Moses – Gesetzgeber, Prophet und Führer

Der Dekalog bildet den vollkommenen Ausdruck des natürlichen wie des göttlichen Gesetzes


Moses führte das Volk der Israeliten aus Ägypten durch das Rote Meer
Moses führte das Volk der Israeliten aus Ägypten durch das Rote Meer

Von Rober­to de Mattei*

Moses, Gesetz­ge­ber und Füh­rer des Vol­kes Isra­el zur Zeit des Exodus, ist eine der bedeu­tend­sten und ver­ehr­te­sten Gestal­ten der Mensch­heits­ge­schich­te. Sein Leben beginnt im 15. Jahr­hun­dert v. Chr., in einer Epo­che der Unter­drückung für die Israe­li­ten, die sich nach ihrer Ansied­lung in Ägyp­ten unter die Knecht­schaft des Pha­ra­os bege­ben muß­ten. In Furcht vor dem Wach­sen der hebräi­schen Bevöl­ke­rung befahl der Pha­rao die Tötung aller männ­li­chen neu­ge­bo­re­nen Kin­der. Um ihren Sohn zu ret­ten, leg­te Moses’ Mut­ter, Jochebed, ihn in ein Käst­chen aus Papy­rus und über­ließ ihn den Was­sern des Nils. Das Kind wur­de von einer Toch­ter des Pha­ra­os gefun­den, die es adop­tier­te und am Hofe Ägyp­tens groß­zog. Moses erhielt eine könig­li­che Erzie­hung und wur­de in allen Wis­sen­schaf­ten aus­ge­bil­det, ver­gaß jedoch nie sei­ne Herkunft.

Im Alter von etwa vier­zig Jah­ren floh er aus Ägyp­ten, nach­dem er einen Ägyp­ter getö­tet hat­te, der einen Hebrä­er miß­han­del­te. Er fand Zuflucht im Land Midi­an, hei­ra­te­te Zip­po­ra, die Toch­ter eines dor­ti­gen Prie­sters, und wur­de Vater von zwei Söh­nen. Eines Tages, wäh­rend er sei­ne Her­de nahe dem Berg Horeb wei­de­te, erleb­te er eine außer­ge­wöhn­li­che gött­li­che Offen­ba­rung, die ihn zum Anfüh­rer bestimm­te. Aus einem Dorn­busch, der brann­te, ohne zu ver­bren­nen, sprach Gott zu ihm, offen­bar­te Sei­nen Namen und über­trug ihm die Mis­si­on, das Volk Isra­el zu befreien:

„Ich bin, der Ich bin. So sollst du zu den Israe­li­ten sagen: Der ‚Ich bin‘ hat mich zu euch gesandt“ (Exodus 3,14).

Moses kehr­te nach Ägyp­ten zurück und trat gemein­sam mit sei­nem Bru­der Aaron vor den Pha­rao, um die Frei­las­sung der Israe­li­ten zu for­dern. Als die­ser sich wei­ger­te, schlug Gott Ägyp­ten mit zehn von Moses ange­kün­dig­ten Pla­gen. Die letz­te, der Tod der Erst­ge­bo­re­nen, ver­an­laß­te den Pha­rao schließ­lich, den Israe­li­ten die Aus­rei­se zu gestat­ten. Als er jedoch sei­ne Ent­schei­dung bereu­te und mit sei­nem Heer die Ver­fol­gung auf­nahm, öff­ne­te Gott das Rote Meer, sodaß das Volk Isra­el hin­durch­zie­hen konn­te, und schloß dar­auf­hin die Was­ser­flu­ten über ihren Ver­fol­gern, die im Meer unter­gin­gen. Dar­auf­hin san­gen Moses und die Israe­li­ten dem Herrn ein Loblied:

„Ich will dem Herrn sin­gen, denn er ist hoch erha­ben; Roß und Rei­ter warf er ins Meer. Der Herr ist mei­ne Stär­ke und mein Lied, er wur­de mir zum Heil. Er ist mein Gott, ihn will ich prei­sen, der Gott mei­nes Vaters, ihn will ich erhe­ben. Der Herr ist ein Krie­ger, Herr ist sein Name. Pha­ra­os Wagen und sein Heer warf er ins Meer, sei­ne besten Kämp­fer ver­san­ken im Roten Meer. Die Flu­ten bedeck­ten sie, sie san­ken wie Stein in die Tie­fe“ (Exodus 15,1–5).

