Leo XIV. verbringt Sommerwochen in Castel Gandolfo – Spekulationen über mögliche Begegnungen


Papst Leo XIV. auf dem Balkon des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo. Im Hintergrund ist der Albaner See, ein Kratersee, zu sehen
Papst Leo XIV. auf dem Balkon des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo. Im Hintergrund ist der Albaner See, ein Kratersee, zu sehen

Papst Leo XIV. begann am Sonn­tag sei­nen dies­jäh­ri­gen Som­mer­auf­ent­halt in Castel Gan­dol­fo und griff damit eine alte päpst­li­che Tra­di­ti­on auf. Bis zum 27. Juli wird sich der Hei­li­ge Vater in der päpst­li­chen Som­mer­re­si­denz süd­lich von Rom auf­hal­ten. Der Auf­ent­halt dient zwar der Erho­lung, dürf­te jedoch – wie bereits im ver­gan­ge­nen Jahr – nicht frei von pasto­ra­len und diplo­ma­ti­schen Ver­pflich­tun­gen blei­ben. Dazu wer­den von ita­lie­ni­schen Medi­en eini­ge Spe­ku­la­tio­nen angestellt.

Bei sei­ner Ankunft wur­de Leo XIV. von zahl­rei­chen Gläu­bi­gen emp­fan­gen. Vom Bal­kon des Apo­sto­li­schen Pala­stes aus dank­te er den War­ten­den für den herz­li­chen Emp­fang. Er freue sich dar­auf, „ein wenig aus­zu­ru­hen, ein wenig zu beten, ein wenig zu lesen und – hof­fent­lich – auch etwas Sport zu trei­ben“. Zugleich bezeich­ne­te er die Begeg­nung mit den Gläu­bi­gen als einen wich­ti­gen Moment des brü­der­li­chen Miteinanders.

Wäh­rend des Auf­ent­halts wer­den sämt­li­che General‑, Pri­vat- und Son­der­au­di­en­zen aus­ge­setzt. An den Sonn­ta­gen im Juli wird der Papst jedoch jeweils den Ange­lus auf der Piaz­za del­la Liber­tà in Castel Gan­dol­fo beten. Die Gene­ral­au­di­en­zen im Vati­kan wer­den am 5. August wie­der aufgenommen.

Mit sei­ner Rück­kehr nach Castel Gan­dol­fo setzt Leo XIV. den Kurs fort, den er bereits 2025 ein­ge­schla­gen hat­te. Damals ver­brach­te er 16 Tage in der Vil­la Bar­be­ri­ni. Trotz des Erho­lungs­cha­rak­ters des Auf­ent­halts nahm er zahl­rei­che öffent­li­che Ter­mi­ne wahr, fei­er­te die „erste Lit­ur­gie zur Bewah­rung der Schöp­fung“ im „Bor­go Lau­da­to Si‘“, einem Pro­jekt sei­nes Vor­gän­gers Fran­zis­kus zum soge­nann­ten Kli­ma-Nar­ra­tiv.

Leo besuch­te die ört­li­che Päpst­li­che Pfar­rei St. Tho­mas von Vil­lano­va sowie die Kathe­dra­le von Alba­no und emp­fing den ukrai­ni­schen Prä­si­den­ten Wolo­dym­yr Selen­skyj. Dar­über hin­aus führ­te er nach dem israe­li­schen Angriff auf die Kir­che der Hei­li­gen Fami­lie in Gaza Tele­fon­ge­sprä­che mit dem israe­li­schen Mini­ster­prä­si­den­ten Ben­ja­min Netan­ja­hu sowie mit dem Prä­si­den­ten der Palä­sti­nen­si­schen Auto­no­mie­be­hör­de Mah­mud Abbas.

