir­che zu gefallen.
    Quousquetandem.…

  4. Gestern habe ich fol­gen­den inter­es­san­ten Bericht auf „Bei­boot Petri“ gele­sen, in dem der Umgang Bs. mit den Medi­en sehr genau beleuch­tet wird. Dem­nach muß er sich völ­lig im kla­ren dar­über sein, was er so von sich gibt und man kann ihm kei­nes­wegs man­geln­de Intel­li­genz unter­stel­len oder es an einem irgend­wie plum­pen aber gut­mü­ti­gen Wesen fest­ma­chen. Über­trägt man die­se Ana­ly­se auch auf sei­ne Art zu seg­nen, Kreuz­zei­chen usw., dann hat das mit Schlam­pig­keit nichts tun, son­dern gehört ins­ge­samt (inklu­si­ve Frau­en­fü­ße küs­sen) zu sei­ner Agenda.

    http://beiboot-petri.blogspot.de/2015/01/franziskus-und-die-medien.html#more

    Der letz­te Satz die­ser Ana­ly­se bringt es auf den Punkt:

    … und sie erreicht die Fein­de Got­tes, die sich bei ihrem Feld­zug zum Ver­der­ben der See­len auf ihn stüt­zen kön­nen. Mis­si­on accomplished.

    • Ver­zei­hen Sie — aber das nützt uns doch nichts, in die­se Rich­tung zu denken!
      Auch die sub­ti­le­ren Ent­glei­sun­gen sei­ner Vor­gän­ger haben die Fein­de Got­tes erreicht und „accom­plished the mission“…

      Nur wird bei die­sem fle­gen­half­ten und zugleich popu­li­sti­schen Geha­be gewis­ser­ma­ßen ein ande­rer „Kun­den­kreis“ bedient.

      es ist und bleibt mir ein Rät­sel, dass man bei Bene­dikt ein­fach nicht sehen will, dass er in vie­ler Hin­sicht sogar mas­siv mit der Tra­di­ti­on gebro­chen hat — zum Bei­spiel hier am Grün­don­ners­tag. Was war denn sei­ne Botschaft?
      Die „mis­si­on“ war: die Lai­en wer­den in den Abend­mahls­saal dra­piert, als hät­ten auch sie den for­mel­len prie­ster­li­chen Dienst als Beru­fung emp­fan­gen. Und genau die­se Mis­si­on lag auch über­all in der Luft und auch vie­le Tra­dis haben sie förm­lich ver­schluckt — s. die plötz­li­che Suche nach glau­bens­ret­ten­den Lai­en in der Geschichte…
      Dass man dann auch noch wei­ter geht und Frau­en bzw. Nicht-Katho­li­ken ein­lädt ist doch nur logi­sche Folge.

      Bene­dikt hat das alles stil­voll durch­ge­zo­gen, „distin­guis­hed“, und sehr sehr ästhe­tisch — es nutzt nichts. Bis hin zu sei­nem Rück­tritt, der eigent­lich der Todes­stoß des Papst­tums war, stand wohl auch das alles auf sei­ner Agenda?!

      • ja @ zeit­schnur, Sie haben völ­lig recht. Wenn wir nicht zu den Wur­zeln vor­drin­gen, kom­men wir schnell zu fal­schen Schlüssen.

  5. @zeitschnur

    Aber es ist doch auch nicht zu über­se­hen, daß die Medi­en, Kir­chen­geg­ner, „Wir sind Kir­che“, die Küngs … sich auf Bene­dikt wie rei­ßen­de Wöl­fe gestürzt haben und nun um Fran­zis­kus einen Tanz ver­an­stal­ten wie um das Gol­de­ne Kalb. 