Nach dem Aus­zug führ­te Moses das Volk durch die Wüste zum Sinai. Dort ereig­ne­te sich einer der größ­ten Wun­der­ak­te der Heils­ge­schich­te: Gott über­gab Moses die Zehn Gebo­te und besie­gel­te damit den Bund mit dem Volk Isra­el. Die Gebo­te, die Gott selbst ver­kün­det hat­te, wur­den auf zwei stei­ner­nen Tafeln nie­der­ge­schrie­ben – die ersten drei, wel­che die Pflich­ten gegen­über Gott betref­fen, auf der ersten Tafel; die übri­gen sie­ben, wel­che die Pflich­ten gegen­über den Mit­men­schen betref­fen, auf der zwei­ten. Die gesam­te bis­he­ri­ge Heils- und Welt­ge­schich­te – die Schöp­fung, der Sün­den­fall, die Ver­hei­ßung des Erlö­sers, die Sint­flut, die Sprach­ver­wir­rung, die Beru­fung Abra­hams, die Geschich­te Isaaks, Jakobs und Josephs, die Pla­gen Ägyp­tens, die Befrei­ung Isra­els, der Durch­zug durchs Rote Meer – ist gewis­ser­ma­ßen die Ein­lei­tung zum Deka­log, ins­be­son­de­re zu die­sem ersten Wort: „Ich bin der Herr, dein Gott!“, auf wel­chem das gesam­te gött­li­che Gesetz grün­det, wie René-Fran­çois Rohr­ba­cher im ersten Band sei­ner All­ge­mei­nen Kir­chen­ge­schich­te (1842) schreibt.

Die Wan­de­rung Moses’ mit dem Volk zur Ver­hei­ße­nen Erde währ­te vier­zig Jah­re, geprägt von Prü­fun­gen, Kla­gen und Auf­leh­nun­gen des Vol­kes. Moses wirk­te als Füh­rer, Mitt­ler und Rich­ter, der die Anlie­gen und Schuld des Vol­kes vor Gott brach­te. Die Kir­chen­vä­ter sahen in ihm des­halb eine Vor­aus­dar­stel­lung Chri­sti – des Gesetz­ge­bers und Mitt­lers des Neu­en Bun­des. Nach­dem Moses das Volk an die Schwel­le Kanaans geführt hat­te, durf­te er von der Höhe des Ber­ges Nebo – im heu­ti­gen Jor­da­ni­en – das Gelob­te Land schau­en, es jedoch nicht betre­ten, wie Gott es ihm vor­her­ge­sagt hat­te. Er starb im Alter von 120 Jah­ren, und sei­ne Grab­stät­te ist bis heu­te unbekannt.

Am Sinai, so berich­tet der hei­li­ge Gre­gor von Nys­sa, wur­de Moses in die höch­sten Myste­ri­en ein­ge­führt, als Gott ihm den Plan des Taber­na­kels offen­bar­te – eines Hei­lig­tums von sol­cher Schön­heit und Viel­falt, daß es schwer in Wor­te zu fas­sen ist. Es bestand aus einem von Säu­len getra­ge­nen Ein­gang, Vor­hän­gen, Leuch­tern, einem Opfer­al­tar und – im Inner­sten – einem unzu­gäng­li­chen Hei­lig­tum. Gott befahl Moses, jenes himm­li­sche Hei­lig­tum, das er auf dem Berg geschaut hat­te, in einem irdi­schen Bau­werk nach­zu­bil­den, errich­tet von Men­schen­hand und aus den edel­sten und herr­lich­sten Mate­ria­li­en gefer­tigt, die auf­zu­trei­ben waren.

„Ach­te dar­auf“, so sprach der Herr, „daß du alles nach dem Urbild machst, das dir auf dem Ber­ge gezeigt wur­de.“ (Exodus 25,9)

In der­sel­ben Offen­ba­rung ent­hüll­te Gott auch die Gewän­der des Hohen­prie­sters. Die­se lit­ur­gi­schen Klei­der waren reich an sym­bo­li­scher Bedeu­tung; jedes ein­zel­ne Detail war nicht bloß Zier­de, son­dern Aus­druck der geist­li­chen Tugen­den, die von einem Prie­ster ver­langt werden.

