Den Pessimismus der folgenden Ausführungen teilen wir nicht zur Gänze, halten die Überlegungen jedoch für hörenswert. Ihre Veröffentlichung ist vor allem ein Gruß an Maurizio Blondet, der – inzwischen 82 Jahre alt – aufgrund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ins Krankenhaus eingelierfert werden mußte.
Von Roberto Pecchioli*
I
Die Evangelien des Lukas und des Matthäus überliefern eine eindringliche Aussage Jesu: „Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ In der alten Tradition war Mammon ein Dämon, der die Bindung an materielle Dinge, an Gier und vor allem an das Geld verkörperte. Der Sieg des Mammons ist heute überwältigend; er betrifft nicht nur die Macht des Geldes und seine zentrale Stellung im Leben der Menschen, sondern jede Form von Materialismus und Abhängigkeit, die von oben gefördert und schließlich aufgezwungen wird. Unsere Zeit hat uns einen Begriff hinterlassen, der die Macht des Mammons bezeichnet: Plutokratie. Das heißt die Herrschaft des Geldes – in Form der Vorherrschaft ökonomischen Denkens, instrumenteller Berechnung und der Gleichgültigkeit gegenüber jedem Wert, der sich nicht in Geld umwandeln oder durch Geld darstellen lässt.
Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel war es, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die fortschreitende Veränderung des Denkens systematisch beschrieb und historisierte, welche zur Vorherrschaft des Geldes im Leben des modernen Menschen führte („Philosophie des Geldes“, München-Leipzig 1900). Es handelte sich um eine Revolution im Zeichen des „Reiches der Quantität“ (René Guénon), in der alles unterliegt, was sich nicht berechnen und nicht anhand des Preises darstellen lässt – jenes einzigen Wertmaßstabes. Das Ergebnis war eine universelle Rationalisierung, die Simmel Instrumentalisierung nannte, sowie das Übergewicht eines neuen Subjekts: der Plutokratie, also jener Form absoluter Macht, die von der reichsten Minderheit ausgeübt wird. Eine Oligarchie – die Herrschaft weniger –, die Kontrolle, Monopol und Ausbeutung von Menschen und Dingen verfolgt, über die sie verfügt, um ihren Reichtum weiter zu vermehren und ihn in den Dienst eines Projekts universeller Herrschaft zu stellen.
Mammon ist heute der Wille zur Macht, gegründet auf das Geld einer Handvoll Menschen, die alles besitzen und, da sie über alle Mittel verfügen, auch alle Zwecke bestimmen.
Das Wort Plutokratie genießt keinen besonderen Ruf, vor allem deshalb, weil Benito Mussolini es benutzte, um die liberalen Staaten – Frankreich, England und die USA – zu bezeichnen. Wichtiger ist die Dämonisierung dessen, der etwas sagt, als die Wahrheit dessen, was gesagt wird. Wir leben heute in einem voll entfalteten plutokratischen Regime in der Form der Privatisierung der Welt, der eisernen Hegemonie – Julius Evola nannte sie „Dämonie“ – der ausschließlich ökonomischen Dimension des Habens, die das Sein verdrängt und aus dem Horizont der Generationen verbannt hat.
Der Begriff Plutokratie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von zwei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten verbreitet: dem italienischen Soziologen Vilfredo Pareto und dem französischen politischen Agitator und revolutionären Syndikalisten Georges Sorel. In jüngerer Zeit sprach der Politiker und scharfsinnige Beobachter realer Machtverhältnisse Giulio Tremonti, zwischen 1994 und 2011 vier Mal italienischer Finanzminister, von einer „internationalen Republik des Geldes“, womit er unseres Erachtens irrte. Die Plutokratie ist keineswegs eine Republik – ihre Berufung ist private Herrschaft – und sie ist auch nicht international, sondern staatenlos, der absolute Feind jeder staatlichen und nationalen Ordnung ebenso wie jeder Grenze.
Die reale Plutokratie fegt jede Illusion von Freiheit hinweg – ihre Sicht der Welt und der sozioökonomischen Beziehungen ist die einzig zulässige und wird sogar als natürliche Gegebenheit ausgegeben – und hat sich selbst die Formen und Verfahren der repräsentativen Demokratie unterworfen, deren Gewählte lediglich Marionetten in ihren Händen sind. In plutokratischen Regimen herrscht, unabhängig von der Regierungsform, nicht das Volk oder ein Teil davon, sondern jene winzige Minderheit, die die wirtschaftliche und finanzielle Macht besitzt. Die Demokratie ist nur ein Theater, das die Völker in dem falschen Glauben halten soll, sie hätten eine Wahlmöglichkeit. Wer die Musiker bezahlt, bestimmt die Musik: Die sogenannte demokratische Politik ist ein manipuliertes Konkurrenzspiel, in dem jener siegt, der mehr Geld investieren oder Sichtbarkeit im Kommunikations‑, Propaganda- und Werbesystem erlangen kann, das sich in den Händen der Plutokraten befindet.
Die Kontrolle der Medien ist der Lautsprecher, der ihre Ideen und vor allem ihre Interessen verbreitet und dabei die Vorlieben und Abneigungen der Massen formt. Was man „Zeitgeist“ nennt, ist zum großen Teil der Wille der herrschenden Plutokratie, deren Meisterwerk eine Macht ohne Autorität ist – unpersönlich, rein und absolut –, verkörpert durch das Geld. Die dunklen Seiten davon sind die nihilistische Säkularisierung, in der der transzendenten oder teleologischen Dimension kein Wert mehr zugeschrieben wird, der Vorrang der Herren des Geldes sowie die Aushöhlung der Volkssouveränität und der Demokratie selbst, die im Übrigen mit der Plutokratie den Kult der Quantität teilt: dort die Anzahl der Stimmen, hier die Größe des Reichtums.
