Der österreichische Priester Don Michael Gurtner ist den Lesern bereits durch sein Buch „Zur Lage der Kirche“ und weiteren Beiträgen bekannt. Bereits 2015 veröffentlichte er sein Buch „Allein den Betern“, das 2023 in zweiter Auflage erschienen ist. Dieses Buch will nicht bloß gelesen, sondern bedacht werden. Es stellt eine unbequeme Diagnose unserer Zeit: Die Krise der Kirche ist nicht nur eine Krise ihrer Strukturen oder ihrer äußeren Erscheinung, sondern reicht tiefer – bis an die Frage, was die Kirche glaubt, worauf sie ausgerichtet ist und wem sie dient.
Der entscheidende Ansatz des Buches ist deshalb eine Rückkehr zur Wahrheit als Maßstab. Nicht ein bloßes Zurückdrehen der Geschichte, nicht ein Wechsel von einem Extrem ins andere, sondern eine Erneuerung aus dem Zentrum des katholischen Glaubens heraus. Dazu gehören eine klare theologische Sprache, die Rückkehr zu einem tragfähigen philosophischen Fundament und vor allem eine neue Ausrichtung des kirchlichen Lebens auf Gott.
Besonders deutlich wird dies in der Betrachtung der Liturgie: Die Richtung ist Gott. Liturgie ist nicht in erster Linie Ausdruck menschlicher Gemeinschaft, sondern Gottesdienst – und gerade deshalb kann sie zum Ausgangspunkt einer Erneuerung des Glaubens werden.
Doch das Buch setzt noch tiefer an. Wo die Welt in Aktivismus, Selbstüberschätzung und menschlichen Lösungsversuchen ihre Rettung sucht, stellt es die alte, geradezu radikale Einsicht dagegen: Die entscheidende Kraft der Erneuerung liegt nicht zuerst im Tun, sondern im Gebet. „Allein den Betern kann es noch gelingen“ ist deshalb keine resignative Formel, sondern ein Programm.
Darum wird Katholisches.info „Allein den Betern“ ab nun in Folgen veröffentlichen. Der Dank gilt dem Autor Don Gurtner, der diese Veröffentlichung möglich gemacht hat.
Die Aufteilung in Folgen will nicht den Gedankengang zerstückeln, sondern ihm Raum zu geben: Folge für Folge, Gedanke für Gedanke.
Die Reihe beginnt. Und sie lädt nicht zum bloßen Zuschauen ein, sondern zur Auseinandersetzung.
Allein den Betern
von Don Michael Gurtner*
Gebet vor dem Studium
Du unbeschreiblich großer Schöpfer,
du hast in der Fülle deiner Weisheit
drei Stufen von Engeln geschaffen
und ihnen in wundervoller Ordnung
im höchsten Himmel ihren Platz gegeben.
Du hast auch die Teile des Weltalls aufs schönste geordnet.
Du wirst die wahre Quelle des Lichtes und der Weisheit genannt,
und ihr tiefster Grund.
Sende gütig in die Dunkelheit meines Geistes einen Strahl deines Lichtes
und nimm hinweg die zweifache Finsternis, in der ich geboren wurde:
die Sünde und die Unwissenheit!
Du machst die Zungen der Kleinen beredt.
Lehre meine Zunge,
und laß deinen Segen und deine Gnade herabkommen auf meine Lippen!
Gib mir einen scharfen Verstand,
ein treues Gedächtnis,
die Fähigkeit, in der rechten Weise und leicht zu lernen
und genau mich auszudrücken, und eine gute Rednergabe!
Rege mich an zum Beginn, leite mich beim Fortschritt,
ergänze die Mängel beim Abschluß!
Du bist wahrer Gott und Mensch
und lebst und herrschest in alle Ewigkeit.
Amen.
St. Thomas v. Aquin
Allein den Betern
Allein den Betern kann es noch gelingen,
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.
Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.
Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indem im Dom die Beter sich verhüllen,
Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt,
Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert,
Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.
Reinhold Schneider
Vorwort
„Allein den Betern kann es noch gelingen“, schrieb der katholische Dichter Reinhold Schneider in einer düsteren Zeit unserer Geschichtsschreibung, als aus menschlicher Sicht jede Hoffnung unberechtigt schien. Manchen mag es wie eine Resignation erscheinen, wenn einem kein anderer Ausweg mehr bleibt, als sich in die Kirchen zurückzuziehen, sich vor den Augen einer feiernden Welt zu verhüllen und die Hände zum Gebet zu falten. Und dennoch ist es im Grunde genau das Gegenteil: nicht Rückzug, sondern Sturmangriff.
