[3 Updates] Bischof Williamson besucht den „Widerstand“ in Deutschland

Bischof Richard Williamson
Bischof Richard Williamson

(Lon­don) Der wegen Unge­hor­sam aus der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. aus­ge­schlos­se­ne Weih­bi­schof Wil­liam­son will in den näch­sten Tagen Deutsch­land besu­chen. Er will Prie­ster und Lai­en der Pius­bru­der­schaft  tref­fen, um deren Spal­tung vor­an­zu­trei­ben. Geplant scheint unter ande­rem die Wei­he einer Kapel­le in einem klei­nen Klo­ster in Häu­sern. Ähn­lich wie bei den Kar­mel­schwe­stern von Bri­lon hat­te der ein­ge­setz­te Haus­spi­ri­tu­al die Tren­nung von der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ein­ge­lei­tet, dies aber bereits vor Jah­ren, weil die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. den Sedis­va­kan­tis­mus ablehne.

williamsonBischof Wil­liam­son wird auch die Schwe­stern in Bri­lon Wald besu­chen, die sich vor kur­zem von der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. trenn­ten. Eine ande­re Sta­ti­on wird vor­aus­sicht­lich Wigratz­bad sein. Dort hat vor kur­zem ein Prie­ster im 25. Jahr sei­ner Wei­he eine sedis­va­kan­ti­sti­sche Gemein­de, ca. 50 Per­so­nen, über­nom­men. Zuvor betreu­te er für die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Gläu­bi­ge in Über­lin­gen. In Kon­stanz grün­de­te er den Ver­ein Sankt Tho­mas von Aquin e. V., um auch dort Fuß zu fas­sen. Er ist seit Jah­ren mit dem Spi­ri­tu­al des Klo­sters in Häu­sern in engem Kon­takt und pre­digt dort den Schwe­stern regel­mä­ßig die Exer­zi­ti­en. Er ver­ließ schon ein­mal die Bru­der­schaft, kehr­te aber noch ein­mal zu ihr zurück. Seit eini­ger Zeit betet er in der Hei­li­gen Mes­se nicht mehr für den Papst, was von den Obe­ren und sei­nen Mit­brü­dern sehr kri­tisch gese­hen wurde.

Bischof Wil­liam­son wird zu einem Pri­vat­be­such [Update 24.4 8:25: 1. und 2. Mai] in [Update 25.4. 23:45 Ober-Ram­stadt  Brom­bach­tal] erwar­tet, wo er ein frisch ver­mähl­tes Ehe­paar besucht, das sich ursprüng­lich von ihm in einer Kapel­le der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. trau­en las­sen woll­te. Dies ver­bot der deut­sche Distrik­t­o­be­re der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., Pater Franz Schmid­ber­ger, wor­auf der Pri­or von Rhein­hau­sen das Paar ver­mähl­te. [Update 24.4 8:25: Aus dem pri­va­ten Tref­fen wird ver­sucht eine zwei­tä­ti­ge Tagung mit Vor­trä­gen und gemein­sa­men Spa­zier­gang mit Bischof Wil­liam­son zu orga­ni­sie­ren. Die Anmel­dun­gen schei­nen nicht so zahl­reich zu sein. Es wer­den bereits Fami­li­en ange­spro­chen die fest in der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. ver­bun­den sind.]

Der Streit zwi­schen den Obe­ren der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. und dem Lager um Wil­liam­son eska­liert wei­ter. Eine Spal­tung oder Abtren­nung die­ser Grup­pe steht unmit­tel­bar bevor. Auf einer Hoch­zeit, die vor kur­zem statt­fand, kri­ti­sier­te ein deut­scher Pri­or offen den Gene­ral­obe­ren der Prie­ster­bru­der­schaft, Bischof Ber­nard Fel­lay als „Verä­ter“. Glei­ches wur­de bereits von einem Prie­ster wäh­rend der letzt­jäh­ri­gen Pfingst­wall­fahrt gesagt. Beob­ach­ter deu­ten dies auch als Droh­ku­lis­se, um den Obe­ren eine bestimm­teM­ei­nung auf­zu­zwin­gen, ohne selbst die Pius­bru­der­schaft ver­las­sen zu wollen.