Die Geset­zes­ta­feln, von Got­tes eige­ner Hand beschrie­ben, wur­den in der Bun­des­la­de auf­be­wahrt – einer mit Gold über­zo­ge­nen Tru­he aus Aka­zi­en­holz, die im Aller­hei­lig­sten des Taber­na­kels auf­ge­stellt wur­de als sicht­ba­res Zei­chen des Bun­des zwi­schen Gott und dem aus­er­wähl­ten Volk. Zwi­schen dem mosai­schen Gesetz, das in den Zehn Gebo­ten ent­hal­ten ist, und dem Taber­na­kel, der eine Vor­weg­nah­me der von Chri­stus gegrün­de­ten Kir­che dar­stellt, besteht ein enger Zusam­men­hang. Die Kir­che ist Quel­le aller Gna­den, die bis ans Ende der Zei­ten die Welt hei­li­gen sol­len. Der Got­tes­dienst, den Gott Sei­nem Volk am Sinai gebot, bestand im wesent­li­chen in der Beach­tung Sei­nes Gesetzes:

„Und nun, Isra­el, was for­dert der Herr, dein Gott, von dir ande­res, als daß du den Herrn, dei­nen Gott, fürch­test, daß du auf all sei­nen Wegen wan­delst, ihn liebst, ihm dienst mit gan­zem Her­zen und gan­zer See­le, und daß du die Gebo­te und Sat­zun­gen des Herrn hältst, die ich dir heu­te gebe, auf daß es dir wohl erge­he?“ (Deu­te­ro­no­mi­um 10,12).

Das bedeu­tet: Es gibt kei­nen wah­ren Got­tes­dienst ohne Befol­gung des gött­li­chen Gesetzes.

Der Deka­log, den Gott Moses im Alten Bund offen­bar­te und den Jesus Chri­stus im Neu­en Bund voll­ende­te, bil­det den voll­kom­me­nen Aus­druck des natür­li­chen wie des gött­li­chen Geset­zes. Die Zehn Gebo­te sind im Gewis­sen jedes Men­schen ein­ge­schrie­ben – doch sind sie auch Gegen­stand des christ­li­chen Glau­bens, weil Gott sie auf dem Sinai offen­bart hat. Sie sind ein Licht in der Fin­ster­nis unse­rer Zeit – und wir ver­eh­ren Moses als Gesetz­ge­ber, Pro­phe­ten und Führer.

*Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017, und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.
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Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

6 Kommentare

  1. In der Apo­stel­ge­schich­te sagt der hei­li­ge Ste­pha­nus kurz vor sei­ner Stei­ni­gung: „Und Mose wur­de in aller Weis­heit der Ägyp­ter aus­ge­bil­det, und er war mäch­tig in Wort und Tat.“ Die­se Stel­le und ande­re anti­ke Quel­len nahm im sieb­zehn­ten Jahr­hun­dert der in Cam­bridge leh­ren­de Hebraist John Spen­cer zum Anlass, die mosai­schen Geset­ze und Riten mit den alt­ägyp­ti­schen Kult­hand­lun­gen zu ver­glei­chen. Er kommt zu dem Schluss, dass Moses den neu­en Glau­ben als Gegen­re­li­gi­on gegen Ägyp­ten errich­te­te und dazu auf­rief, genau das Gegen­teil von dem zu tun, was man in Ägyp­ten bis­her tat. So wur­de bei­spiels­wei­se das Lamm als Opfer­tier geschlach­tet, weil es dem Wid­der ent­sprach, der in Ägyp­ten einen der höch­sten Göt­ter sym­bo­li­sier­te und als hei­lig ver­ehrt wur­de, also gewis­ser­ma­ßen gera­de das Gegen­teil eines Opfer­tie­res war.

    Chri­stus­we­ge
    Teil 4 Ver­schie­de­ne Themen;
    Bei­trä­ge zum Ver­hält­nis zu ande­ren Religionen
    Anmer­kun­gen zur Alt­ägyp­ti­schen Religion.