Konkret ist die Gegenwart die Epoche der größten Einkommenskonzentration aller Zeiten. Ein jüngerer Bericht von Oxfam International stellt fest, dass das Gesamtvermögen der acht reichsten Milliardäre jenes der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung übersteigt – also von mehr als vier Milliarden Menschen. Gefällt das Wort „Plutokratie“ aufgrund seltsamer semantischer Vorurteile nicht? Dann nennen wir es eben private Vermögensherrschaft – doch das ändert nichts.
Die plutokratische Vorherrschaft wird durch das Modell globaler Zentralbanken verfestigt, das auf „Fiat“-Geldschöpfung beruht – also Geld, das aus dem Nichts mit einem einfachen Klick auf den Servern der Finanzinstitutionen erzeugt wird –, kontrolliert von privaten Akteuren und finanziert durch staatliche und private Verschuldung. Das gegenwärtige monopolistische Modell ist das Produkt mehrerer Jahrhunderte von Manipulation, Zwang und Täuschung, begonnen Ende des 17. Jahrhunderts in England und im folgenden Jahrhundert vor allem durch den Stammvater der Rothschilds, Mayer Amschel, weiterentwickelt.
Nach unabhängigen Berechnungen kontrolliert die Rothschild-Dynastie in ihren verschiedenen Zweigen das größte Vermögen, das je bekannt war. Mit einem geschätzten Besitz von über zwei Billionen Dollar verfügt das Haus des Roten Schildes über ein Vermögen, das fünfmal größer ist als das Gesamtvermögen der acht reichsten Menschen der Welt und höher als jenes von drei Vierteln der gesamten Weltbevölkerung zusammengenommen. Können wir uns ernsthaft vorstellen, dass ein solcher Reichtum keine politische, gesellschaftliche und kulturelle Macht erzeugt, keine Kriege und geopolitischen Spannungen schürt und nicht die gesamte Menschheit beeinflusst? Können wir wirklich weiterhin an ausgehöhlte Begriffe wie Volkssouveränität, Freiheit oder Demokratie glauben?
Lächerlich erscheint in einem plutokratischen Regime auch das Fortbestehen der Idee der Gleichheit, die sich als Gleichmacherei und Unterschiedslosigkeit äußert, obwohl die Wirklichkeit das genaue Gegenteil zeigt. Tatsächlich harmonieren Individualismus und Materialismus – Kennzeichen des Geldsystems – problemlos mit einem bloß oberflächlichen Egalitarismus. Wir alle sind unterschiedlich gleiche Atome im Treiben, vereint durch geistige Verarmung und wachsende materielle Armut. Alle – außer dem herrschenden Kern der Plutokraten, die heute mithilfe digitaler und informationstechnologischer Systeme nicht nur Leben, Ideen und Gewohnheiten beeinflussen, sondern sie mittels Überwachung, Profilierung und Datensammlung über jeden Einzelnen sogar bestimmen können.
Zur plutokratischen Spitze sind im 21. Jahrhundert die Giganten der Tech-Wissenschaften hinzugekommen und haben die totale Waffe anthropologischer Herrschaft geliefert – durch die Umgestaltung der Produktions- und Lebensprozesse, gekennzeichnet durch die Verschmelzung physischer, digitaler und biologischer Technologien.
Das Reich des Geldes besitzt einen Demiurgen: die Währung, jenes universelle Äquivalent – und ebenso universellen Motivator –, das es erlaubt, jedes Gut, materiell und mittlerweile sogar immateriell, durch eine Zahl zu quantifizieren, die seinen Tauschwert, seinen Preis, repräsentiert. Das Geld hat den Menschen des Sophisten Protagoras als „Maß aller Dinge“ ersetzt; daher steht es am Ursprung des Reiches der Quantität, also der Materie.
Die Plutokraten haben auch deshalb gesiegt, weil sie als Einzige die wahre, nicht nur materielle, sondern auch begriffliche Natur des Geldes verstanden haben. Geld ist Maß des Wertes, aber auch Wert des Maßes, wie der italienische Jurist und Ökonom Giacinto Auriti zeigte. Wert ist nämlich weder intrinsisch noch kreditbedingt, sondern induziert und konventionell: Er entsteht aus gesellschaftlicher Akzeptanz und repräsentiert die im Symbol verkörperte Kaufkraft.
So wie der Meter, indem er Länge misst, selbst die Eigenschaft der Länge besitzt, so hat die Währung, indem sie Wert misst, notwendigerweise die Eigenschaft des Wertes. Sie gilt also kraft einer akzeptierten Konvention, die in eine juristische Tatsache verwandelt wurde. Das Symbol, die Konvention über Ursprung und ursprüngliches Eigentum des Geldes – von den Finanzeliten, der Spitze der Plutokratie, sich selbst zugesprochen – erhält Wert allein dadurch, dass man sich darauf verständigt (oder besser gesagt: dass es uns aufgezwungen wird), dass es Wert habe.
Natürlich hat die Plutokratie jedes Interesse daran, diesen Aspekt zu verbergen. Er ist Teil eines allgemeinen Projekts, in dem die neoliberale Ideologie eine entscheidende Rolle spielt. Milton Friedman, einer ihrer wirtschaftlichen Gurus, wiederholte zufrieden, dass der Liberalismus die Fähigkeit besitze, das Dasein zu entpolitisieren, da ein Großteil seiner Prozesse – allesamt an die ökonomische Dimension gebunden – Automatismen seien, die dem Tribunal von Zustimmung und Ablehnung entzogen sind. Sie existieren einfach, sie prägen das Leben. Das genügt: So will es der Markt – eine hypostasierte Abstraktion, die in Wirklichkeit das Spielfeld derselben Plutokratie ist, die darauf bedacht ist, alle vom Feld zu verdrängen, die ihr Oligopol bedrohen.