Auf der erwähn­ten Hoch­zeit waren zahl­rei­che Prie­ster anwe­send, die bereits vor Jah­ren, weit vor den Gesprä­chen mit dem Vati­kan, die Prie­ster­bru­der­schaft ver­las­sen hat­ten und Prie­ster, die erst vor kur­zem die Bru­der­schaft ver­lie­ßen und offi­zi­ell den der­zei­ti­gen Kurs der Prie­ster­bru­der­schaft als „moder­ni­stisch“ brand­mar­ken. Eini­ge die­ser Prie­ster wand­ten sich nach dem Weg­gang zunächst erstaun­li­cher­wei­se dem Vati­kan näher­ste­hen­den Gemein­schaf­ten zu, ver­lie­ßen die­se aber wie­der schnell, um als „vagan­tes“ wei­ter zu suchen.

Lai­en, sie sich offen sedis­va­kan­ti­stisch posi­tio­nie­ren, erteilt der deut­sche Distrik­t­o­be­re Haus­ver­bot. Sie dür­fen in den kon­kre­te Fäl­len der­zeit noch die Sakra­men­te in den Kapel­len der Pius­bru­der­schaft emp­fan­gen, aber kei­ne Schrif­ten ver­tei­len und nicht zur Unru­he auf­sta­cheln. Sol­che Maß­nah­men sind nichts beson­de­res und wur­den von Distrik­t­o­be­ren seit der Grün­dung der Pius­bru­der­schaft immer wie­der verhängt.

Ein mit Haus­ver­bot beleg­ter Laie soll die Rei­se von Bischof Wil­liam­son mit­or­ga­ni­siert haben. Bischof Wil­liam­son wird mit der Rei­se offen­bar prü­fen, mit wie­viel und wel­cher Unter­stüt­zung er in Deutsch­land rech­nen kann.

Die mei­sten „Prie­ster im Wider­stand“ fie­len bereits seit Jah­ren wegen Unge­hor­sams und maß­lo­ser Kri­tik gegen­über Obe­ren auf. Ver­set­zun­gen und Zusam­men­set­zung von Prio­rats­ge­mein­schaf­ten waren häu­fig die Haupt­kri­tik­punk­te. Ob die „Wider­stand­sprie­ster“ sich einer Auto­ri­tät unter­stel­len oder ihre eige­nen Initia­ti­ven grün­den, bei denen sie sich selbst die ein­zi­ge Auto­ri­tät sind, bleibt abzuwarten.

Da sich die „theo­lo­gi­sche“ Begrün­dung des „Wider­stan­des“ auf dün­nem Eis bewegt und die Gesprä­che zwi­schen dem Vati­kan und der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. falsch inter­pre­tiert zu wer­den schei­nen, sieht der der­zei­ti­ge Obe­re des deut­schen Distrikts, Pater Franz Schmid­ber­ger, den Kon­flikt eher auf per­sön­li­cher Ebe­ne: „Eigen­sinn, Recht­ha­be­rei, Bes­ser­wis­se­rei, Kri­tik­sucht, fal­sche Dia­lek­tik, Spott und Häme“, beschrieb er im Vor­wort des Mit­tei­lungs­blat­tes im April 2013 das Verhalten.

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. erdul­det seit ihrer Grün­dung Angrif­fe auf die Obe­ren, einer­seits von pro­gres­si­sti­scher, auf der ande­ren von sedis­va­kan­ti­sti­scher Sei­te. Des­halb wer­den sei­tens der Prie­ster­bru­der­schaft regel­mä­ßig Arti­kel, wie Recht­mä­ßi­ger Unge­hor­sam gegen die Auto­ri­tät und Mgr. Lef­eb­v­re: Über die Ver­hand­lun­gen mit Rom veröffentlicht.

Bischof Wil­liam­son erwei­tert bereits seit Wochen in sei­nen regel­mä­ßig erschei­nen­den Elei­son-Kom­men­ta­re sei­ne Posi­ti­on Rich­tung Sediva­kan­tis­mus und beginnt sich von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re abzu­gren­zen. Ver­mut­lich ver­sucht er die von ihm gegrün­de­te St. Mar­cel Initia­ti­ve zum welt­wei­ten Zen­trum des Sedis­va­kan­tis­mus der Zukunft auszubauen.

Seit ihrer Grün­dung der Bru­der­schaft 1970 durch Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re ver­lie­ßen jedes Jahr zwei, drei Prie­ster je Distrikt die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., weil sie mit ihren Obe­ren unzu­frie­den waren, oder sie wur­den aus­ge­schlos­sen, weil sie sich wei­ger­ten, „dem recht­mä­ßi­gen Obe­ren den nöti­gen Respekt und Gehor­sam zu erweisen“.

