Die Spaltung ist vorprogrammiert

Paulus suchte, trotz eigener Berufung, die Einheit mit Petrus


Papst Julius I. nimmt zur Zeit des Konzils von Sardica (343) von einem Boten eine Botschaft des hl. Athanasius, Patriarch von Alexandria, entgegen, der damals gerade gebannt war. In diesem Schreiben erklärt Athanasius (im Bild links im Gebäude zu sehen) seinen Widerstand. Sardica ist das heute Sofia in Bulgarien.
Papst Julius I. nimmt zur Zeit des Konzils von Sardica (343) von einem Boten eine Botschaft des hl. Athanasius, Patriarch von Alexandria, entgegen, der damals gerade gebannt war. In diesem Schreiben erklärt Athanasius (im Bild links im Gebäude zu sehen) seinen Widerstand. Sardica ist das heute Sofia in Bulgarien.

Die Ankün­di­gung der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X., am 1. Juli 2026 in Ecô­ne neue Bischö­fe auch ohne Erlaub­nis des Pap­stes zu wei­hen, hat die Span­nun­gen mit dem Vati­kan erneut ver­schärft. Im Inter­view mit Bern­hard Mül­ler vom Vati­can Maga­zin (April-Aus­ga­be) äußert sich der Schwei­zer Bene­dik­ti­ner und eme­ri­tier­te Weih­bi­schof von Chur, Msgr. Mari­an Ele­gan­ti, kri­tisch und warnt ein­dring­lich vor den kirch­li­chen Konsequenzen.

Persönliche Kontakte – und ein klarer Rat

Msgr. Ele­gan­ti bestä­tigt zunächst, daß er durch­aus per­sön­li­che Kon­tak­te zur Füh­rung der Pius­bru­der­schaft pflegt. So berich­tet er von einem Tref­fen mit dem Gene­ral­obe­ren Pater Davi­de Pagli­a­ra­ni: „Es war eine sehr freund­li­che, ja fast freund­schaft­li­che Begeg­nung … und wir haben da lang und breit … über eine mög­li­che Bischofs­wei­he gesprochen.“

Bereits damals habe er die Ent­wick­lung vor­aus­ge­se­hen und deut­lich abge­ra­ten: „Ich habe es eben kom­men sehen und ich habe ihnen damals mei­ne Argu­men­te vor­ge­tra­gen und gera­ten, die­sen Schritt nicht zu tun.“

Unerlaubte Weihen als schismatischer Akt

In der zen­tra­len Fra­ge wider­spricht Msgr. Ele­gan­ti aus­drück­lich der Posi­ti­on von Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der, Weih­bi­schof von Ast­a­na, der eine sol­che Wei­he aus­drück­lich nicht zwin­gend als Schis­ma bewer­tet. Ele­gan­ti hält dage­gen: „Das Kir­chen­recht ist eigent­lich klar … eine uner­laub­te Bischofs­wei­he [zieht] ipso fac­to … die Exkom­mu­ni­ka­ti­on mit sich.“

Ent­schei­dend sei für ihn das Ergeb­nis: „Für mich ist das Ergeb­nis ent­schei­dend. Und das Ergeb­nis ist ganz klar … eine juris­dik­tio­nel­le Auto­no­mie.“ Eine eigen­stän­di­ge Hier­ar­chie außer­halb der päpst­li­chen Auto­ri­tät bedeu­te fak­tisch Spal­tung: „Es ent­steht eine Gemein­schaft mit einer eige­nen selbst­er­mäch­tig­ten Juris­dik­ti­on und Hierarchie.“

Einheit mit dem Papst als Wesenskern der Kirche

Auch das Argu­ment, die Bru­der­schaft bete in jeder Hei­li­gen Mes­se für den Papst, läßt Ele­gan­ti nicht gel­ten. Ent­schei­dend sei nicht das Gebet, son­dern die kon­kre­te kirch­li­che Ein­heit: „Solan­ge eine juris­dik­tio­nel­le Ein­heit nicht gege­ben ist … gibt es kei­ne Kirchenkommunion.“

Und wei­ter: „Die Ein­heit der Bischö­fe mit dem Papst … ist unab­ding­bar. Die­se kann aber nicht nur im Gebet gelebt wer­den, son­dern muß sich im kon­kre­ten Gehor­sam zei­gen.“ Ohne die­se Ein­heit ent­ste­he eine vom Papst unab­hän­gi­ge Kir­chen­struk­tur: „Sonst ent­steht eine … unab­hän­gi­ge Hier­ar­chie … die … gül­ti­ge Sakra­men­te uner­laub­ter­wei­se spendet.“

