Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft verurteilt

Gefangener im Griff der kommunistischen Justiz


Jimmy Lai wurde von einem politisch besetzten Hongkonger Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Kardinal Zen war trotz seines hohen Alters zur Urteilsverkündung erschienen, um Lai zu unterstützen
Jimmy Lai wurde von einem politisch besetzten Hongkonger Gericht zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Kardinal Zen war trotz seines hohen Alters zur Urteilsverkündung erschienen, um Lai zu unterstützen


Der bekann­te Hong­kon­ger Unter­neh­mer, Medi­en­grün­der und Demo­kra­tie­ver­fech­ter Jim­my Lai ist zu 20 Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. Das Gericht von West Kow­loon ver­zich­te­te zwar auf die Höchst­stra­fe, lebens­lan­gen Frei­heits­ent­zug, begrün­de­te dies jedoch aus­schließ­lich mit Lais hohem Alter (78 Jah­re) und sei­nem ange­schla­ge­nen Gesund­heits­zu­stand. Die Stra­fe bleibt den­noch dra­ko­nisch – und dürf­te für den schwer herz­kran­ken Mann fak­tisch einem Todes­ur­teil gleichkommen.

Jim­my Lai, ein prak­ti­zie­ren­der Katho­lik, der sei­nen Glau­ben auch in der Haft offen lebt, war im Dezem­ber in zwei Ankla­ge­punk­ten wegen angeb­li­cher „Kol­lu­si­on mit aus­län­di­schen Kräf­ten“ nach dem soge­nann­ten Natio­na­len Sicher­heits­ge­setz schul­dig gespro­chen wor­den. Hin­zu kam ein wei­te­rer Schuld­spruch wegen „Auf­wie­ge­lung“, gestützt auf ein über­hol­tes Kolo­ni­al­ge­setz. Grund­la­ge all des­sen ist die von Peking im Juni 2020 auf­ge­zwun­ge­ne Sicher­heits­ge­setz­ge­bung, mit der die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei Chi­nas die Mas­sen­pro­te­ste für Frei­heit und Demo­kra­tie im Jahr 2019 bru­tal abwürgte.

Ein politischer Prozeß unter parteigebundener Justiz

Das Urteil folg­te auf einen mehr als zwei­jäh­ri­gen Pro­zeß, der welt­weit von Regie­run­gen, Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und kirch­li­chen Krei­sen auf­merk­sam ver­folgt wur­de. Jim­my Lai, Grün­der der inzwi­schen ver­bo­te­nen Zei­tung Apple Dai­ly, wies alle Vor­wür­fe zurück und bezeich­ne­te sich selbst wie­der­holt als poli­ti­schen Gefan­ge­nen eines auto­ri­tä­ren Systems, das auch in Hong­kong kei­ne unab­hän­gi­ge Pres­se mehr duldet.

Das Urteil wur­de von einem drei­köp­fi­gen Rich­ter­se­nat gefällt, des­sen Mit­glie­der direkt vom Hong­kon­ger Regie­rungs­chef John Lee ernannt wur­den – einem loya­len Voll­strecker des kom­mu­ni­sti­schen Regime in Peking. Die Ver­hand­lung zur Urteils­ver­kün­dung dau­er­te weni­ger als zehn Minu­ten. Zwei Jah­re der Stra­fe wer­den mit frü­he­ren Urtei­len ver­rech­net, sodaß Lai noch 18 Jah­re ver­bü­ßen soll.

Katholik und Zielscheibe des Regimes

Der Katho­lik Jim­my Lai erklär­te mehr­fach öffent­lich, sein Enga­ge­ment für Frei­heit, Men­schen­wür­de und Wahr­heit wur­ze­le unmit­tel­bar in sei­nem christ­li­chen Glau­ben. In Inter­views sprach er davon, daß er „lie­ber im Gefäng­nis sit­ze, als sei­ne See­le zu ver­lie­ren“. Gera­de die­se Hal­tung macht ihn in den Augen des athe­isti­schen kom­mu­ni­sti­schen Regimes beson­ders ver­däch­tig und gefähr­lich: Ein Mensch, der sich einer höhe­ren mora­li­schen Auto­ri­tät ver­pflich­tet weiß, ent­zieht sich der tota­len Loya­li­tät gegen­über Par­tei und Staat.

