Die dramatische Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar 2026 durch US‑Spezialkräfte hat nicht nur die politische Weltbühne erschüttert, sondern auch interne diplomatische Manöver internationaler Akteure ans Licht gebracht, die bislang weitgehend unbekannt waren. Vorweg: Die USA sprechen von „Festnahme“, allerdings agierten die US-Spezialkräfte in einem fremden Staat unter Verletzung des geltenden Rechts. Wie die Washington Post am 9. Januar 2026 enthüllte, war der Heilige Stuhl bis zuletzt aktiv bemüht, eine Eskalation und eine militärische Gefangennahme zu verhindern – auch durch einen konkreten Vermittlungsversuch von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
Eilgespräche am Heiligen Abend
Nach Angaben der Washington Post berief Kardinal Parolin am 24. Dezember 2025 – ohne mediale Vorankündigung – ein außergewöhnliches Treffen mit dem US‑Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch, ein. Ziel war es, Klarheit über die Absichten der USA gegenüber Venezuela zu erhalten, gerade angesichts wachsender internationaler Spannungen. Parolin habe gefragt, ob sich Washington ausschließlich gegen den Drogenhandel richten wolle oder ob ein Regimewechsel angestrebt werde. Dabei habe der Kardinalstaatssekretär, so die US-Zeitung, eingeräumt, daß Maduro gehen müsse. Gleichzeitig suchte der Chefdiplomat des Papstes nach einem Ausweg für den venezolanischen Präsidenten, um Gewalt zu vermeiden. Kardinal Parolin habe mehrfach versucht, Zugang zum US‑Außenminister Marco Rubio zu erhalten, und dabei auf ein Angebot Rußlands verwiesen, das Maduro Asyl gewähren wollte. Die Zeitung zitiert eine mit dem Vorgang vertraute Quelle: „Was ihm angeboten wurde, war zu gehen und sein Geld genießen zu können. Teil davon war, daß Putin seine Sicherheit garantieren würde.“ Nicht nur nach dem iranischen und ukrainischen Konflikt zählt Rußland auch in Lateinamerika zu einem gewichtigen Akteur, zumal Venezuela Moskaus wichtigster Verbündeter in der Region war: Über Jahre kaufte Caracas militärische Ausrüstung, erhielt Kredite und kooperierte im Energiesektor, was Washington beargwöhnte.
Ein geplatzter Plan – und die militärische Eskalation
Trotz dieser diplomatischen Manöver kam es am 3. Januar 2026 zur groß angelegten US‑Militäroperation Absolute Resolve, bei der Maduro und seine Frau entführt und nach New York gebracht wurden, um sich dort wegen Drogenhandel und anderen schweren Vorwürfen vor einem US-Gericht zu verantworten. Berichten zufolge kamen bei dem Angriff etwa 75 Menschen ums Leben – darunter Sicherheitskräfte Venezuelas, wahrscheinlich auch kubanische Sicherheitskräfte und Zivilisten. Internationale Rechtsexperten wie Professor Marc Weller (Chatham House) argumentieren, daß eine solche militärische Gefangennahme ohne Mandat des UN‑Sicherheitsrats klar gegen das Völkerrecht verstößt und als Verletzung der venezolanischen Souveränität zu werten ist.
Vatikanische Reaktion zwischen Diplomatie und Distanz
Auf die Enthüllungen der Washington Post reagierte der Vatikan zögerlich. Das vatikanische Presseamt beklagte, daß vertrauliche Gesprächsinhalte ungenau wiedergegeben worden seien – eine defensive Haltung. Tatsächlich zeichnet das Bild des Heiligen Stuhls einen Akteur, der immer wieder auf Dialog und Gewaltvermeidung setzte: Papst Leo XIV. hatte im November 2025 vor einer militärischen Lösung gewarnt und erklärt: „Ich glaube, daß Gewalt niemals zum Sieg führt. Der Schlüssel ist, den Dialog zu suchen.“
Maduro vor US‑Gericht – Forderung nach internationaler Rechtmäßigkeit
In New York plädierte Maduro bei seiner ersten Anhörung am 5. Januar 2026 auf nicht schuldig und betonte, er sei unschuldig und „ein anständiger Mann, Präsident seines Landes“. Seine Verteidigung kündigte an, die Rechtmäßigkeit der „Festnahme“ anzufechten – mit dem Argument, ein amtierender Staatschef genieße Immunität und dürfe nicht auf fremdem Staatsgebiet festgehalten und angeklagt werden. Maduros Ehefrau Cilia Flores, ebenfalls angeklagt, plädierte ebenfalls auf nicht schuldig.
Katholische Stimmen im venezolanischen Kontext
Die Ortskirche meldete sich zu Wort. Nach der Eskalation riefen venezolanische Bischöfe zu Frieden, Einheit und Gebet auf und warnten vor weiterer Gewalt durch paramilitärische Gruppierungen, die in der Krise weiterhin aktiv sind. Vertreter der Kirche betonten, daß die katholische Gemeinschaft eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des Landes spielen müsse.
Die Enthüllungen über vatikanische Vermittlungsbemühungen im Vorfeld der US‑Militäroperation gegen Maduro zeigen eine Weltpolitik im Ausnahmezustand: Ein Papsttum, das Vermittler sein will, trifft auf politische Akteure, die auf militärische Stärke und Gewalt setzen und traditionelle Prinzipien des Völkerrechts und der staatlichen Souveränität mißachten.
Die Enthüllungen zeigen, daß es schon Wochen vor der Militäroperation hinter den Kulissen aktive diplomatische Bemühungen gab, in die mehrere globale Akteure eingebunden waren. Es ist ausgeschlossen, daß die sozialistische Staatsführung Venezuelas keine Kenntnis davon hatte.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: VaticanMedia (Screenshot)
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