Eine eigens gegründete Organisation in den Vereinigten Staaten hat eine landesweite Spendenkampagne ins Leben gerufen, um Papst Leo XIV., dem ersten Pontifex US-amerikanischer Herkunft, eine päpstliche Tiara zu schenken. Die Initiative versteht sich als kollektive Gabe der Katholiken seines Heimatlandes.
Träger des Projekts ist die 2025 gegründete gemeinnützige Vereinigung Amici Vaticani (Vatikanische Freunde). Ihr Initiator, der zur katholischen Kirche konvertierte ehemalige Episkopalianer (Anglikaner) Isaac Smith, verweist auf die historische Praxis, wonach päpstliche Tiaren häufig Geschenke aus dem Herkunftsland des Papstes oder von mit ihm verbundenen Gemeinschaften gewesen seien. Angesichts des „historischen Meilensteins“ eines amerikanischen Papstes wolle man diese Tradition fortführen.
Traditionelle Form, nationale Symbolik
Die geplante Tiara orientiert sich an der seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlichen dreifachen Kronenform. Diese wird unterschiedlich gedeutet: als Hinweis auf das dreifache Amt Christi – Priester, Prophet und König – oder als Symbol für die streitende, leidende und triumphierende Kirche. Gefertigt werden soll das Stück aus Silber, die drei Kronen sind vergoldet.
Zur Würdigung der US-amerikanischen Herkunft des Papstes sind Edelsteine in Rot, Weiß und Blau vorgesehen, den Farben der Flagge der Vereinigten Staaten. Hinzu treten symbolisch aufgeladene Elemente mit doppelter Bedeutung: Eichenblätter als Anspielung auf den Nationalbaum, Maisähren als Hinweis auf ein zentrales landwirtschaftliches Erzeugnis, Rosen sowohl als Marienzeichen wie als Nationalblume sowie Olivenzweige als Ausdruck des päpstlichen Friedensauftrags und zugleich als Motiv des Großen Siegels der Vereinigten Staaten. Den Abschluß bildet ein sogenanntes „buttony cross“, das sich im Wappen der Erzdiözese Baltimore – der ältesten Diözese des Landes – ebenso findet wie in der Flagge des Bundesstaates Maryland, wo sich die ersten englischen Kolonien mit katholischer Mehrheit befanden.
Smith bezeichnet den Entwurf als „elegant und traditionsgebunden“: Er solle das Petrusamt würdigen und zugleich unverkennbar US-amerikanische Akzente setzen.
Finanzierung durch das Kirchenvolk
Die Kosten sollen vollständig durch Kleinspenden gedeckt werden. Der Papst solle erkennen können, so Smith, daß es sich um ein gemeinschaftliches Werk der Gläubigen seines Heimatlandes handelt. Spender ab einem Beitrag von 20 Dollar werden namentlich in einem Buch verzeichnet, das dem Heiligen Vater zusammen mit der Tiara überreicht werden soll. Die Widmung lautet: „Heiliger Vater, beten Sie für diese Menschen.“
Mit der künstlerischen Ausführung wurde der maltesische Juwelier und Sakralkünstler Gabriel Farrugia betraut, der über Erfahrung im Bereich religiöser Kunst verfügt. Zu seinen Arbeiten zählt unter anderem eine Krone für eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, die bei einer Krönungszeremonie in Guardamangia (Malta) verwendet wurde. Sakrale Kunst, so Farrugia, sei eine Form des Dankes gegenüber dem Schöpfer und schaffe Werke, die über Generationen hinweg Bestand hätten und zur Betrachtung einladen.
Übergabe bei einem künftigen USA-Besuch
Mit der Herstellung wurde noch nicht begonnen; die Kampagne befindet sich in einer frühen Phase. Nach Abschluß soll die Tiara zunächst an einem Ehrenplatz ausgestellt und dem Papst bei einem künftigen Besuch in den Vereinigten Staaten überreicht werden. Bei einer Begegnung mit Vizepräsident JD Vance hatte Leo XIV. angekündigt, zu gegebener Zeit in sein Heimatland reisen zu wollen; ein Termin steht bislang nicht fest.
Über das konkrete Vorhaben hinaus formulieren die Amici Vaticani ein weiterreichendes Ziel: Man wolle zu einer „Erneuerung des katholischen Geistes“ in den USA beitragen. Das Land, einst stark von protestantischer Tradition geprägt, erlebe gegenwärtig – so die Organisation – eine bemerkenswerte Zunahme von Konversionen zum katholischen Glauben.
Papst Paul VI. war es, der sich als bisher letztes Kirchenoberhaupt am 30. Juni 1963 mit der päpstlichen Tiara krönen ließ. Dann legte er sie aber ab und entfernte damit ein starkes Symbol kirchlicher Autorität aus dem sichtbaren Leben der Kirche. Seither fehlt es nicht an Versuchen aus dem gläubigen Volk, die Tiara wiedereinzuführen.
Die historische Bedeutung
Die historische Bedeutung der Tiara ist erheblich: Sie steht für die dreifache Vollmacht des Papstes – zu lehren, zu heiligen und zu leiten – und verweist auf seinen Dienst als universaler Hirte Christi. Die drei Kronreifen verweisen darauf, daß der römische Pontifex nicht nur oberster kirchlicher Verwalter, sondern – kraft göttlicher Einsetzung – auch sichtbares Fundament der Einheit der Kirche ist. Daß ausgerechnet im Osten die dreifache Krone noch selbstverständlich getragen wird, während sie im Westen pauperistisch versteigert wurde, ist ein paradoxes, aber aufschlußreiches Zeichen der Zeit.
Unter den Gläubigen blieb der Wunsch groß, die kirchliche Autorität auch äußerlich wiederherzustellen, indem sich die Päpste wieder mit der Tiara krönen lassen. Mehreren Päpsten wurden dazu Tiaren zum Geschenk gemacht, so wurde zum Beispiel 1981 Johannes Paul II., 2011 Benedikt XVI. und 2016 sogar Franziskus eine Tiara geschenkt.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: amicivaticani.org