Kardinal Zen – Stimme des Gewissens

Bei der Urteils­ver­kün­dung war auch der hoch­be­tag­te Kar­di­nal Joseph Zen Ze-kiun, der eme­ri­tier­te Bischof von Hong­kong, anwe­send – ein inter­na­tio­nal hoch ange­se­he­ner Kir­chen­mann und uner­müd­li­cher Kri­ti­ker der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Chi­nas. Zen hat­te sich wie­der­holt schüt­zend vor Jim­my Lai gestellt, ihn als „Mär­ty­rer der Wahr­heit“ bezeich­net und die Chri­sten­ver­fol­gung in Chi­na offen angeprangert.

Der Kar­di­nal war selbst nach dem neu­en Natio­na­len Sicher­heits­ge­setz zeit­wei­se ver­haf­tet und dann unter Haus­ar­rest gestellt wor­den. Er steht exem­pla­risch für eine Kir­che, die in Hong­kong noch wagt, das Evan­ge­li­um gegen staat­li­che Will­kür zu ver­tei­di­gen. Kar­di­nal Zen stand damit jahr­lang im schar­fen Kon­trast zur Zurück­hal­tung des Vati­kans unter Papst Fran­zis­kus, der eine Annä­he­rung an die kom­mu­ni­sti­schen Macht­ha­ber such­te und mit die­sen 2018 ein umstrit­te­nes Geheim­ab­kom­men schloß, das an das „Abkom­men von Metz“ aus dem Jahr 1962 erin­nert, einer gehei­men Abspra­che unter Johan­nes XXIII. zwi­schen dem Vati­kan und der Sowjet­uni­on. Das Abkom­men von Metz ver­hin­der­te, was Mos­kaus Inter­es­se war, daß Rom und beson­ders auch das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil den Kom­mu­nis­mus ver­ur­teilt. Glei­che Inter­es­sen ver­folgt Peking mit dem Geheim­ab­kom­men über Bischofs­er­nen­nun­gen. Und tat­säch­lich schweigt der Hei­li­ge Stuhl seit­her selbst zu spek­ta­ku­lä­ren Ver­haf­tun­gen und Ver­ur­tei­lun­gen. Unter Papst Leo XIV. zeig­te sich bis­her kei­ne eige­ne Hand­schrift gegen­über der Volks­re­pu­blik China.

Internationale Reaktionen – und chinesische Unnachgiebigkeit

Das Urteil ver­schärft die Span­nun­gen zwi­schen Chi­na und dem Westen. Bereits 2025 soll US-Prä­si­dent Donald Trump den chi­ne­si­schen Staats­chef Xi Jin­ping um Lais Frei­las­sung gebe­ten haben. Auch der bri­ti­sche Pre­mier­mi­ni­ster Keir Star­mer sprach das The­ma bei einem Besuch in Peking an. Ohne Erfolg.

Obwohl Jim­my Lai seit 1996 auch bri­ti­scher Staats­bür­ger ist, ver­wei­ger­ten die Behör­den Hong­kongs ihm kon­su­la­ri­schen Bei­stand – mit dem Hin­weis, daß Chi­na kei­ne dop­pel­ten Staats­bür­ger­schaf­ten anerkennt.

Seit sei­ner Ver­haf­tung Ende 2020 ver­brach­te Lai den Groß­teil der Zeit in Iso­la­ti­ons­haft in einem Hoch­si­cher­heits­ge­fäng­nis. Sein Gesund­heits­zu­stand hat sich dra­ma­tisch ver­schlech­tert. Sein Sohn Séba­stien Lai erklär­te gegen­über der BBC, das Urteil sei „lei­der nicht uner­war­tet“, warn­te jedoch ein­dring­lich: Für sei­nen Vater kom­me die Stra­fe einer lebens­lan­gen Haft gleich.

Jubel der Machthaber

Hong­kongs Regie­rungs­chef John Lee zeig­te sich „tief zufrie­den“ über das Urteil. Die Stra­fe bewei­se die „Stär­ke des Rechts­staa­tes“, erklär­te er – eine For­mu­lie­rung, die Kri­ti­ker als zyni­sche Umkeh­rung der Wirk­lich­keit wer­ten. Denn der Fall Jim­my Lai steht bei­spiel­haft für die Zer­stö­rung von Pres­se­frei­heit, Rechts­staat­lich­keit und reli­giö­ser Frei­heit in Hong­kong unter kom­mu­ni­sti­scher Vorherrschaft.

Jim­my Lai bleibt damit, trotz Gefäng­nis­mau­ern, eine der mora­lisch stärk­sten Stim­men des frei­en Hong­kong – und ein stil­les Zeug­nis dafür, daß christ­li­cher Glau­be und Gewis­sens­frei­heit auch unter mas­si­vem Druck nicht aus­ge­löscht wer­den können.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Stu­dio Incendo/​Wikicommons

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