    Ich laß jetzt ein­fach mal mei­ne Gedan­ken flie­ßen und grei­fe dazu nur mal das Fuß­küs­sen her­aus (nicht an irgend­ei­ner Frau zele­briert, son­dern spe­zi­ell an einer mus­li­mi­schen), immer mit der Fra­ge, was will der Künst­ler uns damit sagen, wie kommt das an im katho­li­schen, isla­mi­schen, athe­isti­schen Milieu? Zunächst ein­mal hat es schon etwas Ero­ti­sches, wenn ein Mann (s)einer Frau die Füße küsst. In die­sem Fall wäscht und küsst nicht nur ein zöli­ba­tä­rer Prie­ster, son­dern der, der den höch­sten Rang in der kirch­li­chen Hier­ar­chie ein­nimmt, einer jun­gen Mus­li­min den Fuß. Man müß­te jetzt tat­säch­lich mal eine Frau und einen Mann befra­gen, die in die­ser Kul­tur auf­ge­wach­sen sind und mit denen man sich ehr­lich unter­hal­ten kann, wie z. B. Saba­ti­na James oder Hamed abdel-Samad, wie so etwas rüber­kommt. Ein „Ungläu­bi­ger“ und dazu noch der höch­ste Ver­tre­ter (in ihren Augen wohl aller Chri­sten), nimmt den Fuß einer mus­li­mi­schen Frau und küßt ihn anschlie­ßend noch. Ich habe mal irgend­wo gele­sen von einer gebil­de­ten mus­li­mi­schen Frau hier im Westen, wie sie abends ihren Mann emp­fängt, wenn die­ser von der Arbeit kommt. Sie wäscht ihm die Füße und reicht ihm die Puschen, das ist ein abend­li­ches Ritu­al, das er von ihr erwar­tet. Ich kann mir abso­lut nicht vor­stel­len, daß die­ser statt­ge­fun­de­ne Grün­don­ners­tags-Vor­gang Ach­tung vor unse­rer Reli­gi­on bei den „Recht­gläu­bi­gen“ her­vor­ge­ru­fen hat, son­dern eher das Gegen­teil. Was bleibt hän­gen bei denen, die von unse­rer katho­li­schen Tra­di­ti­on über­haupt kei­ne Ahnung haben und nur sol­che Bil­der sehen?

    Und wie wirkt die­ses Vor­bild in die katho­li­sche Kir­che hin­ein? Sehen sich Prie­ster jetzt evtl. durch Druck von außen auch genö­tigt, an Frau­en die Fuß­wa­schung vorzunehmen?

    Und wenn Erz­bi­schof Gäns­wein sagt, daß B. die Medi­en sehr geschickt nutzt, dann weiß er doch um die Wir­kung sei­nes Tuns.

    Das sind jetzt ein­fach so mei­ne Gedan­ken, die mir durch den Kopf gehen.

    Auf mich, das muß ich an die­ser Stel­le aber auch ehr­lich sagen, hat die­ses Füße­wa­schen (noch vor dem Hin­zu­zie­hen von weib­li­chen und Lai­en­fü­ßen) aber schon immer befremd­lich und irgend­wie unan­ge­nehm gewirkt.

    • Noch ein Nachtrag:
      Als Jesus damals in das Haus eines Pha­ri­sä­ers zum Essen ein­ge­la­den war und die Sün­de­rin ihre Trä­nen über sei­ne Füße ver­goß und die­se mit ihren Haa­ren trock­ne­te und sie küß­te, muß man sich das sicher­lich so vor­stel­len, daß sie bit­ter­lich geweint hat aus Reue über ihre Sün­den und die Trä­nen in Strö­men liefen.

      Und was macht hier der Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden. Das exak­te Gegen­teil. Er begibt sich zu einer Sün­de­rin ins Gefäng­nis, zu einer Hei­din, die dazu even­tu­ell über­haupt kei­ne Reue über ihre Sün­den emp­fin­det, wel­che auch immer das gewe­sen sein mögen. Es hat nur noch gefehlt, daß er heu­lend sei­ne Trä­nen über ihre Füße ver­teilt hät­te. B. hat in mei­nen Augen mit die­ser Akti­on gleich meh­re­re Flie­gen mit einer Klap­pe geschla­gen; zual­ler­erst hat er Jesus kom­plett lächer­lich gemacht, indem er des­sen Han­deln völ­lig verdrehte.