Die Plutokratie kennt keine Grenzen und noch weniger moralische Maßstäbe. Es zählt allein die instrumentelle Vernunft in Verbindung mit der Logik des Profits – die einzigen anerkannten Rationalitäten. Bereits die Ansprüche der ersten Theoretiker des souveränen Marktes waren im Keim plutokratisch. Für Adam Smith erhalten wir unser Essen nicht aus dem Wohlwollen des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, sondern weil sie ihrem eigenen Interesse folgen: ein umgekehrtes Axiom, das Solidarität, Geschenk, Gemeinwohl und letztlich die Liebe leugnet.
Damit wird die Tür zur Nicht-Moral geöffnet, die ebenfalls dem Interesse unterworfen ist. Einige Jahrzehnte vor Smith behauptete Mandeville, private Laster seien, wenn sie einen Markt – also Profit – erzeugen, öffentliche Tugenden. Die Rechtfertigung von allem, einschließlich des Verbrechens.
Sobald sich eine solche Lebensauffassung verbreitet hat, verliert jede Ethik ihren Sinn. Daher die behauptete axiologische Neutralität des Liberalismus – des legitimen Vaters der Plutokratie –, die in Wahrheit eine maskierte Unmoral ist und zugleich die systematische Zerstörung jeder Identität rechtfertigt: der gemeinschaftlichen, nationalen, spirituellen und moralischen. Der Angriff auf die öffentliche Dimension – vor allem auf den Begriff des Staates – ist eine Konstante der Plutokratie.
Nichts und niemand darf sich zwischen die Macht der Herrschaft und ihr letztes Ziel stellen. Dieses Ziel ist keineswegs, wie viele weiterhin glauben, die Bereicherung; diese ist lediglich ein Mittel zur Erreichung des eigentlichen Ziels: der Herrschaft über die Menschheit und die Schöpfung. „-kratie“ bedeutet Herrschaft, absolute Macht. Das Geld – heute verbunden mit Technologie und Neurowissenschaften, die es gefördert hat und besitzt – ist lediglich ein Mittel.
II
„Poderoso Caballero es Don Dinero“ – „Ein mächtiger Herr ist das Geld“, sang im 16. Jahrhundert Francisco de Quevedo. Bereits in der Antike zeigt die Legende von König Midas und Krösus, denen nachgesagt wurde, alles, was sie berührten, in Gold zu verwandeln, dass die Neigung, Reichtum anzubeten, Zeiten und Zivilisationen übergreift. In der Bibel ist vom Goldenen Kalb die Rede, dem Götzenbild der Juden auf ihrer Wanderung aus der ägyptischen Gefangenschaft. Karthago war die erste plutokratische Macht der Geschichte, wo öffentliche Ämter von den Reichsten gekauft wurden.
Nichts Neues unter der Sonne? Nicht ganz, denn die heutige Plutokratie hat sich in eine totale Herrschaft verwandelt, in eine Kontrolle über das Leben selbst, die das Gesetz schrittweise besiegt hat. Die Rechtsnorm entsteht zum Schutz der Schwachen; sie ist ein Akt der Großzügigkeit, der Anerkennung menschlicher Vielfalt. Der Starke braucht sie nicht. Deshalb arbeitet die Plutokratie an der Neutralisierung jedes Hindernisses, jedes Prinzips und jedes moralischen Wertes, der eine Alternative zur Herrschaft des Geldes darstellen könnte – ihres instrumentum regni, ihres Herrschaftsinstruments.
Auch die Verfassungen verlieren an Bedeutung; sie übernehmen neoliberale Grundsätze und treten in der Hierarchie der Rechtsquellen hinter Verträge und supranationales Recht zurück. Das italienische Verfassungsgericht hat den Vorrang des Gemeinschaftsrechts vor innerstaatlichen Normen bestätigt. Dadurch wird die Übernahme internationaler Abkommen automatisch: von den Regeln der Welthandelsorganisation über die „Empfehlungen“ des Internationalen Währungsfonds bis hin zur Institutionalisierung der souveränen Macht der Geldschöpfung durch die Zentralbanken und zur Hervorhebung der hegemonialen Rolle der großen Finanzfonds im Gott Markt.
Diese Fonds sind nichts anderes als Ausdruck der plutokratischen Transformation: Durch wechselseitige Beteiligungen und undurchsichtige Firmengeflechte halten wenige wirtschaftliche, technologische und industrielle Giganten einen Großteil der Realwirtschaft und der spekulativen Finanzwelt in ihren Händen. Was ist das anderes als die absolute Macht der Techno-Plutokraten?
An die Stelle des Rechtsstaats tritt zunehmend ein privates Vermögensrecht, gestützt auf die vereinte Macht von Geld und Technologie, die neue Instrumente der Herrschaft erfindet und jahrhundertealte Institutionen zerstört. Das Ziel ist die Errichtung einer neuen Weltordnung durch die Verdrängung der Staaten, die – mehr oder weniger – die Souveränität der Völker getragen hatten. Damit verwirklicht sich die Formel von Thomas Hobbes: auctoritas, non veritas facit legem – Autorität, nicht Wahrheit, schafft das Recht.