Bereits Jahre vorher sagte Unsere Liebe Frau von Fatima uns dasselbe, als sie 1917 in Portugal den drei Hirtenkindern erschien: Das Gebet hat die Macht, das Weltengeschick zu bestimmen. Es hatte sogar die Macht, die Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts abzuwenden – doch es blieb weitgehend ungenutzt.
„Das Schwert ob unsern Häuptern“, welches es heute aufzuhalten gilt, ist nun ein völlig anderes, die Bedrohungen, die von ihm ausgehen, sind vollkommen verschieden von den damaligen. Und dennoch ist es scharf und bedrohlich. Es scheint zwei geschliffene Klingen zu haben: Eine ist bestimmt, die Kirche zu zerschmettern, die andere ist für die Gesellschaft vorgesehen. Auch in dieser Stunde, die für die Kirche so unheilschwanger erscheint, und zwar weniger durch Gefahren von außen, die es freilich auch gibt, sondern in der ihr viel mehr noch die Bedrohungen in ihrem eigenen Inneren zu schaffen machen, scheint es, daß ihr kein anderer Ausweg mehr übrigbleibt, als endlich auf die schärfste und wirksamste aller Waffen zurückzukommen: das Gebet. In weiten Teilen ist es nämlich auch in der Kirche selbst verlorengegangen, sogar dort, wo man laut zum Gebet ruft. Aber vielfach richtet man sich dabei letztlich doch nur an sich selbst, anstatt an den Schöpfer und Lenker aller Dinge. Worte und auch äußere Formen vieler dieser angeblichen Gebete zeigen, wie sehr wir in Wirklichkeit Gott aus dem Zentrum unseres Blickfeldes verloren haben. Die Schwierigkeit dabei: Es sind gerade die Krisenphänomene selbst, welche am Gebet hindern. Es ist wie mit einem Patienten, der seine Medizin nicht nehmen möchte, weil er deren Geschmack nicht mehr mag. Wo Gott aus dem Zentrum verloren ist, dort tut man sich auch schwer mit dem Gebet, welches aber gleichsam die Rettung wäre. Es ist ein wahrer Teufelskreis. Doch wie ausbrechen?
Der vorliegende Text macht sich ganz die Worte Reinhold Schneiders zu eigen. Sie sind gleichsam der Leitfaden, der sich durch die folgende Reihe zieht, und der gegen Ende hin immer deutlicher zum Vorschein tritt.
Wir befinden uns in der Kirche in einer großen Krise, die in ihrem Typ einzigartig ist. Wenn das Bild des gegenwärtigen Zustandes der Kirche nicht immer in freundlichen Farben gemalt werden kann, sondern es daneben zu vielen düsteren Flecken kommt, die hier beschrieben werden, so geht es nicht darum, zu kritisieren und anzuklagen. Es ist auch kein Pessimismus, der aus diesen Seiten sprechen soll. Sondern es ist leider ein Realismus, der zu manch dunkler Beschreibung der Zustände führt. Jedoch stets mit der Absicht, aus der Erkenntnis, Analyse und Beschreibung des Übels ein Gut hervorwachsen zu lassen. Wir müssen uns gewisser Dinge bewußt werden, um deren Schaden zu erkennen und sie zu ändern. Deshalb müssen wir analysieren und nachdenken, auch wenn die Ergebnisse nicht die gewünschten sind und nicht mit einem zeitgeistigen „alles was ist, ist positiv und gut, so wie es ist“ konform gehen. Die Erkenntnis der realen Situation und der tatsächlichen Mängel ist erforderlich, um manche Dinge zu ändern und wieder in deren rechte Bahnen lenken zu können.
Manche Gedanken werden sich dabei im Laufe unserer Überlegungen zwangsläufig wiederholen, weil es oftmals derselbe Grundfehler ist, der sich in mehreren unterschiedlichen Bereichen wiederfindet und der sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Krisenerscheinungen zieht. Es ist dabei im Kern vor allem der Gottesverlust, welcher die Kirche so dermaßen durchbeutelt. Zu dieser Erkenntnis wird man immer wieder gelangen, wenn man von verschiedenen Punkten ausgeht. Am Ende der verschiedenen Ansätze und Ausgangspunkte steht oftmals die Erkenntnis derselben Ursache.
