Kardinal Paolo Romeo gestorben – seine Ankündigung des Todes von Benedikt XVI.

Zwölf Monate später trat der deutsche Papst zurück

Kardinal Romeo sagte im Februar 2012 voraus, Papst Benedikt XVI. werde innerhalb von zeölf Monaten sterben. Tatsächlich trat dieser im Februar 2013 in einem beispiellosen Akt zurück
Kardinal Romeo sagte im Februar 2012 voraus, Papst Benedikt XVI. werde innerhalb von zeölf Monaten sterben. Tatsächlich trat dieser im Februar 2013 in einem beispiellosen Akt zurück

Leo XIV. wür­dig­te den am Sonn­tag ver­stor­be­nen Erz­bi­schof von Paler­mo als groß­zü­gi­gen Die­ner der Kir­che. 2012 geriet Romeo durch einen ver­trau­li­chen Bericht über eine angeb­li­che Todes­pro­gno­se für Bene­dikt XVI. in die Schlag­zei­len. Das Doku­ment wur­de zum Auf­takt der Vati­leaks-Affä­re. Tat­säch­lich tat Bene­dikt eini­ge Mona­te spä­ter, was so noch kein Papst vor ihm getan hat­te: Er trat zurück.

Am Sonn­tag, dem 25. Okto­ber 2026, ist der ita­lie­ni­sche Kar­di­nal Pao­lo Romeo im Alter von 88 Jah­ren in Cata­nia gestor­ben. Papst Leo XIV. wür­dig­te den eme­ri­tier­ten Erz­bi­schof von Paler­mo in einem am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Kon­do­lenz­te­le­gramm als einen „lie­ben Bru­der, der dem Evan­ge­li­um und der Kir­che groß­zü­gig gedient hat“. Mit dem Tod Rome­os endet ein lan­ges kirch­li­ches Leben, das von diplo­ma­ti­schen Auf­ga­ben im Dienst des Hei­li­gen Stuhls und der Lei­tung einer bedeu­ten­den ita­lie­ni­schen Erz­diö­ze­se geprägt war. Zugleich wird sein Name untrenn­bar mit einem der bri­san­te­sten Kapi­tel des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. ver­bun­den blei­ben: dem Beginn der Affä­re, die als Vati­leaks bekannt wur­de.

Leo XIV. würdigt den kirchlichen Dienst

In sei­nem Kon­do­lenz­te­le­gramm an den Bischof von Aci­rea­le, Msgr. Anto­ni­no Ras­pan­ti, erin­ner­te Leo XIV. an Rome­os lang­jäh­ri­gen Dienst für die Kir­che. Der am 20. Febru­ar 1938 in Aci­rea­le auf Sizi­li­en gebo­re­ne Geist­li­che war 1961 zum Prie­ster geweiht wor­den. 1984 emp­fing er die Bischofs­wei­he und trat in den diplo­ma­ti­schen Dienst des Hei­li­gen Stuhls ein.

Msgr. Romeo war päpst­li­cher Ver­tre­ter in Hai­ti, Kolum­bi­en, Kana­da sowie in Ita­li­en und der Repu­blik San Mari­no. 2006 ernann­te ihn Bene­dikt XVI. zum Erz­bi­schof von Paler­mo. Vier Jah­re spä­ter erhob ihn der­sel­be Papst in den Kardinalsstand.

Leo XIV. erin­ner­te aus­drück­lich an Rome­os Wir­ken als Prie­ster sei­ner Hei­mat­diö­ze­se, als Diplo­mat des Hei­li­gen Stuhls und schließ­lich als Erz­bi­schof von Paler­mo. Er bete für den Ver­stor­be­nen, damit der Herr ihn in sei­nen Frie­den auf­neh­me, und erteil­te den Trau­ern­den den Apo­sto­li­schen Segen.

Die kirch­li­che Wür­di­gung steht für sich. Sie hebt die lang­jäh­ri­ge Tätig­keit Rome­os her­vor, ohne die Kon­tro­ver­sen zu erwäh­nen, die sei­nen Namen in einer kri­ti­schen Pha­se des Pon­ti­fi­kats von Bene­dikt XVI. bekannt machten.