Die Machtverhältnisse werden durch die gigantische wirtschaftliche, finanzielle und technologische Struktur der Oligarchie abgesichert und durch die militärische Macht der Vereinigten Staaten garantiert. Die Herrschaft wird von einer staatenlosen, kosmopolitischen Spitze ausgeübt, die die alten juristischen Definitionen obsolet macht und eine Machtform verwirklicht, die von der Idee des Staates und des Territoriums losgelöst ist – fremd gegenüber dem Volk, ja dessen Feind.
Vom leibhaftigen Souverän, der zumindest den Anschein einer durch Erbfolge legitimierten Herrschaft besaß, Eigentümer von allem und letzte Entscheidungsinstanz war, ist man zu einem entterritorialisierten Netzwerk übergegangen, das in der Lage ist, Gesetze zu diktieren und faktisch – teilweise sogar rechtlich – Souveränität auszuüben.
Die Oligarchie hat sich zweier entscheidender Instrumente bemächtigt: des Geldes – durch Geldschöpfung und die ideologische Durchsetzung der Verschuldung – sowie der Technologie, die noch nie so allgegenwärtig und mächtig war wie heute und erstmals in der Menschheitsgeschichte eine absolute Kontrolle über unser Leben, unser Verhalten und unsere Gedanken ausüben kann.
Nach der Formel Max Webers ist der Staat Träger des Gewaltmonopols, doch er hat die Partie verloren. Er kontrolliert das Territorium nicht mehr; der Begriff des Volkes zerfällt unter Masseneinwanderung, Multikulturalismus, entfesseltem Individualismus und der Förderung des Nomadentums. Die verbliebene Zwangsgewalt übt er im Auftrag jener plutokratischen Struktur aus, die über ihm steht.
Zu Beginn des dritten Jahrtausends schrieb der Schweizer Politiker Jean Ziegler ein prophetisches Buch: „Die Privatisierung der Welt“. Die Macht ist mit zunehmender Geschwindigkeit in die Hände von Konsortien, Interessengruppen und privaten Kartellen übergegangen, deren epochale Tragweite Ziegler allerdings nicht vollständig erkannte: Die wirtschaftliche und finanzielle Macht hat sich zu einem Instrument globaler Herrschaft entwickelt. Sie reißt alles mit sich, verschlingt die Staaten, besetzt die Gewissen und kolonisiert die Vorstellungskraft – weit über die bloße Konzentration von Reichtum hinaus.
Plutokratie bedeutet nicht mehr nur Herrschaft des Geldes, sondern Herrschaft durch Reichtum in Verbindung mit dem Besitz der Informations- und Kommunikationstechnologien der vierten industriellen Revolution. Die finanziellen Machtzentren sind von jeder Gesetzgebung entbunden. Präzise Regeln des internationalen Rechts schließen Sitze, Handlungen und Führungspersonal des Systems der Zentralbanken von nationalen Rechtsordnungen aus: unantastbar und unverantwortlich genießen sie eine Extraterritorialität, die sie über die Staaten stellt.
Welches „Reich des Rechts“ kann es geben, wenn die entscheidenden Schaltstellen des Systems unkontrollierbar und dem allgemeinen Recht entzogen sind? Wie die absoluten Herrscher vergangener Zeiten sind die Plutokraten legibus soluti – vom Gesetz entbunden.
Die höchste Ebene des Technologiesystems – man denke an Starlink, Neuralink oder Palantir – ist mächtiger geworden als die einst souveränen Großstaaten, denen sie essenzielle Dienstleistungen verkauft: Satelliten, Telekommunikationsnetze, Überwachungssysteme und modernste Militärtechnologie. Internationale Abkommen wie TTIP, das transatlantische Abkommen, das derzeit auf Eis liegt, sehen private Gerichte multinationaler Konzerne vor, mit Zwangsbefugnissen gegenüber Staaten und der Möglichkeit, Institutionen schwere Strafen aufzuerlegen, wenn sie sich dem globalen plutokratischen System nicht fügen.
Die transnationale Natur der großen plutokratischen Konglomerate – Investmentfonds, Big Tech, multinationale Konzerne – macht öffentliche Kontrolle unmöglich und die Besteuerung ihrer gigantischen Gewinne äußerst schwierig. Diese Gewinne verschwinden in einem Geflecht fiktiver Gesellschaften in den zahlreichen Steueroasen – Inseln oder Kleinstaaten, politisch von der angelsächsischen Welt kontrolliert und der Gerichtsbarkeit der Staaten entzogen –, wo Einkommen jeder Herkunft, auch krimineller Art, versenkt werden, um später „gereinigt“ dort wieder aufzutauchen, wo es den Interessen der Plutokratie dient.
„Es gibt kein kostenloses Mittagessen“, schrieb Milton Friedman. Tatsächlich aber zahlen die Völker und das, was vom Unternehmenssystem übrig geblieben ist, die Rechnung. Die City of London – ein Quadratkilometer Stadtgebiet, Sitz der größten Finanzinstitutionen des Planeten – ist eine Enklave, die der Hoheitsgewalt des Vereinigten Königreichs entzogen ist.
Die Plutokratie schürt seit jeher Kriege und Wirtschaftskrisen, oft indem sie alle Konfliktparteien finanziert. Die gegenwärtige Epoche ist geprägt von einem Wettlauf der Aufrüstung. Die fünf größten Unternehmen der Rüstungsindustrie – die „Big Five“: Lockheed Martin, RTX, Northrop Grumman, Boeing und General Dynamics – sind Finanzkonglomerate, verflochten mit den großen Investmentfonds BlackRock, Vanguard, State Street und Fidelity Investments.