Die Rück­kehr in den Apo­sto­li­schen Palast mar­kiert zugleich eine wei­te­re Abkehr von der Pra­xis sei­nes Vor­gän­gers Fran­zis­kus. Die­ser hat­te auf Som­mer­auf­ent­hal­te in Castel Gan­dol­fo ver­zich­tet, in der Casa San­ta Mar­ta gewohnt und die päpst­li­chen Gemä­cher der Som­mer­re­si­denz als Muse­um der Öffent­lich­keit zugäng­lich gemacht. Inzwi­schen wur­de die­se Nut­zung wie­der been­det, sodaß der Apo­sto­li­sche Palast erneut sei­ner ursprüng­li­chen Bestim­mung als päpst­li­che Som­mer­re­si­denz dient.

Die bis­her erkenn­ba­ren Momen­te der Abkehr Leos von sei­nem Vor­gän­ger beschrän­ken sich weit­ge­hend auf Äußer­lich­kei­ten. Inhalt­lich zei­gen sie sich weni­ger deut­lich, wie die Fort­set­zung der berg­o­glia­ni­schen Pro­jek­te wie dem Bor­go Lau­da­to Si in Castel Gan­dol­fo zeigt. Im Rah­men eines ande­ren berg­o­glia­ni­schen Pro­jekts, der soge­nann­ten Rai­sing Hope-Kon­fe­renz zum Kli­ma­wan­del seg­ne­te Leo XIV. am 1. Okto­ber 2025 in Castel Gan­dol­fo einen eigens aus Grön­land her­ge­brach­ten Eisblock.

Auch der Bor­go Lau­da­to Si‘ bleibt wäh­rend des päpst­li­chen Auf­ent­halts täg­lich für Besu­cher geöff­net. In einer Gruß­bot­schaft wünsch­ten die Ver­ant­wort­li­chen dem Papst Tage der Erho­lung und der geist­li­chen Stär­kung und luden Pil­ger ein, den Ort als Raum des Gebets, der Schön­heit und der Sor­ge für die gemein­sa­me Schöp­fung kennenzulernen.

In kirch­li­chen Krei­sen wer­den dar­über hin­aus bereits mög­li­che Begeg­nun­gen wäh­rend des Auf­ent­halts dis­ku­tiert. Beob­ach­ter ver­wei­sen dar­auf, daß sich das ita­lie­ni­sche Distrikts­haus der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) nur weni­ge Schrit­te von der päpst­li­chen Som­mer­re­si­denz ent­fernt befin­det. Nach­dem Papst Bene­dikt XVI. in Castel Gan­dol­fo bereits 2005 den dama­li­gen Gene­ral­obe­ren der Bru­der­schaft, Bischof Ber­nard Fel­lay, emp­fan­gen hat­te – wenn auch außer­halb eines Som­mer­auf­ent­halts –, wird nun von Medi­en dar­über spe­ku­liert, ob Leo XIV. erst­mals Ver­tre­ter der Pius­bru­der­schaft zu Gesprä­chen emp­fan­gen könn­te. Ange­sichts der gegen­wär­ti­gen kirch­li­chen Lage hal­ten man­che Beob­ach­ter einen sol­chen Schritt für denk­bar, auch wenn es hier­für bis­lang kei­ner­lei offi­zi­el­le Hin­wei­se gibt.

Frei­lich erscheint ein sol­ches Tref­fen der­zeit wenig wahr­schein­lich und käme eher einer ver­spä­te­ten Reak­ti­on gleich. Hät­te Leo XIV. eine Begeg­nung mit Ver­tre­tern der Pius­bru­der­schaft gewollt, wäre dafür das ver­gan­ge­ne Früh­jahr der nahe­lie­gen­de­re Zeit­punkt gewe­sen. Ein sol­ches päpst­li­ches Inter­es­se war jedoch nicht vorhanden.

Ob auch der dies­jäh­ri­ge Auf­ent­halt des Pap­stes in Castel Gan­dol­fo mehr sein wird als eine blo­ße Som­mer­pau­se, wird sich zei­gen. Tra­di­tio­nell nut­zen die Päp­ste die­se Wochen, um an Doku­men­ten zu arbei­ten, Bücher zu ver­fas­sen oder ver­trau­li­che Gesprä­che zu füh­ren. Bis­her wur­de dazu aber nichts bekanntgegeben.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­News (Screen­shot)

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