      • Das Ritu­al am Grün­don­ners­tag bezieht sich jedoch nicht auf die Sze­ne mit Jesus und der Sün­de­rin (war das auch „ero­tisch“ bei ihr?), son­dern auf das letz­te Abend­mahl. Dort hat Jesus aber in der Tat den Zwöl­fen die Füße gewaschen.
        Im Ori­ent war dies ein übli­ches Ritu­al vor Gast­mäh­lern, weil die Leu­te ja bar­fuß oder allen­falls in San­da­len gin­gen, also stau­bi­ge Füße hat­ten und so ein­fach gerei­nigt wur­den — meist von den Die­nern des Gast­ge­bers. Damit war sicher kein ero­ti­sches Signal ver­bun­den! Ande­rer­seits kann man aus nahe­zu allem ein ero­ti­sches Spiel machen. Aber so fan­gen wir am besten nicht an, wenn wir unbe­fan­gen blei­ben wollen!

        Dies­mal mach­te es aber Jesus selbst.
        Ihre „unan­ge­neh­men“ Gefüh­le wird wohl auch Petrus gehabt haben, denn er will Jesus ja dar­an hin­dern, dies zu tun, wohl weil er das als unstatt­haft emp­fin­det, dass der Herr dem Die­ner die Füße wäscht. Das berich­tet das Johan­nes-Evan­ge­li­um im 13. Kapitel.

        Die Sache ist also nicht ganz einfach!

        Und die gan­ze „ero­ti­sche“ Dimen­si­on wür­de ich mal außen vor las­sen. Im katho­li­schen Gla­ben wer­den unend­li­che vie­le Gesten gemacht, die „ero­tisch“ miss­deu­tet wer­den könn­ten — wie wirkt es auf ande­re, wenn mir ein Zöli­ba­tär eine Hostie auf die Zun­ge legt, die ich in einer gewis­sen Wei­se sogar eksta­tisch ent­ge­gen­neh­me, denn es IST DER HERR, der „zu mir ein­geht“ (Domi­nus est.. qui intrat sub tec­tum meum)? Wie wirkt es, wenn er mir mit hei­li­gem Öl ein Zei­chen auf die Stirn macht? Wie wirkt es, wenn er mir die Hän­de auf­legt? Etc.

        Nein — so wol­len wir erst gar nicht anfangen!

        Das Pro­blem bei F. ist, dass er — wie Bene­dikt — den Sinn ver­frem­det hat, bloß noch viel kras­ser: Wäh­rend Bene­dikt immer­hin gläu­bi­ge Lai­en, die sich dar­auf ein­stel­len konn­ten, nahm, miss­brauch­te F. für sei­ne Akti­on Gefan­ge­ne, deren Glau­ben unge­wiss ist und die sich in ihrer Lage nicht so frei ent­schei­den kön­nen, mit­zu­ma­chen wie ein Freier.
        Also ins­ge­samt eine neu­ro­ti­sche und zwang­haf­te Szene!

    • Nach den Rubri­ken ist die Fuß­wa­schung in den Pfar­rei­en an (unbe­schol­te­nen) erwach­se­nen katho­li­schen Män­nern zu voll­zie­hen. Papst Fran­zis­kus tat in allem das genaue Gegen­teil: er küss­te einer straf­fäl­lig gewor­de­nen, nicht erwach­se­nen, nicht­christ­li­chen Frau die Füße.
      Dabei toppt er neben­bei den Herrn Jesus Chri­stus, der ja nur gewa­schen und nicht geküsst hat.
      Fran­zis­kus ist eben noch barm­her­zi­ger und über­haupt groß­ar­ti­ger als der Unser Herrgott!
      Muss einem da nicht jemand in den Sinn kom­men, der seit sei­nem Sturz aus dem höch­sten Him­mel Gott auf jeg­li­che und per­ver­tier­te Wei­se nach­äfft, um Ihn zu über­trump­fen und auszustechen?