    https://​www​.chri​stus​we​ge​.net/​t​h​e​m​e​n​/​a​e​g​y​p​t​e​n​.​htm

    Im elf­ten Kapi­tel des Buches Exodus heißt es plötz­lich, obwohl der Leser schon längst mit dem Anfüh­rer der Israe­li­ten ver­traut gemacht wor­den ist: „Und über­dies war der Mann Moses äußerst groß im Lan­de Ägyp­ten.“ Als Erläu­te­rung die­ser Grö­ße läßt sich lesen, was Ste­pha­nus in der Apo­stel­ge­schich­te sagt, als er sei­nen Mör­dern die Heils­ge­schich­te dar­legt: „Und Moses wur­de gelehrt in aller Weis­heit der Ägyp­ter und war mäch­tig in Wor­ten und Werken.“
    Unter den Grie­chen war die Vor­stel­lung ver­brei­tet, die Phi­lo­so­phie sei am Nil erfun­den wor­den. Was aber soll Moses, durch den Got­tes Stim­me sprach, die Weis­heit der Ägyp­ter genützt haben? Hät­ten die Don­ner­wor­te die Israe­li­ten nicht noch stär­ker erschüt­tert, wenn der Herr einen unge­lehr­ten Mann zum Pro­phe­ten erwählt hät­te? Wes­halb Gott die Pre­digt der neu­en Wahr­heit einem Ken­ner der alten Irr­tü­mer anver­trau­te, erklär­te der eng­li­sche Theo­lo­ge John Spen­cer, der 1685 eine Abhand­lung über die jüdi­schen Ritu­al­ge­set­ze ver­öf­fent­lich­te. Spen­cer frag­te nach den Grün­den für jenen Teil des mosai­schen Geset­zes, der der Ver­nunft ein Ärger­nis war. Wel­che selt­sa­men Vor­stel­lun­gen vom rich­ti­gen Ver­hal­ten stan­den hin­ter den detail­lier­ten Regeln über Nah­rung und Hygie­ne? Nicht an einem Fir­ma­ment zeit­lo­ser Nor­men fand Spen­cer die Urbil­der der Rein­heits­vor­schrif­ten, son­dern auf der Erde: in Ägypten.
    Die jüdi­schen Bräu­che kopier­ten die ägyp­ti­schen Sit­ten, aller­dings im Modus der Umkeh­rung: Was den Ägyp­tern gebo­ten war, ver­bot Moses den Juden. Die Ägyp­ter ver­ehr­ten den Wid­der, das Tier ihres höch­sten Got­tes Amun. Die Juden schlach­te­ten das Lamm, um ihren Gott, den Geg­ner Amuns, zu ehren. Einem kryp­ti­schen Vers des Buches Deu­te­ro­no­mi­um ent­nahm Spen­cer das Ver­bot, beim Opfer der Erst­lings­früch­te zu trau­ern. Die­se Trau­er zeig­ten die Anhän­ger des Osi­ris, die all­jähr­lich ihren Gott in Gestalt eines Samen­korns begru­ben. Die Juden glaub­ten an einen leben­di­gen Gott, der nicht beweint wer­den wollte.
    Moses muß­te also in alle Weis­heit der Ägyp­ter ein­ge­weiht sein, um jeden Rest ihrer Ein­rich­tun­gen besei­ti­gen zu kön­nen. Ass­mann nennt den von Spen­cer ana­ly­sier­ten Vor­gang die Eta­blie­rung einer Gegen­re­li­gi­on: Der neue Glau­be defi­niert sich nega­tiv, indem er sein Gegen­teil aus­grenzt. Die über­lie­fer­ten kul­ti­schen Prak­ti­ken wer­den als Göt­zen­dienst ver­ur­teilt; was an sie erin­nern könn­te, wird unsicht­bar gemacht. Der erste Akt jeder Gegen­re­li­gi­on ist der Bil­der­sturz. Die von Moses gestif­te­te Reli­gi­on hat den Iko­no­klas­mus zum Ver­bot aller Bil­der gestei­gert. Erstes und zwei­tes Gebot sagen das­sel­be: Lie­ße sich von Gott ein mate­ri­el­les Abbild machen, wäre er nur ein Göt­ze unter anderen.
    Das phi­lo­so­phi­sche Wis­sen der Ägyp­ter, die her­me­ti­sche Phi­lo­so­phie und Myste­ri­en-Leh­re der Her­me­tik aber, kann­te auch Moses als Weis­heits­leh­re. Justin der Mär­ty­rer erwähn­te auch Mer­curi­us als römi­schen Namen des Her­mes Tris­me­gi­stos zum LOGOS. Ich emp­feh­le zur The­ma­tik auch den Jesui­ten Atha­na­si­us Kir­cher und Kar­di­nal Niko­laus von Kues als Cus­a­nus, letz­te­rer ein christ­li­cher Huma­nist und Renais­sance-Her­me­ti­ker. Auch das alte Testa­ment der Bibel ver­wen­det Zah­len-Mystik und kennt den „Maz­z­aroth“ oder „Matta­roth“ als Tier­kreis bzw. Zodi­ak und aner­kannt die­se astro­no­mi­sche Kon­stel­la­ti­on als gott­ge­schaf­fen an. Wie die Pytha­go­re­er bzw. Pythagoräer.

