Synodale Rauchzeichen – ein Nachtrag zum Segen Urbi et Orbi

Päpstliche Signale und das nahende Konsistorium


Am Christtag spendete Papst Leo XIV. den Segen Urbi et Orbi. Auf der Mittelloggia zeigte sich nicht nur Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti, sondern auch Kardinal Mario Grech, der Generalsekretär der Synode, die einst die Bischofssynode war
Am Christtag spendete Papst Leo XIV. den Segen Urbi et Orbi. Auf der Mittelloggia zeigte sich nicht nur Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti, sondern auch Kardinal Mario Grech, der Generalsekretär der Synode, die einst die Bischofssynode war

Die gemein­sa­me Prä­senz der Kar­di­nä­le Domi­ni­que Mam­ber­ti und Mario Grech an der Sei­te von Papst Leo XIV. beim Segen Urbi et Orbi ließ sich kaum über­se­hen. Es dräng­te sich die Fra­ge auf, war­um die­se bei­den Pur­pur­trä­ger das Pri­vi­leg hat­ten, sich mit dem Kir­chen­ober­haupt in dem Moment zu zei­gen, der wie kein ande­rer über die Medi­en in alle Welt hin­aus über­tra­gen wird.

Zunächst konn­te der Ein­druck ent­ste­hen, hier sei­en die oft bemüh­ten „Flü­gel“ der Kir­che sicht­bar und aus­glei­chend ins Bild gesetzt wor­den: Mam­ber­ti als eher kon­ser­va­ti­ve, Grech als pro­gres­si­ve Stim­me. Woll­te Leo XIV. einen ver­söhn­li­chen Gestus set­zen, indem er durch die­se per­so­ni­fi­zier­te „Gleich­be­rech­ti­gung“ die Kir­che eint, wie er es zu sei­nem Ziel erklärt hatte?

Die­se Les­art bedarf jedoch einer Korrektur.

Denn wäh­rend Kar­di­nal Mam­ber­ti aus kla­ren pro­to­kol­la­ri­schen Grün­den auf der Mit­tel­log­gia stand – als Kar­di­nal­pro­to­dia­kon gehört sei­ne Prä­senz zum eta­blier­ten Zere­mo­ni­ell –, gilt dies nicht für Kar­di­nal Mario Grech. Der Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode hat kei­nen lit­ur­gisch oder zere­mo­ni­ell vor­ge­se­he­nen Platz beim päpst­li­chen Segen Urbi et Orbi.

Kurz gesagt: Tra­di­tio­nell gehört es weder zur Norm noch zur Usance, daß der Gene­ral­se­kre­tär der Syn­ode beim Segen Urbi et Orbi neben dem Papst erscheint. Der apo­sto­li­sche Segen ist ein rein päpst­li­cher Akt, der zu Weih­nach­ten und Ostern (sowie bei außer­ge­wöhn­li­chen Anläs­sen) allein vom Papst gespen­det wird. Er stellt den Papst als Bischof von Rom und Ober­haupt der Kir­che bewußt ins Zen­trum. Der Kar­di­nal­pro­to­dia­kon assi­stiert ihm dabei.

Ein Blick in die jün­ge­re Kir­chen­ge­schich­te bestä­tigt dies: Frü­he­re Gene­ral­se­kre­tä­re der Bischofs­syn­ode, zuletzt Loren­zo Bal­dis­se­ri (2013–2020), tra­ten bei Urbi et Orbi nicht an der Sei­te des Pap­stes auf. Für Bal­dis­se­ri gilt das nur für den Oster­se­gen 2024, als er aller­dings bereits seit meh­re­ren Jah­ren eme­ri­tiert war. Die lit­ur­gi­sche Tra­di­ti­on sieht ledig­lich vor, daß der Kar­di­nal­pro­to­dia­kon oder die lit­ur­gi­sche Assi­stenz bestimm­te Ankün­di­gun­gen macht – nicht jedoch, daß hoch­ran­gi­ge Kuri­en­be­am­te sicht­bar am päpst­li­chen Segen teilnehmen.

Gera­de des­halb erhält die Prä­senz Grechs beson­de­res Gewicht. Er allein ist der eigent­li­che „Insze­nier­te“ die­ses Moments. Sei­ne Anwe­sen­heit ist kei­ne Fort­set­zung einer bestehen­den Pra­xis, son­dern eine bewuß­te Set­zung. Sie mar­kiert ein kla­res Signal: Papst Leo XIV. hält am syn­oda­len Weg fest – das ist die Botschaft.

Bri­sant ist dies vor allem vor dem Hin­ter­grund der bis zum Jah­res­en­de erwar­te­ten Abschluß­be­rich­te der Stu­di­en­grup­pen zur Syn­oda­li­tät. Beson­de­re Auf­merk­sam­keit gilt dabei dem Bericht des Dik­aste­ri­ums für die Glau­bens­leh­re zu „mini­ste­ri­el­len“ Fra­gen. Hin­ter die­ser tech­ni­schen Spra­che – gemeint sind Dien­ste in der Kir­che – bleibt das The­ma der Dia­ko­nin­nen wei­ter­hin präsent.

Gleich nach Epi­pha­nie, dem Weih­nachts­fest der Ost­kir­che, unse­rem Drei­kö­nigs­fest, wer­den sich auf Ein­la­dung von Leo XIV. alle Kar­di­nä­le zum ersten außer­or­dent­li­chen Kon­si­sto­ri­um seit 2014 ver­sam­meln, um über kirch­li­che Fra­gen zu bera­ten. Mit wel­chen Über­ra­schun­gen ist nach dem vom Papst gewoll­ten Auf­tritt von Kar­di­nal Grech auf der Mit­tel­log­gia zu rechnen?

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va (Screen­shot)