„Innerhalb von zwölf Monaten wird der Papst sterben“

Am 10. Febru­ar 2012 ver­öf­fent­lich­te die ita­lie­ni­sche Tages­zei­tung Il Fat­to Quo­ti­dia­no auf ihrer Titel­sei­te eine Schlag­zei­le, die welt­weit für Auf­se­hen sorg­te: „Kom­plott gegen den Papst. Inner­halb von zwölf Mona­ten wird er sterben.“

Grund­la­ge war ein ver­trau­li­cher, in deut­scher Spra­che abge­faß­ter Ver­merk, der sich auf Äuße­run­gen Rome­os wäh­rend einer Chi­na-Rei­se im Novem­ber 2011 bezog. Der dama­li­ge Erz­bi­schof von Paler­mo soll bei Gesprä­chen mit chi­ne­si­schen Gesprächs­part­nern den Tod Bene­dikts XVI. inner­halb der fol­gen­den zwölf Mona­te vor­aus­ge­sagt haben. Die­se hät­ten die Äuße­rung offen­bar so ver­stan­den, als ver­fü­ge Romeo über Kennt­nis­se eines mög­li­chen Atten­tats auf den Papst.

Der Bericht stamm­te dem­nach aus einer Dar­stel­lung, die Kar­di­nal Darío Cas­tril­lón Hoyos Anfang Janu­ar 2012 an die Spit­ze des Vati­kans wei­ter­ge­lei­tet haben soll. Cas­tril­lón Hoyos, ein frü­he­rer Prä­fekt der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, gehör­te zu den Kir­chen­män­nern, die dem deut­schen Papst nahe standen..

Das ver­öf­fent­lich­te Doku­ment beschränk­te sich nicht auf die angeb­li­che Todes­pro­gno­se. Auch die Fra­ge der mög­li­chen Nach­fol­ge Bene­dikts wur­de ange­spro­chen. Als aus­sichts­rei­cher Kan­di­dat wur­de der dama­li­ge Erz­bi­schof von Mai­land, Ange­lo Sco­la, genannt, der tat­säch­lich als bevor­zug­ter Kan­di­dat von Bene­dikt XVI. 2013 ins Kon­kla­ve ging, aber dort Kar­di­nal Jor­ge Mario Berg­o­glio unterlag.

Damit ver­band der Bericht zwei The­men, die im dama­li­gen Rom beson­ders sen­si­bel waren: die Macht­kämp­fe inner­halb der Kurie und die Zukunft des Pontifikats.

Der Ver­merk doku­men­tier­te Aus­sa­gen, die Romeo zuge­schrie­ben wur­den. Daß dar­aus tat­säch­lich Kennt­nis von einem kon­kre­ten Mord­plan gegen Bene­dikt XVI. abzu­lei­ten gewe­sen wäre, war damit nicht bewiesen.

Der Vatikan sprach von „Hirngespinsten“

Die Reak­ti­on des Vati­kans fiel deut­lich aus. Der dama­li­ge Lei­ter des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes, Pater Feder­i­co Lom­bar­di, bestä­tig­te, daß ein ent­spre­chen­des Doku­ment exi­stier­te und über­mit­telt wor­den war. Zugleich erklär­te er, des­sen Inhalt sei nicht berück­sich­tigt wor­den, weil es sich um „Hirn­ge­spin­ste“ handle.

Der Fall Romeo wird häu­fig als erstes öffent­lich bekannt gewor­de­nes Doku­ment der Affä­re betrach­tet, die spä­ter den Namen Vati­leaks erhielt. Im wei­te­ren Ver­lauf des Jah­res 2012 wur­den zahl­rei­che ver­trau­li­che Schrei­ben, inter­ne Mit­tei­lun­gen und Doku­men­te aus dem Umfeld Bene­dikts XVI. an die Medi­en wei­ter­ge­ge­ben. Ob zwi­schen der Cau­sa Romeo und dem spä­te­ren Doku­men­ten-Klau ein Zusam­men­hang besteht, konn­te nicht geklärt werden.