    • Mose hat in einer Zeit gelebt, in der der Mensch noch kei­ne intel­lek­tu­el­len Ideen hat­te. Die­se Epo­che kam erst Jahr­hun­der­te spä­ter. Ein­wei­hung ent­sprach einer lebens­lang abruf­ba­ren Erin­ne­rung an die Myste­ri­en. Mose hat sich dann ganz dem Wort Got­tes über­ge­ben. Der alte Bund ist nicht von ihm, son­dern von Gott bestiftet. 

      Es gibt die Medi­ta­ti­ons­an­wei­sung: „Sei still, ich bin Gott.“ Das reprä­sen­tiert die Posi­tur des Mose. Wenn wir ein­ma­li­ge Furcht­lo­sig­keit vor den Men­schen dazu vor­stel­len, haben wir ein Bild von der Anmut des Propheten.

  2. Der Apo­stel Pau­lus zitier­te in sei­ner Areo­pag-Rede im Neu­en Testa­ment der Bibel auf dem Areo­pag in Athen die bei­den stoi­schen Dich­ter und Phi­lo­so­phen Ara­tos (zum höch­sten Gott) und Klean­thes (zum gött­li­chen LOGOS, bei ihm die „Welt­see­le“ und „Welt­ver­nunft“). Die­ser Logos der Stoi­ker war bei ihnen das natür­li­che ver­nünf­ti­ge gött­li­che Welt­ge­setz und die all­ge­mei­ne natür­li­che ver­nünf­ti­ge har­mo­ni­sche gött­li­che Schöp­fungs­ord­nung des Kosmos.

    https://​sta​tic​.uni​-graz​.at/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​k​a​t​h​-​i​n​s​t​i​t​u​t​e​/​N​e​u​e​s​-​T​e​s​t​a​m​e​n​t​/​A​p​g​1​7​_​2​8​.​pdf

    Die Apo­stel­ge­schich­te, Kapi­tel 17

    https://​www​.uibk​.ac​.at/​t​h​e​o​l​/​l​e​s​e​r​a​u​m​/​b​i​b​e​l​/​a​p​g​1​7​.​h​tml

    Apg 17,28 „Denn in ihm leben wir, bewe­gen wir uns und sind wir, wie auch eini­ge von euren Dich­tern gesagt haben: Wir sind von sei­ner Art.“

    Justin der Mär­ty­rer knüpf­te mit sei­ner Logos-Theo­lo­gie an die­ses Zitat des Apo­stels Pau­lus (neben dem Logos-Begriff des Johan­nes-Evan­ge­li­ums im NT und der „Weis­heits­li­te­ra­tur“ des alten Testa­men­tes) an, der Hei­li­ge Ire­nae­us von Lyon über­nahm des­sen Logos-Theo­lo­gie von ihm und erwei­ter­te sie noch. Der Hei­li­ge Ire­nae­us von Lyon zähl­te auch noch den 1. Cle­mens­brief und den Hir­ten­brief des Her­mas zum Bibel-Kanon des Neu­en Testa­men­tes der Bibel hin­zu. Erwäh­nens­wert wäre auch noch der jüdi­sche Theo­lo­ge Philo(n) von Alex­an­dria. Cle­mens von Alex­an­dria nimmt in den Stromat­eis sehr aus­führ­lich auf ihn Bezug. Euse­bi­us erör­tert die Fra­ge nach den The­ra­peu­ten in Phi­lons Vita Con­tem­pla­ti­va und zitiert aus ver­lo­re­nen Schrif­ten Phi­lons in der Prae­pa­ra­tio Evan­ge­li­ca. Auch Orig­e­nes, Gre­gor von Nys­sa, Ambro­si­us von Mai­land, Hie­ro­ny­mus und Augu­sti­nus hat­ten ihm vie­les zu ver­dan­ken, beson­ders die alle­go­ri­sche Bibelauslegung.