  6. Das Ritu­al der Fuß­wa­schung scheint nicht so ganz ein­deu­tig zu sein. Ich habe hier was Inter­es­san­tes gelesen:

    https://books.google.de/books?id=iEbpBQAAQBAJ&pg=PA103&lpg=PA103&dq=fu%C3%9Fwaschung+ritual+rubrik&source=bl&ots=OqUQeZXIEY&sig=sdmAeyDVwVERqpYgR9pAcF4ST48&hl=de&sa=X&ei=evnLVMaRD9T5atq3gpgJ&ved=0CDMQ6AEwAw#v=onepage&q=fu%C3%9Fwaschung%20ritual%20rubrik&f=false

    Das Ritu­al wur­de im 16. Jh ein­ge­führt und vom Kai­ser bzw. dem öster­rei­chi­schen Kai­ser un den Baye­ri­schen Köni­gen an grei­sen voll­zo­gen. Wobei 12 Grei­se als Apo­stel ver­klei­det wur­den und vom kaiser/König die Füße sym­bo­lisch gewa­schen beka­men. eeben­so aller­dings wusch die kaiserin/Königin 12 aus­ge­wähl­ten Grei­sIN­NEN sym­bo­lisch die Füße.

    Ächz!

    Was heißt das im Klartext?

    Wenn nun jeder Laie dazu ver­wen­det wer­den kann, gibt es tat­säch­lich kei­nen Grund, nicht auch Frau­en mit ein­zu­be­zie­hen — und es wur­de ja auch genau­so geam­cht, bereits im 16. Jh, als rei­nes Demuts- und Inver­si­ons­ri­tu­al verstanden.

    Will man aber den Abend­mahls­saal „nach­spie­len“, kann es nur ein Prie­ster sein, der ande­ren Prie­stern die Füße wäscht. In Rom war daher immer der Papst (als Stell­ver­tre­ter Chri­sti) dazu ver­pflich­tet, Prie­stern (als nicht nur gespiel­ten, son­dern ech­ten „Apo­steln“) die Füße zu waschen.

    Wir mer­ken aber schon, dass der Brauch, 12 Män­nern in den Gemein­den die Füße zu waschen in sich kei­nen Sinn hat. Im 16. Jh waren es immer­hin Lai­en, die als Lai­en ande­ren Lai­en die Füße wuschen und das Geschlecht war wurscht.
    Man muss sich also schon ent­schei­den, was man eigent­lich meint oder will.

    Und in der Tat wusch Jesus sogar dem Judas die Füße…

    Es ist wirk­lich kei­ne ein­fa­che Sache!

    • Und noch etwas Interessantes:

      http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Fu%C3%9Fwaschung

      Das Ritu­al der Fuß­wa­schung ist tat­säch­lich variabel.
      Dass man es schon vor Jahr­hun­der­ten durch den Bischof an Armen und Alten voll­zog, wirft ein ganz ande­res Licht auf das Zeremoniell:

      Es geht um die Umkeh­rung der Hier­ar­chie, eben weil der Herr sich selbst zum Die­ner mach­te und im Johan­nes-Evan­ge­li­um dies auch sogar noch nor­ma­tiv the­ma­ti­sier­te („Wer dewr Größ­te sein will, sol der Die­ner aller sein…“)! Und dar­um wur­den wirk­lich den Ver­ach­tet­sten die Füße gewa­schen — natür­lich den Frau­en, auch und gera­de ihnen (s.o. das Ritu­al der Kai­ser im 16. Jh)

      Das ist eine sehr schwie­ri­ge Ange­le­gen­heit und man muss nun wirk­lich auf­pas­sen, wel­ches Deu­tungs­sche­ma man zugrun­de legt, deren die Tra­di­ti­on offen­bar meh­re­re hat.