„Der Schwarze Fels“ – BlackRock – ist zum Herrn der geschundenen Ukrainer geworden: Mit seinem Ukraine Development Fund („Entwicklungsfonds der Ukraine“ – die Worte stehen geradezu auf dem Kopf!) wird jener Fonds, der symbolisch für die Plutokratie steht, den Wiederaufbau verwalten, nachdem er sich Eigentums- oder Nutzungsrechte an weiten Teilen des Territoriums gesichert hat.
Die Tragödie der Kriege löst Euphorie an den Aktienmärkten aus. Konflikte zwingen die Regierungen zu ständigen Käufen, um Arsenale wieder aufzufüllen, die Produktion zu stützen und Forschung zu finanzieren. Neu ist das Eindringen der Giganten der Technowissenschaften, die zu monopolistischen Anbietern von Software und Satelliten geworden sind – jener Technologien, die die Kriegsführung grundlegend verändert haben.
Wirtschafts- und Finanzkrisen werden zyklisch von der Plutokratie ausgelöst, um ihre eigenen Interessen und Pläne voranzutreiben. Der Mechanismus, tausendfach erprobt – man denke an das strangulierte Griechenland des Jahres 2011 –, bleibt stets derselbe: Zuerst wird der Kreditfluss gestoppt, dann wird er zu Wucherbedingungen wieder geöffnet, gebunden an die Kontrolle von Ressourcen, den Abbau sozialer Ausgaben und die Umverteilung des Reichtums vom Volk zu den Plutokraten.
Die Machtverschiebung ist so weit fortgeschritten, dass inzwischen sogar Staaten bankrottgehen können. Beraubt ihrer potestas und auctoritas sind sie bloße wirtschaftliche Akteure wie andere auch – schwächer als Finanzinstitutionen und multinationale Konzerne. Sie können nicht nach Profitlogik handeln, müssen sich jedoch der Erpressung durch die Geldschöpfer unterwerfen, die nun „Währungsbehörden“ genannt werden.
Zu den zerstörerischsten Instrumenten gehören die Ratingagenturen, die derselben Plutokratie gehören und den Staaten „Noten geben“, indem sie deren Kreditwürdigkeit gegenüber den Märkten bestimmen – Märkten, die keineswegs neutral sind, sondern ein Sammelbegriff für die von den Hyperherrschern dominierte Spekulation.
Im alten Staat blieb der Souverän zumindest an eine gewisse Zustimmung des Volkes gebunden. Die christliche Tradition setzte bestimmten Exzessen Grenzen; die absolute Macht war auf ein bestimmtes Territorium beschränkt und wurde durch Gebräuche, Traditionen und Zwischenkörper eingehegt – jene Institutionen, die die Französische Revolution mit dem Gesetz Le Chapelier von 1791 beseitigte. Es ist nicht bedeutungslos, dass die Moderne damit begann, zusammen mit den Zünften die ersten Formen gewerkschaftlichen Schutzes der Arbeiter abzuschaffen.
Heute findet ein völlig neuartiges Experiment sozialer Architektur statt: libertärer beziehungsweise libertinärer Kollektivismus in Fragen individueller Rechte und Lebensstile für die Massen – absolute Macht für die Oligarchie.
Ein Beispiel dafür ist die sogenannte „Sharing Economy“, die angebliche Wirtschaft des Teilens. Befreit man sie von ihren glänzenden Versprechungen, besteht sie in Wirklichkeit darin, das breit gestreute Privateigentum faktisch abzuschaffen und die Menschen dazu zu drängen, alles nur noch zu mieten oder temporär zu nutzen, während das Eigentum selbst in den Händen der Hyperklasse verbleibt. Immer niedrigere Arbeitseinkommen verhindern den Zugang zu wesentlichen Gütern wie Wohnraum.
Die gewöhnlichen Menschen sind nichts weiter als Nutzer, degradiert zu Konsumenten mit von den Plutokraten festgelegten Tarifen und kaum vorhandenen Schutzrechten gegenüber anonymen Giganten, die die Gesetzgebungssysteme beherrschen. Staat bedeutet aus dieser Sicht einen Gesetzesapparat zur Sicherung der privaten Plutokratie sowie Polizeisysteme, die von allen bezahlt werden, um eine unbewegliche Gesellschaftsordnung zu schützen – denn die Märkte dulden keine Erschütterungen: business as usual, Geschäfte wie immer.
Nicht zufällig ist die sogenannte „Stabilität“ – das heißt die Unmöglichkeit, Veränderungen zu denken oder einzuleiten – das Ziel der selbsternannten Währungsbehörden und wird in Gesetze gegossen. Für die ihrer selbst enteigneten Völker besteht das vergiftete Geschenk in der Legalisierung von Begierden, Launen und Perversionen unter dem verführerischen Namen individueller Rechte, die gegen Bezahlung außerhalb jeder natürlichen Moral genossen werden können.
Die sexuelle Revolution seit den 1960er Jahren wurde von oben gefördert und kontrolliert. Die Macht verstand nach anfänglichem Widerstand rasch die enormen Vorteile, die sie daraus ziehen konnte: höhere Profite, Ausweitung der Märkte und Spaltung der Gemeinschaft – Männer gegen Frauen, Heterosexuelle gegen Homosexuelle, Einheimische gegen Einwanderer.
Es entstand ein gewaltiges System sozialer Kontrolle, basierend auf der totalen Erotisierung des Lebens, das spirituelle Bedürfnisse hinwegfegt und den Menschen in einen auf Lust orientierten Individualismus einschließt – in seinen verschiedensten Formen: das orgiastische Gesicht der Plutokratie.