    • Die KI-Ant­wort trifft die Aus­ein­an­der­set­zung des Pau­lus sehr gut: „Pau­lus setz­te sich im anti­ken Athen mit Ver­tre­tern der Stoa und des Epi­ku­reis­mus aus­ein­an­der, zwei damals vor­herr­schen­den Phi­lo­so­phen­schu­len, die unter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen vom guten Leben hat­ten: Die Stoi­ker beton­ten Tugend und Ver­nunft, wäh­rend Epi­ku­re­er Glück und Lust als höch­stes Ziel anstreb­ten. Obwohl Pau­lus als Jude auf­ge­wach­sen war und sei­ne Leh­ren aus der jüdi­schen Tra­di­ti­on schöpf­te, zeigt sich in sei­nen Schrif­ten eine Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen phi­lo­so­phi­schen Kon­zep­ten, ins­be­son­de­re bei der Ver­kün­dung der Auf­er­ste­hung, die bei den Epi­ku­re­ern und Stoi­kern nicht ver­stan­den wurde.“ 

      Bei­de Phi­lo­so­phien Stoa und Epi­ku­re­er­tum sind ener­ge­ti­sche Tat­sa­chen, die auch heu­te noch vor­lie­gen. Die Fra­ge ist, wor­auf sich fokus­siert wird. Johan­nes hat in sei­ner Offen­ba­rung die Bil­der der vier Pfer­de. Das rote Pferd ist der Mensch des Epi­ku­re­er­tums, das schwar­ze Pferd ist der Mensch der Stoa. Die Rei­ter eines roten Pfer­des sind heu­te die Weg­be­rei­ter des Anti­chri­sten, die den Eros, die Selbst­er­fül­lung, über alles set­zen. Die schwar­zen Rei­ter der Stoa sind die Selbst­ge­rech­ten, die nach ihrem selbst­ge­ge­be­nen Gesetz die Ver­kün­der Wahr­heit, uns Chri­sten, verurteilen. 

      Nun über­nimmt Pau­lus kei­ne der Posi­tio­nen der Phi­li­o­so­phen­schu­len. Er ist erschüt­tert von ihren Ver­ir­run­gen und lehnt sie ab. Pau­lus pre­digt den unbe­kann­ten Gott, der weder gese­hen, noch gehört wer­den kann, son­dern das Gott­glei­che (der Vater) im Men­schen reprä­sen­tiert. Pau­lus pre­digt den Weg des wei­ssen Pfer­des der Offenbarung. 

      Man könn­te sagen, das Gesetz des Mose ist in gewis­sem Sin­ne sto­isch, weil es in uns einen selbst­an­kla­gen­den Dia­log aus­löst. Die­ser Dia­log ist aber nicht heils­füh­rend. Des­halb das Gebot: Du sollst nicht falsch gegen Dei­nen Näch­sten aus­sa­gen. Nur in der Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst ist die Wir­kung des Geset­zes gut. Heils­füh­rend ist erst die Über­win­dung des schwar­zen Pfer­des durch Jesus Chri­stus im neu­en Bund.

      • @Besucher:

        »>Die schwar­zen Rei­ter der Stoa sind die Selbst­ge­rech­ten, die nach ihrem selbst­ge­ge­be­nen Gesetz die Ver­kün­der Wahr­heit, uns Chri­sten, verurteilen««

        Das ist Unsinn. Wie auch Plato(n) und Ari­sto­te­les kann­ten auch die Stoi­ker den Logos der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie, zu dem Pau­lus im Neu­en Testa­ment der Bibel auf dem Areo­pag in Athen auch die bei­den stoi­schen Phi­lo­so­phen Ara­tos (zum höch­sten Gott) und Klean­thes (zum gött­li­chen Logos) aus ihren damals weit­hin bekann­ten Wer­ken zitiert. Sie­he auch die „Weis­heits­li­te­ra­tur“ des Alten Testa­men­tes der Bibel. Und laut dem Pro­log des Johan­nes-Evan­ge­li­ums ist Jesus Chri­stus als Wort Got­te der LOGOS, sie­he dazu den Original-Text.

  3. »>Die schwar­zen Rei­ter der Stoa sind die Selbst­ge­rech­ten, die nach ihrem selbst­ge­ge­be­nen Gesetz die Ver­kün­der Wahr­heit, uns Chri­sten, verurteilen««

    Das ist Unsinn. Wie auch Plato(n) und Ari­sto­te­les kann­ten auch die Stoi­ker den Logos der grie­chi­schen Phi­lo­so­phie, zu dem Pau­lus im Neu­en Testa­ment der Bibel auf dem Areo­pag in Athen auch die bei­den stoi­schen Phi­lo­so­phen Ara­tos (zum höch­sten Gott) und Klean­thes (zum gött­li­chen Logos) aus ihren damals weit­hin bekann­ten Wer­ken zitiert. Sie­he auch die „Weis­heits­li­te­ra­tur“ des Alten Testa­men­tes der Bibel. Und laut dem Pro­log des Johan­nes-Evan­ge­li­ums ist Jesus Chri­stus als Wort Got­te der LOGOS, sie­he dazu den Original-Text.

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