Von einer Katholikin
„Ich kann nur hoffen und beten, daß dieser Irrweg einfach bald ein Ende hat.“ (Erzbischof Georg Gänswein, 23.1.2026) Denn statt wirklicher Erneuerung im Glauben führe er davon weg, verwässere ihn.
Noch ist er nicht vorbei. Die sechste und letzte Synodalversammlung endete zwar am 31. Januar in Stuttgart. Die Agenda jedoch soll in einer Synodalkonferenz weiterverfolgt werden. „Verstetigung“ nennt man das, und es bedeutet, daß die Allianz der sich selbst dekonstruierenden Hirten in Einheit mit unverhohlen nach Macht strebenden Laien in die Endlosschleife gehen soll. Die selbsternannten Kirchenretter sehen unser Heil in einer Anderskirche mit Priesterinnen, einer aufgelösten Sexualmoral, verheirateten Priestern und einer neuen Anthropologie. Die noch unerledigten Reformprojekte sollen also weitergehen.1
Wes weltlichen Geistes Kind man ist, zeigte sich auch in Stuttgart zuverlässig in den endlosen Reden und Debatten über die „gerechte“ Verteilung des Kuchens der Macht. das peinliche Schachern um Quoten, das Ätzen gegen hartnäckige Reformverweigerer unter den Bischöfen und gegen die hierarchisch verfasste Kirche. Bischöfe wurden von den Oberlaien regelrecht abgekanzelt und wie Schulbuben behandelt, die ihre Hausaufgaben nicht machen. Der interne Druck wächst, und der gesellschaftliche und politische Pranger steht. Und dennoch gab es eine, wenn auch knappe, bischöfliche Mehrheit, die sich zur Kontrolle durch die Laien einem Monitoring unterwerfen will. Das bischöfliche Weiheversprechen zur Weitergabe des reinen und unverfälschten Glaubens droht endgültig auf dem neuen Altar einer liberalen kirchenpolitischen Programmatik geopfert zu werden.
Ungewollt zeichenhaft sind da die Bilder aus dem Konferenzsaal und St. Fidelis, wo man Eucharistie feierte.
Wie sich die Räume doch ähneln! Bis auf einen Unterschied: In St. Fidelis steht der Altar unerhöht auf dem Boden, im Konferenzsaal steht der Tisch der Versammlungsleitung auf einem Podest.
Für die Reformkräfte ist der Umsturz der Lehre kein Verlust – im Gegenteil. Er ist die Antwort. Der vielbeschworene „Kulturwandel“ hin zu einer demokratischen, (geschlechter)gerechten, „angst- und diskriminierungsfreien Kirche“ ist in vollem Gange und soll auf keinen Fall ausgebremst werden. Auch nicht von Rom, das es gewagt hat, Briefe der Deutschsynodalen nicht zu beantworten. Bischof Bätzing sprach von mangelndem Respekt, sekundiert von einer weinerlichen Irme Stetter-Karp, und Schwester Katharina Kluitmann (Münster) nannte es gar „Machtmißbrauch“ und drohte :
„ Wir können das auch Ihnen, Herr Nuntius, sagen, daß Sie diesen Unmut auch nach Rom weitergeben.“ Es sei nicht der Unmut von „Linkskatholiken, die im Gremienkatholizismus versacken“. Und weiter: „Wir müssen zu Ergebnissen kommen und wir dürfen uns nicht von Rom behindern lassen (…). Ich bin nicht mehr bereit, einfach zu denken, ich müsse mich in Demut üben.“
Nun ja, Demut war noch nie ein Schlüsselwort der Deutschsynodalen. Evangelisierung auch nicht. Weihbischof Florian Wörner (Augsburg) hat es wenigstens versucht:
„Evangelisierung ist ein wichtiges, vernachlässigtes Thema. Wir müssen Menschen zu Wort kommen lassen, die an Orten tätig sind, wo Kirche wächst.“
Doch der synodale Weg hat nun einmal ein anderes „Wording“ als das gute Dutzend „Demonstrierende“ vor dem Tagungshotel: „Seelen retten oder dem Zeitgeist huldigen.“ Über diese „altbekannte Zeitgeist-Rhetorik“ mokiert man sich immer wieder gerne, zumal die Mahner auch noch – horribile dictu – eine Marienstatue, Kerzen und Weihrauch dabei hatten!
Solche gläubigen Katholiken, die wie so viele andere einfach katholisch und lehramtstreu sein wollen, finden bei den Synodalen kein Gehör, weil sie an die Leerstellen und Abgründe des synodalen Wegs erinnern und die fortschreitende Selbstsäkularisierung der Kirche nicht mittragen wollen. Bischof Oster hat nicht nur diese Zusammenhänge inzwischen ausführlich analysiert.
Drinnen im Hotel postulierte die Versammlung derweil voller Ungeduld, daß nun endlich die Praxis der Lehre vorausgehen müsse, und gleichzeitig betonte Bischof Bätzing unverdrossen den guten Austausch mit Rom und das angeblich gemeinsame Verständnis von Synodalität. Er möchte eine „Provokation“ vermeiden, daher werde man die kirchenrechtliche Absegnung der Verstetigung des synodalen Wegs natürlich abwarten. Wenn die Bischöfe die Satzung bei ihrer Frühjahrsvollversammlung Ende Februar verabschieden würden, wäre Rom an der Reihe. Bischof Bätzing hegt keinen Zweifel daran, daß der Papst sein Ja zur Synodalkonferenz geben wird, die man im November auf den Weg bringen will.
Wir werden sehen.
Bild: Synodaler Weg / Marko Orlovic (Screenshots)
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Es fehlen noch: Musterordnung für Bischofsbestellung / Teilkirchliche Regelungen für die Zölibatsfrage bei Priestern / Änderung Katechismus in Bezug auf Homosexualität / Schuldbekenntnis der Kirche und liturgische Arbeitshilfe (zum Thema Homosexualität) / Homosexualität kein Weihehindernis / Klärung Grundordnung und Ehrenamt (etwa Kirchenaustritt) / Revision des Nihil Obstat an den Universitäten / Regelung für dispensierte Priester / Partikalarnorm für Laienpredigt / Sozialwissenschaftliche Untersuchung / Forschungen zum Frauendiakonat in Auftrag geben / Verbleibende offene Punkte umsetzen. ↩︎
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