  7. Aus dem Roman „Die Waf­fen nie­der“ von Ber­tha von Suttner:

    “ Am fol­gen­den Tag ent­schloß ich mich doch, der Fuß­wa­schung bei­zu­woh­nen. Etwas nach zehn Uhr, schwarz geklei­det, wie es sich für die Kar­wo­che ziemt, bega­ben wir uns, mei­ne Schwe­ster Rosa und ich, in den gro­ßen Zere­mo­nien­saal der Burg. Daselbst waren auf einer Estra­de Plät­ze für die Mit­glie­der der Ari­sto­kra­tie und des diplo­ma­ti­schen Korps vor­be­hal­ten. Man war da also wie­der unter sich und teil­te rechts und links Grü­ße aus. Auch die Gale­rie war dicht gefüllt: gleich­falls Bevor­zug­te, wel­che Ein­tritts­kar­ten erlangt hat­ten – aber doch etwas “gemisch­t”, nicht zur “Creme” gehö­rig, wie wir da unten, auf unse­rer Estra­de. Kurz, die alte Kasten­ab­son­de­rung und ‑bevor­rech­tung – anläß­lich die­ser Fei­er der sym­bo­li­sier­ten Demut.
    Ich weiß nicht, ob den ande­ren irgend­wie reli­gi­ös-wei­he­voll zu Mute war; aber ich erwar­te­te das Kom­men­de mit ganz der­sel­ben Emp­fin­dung, mit wel­cher man im Thea­ter einem ange­kün­dig­ten Spek­ta­kel­stück ent­ge­gen­sieht. Eben­so gespannt, wie man da – nach­dem die Grü­ße von Loge zu Loge getauscht, den auf­zu­rol­len­den Vor­hang ansieht, schau­te ich nach der Rich­tung, wo die Chö­re und Soli­sten des bevor­ste­hen­den Schau­ge­drän­ges erschei­nen soll­ten. Die Deko­ra­ti­on war schon auf­ge­stellt – näm­lich die lan­ge Tafel, an wel­cher die zwölf Grei­se und zwölf Grei­sin­nen Platz zu neh­men hatten.
    Ich war doch froh, gekom­men zu sein; denn ich fühl­te mich gespannt, was immer­hin eine ange­neh­me Emp­fin­dung ist ( … ) ; was ich zu sehen erwar­te­te und wünsch­te, waren die kai­ser­li­chen und pfründ­ne­ri­schen Mit­wir­ken­den der ange­setz­ten Fei­er. ( â€¦ )
    “Sie kom­men, sie kommen!” rief Rosa, mich ansto­ßend. “So sieh doch hin … Wie schön! Wie ein Gemälde!” Es waren die Grei­se und Grei­sin­nen, ange­tan in alt­deut­sche Tracht, wel­che jetzt her­ein­ge­lei­tet wur­den. Die jüng­ste von den Frau­en – so hat­ten die Zei­tun­gen berich­tet – war acht­und­acht­zig, der jüng­ste von den Män­nern fünf­und­acht­zig Jah­re alt. Runz­lich, zahn­los, gebückt; – ich konn­te Rosas “Ach wie schön” wahr­lich nicht bestä­tigt fin­den. Was ihr gefiel, war jeden­falls die Ver­klei­dung. Die­se stimm­te eigent­lich auch vor­treff­lich zu der gan­zen, von mit­tel­al­ter­li­chem Geist durch­weh­ten Zere­mo­nie. Die Ana­chro­nis­men hier waren wir, in unse­ren moder­nen Klei­dern und mit unse­ren moder­nen Begrif­fen – wir paß­ten nicht in dies Gemälde.
    Nach­dem die vier­und­zwan­zig Alten ihre Sit­ze an der Tafel ein­ge­nom­men hat­ten, trat eine Anzahl gold­ge­stick­ter und orden­ge­schmück­ter, zumeist ält­li­cher Her­ren in den Saal: – die Gehei­men Räte und Kam­mer­her­ren; vie­le bekann­te Gesich­ter – auch Mini­ster “Aller­dings” befand sich dar­un­ter. Zuletzt folg­ten die Geist­li­chen, wel­che bei der fei­er­li­chen Hand­lung fun­gie­ren soll­ten. Jetzt also war der Ein­marsch der Sta­ti­sten vor­über und die Erwar­tung des Publi­kums auf das höch­ste gespannt. ( â€¦ )

