Papst Leo XIV. mahnt Hilfe für Gaza und Achtung der Menschenrechte an

Künstliche Intelligenz "entwaffnen"


Leo XIV. gestern beim Verlassen der Päpstlichen Residenz in Castel Gandolfo
Leo XIV. gestern beim Verlassen der Päpstlichen Residenz in Castel Gandolfo

Mit bemer­kens­wer­ter Deut­lich­keit äußer­te sich Papst Leo XIV. erneut zum Krieg im Nahen Osten und hob dabei ins­be­son­de­re das Leid der Bevöl­ke­rung im Gaza­strei­fen her­vor. Wäh­rend sei­nes gest­ri­gen, an Diens­ta­gen übli­chen Auf­ent­halts in Castel Gan­dol­fo beant­wor­te­te der Hei­li­ge Vater abends bei sei­ner Abrei­se spon­tan Fra­gen von Jour­na­li­sten, bevor er in den Vati­kan zurück­kehr­te. Sei­ne Wor­te dürf­ten in Jeru­sa­lem nicht über­all auf Zustim­mung stoßen.

Der Papst rief dazu auf, „die Men­schen­rech­te aller zu respek­tie­ren“ und der lei­den­den Bevöl­ke­rung Gazas end­lich wirk­sam zu hel­fen. Anlaß der Fra­gen war die Fest­set­zung von Akti­vi­sten der soge­nann­ten Glo­bal Sumud Flot­il­la durch die israe­li­sche Armee. Die Akti­vi­sten hat­ten ver­sucht, Hilfs­gü­ter in den Gaza­strei­fen zu brin­gen, und berich­te­ten nach ihrer Frei­las­sung von Miß­hand­lun­gen und Gewalt.

Leo XIV. sprach in die­sem Zusam­men­hang von einer Ent­wick­lung, die „immer mehr Haß her­vor­ruft“, und warn­te davor, daß Gewalt nie­mals zur Lösung bei­tra­ge. Statt­des­sen müs­se man „zu Ver­hand­lun­gen zurück­keh­ren“ und Kon­flik­te „durch Dia­log lösen, unter Ach­tung der Men­schen­rech­te aller“.

Der Papst mach­te zugleich auf die dra­ma­ti­sche huma­ni­tä­re Lage im Gaza­strei­fen auf­merk­sam. „Lei­der erhält das Volk von Gaza noch immer kei­ne huma­ni­tä­re Hil­fe“, sag­te er. Dies füh­re zu Pro­te­sten, wach­sen­der Ver­zweif­lung und Aktio­nen wie jener der Flot­til­le. Der Hei­li­ge Vater appel­lier­te des­halb „an alle Ver­ant­wort­li­chen“, der Bevöl­ke­rung Gazas bei­zu­ste­hen und bereits jetzt mit dem Wie­der­auf­bau zu begin­nen. Das Volk dort „lei­det“, so der Papst mit Nachdruck.

Auf­fäl­lig war zudem, daß Leo XIV. sei­ne Äuße­run­gen mit einer grund­sätz­li­chen Kri­tik an moder­nen For­men der Kriegs­füh­rung ver­band. Auf Fra­gen zur Künst­li­chen Intel­li­genz, nur einen Tag nach Ver­öf­fent­li­chung sei­ner Enzy­kli­ka Magni­fi­ca huma­ni­tas, warn­te er vor einer ent­mensch­lich­ten Kriegs­füh­rung durch auto­no­me Syste­me und KI-Technologien.

„Heu­te wird Krieg mit KI geführt“, erklär­te der Papst und ver­wies dabei aus­drück­lich auf den Liba­non sowie „ande­re Orte der Welt“. Dabei wer­de nicht mehr an die mensch­li­chen Opfer gedacht, „die die eigent­li­chen Leid­tra­gen­den all des­sen sind“.

Leo XIV. sprach sich des­halb, wie schon zuvor in sei­ner Enzy­kli­ka, auch in sei­nen spon­ta­nen Ant­wor­ten für eine „ent­waff­ne­te künst­li­che Intel­li­genz“ aus. Der Dia­log mit den gro­ßen Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men müs­se fort­ge­setzt wer­den. In die­sem Zusam­men­hang erwähn­te er die Zusam­men­ar­beit des Dik­aste­ri­ums für den Dienst zugun­sten der ganz­heit­li­chen Ent­wick­lung des Men­schen mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen KI-Unter­neh­men Anthro­pic.

Leo XIV. bekräf­tig­te gestern ein­mal mehr die Bereit­schaft, inter­na­tio­na­le Kon­flik­te offen anzu­spre­chen und auch gegen­über poli­ti­schen Macht­zen­tren unbe­que­me Mah­nun­gen aus­zu­spre­chen. Wäh­rend vie­le west­li­che Regie­run­gen wei­ter­hin vor allem sicher­heits­po­li­ti­sche Erwä­gun­gen beto­nen, rich­tet Leo XIV. den Blick auf die huma­ni­tä­ren Fol­gen des Krie­ges und die Wür­de jedes ein­zel­nen Menschen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: VaticanNews/​Youtube (Screen­shot)

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