In der kolumbianischen Millionenstadt Cali ist es am 6. Mai zu einer schwerwiegenden Profanierung der traditionsreichen Kirche La Ermita gekommen. Ein Mann drang gewaltsam in das Gotteshaus ein, zerstörte zahlreiche Heiligenfiguren und Christusdarstellungen und schrie dabei wiederholt, er sei „der Teufel“.
Der Vorfall löste unter den anwesenden Gläubigen Panik aus. Augenzeugenberichten zufolge war der Täter mehrere Minuten lang im Inneren der Kirche aktiv, warf Statuen zu Boden und richtete erheblichen Schaden an. Während einige Besucher aus Angst flohen aus Sorge, der Mann könne bewaffnet sein, verharrten andere im Gebet oder alarmierten die Polizei.
Videoaufnahmen, die von Anwesenden mit Mobiltelefonen gemacht und anschließend in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, zeigen das Ausmaß der Verwüstung. Mehrere Sakralfiguren wurden zerschlagen, zahlreiche weitere beschädigt. Ein Augenzeuge kommentierte die Szenen mit den Worten: „Sehen Sie nur, welches Chaos dieser junge Mann angerichtet hat. All die Bilder, die er zerstört hat.“
Beamte der kolumbianischen Polizei trafen schließlich am Ort des Geschehens ein und nahmen den Mann fest, der zu diesem Zeitpunkt weiterhin schrie und zusätzliche Schäden verursachte. Nach Aussagen von Zeugen befand sich der Täter in einem offenkundig verwirrten und aggressiven Zustand. Einige vermuteten Drogeneinfluß, eine offizielle Bestätigung dafür liegt bislang jedoch nicht vor.
Don Javier Alvarado, Priester an der Kirche, äußerte sich anschließend gegenüber lokalen Medien betroffen über den Vorfall. Es handle sich um einen „sehr bedauerlichen Akt des Vandalismus“. Fast alle Figuren der Kirche seien beschädigt oder zerstört worden. Zugleich bemühte sich der Geistliche um eine rasche Einordnung des Geschehens und erklärte, man gehe derzeit nicht von einem gezielten Angriff gegen die Kirche aus, sondern von einer Person mit „persönlichen“ beziehungsweise „emotionalen Problemen“.
Bemerkenswert ist jedoch die auffallende Geschwindigkeit, mit der kirchliche Vertreter die Möglichkeit eines antireligiösen oder gar satanischen Hintergrundes ausschlossen. Obwohl der Täter nach übereinstimmenden Zeugenaussagen wiederholt ausrief, er sei „der Teufel“, und auch schrie: „Ich bin 666“, wurde der Vorfall nahezu umgehend in den Bereich psychischer Störungen eingeordnet.
In einer Zeit, in der Kirchenverwüstungen, Angriffe auf christliche Symbole und offen antichristliche Provokationen weltweit zunehmen, wirft diese reflexhafte Deutung Fragen auf. Die katholische Tradition kennt sehr wohl die Realität dämonischer Bedrängnis und geistlicher Verwirrung, ohne deshalb vorschnell medizinische oder psychologische Ursachen auszuschließen. Um so erstaunlicher erscheint die heutige Tendenz mancher kirchlicher Stellen, jede spirituelle Dimension kategorisch auszublenden, noch bevor überhaupt eine nähere Untersuchung stattgefunden hat.
Die Erzdiözese Cali veröffentlichte inzwischen ebenfalls eine Stellungnahme und verbreitete über soziale Netzwerke ein Video, in dem Erzbischof Luis Fernando Rodríguez Velásquez die Erklärung persönlich verlas. Darin wurde zur Besonnenheit aufgerufen und die Gläubigen um Gebet sowie Unterstützung für die Wiederherstellung der beschädigten sakralen Kunstwerke gebeten.
Die Kirche La Ermita zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Cali und gilt als bedeutendes religiöses und historisches Symbol der Region. Die ursprünglich Kirche stammte aus dem frühen 17. Jahrhundert. 1942 wurde sie durch einen größeren neugotischen Bau ersetzt, der sich am Ulmer Münster orientiert. Die Kirche ist der Mater Dolorosa, der Schmerzensmutter, geweiht, daher auch der Name La Ermita, die Einsame, unter dem diese Marienanrufung in der spanischen Welt bekannt ist. Entsprechend groß ist die Bestürzung unter den Gläubigen über die Schändung des Gotteshauses. In sozialen Netzwerken äußerten zahlreiche Nutzer ihre Empörung und forderten besseren Schutz für Kirchen und religiöse Einrichtungen.
Die beschädigten Figuren sollen nun restauriert werden. Zugleich prüfen die Verantwortlichen rechtliche Schritte gegen den Täter.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: SMM (Screenshots)
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