Zur Pius­bru­der­schaft gehö­ren nach eige­nen Anga­ben von 2012 welt­weit 569 Prie­ster. Die Zahl der Gläu­bi­gen, die sich zu ihr ver­bun­den ist, soll nach Anga­ben von Kar­di­nal Darà­o Cas­tril­lón Hoyos von 2007 etwa 600.000 Per­so­nen umfas­sen, davon 100.000 in Frank­reich. Ande­re Quel­len nen­nen 150.000 Anhänger.

Blogs und Foren des „Wider­stan­des“ nen­nen der­zeit 22 Prie­ster, die welt­weit die­ser Rich­tung zuge­hö­rig sein sollen.

Bischof Wil­liam­son wur­de im Janu­ar vom Amts­ge­richt Regens­burg wegen Volks­ver­het­zung zu einer Geld­stra­fe von 1800 Euro ver­ur­teilt. Das Amts­ge­richt begrün­de­te die rela­tiv gerin­ge Geld­stra­fe damit, daß Wil­liam­son nach Ansicht des Gerichts der­zeit über kein Ein­kom­men ver­fü­ge. Gegen das Urteil leg­te Wil­liam­son Beru­fung ein.

[Update 17:06 Uhr: Der Besuch Wil­liam­son in Deutsch­land wird den Aus­söh­nungs­pro­zeß zwi­schen der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. und dem Vati­kan enorm erschwe­ren, wenn nicht sogar been­den, was ganz sicher sei­ne Absicht ist.

So schreibt er in sei­ner Kolum­ne vom 9. März „Tat­säch­lich brach­ten die freund­schaft­li­chen Kon­tak­te zwi­schen Rom und der Bru­der­schaft im Janu­ar 2009 einen sol­chen Pro­zeß in Gang. Nur ein gewis­ser Aus­bruch der schreck­lich­sten Häre­sie der Neu­zeit – des „Anti­se­mi­tis­mus“ – mit­ten aus der Bru­der­schaft lähm­te die­sen Pro­zeß. Doch ent­we­der ist eine katho­li­sche Ver­söh­nung mit dem Zwei­ten Vati­ka­num kein Pro­blem, oder aber die gött­li­che Vor­se­hung bewirk­te den erwähn­ten „Aus­bruch“, denn er ver­hin­der­te – wenig­stens für eine Wei­le – die fal­sche Ver­söh­nung.“ In dem am 9. Febru­ar ver­öf­fent­lich­ten Kolumm­ne schreibt er: „Und jede histo­ri­sche Wahr­heit basiert auf Bewei­sen, wovon die zuver­läs­sig­sten aus den mate­ri­el­len Über­re­sten der Ver­gan­gen­heit bestehen, weil sie prin­zi­pi­ell von mensch­li­chen Gefüh­len unab­hän­gig sind.“

Bischof Wil­liam­son war es nach sei­nen eige­nen Wor­ten egal, ob sei­ne Aus­sa­gen in Deutsch­land ver­brei­tet wer­den wür­den oder nicht, er ging sogar von einer Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Wor­te aus, da er mit Hil­fe der Holo­caust­leug­nung ein ande­res Ziel ver­folg­te, näm­lich die Tor­pe­die­rung der Gesprä­che zwi­schen Rom und der Prie­ster­bru­der­schaft. Die­se Inten­ti­on dürf­te dem soge­nann­ten Dolus even­tua­lis ent­spre­chen, nach wel­chem der Täter den Tat­er­folg als Fol­ge sei­nes Han­delns ernst­haft für mög­lich hält und ihn zugleich bil­li­gend in Kauf nimmt und sich damit abfin­det. Anders aus­ge­drückt: Bischof Wil­liam­son hat eine Straf­tat bewußt als Pro­vo­ka­ti­on began­gen, um einen ande­ren Zweck, die Tor­pe­die­rung der der Gesprä­che zwi­schen Rom und der Bru­der­schaft zu erreichen.

Daß Bischof Wil­liam­son in die­sem Zusam­men­hang einer­seits auf die Offen­ba­rung gött­li­cher Wahr­hei­ten beruft, ande­rer­seits sein Han­deln als von der gött­li­chen Vor­se­hung inspi­riert ansieht, ist ein inter­es­san­ter Ein­blick über sei­nen Gei­stes­zu­stand.]

Text: Linus Schneider
Bild: Jens Falk

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