    (Fort­set­zung folgt-)

  8. (-Fort­set­zung)

    In der Tat: der Kapell – will sagen der Ober­ze­re­mo­ni­en­mei­ster holt sei­nen Stab und gab das Zei­chen, daß das Kai­ser­paar nahe. Dies ver­sprach nun aller­dings einen loh­nen­den Anblick, denn abge­se­hen davon, daß es das höch­ste war – war es sicher­lich eins der schön­sten Paa­re im Lan­de. Mit Kai­ser und Kai­se­rin zugleich waren auch meh­re­re Erz­her­zö­ge und Erz­her­zo­gin­nen her­ein­ge­kom­men, und jetzt konn­te die Fei­er begin­nen. Truch­ses­sen und Edel­kna­ben tru­gen die gefüll­ten Schüs­seln her­bei, und der Mon­arch und die Mon­ar­chin stell­ten die­sel­ben vor die sit­zen­den Alten hin. Das war wie­der mehr Gemäl­de als je. Das Gerä­te und die Spei­sen und die Art der Pagen, die­sel­ben zu tra­gen, erin­ner­te an ver­schie­de­ne berühm­te Bil­der von Fest­ge­la­gen im Renaissancestil.
    Kaum aber waren die Gerich­te auf­ge­stellt, so wur­de die Tafel wie­der abge­räumt, eine Arbeit, wel­che – gleich­falls als Zei­chen der Demut – die Erz­her­zö­ge ver­rich­te­ten. Hier­nach ward die Tafel hin­aus­ge­tra­gen, die eigent­li­che Effekt­sze­ne des Stückes (was die Fran­zo­sen “le clou de la pièce” nen­nen) – die Fuß­wa­schung – begann. Frei­lich nur eine Schein­wa­schung, wie das Mahl nur ein Schein­mahl gewe­sen. Auf dem Boden knie­end, streif­te der Kai­ser mit einem Tuch über die Füße der Grei­se hin­weg, nach­dem der ihm assi­stie­ren­de Prie­ster aus einer Kan­ne schein­bar Was­ser dar­über­ge­gos­sen, und so rutsch­te er vom ersten bis zum zwölf­ten Pfründ­ner, wäh­rend die Kai­se­rin – die man sonst nur so maje­stä­tisch hoch­auf­ge­rich­tet zu sehen bekommt – in der­sel­ben demü­ti­gen Stel­lung, in wel­cher sie ihre gewohn­te Anmut übri­gens nicht ver­liert, die glei­che Pro­ze­dur an den zwölf Pfründ­ne­rin­nen vor­nahm. Die beglei­ten­de Musik, oder, wenn man will, den erklä­ren­den Chor, bil­de­te das gleich­zei­tig vom Hof­burg­pfar­rer vor­ge­le­se­ne Evan­ge­li­um des Tages.
    Gern hät­te ich auf eini­ge Augen­blicke mit­emp­fin­den mögen, was in dem Gei­ste die­ser Alten vor­ging, wäh­rend sie so dasa­ßen, in der selt­sa­men Tracht, von einer glän­zen­den Men­ge ange­gafft, den Lan­des­va­ter, die Lan­des­mut­ter – Ihre Maje­stä­ten – zu ihren Füßen … Wahr­schein­lich wäre es gar kei­ne kla­re Emp­fin­dung gewe­sen, die ich danach gefühlt hät­te, wenn mir der gewünsch­te momen­ta­ne Bewußt­seins­tausch gewährt wor­den wäre, son­dern ein ver­wirr­ter, geblen­de­ter Halb­traum, ein zugleich fro­hes und pein­li­ches, ver­le­ge­nes und fei­er­li­ches Gefühl, ein voll­stän­di­ges Still­ste­hen der Gedan­ken in den ohne­hin unwis­sen­den und alters­schwa­chen armen Köp­fen. ( â€¦ )
    Die gan­ze Zere­mo­nie war schnell zu Ende und gleich dar­auf leer­te sich der Saal. Zuerst zog sich der Hof zurück; hier­auf ent­fern­ten sich alle ande­ren Mit­be­tei­lig­ten, und zugleich auch das Publi­kum von Estra­de und Galerie.
    “Schön war’s, schon war’s!” flü­ster­te Rosa mit einem tie­fen Atemzug.
    Ich ant­wor­te­te nichts. Eigent­lich hat­te ich kei­ne Ursa­che, die Ver­wir­rung und Gedan­ken­ar­mut der Fest­grei­se zu bemit­lei­den, war mir doch sel­ber das Ver­ständ­nis der eben statt­ge­hab­ten Fei­er ein ziem­lich ver­schwom­me­nes ( â€¦ ) .

