Von Cristina Siccardi*
Bei seiner Geburt offenbarte sich unser Herr in Bethlehem der Welt, blieb dann jedoch verborgen in Ägypten zur Zeit des Kindermords und kehrte nach Hause zurück, wo er sich im privaten Rahmen der heiligen Familie in Nazareth aufhielt – abgesehen von der Episode, in der er sich von der heiligen Mutter und von Joseph entfernte, um mit den Lehrern im Tempel von Jerusalem zu disputieren. Danach offenbarte er sich erneut der Welt für drei Jahre, bis zu seinem öffentlichen Martyrium auf Golgatha.
Der Tag der Epiphanie, aus dem Griechischen übersetzt „Erscheinung“ oder „Manifestation“, ist für den Katholizismus von entscheidender Bedeutung, da er zeigt, daß Jesus von Anfang an der universale Heiland und König des Universums ist. Die Engel kündigten den Hirten die Ankunft des Immanuel an, damit sie ihn anbeten, und der Stern von Bethlehem führte die Heiligen Drei Könige, die aus dem Osten gekommen waren, zur Krippe, wo sie ihm ihre symbolischen Gaben darbrachten. Damit sind alle Völker aller sozialen Schichten aufgerufen und werden weiterhin aufgerufen, im Sohn Gottes den einzigen Erlöser zu erkennen.
Der heiliger Augustinus sagt dazu: „Letztlich hat Christus, der das Reich des Teufels mit geistlichen Waffen in der ganzen Welt vernichten würde, schon als Kind […] den Weisen, die er zu sich bekehrt hatte, die Herrschaft der Abgötterei entzogen und sie von der Pest jener Aberglaubenslehre entfernt, um von ihnen angebetet zu werden. Noch bevor er auf dieser Erde Worte sprach, sprach er bereits vom Himmel aus durch den Stern und zeigte, wer er war, warum er kam und für wen er kam, nicht mit menschlicher Stimme, sondern durch die Macht des Wortes, das Fleisch geworden ist. Dieses Wort, das im Anfang Gott bei Gott war, ist auch Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen: Es war zu uns gekommen und blieb beim Vater. Im Himmel verließ es die Engel nicht, und auf Erden rief es die Menschen durch die Engel zu sich; als Wort strahlte es vor den himmlischen Geistern in unveränderlicher Wahrheit, und obwohl es nur eine enge Zuflucht fand, lag es in einer Krippe. Im Himmel ließ es den Stern erscheinen, auf Erden machte es sich bekannt, um angebetet zu werden“ (Sermon 202, Epiphanie des Herrn).
Die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit wurde mit unermeßlicher Demut auf die Erde geboren, aber als Herrscher angebetet. Das Krippenbild soll genau dies darstellen: Jedes darin enthaltene Element spricht von Anbetung – von der allheiligen Maria bis zu Joseph, vom Ochsen bis zum Esel, von den Schafen bis zu den Gänsen, von den Küken bis zu den Hunden, von den Hirten bis zu den Waschfrauen, von den Kieselsteinen bis zum Moos, vom Stern bis zu seinen Begleitsternen, von den Brunnen bis zu den Hühnerställen, von den Bäckern bis zu den Kastanienverkäufern, von den Fischern bis zu den Schustern, von den Landarbeiterinnen bis zu den Heiligen Drei Königen… alles ist ein außergewöhnlicher Hymnus der Anbetung Jesu im Zauber von Einfachheit, Schönheit und universeller Ordnung.
„Verbum caro factum est“ – das Wort ist Fleisch geworden – und in ihm, so erklärt der heilige Augustinus, waren wir vorausgebildet, für die er starb, um uns zu erheben. Deshalb nahm er von den Heiligen Drei Königen nicht nur Gold als Zeichen der Ehre, nicht nur Weihrauch als Zeichen der Anbetung, sondern auch Myrrhe als Zeichen des Begräbnisses entgegen. Darüber hinaus „zeigte er in den von Herodes getöteten Kindern die Unschuld und Güte derer, die um seines Namens willen sterben würden“ (ebenda).
Die Epiphanie feiert die universale Anbetung des Erlösers und zugleich die Universalität der Kirche: Immanuel, „Gott mit uns“, kam auf die Erde, um jeden zur Wahrheit zu rufen und den Weg zu zeigen, wie man sie erreicht und das Heil erlangt. Die Heiligen Drei Könige, die der ererbten Priesterkaste der zoroastrischen Religion angehörten, glaubten an die himmlischen Zeichen („Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes“ – Ps 19,2), verstanden sie und wandten sich von der heidnischen Abgötterei ab, um sich Christus, dem König, zu unterwerfen.