Natürlich bleibt diese Arbeit zwangsläufig sehr fragmentarisch. Nicht alles kann hier behandelt werden, das dessen wert wäre. Aber es ist doch ein Versuch, die Dinge in ihrem Grunde klar zu sehen. Es geht vom Allgemeinen zum Konkreten und endet in einer Anwendung des Gedichtes auf das vorhin Gesagte. Von daher versteht es sich durchaus als eine Motivation an den Leser, das Seine zur Überwindung der derzeitigen Situation der Kirche beizutragen. Diese Beiträge können praktisches Tun, rechte Worte in Schrift und Sprache oder das Gebet sein – letzteres können alle tun und ist daher von allen gefordert. Quantum potes, tantum aude!
Der Glaube in den Nationen ist nahezu erloschen, ja manchmal fragt man sich in der Kirche selber, ob der Herr, würde er heute wiederkommen, noch Glauben fände. Da und dort sicherlich, das ist unbestritten und muß auch immer wieder gesehen und gesagt werden, denn es gibt auch viele gute, fromme Zellen. Oft werden sie jedoch von eher faulem Gewebe zu ersticken versucht, und man tut alles, um sie auszulöschen. Diese guten Zellen gilt es erstarken zu lassen, sie zu nähren und zu vermehren. Das Gute und Heilsförderliche geht heute größtenteils von kleinen, geistlich überaus ernsthaften und regen Gruppen aus. Wir müssen sie fördern, vermehren, ermutigen und wertschätzen. Und wir müssen sie vor den Angriffen schützen, denn es ist auffällig, daß gerade dort, wo das Gute reich geschieht, von außen besonders viele Widerstände kommen, welche darauf abzielen, gewisse Denkweisen nicht hochkommen und sich verbreiten zu lassen.
Doch wie gesagt: Unser Tun allein wird es nicht sein, welches die Kirche rettet. Denn allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen …
A.D. 2015, am Feste St. Thomas v. Aquin
(Fortsetzung folgt)
*Mag. Don Michael Gurtner ist ein aus Österreich stammender Diözesanpriester, der in der Zeit des öffentlichen Meßverbots in der Corona-Zeit diesem widerstanden und sich dadurch große Verdienste um das Seelenheil erworben hat. Er ist Autor mehrerer theologischer Bücher. Auf Katholisches.info veröffentlichte er 2023/24 die Reihe „Zur Lage der Kirche“, die auch in Buchform erschienen ist.
Das Buch zur Reihe: Don Michael Gurtner: Allein den Betern, Selbstverlag, 2. Aufl. 2023, 370 Seiten.
Bild: Giuseppe Nardi (SS. Trinità dei Pellegrini, Rom/bearbeitet)
Korrektur von 1. Fassung
Nun, viel Glauben findet der Herr bei seiner Wiederkunft nicht gerade vor.
Die Situation in der Kirche kann man als einen riesigen Abfall in die Lauheit erkennen; Oder mehr noch, in den Tod. Leider sind es gerade Kleriker, die sich am stärksten verirrt haben. (s.u. Textpassagen aus Konrad Hock.)
Das heilende Rezept ist immer und immer wieder: Der ständige Blick auf Gott.
Bedenke:
Die heiligen Engel Gottes blicken ständig auf Gott; in diesem Lieben, Anschauen und Anbeten Gottes empfangen sie den Heiligsten Willen Gottes, den sie uns dann vermitteln (wollen/sollen). Das gelingt ihnen nur dann, wenn der Mensch mitwirkt mit dem Engel Gottes. Wenn er sich durch geeignete Vorbereitung darauf einübt. Wenn er ein ‚Geistlicher‘ wurde. Engelgleich. So, wie es auch die Heiligen Drei Könige in gewisser Hinsicht waren. Sie hörten die Stimme Gottes und folgten dem Ruf Gottes. Die Nachfolge Christi ist im Grunde das engelgleiche Leben.
Man kann hier in diesem Leben schon ein Leben der Seligkeit führen: ‚Selig sind, die das Wort Gottes hören und es befolgen.‘ – Wenn man mit Hilfe des Engels DIE Werke tut, die eben dann ‚in Gott getan sind‘ (Joh 3)
Den Willen Gottes zu tun bringt also immer etwas Seligkeit, weil der Wille Gottes aus der Vollkommenheit Gottes kommt.
Die gefallenen Engel dagegen haben die Gottesschau nicht, diese ist ihnen wegen ihres Ungehorsams entzogen. Das heißt, die gefallenen Engel haben keinen anderen Weg, als alles aus dem eigenen Wissen zu tun. Das aber ist das Handeln im Eigensinn. DER Eigensinn, der die verdorbene Quelle ist: denn dem Eigensinn fehlt die Vollkommenheit Gottes. Er ist i.A. unrein, weil er von den unreinen Geistern eigegeben wird.