    (Fort­set­zung -)

  9. (- Fort­set­zung)

    Doch wir gelang­ten nicht so schnell zum Aus­gang, als ich gewollt hät­te. Zuerst hieß es doch, mit fast sämt­li­chen Estra­de­zu­schau­ern, wel­che gleich­zei­tig mit uns ihre Plät­ze ver­lie­ßen, Hän­de schüt­teln und ein paar Phra­sen tau­schen. Man blieb da im Stie­gen­hau­se in einer gro­ßen Grup­pe ste­hen und es gab einen förm­li­chen Mor­gen­raout. “Grüß’ dich, Toni.” – “Bon­jour, Mar­tha.« – “Ach, Sie auch da, Gräfin?” – “Bist du für den Oster­sonn­tag schon vergeben?” – “Guten Tag, Durch­laucht, ver­ges­sen Sie nicht, daß wir Sie mor­gen abend zu einer klei­nen Tan­ze­rei erwarten.” – “Warst du gestern bei den Domi­ni­ka­nern in der Predigt?” – “Nein, ich war im Sacré cÅ“ur, wo mei­ne Töch­ter eine Retrai­te machen.” – “Die näch­ste Pro­be zu unse­rer Wohl­tä­tig­keits­vor­stel­lung ist Diens­tag um zwölf Uhr, lie­ber Baron, sei­en Sie ja pünktlich.” – “Die Kai­se­rin hat wie­der superb ausgesehen.” – “Hast du bemerkt, Lori, wie der Erz­her­zog Lud­wig Vik­tor immer zu der Göt­ter-Fan­ny herüberschielte?” – “Madame, j’ai l’honneur de vous présenter mes hommages.” – “Ah,c’est vous, mar­quis … charmée.” – “I wish you good morning, Lord Che­ster­fiel­d” – “Oh, how are you? Awful­ly fine women, your Empress.” – “Haben Sie schon eine Loge gesi­chert für die Vor­stel­lung der Ade­li­na Pat­ti? Ein ganz wun­der­ba­rer auf­ge­hen­der Stern …” – “Die Nach­richt von der Ver­lo­bung des Fer­di Dront­heim mit der Ban­kiers­toch­ter soll sich also doch bestä­ti­gen – es ist ein Skandal!”
    Und so schwirr­te es hin und her. Ein unbe­fan­ge­ner Hor­cher hät­te die­sen Gesprä­chen wohl kaum ange­merkt, daß sie der Nach­stim­mung einer eben ver­rich­te­ten Demut­s­an­dacht entsprangen.“

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