Aldous Huxley gab dies in „Schöne neue Welt“ offen zu, einem Werk voller Wahrheiten hinter der Romanfiktion:
„Je mehr die politische und wirtschaftliche Freiheit schwindet, desto mehr neigt die sexuelle Freiheit dazu, als Ausgleich zuzunehmen. Und der Diktator wird gut daran tun, diese Freiheit zu fördern. Zusammen mit dem Recht zu träumen unter dem Einfluss von Drogen, Kino und Radio wird sie dazu beitragen, die Menschen mit ihrer Knechtschaft zu versöhnen.“
Kein Wort genießt einen so unangefochtenen Kult wie „Demokratie“. Doch demokratisch ist ein politisch-soziales System nur dann, wenn die Macht vom Volk ausgeht. Die konkrete Wirklichkeit zeigt jedoch das Gegenteil: Wir benutzen zwangsweise eine Währung in privatem Eigentum; Gesetze sind größtenteils Ergebnis geheimer Absprachen zwischen Oligarchen; gewählte Regierungen werden durch festgeschriebene Normen und faktische Mächte gelenkt, weshalb man inzwischen nicht von ungefähr eher von „Governance“, der Verwaltung des Bestehenden, spricht.
Die plutokratische Macht hat die Regierung durch einen Autopiloten ersetzt, bei dem sowohl die Maschine als auch die Wahl der Route in denselben Händen liegen – dank der Herrschaft über Technik und der Kontrolle über die Wissenschaft.
Dies ist die Realität, trotz aller Illusionen, die von jenen genährt werden, die den gesamten Kommunikations‑, Unterhaltungs- und Kulturbetrieb besitzen und sich damit des Bewusstseins bemächtigt haben – in einer verwirklichten Dystopie, in der die „Rechte“ (Konsum, Sex, Drogen, Glücksspiel, der Lärm sozialer Netzwerke) die Funktion beruhigender und euphorisierender Drogen erfüllen.
Die Völker sind gespalten, reduziert auf formlose Massen, auf begehrende und wandernde Plebs; die Territorien werden von grenzenlosen Technologien durchquert.
III
Die plutokratische Macht stützt sich auf ein Netz technokratischer Strukturen und auf das Bündnis großer privater Gruppen, die sich in abgeschirmten Zirkeln treffen, in denen sie hinter dem Rücken der Völker über das gemeinsame Schicksal entscheiden. Der Finanzkapitalismus schafft ein weltweites Kontrollsystem in privaten Händen, das Politik und Wirtschaft beherrschen kann. Das wichtigste Instrument ist das System der Zentralbanken, das auf geheimen Absprachen beruht.
Die Plutokratie handelt mittels elitärer Organisationen wie der Bilderberg-Gruppe, dem Council on Foreign Relations, der Trilateralen Kommission oder dem Royal Institute of International Affairs. Ein weiterer Baustein der privatisierten Macht sind die Stiftungen milliardenschwerer „Philanthropen“, also angeblicher „Menschenfreunde“ – Worte auf den Kopf gestellt. Zu den bedeutendsten gehören die Rockefeller-, Ford- und Carnegie-Stiftungen sowie George Soros’ Open Society und die Stiftung von Bill Gates. Jede von ihnen finanziert ein dichtes Netz weiterer Vereinigungen, NGOs, der Nichtregierungsorganisationen, die als Rückgrat der privaten Macht fungieren.
Die Rockefellers gehörten zu den ersten Finanziers von Abtreibungs- und malthusianischer Politik zur Verringerung der Bevölkerung. Bill Gates gilt als einer der Herren des Gesundheitssystems und zugleich als großer Verfechter künstlicher Nahrung und einer „Ernährungsrevolution“.
Die Plutokratie steht hinter den gigantischen Lügen, die verbreitet werden, um die Vorstellungen der öffentlichen Meinung zu verändern. Der Szientismus und die Macht der sogenannten Experten wurden durch die Kontrolle des Bildungswesens und die Kenntnis der Funktionsweise des menschlichen Geistes aufgebaut – eine Macht, die heute durch von künstlicher Intelligenz gesteuerte Systeme vervielfacht wird. Auch die Bevölkerungspolitik entzieht sich dieser Kontrolle nicht.
Der Bericht des Club of Rome von 1972 – finanziert von den Rockefellers – entwarf den Rahmen für soziale Kontrolle. In einer seiner Veröffentlichungen heißt es:
„Auf der Suche nach einem neuen Feind, der uns vereinen könnte, kamen wir auf die Idee, dass Umweltverschmutzung, die Bedrohung durch die globale Erwärmung, Wasserknappheit, Hungersnöte und Ähnliches geeignet wären. All diese Gefahren werden durch menschliches Eingreifen verursacht und können nur durch eine Veränderung von Haltung und Verhalten überwunden werden. Der wahre Feind ist also die Menschheit selbst.“
Eine erschreckende Aussage.
Einer der Vordenker der Plutokratie, der Franzose Jacques Attali, schrieb, der Mensch sei nur so lange nützlich, wie er leistungsfähig bleibe, arbeite und konsumiere. „Wenn man fünfundsechzig überschritten hat, lebt man länger, als man produziert, und das kostet die Gesellschaft. Aus Sicht der Gesellschaft (das heißt der Plutokratie, Anm. d. Verf.) ist es vorzuziehen, dass die menschliche Maschine abrupt zum Stillstand kommt, statt allmählich zu verfallen. Zwei Drittel der Gesundheitsausgaben konzentrieren sich auf die letzten Lebensmonate.“
Man fragt sich, was er heute darüber denkt, nachdem er selbst die Achtzig überschritten hat. Auch die Auswüchse der Gender-Ideologie hätten ihren Ursprung im techno-plutokratischen Projekt:
„Jeder wird sich selbst sammeln können, indem er sein Bewusstsein repliziert, während zwei Eltern den Klon eines Menschen ihrer Wahl hervorbringen können. Man wird anders werden können, als man ist, und um jede Form der Sexualität zu leben, wird der Mensch danach streben, von einem Geschlecht ins andere zu wechseln.“
Der Weg der Plutokratie erstreckt sich über Jahrhunderte. Einige Ereignisse des 20. Jahrhunderts ebneten ihr den Weg zur Herrschaft:
1971 erklärte der amerikanische Präsident Nixon das Ende der Konvertibilität des Dollars in Gold – eines der Grundpfeiler der nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen Finanzordnung (Bretton-Woods-Abkommen). An diesem Tag begann die Vorherrschaft des unbegrenzt druckbaren Geldes über die reale Welt der produktiven Wirtschaft und der Arbeit.