Die innere Haltung der Bruderschaft und Konsequenzen für die Gläubigen

Msgr. Ele­gan­ti geht in dem Inter­view noch wei­ter und pro­ble­ma­ti­siert mög­li­che theo­lo­gi­sche Grund­hal­tun­gen inner­halb der Pius­bru­der­schaft: „Soll­ten sie … den­ken, daß die­se Sakra­men­te … defekt sind … dann ent­spricht das einem schis­ma­ti­schen Denk­an­satz.“
Dazu stellt er die zuge­spitz­te Fra­ge: „Wo lebt dann noch kon­kret die … Kir­che Chri­sti …? Etwa nur noch in der eige­nen Frak­ti­on (FSSPX)?“

Für Gläu­bi­ge, die wei­ter­hin die Sakra­men­te der Bru­der­schaft emp­fan­gen, sieht der eme­ri­tier­te Weih­bi­schof von Chur eine wach­sen­de Gewis­sens­ver­ant­wor­tung: „Bis jetzt gal­ten die Gläu­bi­gen … nicht als exkom­mu­ni­ziert. Auch emp­fan­gen sie gül­ti­ge Sakra­men­te.“
Doch lang­fri­stig sei eine Ent­schei­dung not­wen­dig: „Ohne kon­kret geleb­te Ein­heit mit dem Papst kann man nicht als katho­lisch gelten.“

Tradition, Gehorsam und persönliche Gewissenskonflikte

Ein zen­tra­les Argu­ment der Pius­bru­der­schaft – die Bewah­rung der Tra­di­ti­on – weist Msgr. Ele­gan­ti im Ein­klang mit Kar­di­nal Robert Sarah zurück: „Die Hei­li­gen haben … immer gehorcht und nicht ihre eige­ne Ansicht … durch­ge­setzt.“ Als Bei­spie­le nennt er Pater Pio und Igna­ti­us von Loyo­la. Beson­ders Igna­ti­us ste­he für radi­ka­len Gehor­sam: „[Er] wür­de … eine hal­be Stun­de Zeit im Gebet ver­brin­gen, dann aber gehorchen.“

Msgr. Ele­gan­ti spricht auch offen über eige­ne Erfah­run­gen mit dem Span­nungs­feld von Gehor­sam und Gewis­sen: „Ich habe … in der Jugend­zeit an die­ser Fra­ge sehr gelit­ten. Sie hat mich buch­stäb­lich krank gemacht.“ Am Ende sei er zu einer kla­ren Über­zeu­gung gelangt: „Unge­hor­sam führt zur Spaltung.“

Pessimismus hinsichtlich einer Einigung

Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich Msgr. Ele­gan­ti wenig opti­mi­stisch: „Ich bin eher pes­si­mi­stisch und habe kei­ne gro­ße Hoff­nung, daß es eine Eini­gung geben wird.“

Gleich­zei­tig warnt er vor einem gefähr­li­chen Prä­ze­denz­fall: „Wo kämen wir hin, wenn jeder Bischö­fe wei­hen könn­te, ohne Kon­se­quen­zen zu befürch­ten?“ Dann wäre die Spal­tung unaus­weich­lich – eine Ent­wick­lung, die bereits der Apo­stel Pau­lus beklag­te: „Seid alle ein­mü­tig und dul­det kei­ne Spal­tun­gen unter euch … Ist denn Chri­stus zer­teilt?“ (1 Kor 1,10–13)

Als Gegen­bild ver­weist Ele­gan­ti auf den Apo­stel Pau­lus, der trotz eige­ner Beru­fung die Ein­heit mit Petrus such­te: „Er hat sich die­se Sen­dung nicht selbst gege­ben. Sie kam … durch die Bestä­ti­gung der Kirche.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/​Miniatur aus dem „Buch der Wun­der der Welt“ von Odo­rich von Por­de­none (damals Patri­ar­chat von Aqui­leia, einem Reichs­für­sten­tum des Hei­li­gen Römi­schen Reichs), in einer präch­ti­gen illu­mi­nier­ten Hand­schrift, ent­stan­den um 1410 in Paris

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