Wer sich z.B. zu sehr gegen Gott vergeht, den überläßt Gott seinem Eigensinn. Gott zieht sich von solchen Seelen zurück; sie empfangen dann keine göttlichen Einsprechungen mehr; womit das größtmögliche Maß des elends für einen solchen Menschen voll wird.
Leben Mariens sagt im Schlusskapitel Buch 1:
„Was über Rettung und Verdammnis entscheidet“: Ob man den Einsprechungen Gottes folgt oder nicht.
(Leben Mariens, Maria de Jesus von Agreda, Buch 1, Schlusskapitel.)
Hier im Folgenden nun mehrere (z.T gestraffte) Passagen aus dem ‚Leitfaden für aszetischen Unterricht‘ vom Priester Konrad Hock; Eine Schrift aus dem Jahr 1924, Bistum Würzburg.
Es sind m.E. JENE Dinge, die das Konzil sehr still und schweigend unter den Tisch fallen ließ: Die echte Nachfolge Christi. Konrad Hock schreibt also z.B.:
Die Verpflichtung zur Vollkommenheit:
Nicht nur Priester und Ordensleute, sonder alle Christen ohne Ausnahme sind verpflichtet, nach Vollkommenheit zu streben. Allen Christen hat Christus geboten, Gott zu lieben aus ganzem Herzen und aus allen Kräften und von allen Christen verlangt Christus vollkommene Tugenden wie Feindesliebe, Selbstverleugnung, Sanftmut und Demut, so wie er selbst sie geübt hat; Losschälung von allem. (Einleitung B I)
Vom richtigen Gebet: …
Je größer deine Gottesliebe, desto besser dein Gebet. je reiner dein Herz, desto besser dein Gebet; je größer deine Selbstverleugnung, desto besser dein Gebet; Je größer deine Zurückgezogenheit und deine Liebe zum Stillschweigen, desto besser dein Gebet; Je besser dein innerliches Gebet, desto besser dein mündliches Gebet.
Gebet in Zusammenfassung: Betet ohne Unterlass.
Wir sollen immer in der Gegenwart Gottes wandeln, nie die Gegenwart Gottes aus de Auge verlieren.
Die beständige Vergegenwärtigung Gottes:
Ohne die beständige Vergegenwärtigung Gottes werden wir nie vollkommen, sondern sind mehr oder weniger lau. Der hl. Alphons nennt die Vergegenwärtigung Gottes „Das Fundament des geistlichen Lebens.“ Alle Heiligen sind in der Gegenwart Gottes gewandelt. … Nur wer in der Gegenwart Gottes wandelt, hat Gott zum Mittelpunkt seines Lebens gemacht, nur für einen solchen Menschen ist Gott die Hauptsache und alles andere Nebensache. Wer aber nicht in der Gegenwart Gottes wandelt, für den ist Gott mehr oder weniger Nebensache. Solche Menschen haben als Hauptsache irgendein Geschöpf, die Arbeit oder das eigene Ich. 1) (Heft I, S 62 f)
Die Welt – Die Lauheit:
Die Welt haßt besonders die Ordensleute; für diese hat sie nur Spott und Verachtung und wenn sie kann, verfolgt und vertreibt sie die Ordensleute. Dies darf eine Ordensperson (Schwester) nicht fürchten. Je mehr die Feinde Gottes die Kirche Christi verfolgen, desto herrlicher wird das innere Leben in der Kirche aufblühen und desto mächtiger wird sie sich nach außen hin ausbreiten.
Wenn die Welt aber scheinbar Freundschaft mit der Kirche schließen will, dann wird der Weltgeist in die Kirche eindringen und die Gläubigen werden großen Schaden leiden.
Das beste Mittel gegen die Anfeindungen der Welt ist das innerliche Leben, der beständige Verkehr mit Gott und namentlich ein tiefes Sichversenken in das Leiden Christi. (sich im Kreuze Christi rühmen.) (II, ca. 121)
Laue Ordensleute sind solche, die vom Weltgeist angesteckt sind; solche, die nicht nach den Grundsätzen Christi, sondern nach den Grundsätzen der Welt leben. Den Lauen sind die Eifrigen meist ein Dorn im Auge … „Alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung leiden.“ (Gal 4,29)
Die Lauheit: ‑Der Laue Mensch:
Bei welchem die Glut des Eifers nachgelassen hat, bei dem aber die Kälte der Todsünde noch nicht eingetreten ist. – Aus Scheu vor der Anstrengung nicht nach Vollkommenheit streben wollen. Sich damit zufriedengeben, keine Todsünden an sich zu sehen. Aus dem Begehen lässlicher Sünden macht er sich keine Bedenken. Er begeht sogar ganz freiwillig lässliche Sünden. Gerade gebeichtet, begeht er sie wieder. Die Beichte bessert ihn nicht.