1989 beseitigte der Zusammenbruch der Sowjetunion das kommunistische Hindernis und eröffnete den Angriff auf die Souveränität, die Währungen und die Volkswirtschaften der Staaten.
1999 schafften die USA das Glass-Steagall-Gesetz ab, das in den 1930er Jahren eingeführt worden war, um jene Spekulation einzudämmen, die die Große Depression ausgelöst hatte. Damit war der Weg frei für jede Art finanzieller Wette, während die Federal Reserve – die amerikanische Zentralbank – die Derivate liberalisierte, also Verträge, die ihren Wert von einem anderen Vermögenswert ableiten. Man kaufte kein reales Produkt mehr, sondern schloss Vereinbarungen über dessen zukünftigen Preis. Die Folge war die Krise von 2008, in der die größten beteiligten Banken vom Staat – also von den amerikanischen Steuerzahlern – gerettet wurden, weil sie „too big to fail“, zu groß zum Scheitern, seien.
So entstanden die Waffen des „Spreads“ und des „Ratings“. Ersterer bezeichnet die absichtliche Erhöhung der Zinsen für Staatsanleihen des Zielstaates der Spekulation; letzteres ist die „Benotung“ wirtschaftlicher Akteure, Finanzinstitutionen und Staaten durch private Unternehmen. Weitere Waffen sind immer größere Oligopole, die Vernichtung kleiner und mittlerer Unternehmen, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie das Ende des Sozialstaates.
Begriffe wie Zusammenarbeit, Altruismus, Solidarität, Gerechtigkeit, Achtung der Person und Gemeinwohl verschwinden. In der antiken Welt war Tyrannei oft grausam, aber räumlich begrenzt, weil die Staaten klein und universale Beziehungen unmöglich waren. Heute ist der Weg zum universalen Tyrannen offen. Es gibt keinen Widerstand mehr – weder physischen noch moralischen: Die Seelen sind gespalten und die Völker unterworfen.
Die Plutokratie kauft Güter und Unternehmen von Einzelpersonen und Firmen zu Wucherpreisen auf. Arbeitslosen – Angestellten wie Selbständigen – bietet sie Jobs als Kurierfahrer, Lieferanten von Junkfood, Lagerarbeiter oder Verpacker von online verkauften Produkten an. Das System erzwingt ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit, um die finanzielle „Stabilität“ zu bewahren. Der offizielle Indikator dafür heißt NAIRU („Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment“ – Arbeitslosenquote, die die Inflation nicht beschleunigt).
Die Regierenden verteilen Almosen – Bürgergeld, einmalige Kleinsthilfen für ruinierte Unternehmen – zusammen mit neuen „Rechten“ im Bereich der Triebwelt an Massen, die zu Zombies reduziert worden sind.
Die bulimische Plutokratie hält an den Losungen ihres ökonomischen Katechismus fest: unendliches Wirtschaftswachstum in einer endlichen Welt, finanzielle Aufblähung, Globalismus – ebenso wie an ihrem anthropologischen Katechismus, der eine umgekehrte Gegenreligion verbreitet, welche Laster und niedrige Instinkte verherrlicht und Fruchtbarkeit verbietet.
Wenige Dynastien – Rothschild, Rockefeller, Morgan, Warburg, Goldman, Sachs – kontrollieren die Finanzmärkte und die Realwirtschaft. Die vier wichtigsten Banken (Bank of America, JP Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo) besitzen gemeinsam mit der Deutschen Bank, BNP und Barclays die großen Ölkonzerne (Exxon Mobil, Royal Dutch/Shell, BP und Chevron Texaco).
Ein Verwahrungsort der Oligarchie ist die US Trust Corporation, im Besitz der Bank of America. Im Verwaltungsrat sitzen Vertreter der immer gleichen Namen: Rothschild, JP Morgan Chase, Exxon Mobil, Citigroup, Morgan Stanley – das parterre des rois der Plutokratie.
Acht Finanzdynastien halten achtzig Prozent der Federal Reserve. Einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson, schrieb:
„Wenn das amerikanische Volk den Privatbanken erlaubt, die Ausgabe des Geldes zu kontrollieren, werden die Banken und die Konzerne, die um sie herum wachsen, den Menschen erst durch Inflation und dann durch Deflation jeden Besitz nehmen.“
Dies ist zur Normalität geworden in einer Gesellschaft, die von der Ideologie des Fortschritts, den Menschenrechten, dem Wachstumszwang, den Marktwerten und der Unterwerfung unter das Axiom des Eigeninteresses beherrscht wird.
Einer der Tresore der Plutokratie ist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ/BIS), die Teile der Reserven von achtzig Zentralbanken, des Internationalen Währungsfonds und weiterer Finanzinstitutionen verwaltet.
