Eine Tiara für Papst Leo XIV.

US-Katholiken starten einen neuen Versuch


Papst Pius XII. mit der Tiara. Johannes Paul I. war 1978 der erste Papst, der sich nicht mit der Tiara krönen ließ.
Papst Pius XII. mit der Tiara. Johannes Paul I. war 1978 der erste Papst, der sich nicht mit der Tiara krönen ließ.

Eine eigens gegrün­de­te Orga­ni­sa­ti­on in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten hat eine lan­des­wei­te Spen­den­kam­pa­gne ins Leben geru­fen, um Papst Leo XIV., dem ersten Pon­ti­fex US-ame­ri­ka­ni­scher Her­kunft, eine päpst­li­che Tia­ra zu schen­ken. Die Initia­ti­ve ver­steht sich als kol­lek­ti­ve Gabe der Katho­li­ken sei­nes Heimatlandes.

Trä­ger des Pro­jekts ist die 2025 gegrün­de­te gemein­nüt­zi­ge Ver­ei­ni­gung Amici Vati­ca­ni (Vati­ka­ni­sche Freun­de). Ihr Initia­tor, der zur katho­li­schen Kir­che kon­ver­tier­te ehe­ma­li­ge Epi­skopa­lia­ner (Angli­ka­ner) Isaac Smith, ver­weist auf die histo­ri­sche Pra­xis, wonach päpst­li­che Tia­ren häu­fig Geschen­ke aus dem Her­kunfts­land des Pap­stes oder von mit ihm ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten gewe­sen sei­en. Ange­sichts des „histo­ri­schen Mei­len­steins“ eines ame­ri­ka­ni­schen Pap­stes wol­le man die­se Tra­di­ti­on fortführen.

Traditionelle Form, nationale Symbolik

Die geplan­te Tia­ra ori­en­tiert sich an der seit dem 14. Jahr­hun­dert gebräuch­li­chen drei­fa­chen Kro­nen­form. Die­se wird unter­schied­lich gedeu­tet: als Hin­weis auf das drei­fa­che Amt Chri­sti – Prie­ster, Pro­phet und König – oder als Sym­bol für die strei­ten­de, lei­den­de und tri­um­phie­ren­de Kir­che. Gefer­tigt wer­den soll das Stück aus Sil­ber, die drei Kro­nen sind vergoldet.

Zur Wür­di­gung der US-ame­ri­ka­ni­schen Her­kunft des Pap­stes sind Edel­stei­ne in Rot, Weiß und Blau vor­ge­se­hen, den Far­ben der Flag­ge der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Hin­zu tre­ten sym­bo­lisch auf­ge­la­de­ne Ele­men­te mit dop­pel­ter Bedeu­tung: Eichen­blät­ter als Anspie­lung auf den Natio­nal­baum, Mai­s­äh­ren als Hin­weis auf ein zen­tra­les land­wirt­schaft­li­ches Erzeug­nis, Rosen sowohl als Mari­en­zei­chen wie als Natio­nal­blu­me sowie Oli­ven­zwei­ge als Aus­druck des päpst­li­chen Frie­dens­auf­trags und zugleich als Motiv des Gro­ßen Sie­gels der Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Den Abschluß bil­det ein soge­nann­tes „butt­o­ny cross“, das sich im Wap­pen der Erz­diö­ze­se Bal­ti­more – der älte­sten Diö­ze­se des Lan­des – eben­so fin­det wie in der Flag­ge des Bun­des­staa­tes Mary­land, wo sich die ersten eng­li­schen Kolo­nien mit katho­li­scher Mehr­heit befanden.

Smith bezeich­net den Ent­wurf als „ele­gant und tra­di­ti­ons­ge­bun­den“: Er sol­le das Petrus­amt wür­di­gen und zugleich unver­kenn­bar US-ame­ri­ka­ni­sche Akzen­te setzen.

