Konsistorium: Und wo blieb die Liturgie?

Von angekündigten und verdrängten Themen


Papst Leo XIV. mit den zum Konsistorium versammelten Kardinälen am Cathedra-Altar
Papst Leo XIV. mit den zum Konsistorium versammelten Kardinälen am Cathedra-Altar

Edward Pen­tin berich­te­te in einem vom Natio­nal Catho­lic Regi­ster ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel, daß eini­ge Kar­di­nä­le sowie Gläu­bi­ge, die dem über­lie­fer­ten römi­schen Ritus ver­bun­den sind, ihre Besorg­nis dar­über zum Aus­druck gebracht haben, daß die Lit­ur­gie bei dem am 7./8. Janu­ar im Vati­kan tagen­den außer­or­dent­li­chen Kon­si­sto­ri­um in den Hin­ter­grund gedrängt wur­de, nach­dem die Mehr­heit der Kar­di­nä­le dafür gestimmt hat­te, ande­ren Fra­gen auf der Tages­ord­nung Vor­rang einzuräumen.

In sei­ner Eröff­nungs­an­spra­che am Mitt­woch hat­te Papst Leo XIV. gegen­über den teil­neh­men­den Kar­di­nä­len bekräf­tigt, daß sie die Mög­lich­keit haben wür­den, sich „in einer gemein­sa­men Refle­xi­on“ mit vier bereits ange­kün­dig­ten The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen: dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Evan­ge­lii Gau­di­um von Papst Fran­zis­kus, also „der Sen­dung der Kir­che in der heu­ti­gen Welt“; Prae­di­ca­te Evan­ge­li­um, der Apo­sto­li­schen Kon­sti­tu­ti­on zur Reform der Römi­schen Kurie; der Syn­ode und der Syn­oda­li­tät „als Instru­ment und Stil der Zusam­men­ar­beit“; sowie der Lit­ur­gie, „Quel­le und Höhe­punkt des christ­li­chen Lebens“.

Leo XIV. füg­te jedoch hin­zu, daß „auf­grund der zeit­li­chen Begren­zun­gen und um eine wirk­lich ver­tief­te Ana­ly­se zu för­dern, nur zwei die­ser The­men im ein­zel­nen behan­delt wer­den“. Die Kar­di­nä­le wur­den gebe­ten anzu­ge­ben, wel­che bei­den The­men sie bevor­zug­ten. Nach Anga­ben des Vati­kan­spre­chers Matteo Bruni ent­schied sich „eine gro­ße Mehr­heit“ für „die Evan­ge­li­sie­rung und die mis­sio­na­ri­sche Tätig­keit der Kir­che in der Neu­in­ter­pre­ta­ti­on von Evan­ge­lii Gau­di­um“ sowie für „die Syn­ode und die Syn­oda­li­tät“. Der Papst dank­te für die­se Ent­schei­dung und stell­te klar: „Die ande­ren The­men sind nicht ver­lo­ren­ge­gan­gen. Es gibt sehr kon­kre­te und spe­zi­fi­sche Fra­gen, denen wir uns wei­ter­hin wid­men müssen.“

Nun stellt sich die Fra­ge, war­um vier The­men ange­kün­digt wer­den, wohl wis­send, daß nur zwei bespro­chen wer­den könn­ten. Die­se Fra­ge wird umso drän­gen­der, da es der Papst selbst ist, der die knap­pe Zeit beklagt, der die Dau­er des Kon­si­sto­ri­ums fest­setzt. Wie bereits an ande­rer Stel­le geschrie­ben, hät­te er pro­blem­los drei oder auch vier Tage für das Kon­si­sto­ri­um ver­an­schla­gen können.

Vor­erst sind die nicht behan­del­ten The­men mumaß­lich auf das näch­ste außer­or­dent­li­che Kon­si­sto­ri­um ver­tagt, das laut päpst­li­cher Ankün­di­gung in einem hal­ben Jahr statt­fin­den könnte.

Die 170 anwe­sen­den Kar­di­nä­le wur­den in den bei­den ver­gan­ge­nen Tagen in 20 Grup­pen ein­ge­teilt, die ihrer­seits in zwei Blöcke auf­ge­teilt waren: einen mit in Rom ansäs­si­gen Kar­di­nä­len und einen wei­te­ren mit Wahl­be­rech­tig­ten aus den Orts­kir­chen. Aus Zeit­grün­den erstat­te­ten ledig­lich die Ver­tre­ter des zwei­ten Blocks Bericht, wobei jeder Bei­trag auf drei Minu­ten begrenzt war. Der Papst maß dem Zuhö­ren die­ser Grup­pe beson­de­re Bedeu­tung bei, da es für ihn „natur­ge­mäß leich­ter ist, jene um Rat zu fra­gen, die in der Kurie arbei­ten und in Rom leben“.

Die­se Ent­schei­dung hat nicht nur Tra­di­tio­na­li­sten ent­täuscht, für die die Lit­ur­gie ein neur­al­gi­sches The­ma dar­stellt nach den von Papst Fran­zis­kus ver­füg­ten Ein­schrän­kun­gen des über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus. Leo XIV. setz­te bis­her kei­nen kon­kre­ten Schritt, um die Wun­de, die Fran­zis­kus mit Tra­di­tio­nis cus­to­des geschla­gen hat, zu hei­len und zu beseitigen.

Der tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Blog Mes­sa in Lati­no berich­te­te, bereits am 7. Janu­ar hät­ten sich Kar­di­nä­le „ent­mu­tigt und ent­täuscht“ gezeigt. MiL-Her­aus­ge­ber Lui­gi Casa­li­ni kom­men­tier­te am 8. Janu­ar: „Wem hat der Papst die­se Ent­schei­dung über­tra­gen und nach wel­chen Kri­te­ri­en […], um de fac­to zwei The­men zu strei­chen?“ Er frag­te zudem, wes­halb die lit­ur­gisch sen­si­blen Kar­di­nä­le nicht „ver­sucht hät­ten, Druck aus­zu­üben“, und stell­te eine Kon­ti­nui­tät mit den Syn­oden unter Fran­zis­kus fest, die zu die­sem The­ma geschwie­gen hätten.

Bruni ver­si­cher­te hin­ge­gen: „Die bei­den ande­ren The­men wer­den auf die eine oder ande­re Wei­se den­noch behan­delt wer­den, denn die Mis­si­on schließt die Lit­ur­gie nicht aus.“ Er füg­te hin­zu, daß „in der Mis­si­on und in der Evan­ge­li­sie­rung die Lit­ur­gie ent­hal­ten ist“, wie der Papst her­vor­ge­ho­ben habe.

Bis­her wur­de nicht bekannt, daß das The­ma trotz der anders gestell­ten Wei­chen im Zuge der auch äußerst knapp bemes­se­nen frei­en Wort­mel­dun­gen auf­ge­grif­fen wur­de. Dazu wer­den sicher noch Details bekannt wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va (Screen­shot)

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