Ein entscheidender Knotenpunkt der plutokratischen Macht – begünstigt durch Neurowissenschaften und Technowissenschaften – ist die Fähigkeit, neue Bedürfnisse zu schaffen, die im Laufe der Zeit zu ebenso vielen Abhängigkeiten geworden sind: Drogen, Medikalisierung des Lebens, Alkohol, Sex, Glücksspiel, zwanghafter Konsum, Pornographie, Technologie und nun die künstliche Intelligenz. Keines dieser Phänomene hat sich eigenständig entwickelt; alle sind von den Plutokraten zu Zwecken der Kontrolle, der Herrschaft und der Reduzierung der Menschheit auf instinktgesteuerte Sklaven geschaffen worden.
Die Plutokratie hat das umstrittene Say’sche Gesetz durchgesetzt: Nicht die Nachfrage bestimmt das Angebot, sondern umgekehrt. Das pausenlose Angebot von Produkten, Dienstleistungen, Lebensweisen und Gewohnheiten habe den Konsum zum höchsten Prinzip gemacht – bis hin zur Abhängigkeit und Selbstzerstörung.
Dabei war Wirtschaft historisch gesehen der Kampf der Menschheit gegen die Knappheit der Ressourcen. Sie steht in Beziehung zum Gemeinwohl, das materiellen Wohlstand umfasst, der durch Arbeit und die Fähigkeit zur Produktion von Gütern und Dienstleistungen erreicht wird. Das sei der „gute“ Reichtum, während das plutokratische System Armut und Unsicherheit hervorbringe.
Neu ist die Herrschaft durch künstliche Intelligenz. Eine gewaltige Macht dringt vor und erfasst alles – selbst die menschliche Person. Die private Plutokratie besitzt die Technologien, die wir künstliche Intelligenz nennen. Auf dem Spiel stehen Würde und Freiheit, letztlich sogar das Überleben der Spezies Homo sapiens.
Die entscheidende Frage ist, wer diese Macht kontrollieren wird, wenn Millionen oder Milliarden Menschen überflüssig werden. Das ist keine Fantasie, sondern eine Realität, über die man lieber nicht spricht.
Die Welt von gestern war nicht gerecht, hatte aber ihre eigene Logik. Selbst Ausbeutung erkannte eine grundlegende Wahrheit an: Der Mensch war notwendig. Schlecht bezahlt, einem harten Leben unterworfen und in Routinen gefangen, hatte er dennoch einen Platz im System. Die Gesellschaft konnte den Großteil der Menschheit nicht für überflüssig erklären.
Künstliche Intelligenz und Robotisierung eröffnen dagegen ein neues Zeitalter, eine totale Mutation der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ordnung, deren Logik in der Ersetzung des Menschen besteht.
Die alte Macht besaß Fabriken, Banken, Land, Häfen und Kredit. Die neue besitzt Modelle künstlicher Intelligenz, Daten, Chips, Energie, Datenspeicher, Roboter, Plattformen, Zahlungssysteme und digitale Identitäten. Ihre Herrschaft wird nicht mehr aus dem Reichtum selbst erwachsen, sondern aus den Strukturen, die das tägliche Leben steuern: Sie wird entscheiden, wer Zugang zu Arbeit, Gesundheitssystem, Kredit, Bildung, Bewegungsfreiheit und Information erhält – letztlich zum Leben selbst.
Der alte Kapitalismus brauchte Arbeiter; der neue braucht automatisierte Infrastrukturen und eine kleine, technologisch verwaltete Bevölkerung. Jahrhunderte lang wurden die Massen ausgebeutet, weil sie notwendig waren; in der automatisierten Gesellschaft wird ein großer Teil der Menschheit zu einem Überschuss, der „entsorgt“ werden müsse.
Die Verwaltung dieses Überschusses sieht minimale Unterstützungsleistungen, digitale Kontrolle, ewige Verschuldung, entfremdende Unterhaltung, Prekariat, mangelhafte Gesundheitsversorgung, verwahrloste Gebiete, Drogen, chaotische Migrationen, Kriege, sinkende Geburtenraten, Euthanasie, Abtreibung, künstlich erzeugten Hunger und selektive Repression vor. Eine direkte Eliminierung ist noch nicht notwendig; es genügt, das Leben unerträglich zu machen.
Und danach?
Die Plutokratie interessiere sich nicht für das Gemeinwohl. Sie hat weder Vaterland noch Familie, weder Erinnerung noch Religion, weder Mitgefühl noch Gerechtigkeitssinn.
Das Szenario sei beunruhigend: Die Staaten reagierten nicht, die Parteien wiederholten alte Parolen, die Medien lenkten ab, die Kultur schweige. Die meisten Menschen klebten an den Bildschirmen ihrer Mobiltelefone.
Eine wahnsinnige Zivilisation machtt den Menschen selbst überflüssig – nicht mehr Mitglied einer Familie, einer Gemeinschaft, einer Nation, einer Geschichte oder einer spirituellen Tradition, sondern bloß Daten, Kostenfaktoren und Abfall, der entsorgt werden müsse.
Die Macht beginnt bereits zu fragen, wie viele Menschen beseitigt werden müssten. Die Oligarchien fühlen sich keinerlei ethischen, spirituellen oder gemeinschaftlichen Bindungen verpflichtet.
Ohne eine moralische und spirituelle Reaktion wird die Zukunft eine Knechtschaft unter Überwachung, Minimalversorgung und totaler Konzentration des Reichtums sein.
Triumphierende Plutokratie.
*Roberto Pecchioli ist ein italienischer Publizist, Essayist und ehemaliger Zollbeamter aus Genua. Er schreibt vor allem über Geopolitik, Kulturkritik, Identitätspolitik, Globalisierung, Technologie und Sprache, unter anderem für den Blog von Maurizio Blondet.
Bild: Clockwork II by lucid-light
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