Diese obersten Priester verlangten von Maria und Joseph nicht, das göttliche Kind in ihrer Religion zu erziehen; vielmehr wurden sie am Beginn der Offenbarung der Wahrheit bekehrt. Sie suchten keinen Dialog, keine Debatte, keinen Meinungsaustausch; sie brachten weder ihre Erfahrung noch ihre Interpretationen ein, sondern knieten demütig vor dem Weg, der Wahrheit und dem Leben nieder. Die Epiphanie feiert daher nicht den Ökumenismus, sondern die Universalität unseres Herrn und seiner Kirche, also den Liebesruf Gottes an die Heiden zur Glaubensannahme. Den Platz des Sterns hat das Evangelium eingenommen, das weiterhin jeden zur Umkehr führt durch den Gesalbten Gottes.
Marco Polo berichtet, daß er um 1270 die Gräber der Weisen, der ersten bekehrten Heiden, in der Stadt Saba südlich von Teheran besucht habe: „In Persien gibt es die Stadt, die Saba genannt wird, von der aus die drei Könige aufbrachen, um Gott bei seiner Geburt anzubeten. In dieser Stadt sind die drei Weisen in einem schönen Grab beigesetzt, und sie sind noch vollständig mit Bart und Haaren: Der eine hieß Balthasar, der andere Gaspar, der dritte Melchior.“ (Il Milione, Kap. 30)
Der Kirchenlehrer, der heilige Augustinus, lehrt mit klaren, eindringlichen, zugleich liebevollen Worten, die die Seele der Christen seiner Zeit, der Gegenwart und aller Zeiten fesseln: Er lädt die Gläubigen zur Umkehr und zur Zeugenschaft ihres Glaubens ein:
„So sollen auch wir, liebe Brüder, für die jene Weisen die Erstlinge waren; wir, das Erbe Christi, das bis an die äußersten Grenzen der Erde verstreut ist; wir, für die die Hartnäckigkeit eines Teils Israels geschehen ist, damit die Gesamtheit der Heiden eintreten konnte: Jetzt, da wir den Herrn und Heiland Jesus Christus erkannt haben, der, um uns zu ermutigen, bei seiner Geburt Zuflucht in einer engen Hütte fand und nun zu unserer Erhöhung im Himmel sitzt, müssen wir ihn hier auf Erden bezeugen, in dieser Wohnung unseres Körpers, damit wir den Weg, auf dem wir gekommen sind, nicht wieder beschreiten und nicht in die Spuren unseres früheren Lebens zurückfallen. Dies bedeutet, daß die Weisen nicht denselben Weg zurückgingen, auf dem sie gekommen waren. Indem sie den Weg änderten, änderte sich auch ihr Leben. Auch für uns haben die Himmel die Herrlichkeit Gottes verkündet; auch wir wurden durch die Wahrheit, die im Evangelium leuchtet, zur Anbetung Christi geführt, wie durch einen Stern am Himmel; auch wir haben treu die Prophezeiung gehört, die im Volk Israel ertönte – als Zeugnis gegen die Juden, die nicht mit uns kamen; auch wir haben Christus, unseren König und Priester, der für uns starb, erkannt und gelobt und geehrt, als hätten wir Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht; es bleibt uns nur, dies zu bezeugen, indem wir einen neuen Weg gehen, einen anderen als den, auf dem wir gekommen sind.“
*Cristina Siccardi, Historikerin und Publizistin, zu ihren jüngsten Buchpublikationen gehören „L’inverno della Chiesa dopo il Concilio Vaticano II“ (Der Winter der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Veränderungen und Ursachen, 2013); „San Pio X“ („Der heilige Pius X. Das Leben des Papstes, der die Kirche geordnet und erneuert hat“, 2014), „San Francesco“ („Heiliger Franziskus. Eine der am meisten verzerrten Gestalten der Geschichte“, 2019), „Quella messa così martoriata e perseguitata, eppur così viva!“ „Diese so geschlagene und verfolgte und dennoch so lebendige Messe“ zusammen mit P. Davide Pagliarani, 2021), „Santa Chiara senza filtri“ („Die heilige Klara ungefiltert. Ihre Worte, ihre Handlungen, ihr Blick“, 2024),
Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana
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