Der Laue hat kein ernstliches Verlangen, vollkommen zu werden. Er möchte vielleicht heilig werden, aber bringt nicht den entscheidenden Willen auf. Er flieht die Selbstverleugnung. Er unterläßt Tugendübungen. Gebete gibt er oft in großer Unandacht. Seine Kommunion ist ohne lebendigen Glauben, ohne Verlangen, ohne genügende Vorbereitung. Er lebt gleichgültig in den Tag hinein; nach seiner Laune, nach seiner Sinnlichkeit. Er hält seine Tagesordnungen und seine Regel nicht.
Das Schlimme der Lauheit:
… Ist vor allem, daß der Laue seinen beklagenswerten Zustand meist gar nicht einsieht. Der Laue hält sich für brav. Es kommt so weit, daß er seinen Seelenzustand als den einzig richtigen hält. Er sagt: „Man soll nicht übertreiben. Wer sich einbildet, heilig werden zu wollen, wird ein verkehrter Mensch, den man nicht brauchen kann; Er verfällt Selbsttäuschungen und geht irre. Wer den ‚alten Kuhweg‘ der großen Menge einschlägt, geht am sichersten.“ (Anm. Das ist der breite Weg, der ins Verderben führt.)
Die Geisteslehrer sind einig in der Auffassung, daß ein Lauer sich fast nie bekehrt.
Ein Sünder bekehrt sich viel öfter, als der Laue. Wer nach seiner Bekehrung wieder Lau wurde, hat sich selbst die Hoffnung, die der Sünder noch hat, entzogen. Der heilige Alphons sagt: „Die Lauheit ist ein fast unheilbares Übel, an dessen Beseitigung man verzweifeln muß.“ Bei den Alten galt: “ Es ist leichter, daß ein Weltmensch oder Heide sich bekehrt, und zum Gipfel der Vollkommenheit gelangt, als ein Ordensmann, der den Weg der Vollkommenheit betreten hatte und von jenem Feuer des geistlichen Eifers sich entfernte.“
Der Grund, warum die Lauheit so unheilbar ist, sieht der hl. Alphons darin, daß der Laue seinen elenden Zustand nicht einsieht. Der Laue steht in großer Gefahr, daß er in schweren Sünden stirbt … und unbußfertig stirbt. Der Todsünder hat noch Sehnsucht von der Todsünde aufzustehen. Doch der Laue hat kein Verlangen, aus seinem elenden Zustand herauszukommen.
Laue Ordenspersonen, die in Todsünden gefallen sind, verlieren sehr leicht ihren Ordensberuf. kehren in die Welt zurück und führen dort ein Leben voll Verachtung gegen alle Übungen der Frömmigkeit. Das Ende ist Unglaube und Verzweiflung.
Heilmittel gegen die Lauheit:
… alle Mittel, die der Heiland angibt, lassen sich zusammenfassen in die Übung der Vergegenwärtigung Gottes.
Auch die laueste Ordensperson (Schwester) wird sicher bekehrt, wenn sie mit Ernst daran arbeitet, beständig an Gottes Gegenwart zu denken.
Einer Seele, die in Gottes Gegenwart lebt, fällt es wie Schuppen von den Augen. Mit bitterstem Schmerz erkennt sie die große Lauheit ihres vergangenen Lebens und läßt nicht nach, alles wieder gut zu machen.
(Heft III, S 135)
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1) Entnommen der Schrift von Konrad Hock, Pfarrer, ‚Leitfaden für den aszetischen Unterricht‘; Die Lehre von der Vollkommenheit und dem Gebet, Würzburg, St. Rita Verlag 1924
Konrad Hock weist darauf hin, daß es Seelen gibt, die fälschlicherweise meinen, den Weg der Vollkommenheit NUR mit den Sakramenten gehen zu können. Doch solche Seelen werden nie vollkommen; sie werden nie heilig. Sie bessern sich in keiner Weise. Denn die Aszetik, das Tugendstreben, die Disziplin, die Ausbildung gehören unentbehrlich dazu.
Halleluja!