Für den Doku­men­ten­klau wur­de Pao­lo Gabrie­le, der per­sön­li­che Kam­mer­die­ner des Pap­stes, über­führt. Bei ihm wur­den ver­trau­li­che Unter­la­gen sicher­ge­stellt; im Mai 2012 wur­de er fest­ge­nom­men. Im Okto­ber des­sel­ben Jah­res ver­ur­teil­te ihn ein vati­ka­ni­sches Gericht wegen Dieb­stahls ver­trau­li­cher Doku­men­te. Bene­dikt XVI. begna­dig­te den Fami­li­en­va­ter noch im Dezem­ber des­sel­ben Jahres.

Die Ver­öf­fent­li­chung des Romeo-Berichts und die spä­te­re Ent­hül­lung wei­te­rer inter­ner Vor­gän­ge gehö­ren zwar zur sel­ben dra­ma­ti­schen Pha­se, dür­fen jedoch nicht unter­schieds­los gleich­ge­setzt wer­den. Der Bericht über Romeo war mehr ein Bei­spiel für ein bewuß­ten Durch­sickern ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen. Die spä­te­ren Ermitt­lun­gen rich­te­ten sich hin­ge­gen ins­be­son­de­re gegen die Ent­wen­dung und Wei­ter­ga­be von Unter­la­gen aus dem direk­ten päpst­li­chen Umfeld.

Die Schatten des Jahres 2012

Der Fall Romeo erhielt im Rück­blick zusätz­li­che Bri­sanz, weil Bene­dikt XVI. tat­säch­lich inner­halb von zwölf Mona­ten, am 11. Febru­ar 2013, sei­nen Amts­ver­zicht ankün­dig­te. Die zeit­li­che Nähe nähr­te Spe­ku­la­tio­nen. Belegt ist näm­lich auch, daß Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni, der gro­ße Gegen­spie­ler von Johan­nes Paul II. und Bene­dikt XVI., im Juni 2012 den deut­schen Papst unmiß­ver­ständ­lich zum Rück­tritt auf­ge­for­dert hatte.

Ein Beweis dafür, daß die angeb­li­che Todes­pro­gno­se Rome­os einen tat­säch­li­chen Mord­plan bezeich­ne­te oder daß damit auch ein Amts­ver­zicht gemeint war, ergibt sich dar­aus aller­dings nicht. Eben­so wenig läßt sich aus der zeit­li­chen Abfol­ge allein ablei­ten, Bene­dikt sei zum Rück­tritt gezwun­gen wor­den, zumal er selbst einen sol­chen Her­gang stets bestritt.

Fest steht, dass Vati­leaks das Bild eines Vati­kans erschüt­ter­te, in dem per­sön­li­che Riva­li­tä­ten, insti­tu­tio­nel­le Kon­flik­te und der Umgang mit ver­trau­li­chen Infor­ma­tio­nen eine gefähr­li­che Ver­bin­dung ein­ge­gan­gen waren. Die Affä­re war nicht die ein­zi­ge Bela­stung des Pon­ti­fi­kats, gehör­te aber zu des­sen schwer­sten Kri­sen in der Schlussphase.

Der Name Romeo stand früh in die­ser Ent­wick­lung. Wel­che Absich­ten er bei sei­nen Gesprä­chen in Chi­na tat­säch­lich ver­folg­te, was er genau sag­te und wie sei­ne Gesprächs­part­ner die Äuße­run­gen ver­stan­den, lässt sich aus dem damals ver­öf­fent­lich­ten Ver­merk allein nicht abschlie­ßend klären.

Kar­di­nal Romeo ist nun ver­stor­ben. Die dama­li­gen Schlag­zei­len sind geblie­ben. Und ein Wun­de, die durch den Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. geschla­gen wur­de, an der die Kir­che leidet.

Requiescat in pace.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/​VaticanMedia (Screenshots)/Katholisches.info

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