Finanzierung durch das Kirchenvolk

Die Kosten sol­len voll­stän­dig durch Klein­spen­den gedeckt wer­den. Der Papst sol­le erken­nen kön­nen, so Smith, daß es sich um ein gemein­schaft­li­ches Werk der Gläu­bi­gen sei­nes Hei­mat­lan­des han­delt. Spen­der ab einem Bei­trag von 20 Dol­lar wer­den nament­lich in einem Buch ver­zeich­net, das dem Hei­li­gen Vater zusam­men mit der Tia­ra über­reicht wer­den soll. Die Wid­mung lau­tet: „Hei­li­ger Vater, beten Sie für die­se Menschen.“

Mit der künst­le­ri­schen Aus­füh­rung wur­de der mal­te­si­sche Juwe­lier und Sakral­künst­ler Gabri­el Far­ru­gia betraut, der über Erfah­rung im Bereich reli­giö­ser Kunst ver­fügt. Zu sei­nen Arbei­ten zählt unter ande­rem eine Kro­ne für eine Sta­tue Unse­rer Lie­ben Frau von Fati­ma, die bei einer Krö­nungs­ze­re­mo­nie in Guar­da­man­gia (Mal­ta) ver­wen­det wur­de. Sakra­le Kunst, so Far­ru­gia, sei eine Form des Dan­kes gegen­über dem Schöp­fer und schaf­fe Wer­ke, die über Gene­ra­tio­nen hin­weg Bestand hät­ten und zur Betrach­tung einladen.

Übergabe bei einem künftigen USA-Besuch

Mit der Her­stel­lung wur­de noch nicht begon­nen; die Kam­pa­gne befin­det sich in einer frü­hen Pha­se. Nach Abschluß soll die Tia­ra zunächst an einem Ehren­platz aus­ge­stellt und dem Papst bei einem künf­ti­gen Besuch in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten über­reicht wer­den. Bei einer Begeg­nung mit Vize­prä­si­dent JD Van­ce hat­te Leo XIV. ange­kün­digt, zu gege­be­ner Zeit in sein Hei­mat­land rei­sen zu wol­len; ein Ter­min steht bis­lang nicht fest.

Über das kon­kre­te Vor­ha­ben hin­aus for­mu­lie­ren die Amici Vati­ca­ni ein wei­ter­rei­chen­des Ziel: Man wol­le zu einer „Erneue­rung des katho­li­schen Gei­stes“ in den USA bei­tra­gen. Das Land, einst stark von pro­te­stan­ti­scher Tra­di­ti­on geprägt, erle­be gegen­wär­tig – so die Orga­ni­sa­ti­on – eine bemer­kens­wer­te Zunah­me von Kon­ver­sio­nen zum katho­li­schen Glauben.

Papst Paul VI. war es, der sich als bis­her letz­tes Kir­chen­ober­haupt am 30. Juni 1963 mit der päpst­li­chen Tia­ra krö­nen ließ. Dann leg­te er sie aber ab und ent­fern­te damit ein star­kes Sym­bol kirch­li­cher Auto­ri­tät aus dem sicht­ba­ren Leben der Kir­che. Seit­her fehlt es nicht an Ver­su­chen aus dem gläu­bi­gen Volk, die Tia­ra wiedereinzuführen. 

Die historische Bedeutung

Die histo­ri­sche Bedeu­tung der Tia­ra ist erheb­lich: Sie steht für die drei­fa­che Voll­macht des Pap­stes – zu leh­ren, zu hei­li­gen und zu lei­ten – und ver­weist auf sei­nen Dienst als uni­ver­sa­ler Hir­te Chri­sti. Die drei Kron­rei­fen ver­wei­sen dar­auf, daß der römi­sche Pon­ti­fex nicht nur ober­ster kirch­li­cher Ver­wal­ter, son­dern – kraft gött­li­cher Ein­set­zung – auch sicht­ba­res Fun­da­ment der Ein­heit der Kir­che ist. Daß aus­ge­rech­net im Osten die drei­fa­che Kro­ne noch selbst­ver­ständ­lich getra­gen wird, wäh­rend sie im Westen pau­pe­ri­stisch ver­stei­gert wur­de, ist ein para­do­xes, aber auf­schluß­rei­ches Zei­chen der Zeit.

Unter den Gläu­bi­gen blieb der Wunsch groß, die kirch­li­che Auto­ri­tät auch äußer­lich wie­der­her­zu­stel­len, indem sich die Päp­ste wie­der mit der Tia­ra krö­nen las­sen. Meh­re­ren Päp­sten wur­den dazu Tia­ren zum Geschenk gemacht, so wur­de zum Bei­spiel 1981 Johan­nes Paul II., 2011 Bene­dikt XVI. und 2016 sogar Fran­zis­kus eine Tia­ra geschenkt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: amici​va​ti​ca​ni​.org