Die Heiligen Drei Könige und die Epiphanie

"Wir haben treu die Prophezeiung gehört"


Anbetung der Heiligen Drei Könige in Bethlehem
Anbetung der Heiligen Drei Könige in Bethlehem

Von Cri­sti­na Siccardi*

Bei sei­ner Geburt offen­bar­te sich unser Herr in Beth­le­hem der Welt, blieb dann jedoch ver­bor­gen in Ägyp­ten zur Zeit des Kin­der­mords und kehr­te nach Hau­se zurück, wo er sich im pri­va­ten Rah­men der hei­li­gen Fami­lie in Naza­reth auf­hielt – abge­se­hen von der Epi­so­de, in der er sich von der hei­li­gen Mut­ter und von Joseph ent­fern­te, um mit den Leh­rern im Tem­pel von Jeru­sa­lem zu dis­pu­tie­ren. Danach offen­bar­te er sich erneut der Welt für drei Jah­re, bis zu sei­nem öffent­li­chen Mar­ty­ri­um auf Golgatha.

Der Tag der Epi­pha­nie, aus dem Grie­chi­schen über­setzt „Erschei­nung“ oder „Mani­fe­sta­ti­on“, ist für den Katho­li­zis­mus von ent­schei­den­der Bedeu­tung, da er zeigt, daß Jesus von Anfang an der uni­ver­sa­le Hei­land und König des Uni­ver­sums ist. Die Engel kün­dig­ten den Hir­ten die Ankunft des Imma­nu­el an, damit sie ihn anbe­ten, und der Stern von Beth­le­hem führ­te die Hei­li­gen Drei Köni­ge, die aus dem Osten gekom­men waren, zur Krip­pe, wo sie ihm ihre sym­bo­li­schen Gaben dar­brach­ten. Damit sind alle Völ­ker aller sozia­len Schich­ten auf­ge­ru­fen und wer­den wei­ter­hin auf­ge­ru­fen, im Sohn Got­tes den ein­zi­gen Erlö­ser zu erkennen.

Der hei­li­ge Augu­sti­nus sagt dazu: „Letzt­lich hat Chri­stus, der das Reich des Teu­fels mit geist­li­chen Waf­fen in der gan­zen Welt ver­nich­ten wür­de, schon als Kind […] den Wei­sen, die er zu sich bekehrt hat­te, die Herr­schaft der Abgöt­te­rei ent­zo­gen und sie von der Pest jener Aber­glau­bens­leh­re ent­fernt, um von ihnen ange­be­tet zu wer­den. Noch bevor er auf die­ser Erde Wor­te sprach, sprach er bereits vom Him­mel aus durch den Stern und zeig­te, wer er war, war­um er kam und für wen er kam, nicht mit mensch­li­cher Stim­me, son­dern durch die Macht des Wor­tes, das Fleisch gewor­den ist. Die­ses Wort, das im Anfang Gott bei Gott war, ist auch Fleisch gewor­den, um unter uns zu woh­nen: Es war zu uns gekom­men und blieb beim Vater. Im Him­mel ver­ließ es die Engel nicht, und auf Erden rief es die Men­schen durch die Engel zu sich; als Wort strahl­te es vor den himm­li­schen Gei­stern in unver­än­der­li­cher Wahr­heit, und obwohl es nur eine enge Zuflucht fand, lag es in einer Krip­pe. Im Him­mel ließ es den Stern erschei­nen, auf Erden mach­te es sich bekannt, um ange­be­tet zu wer­den“ (Ser­mon 202, Epi­pha­nie des Herrn).

Die zwei­te Per­son der Hei­li­gen Drei­fal­tig­keit wur­de mit uner­meß­li­cher Demut auf die Erde gebo­ren, aber als Herr­scher ange­be­tet. Das Krip­pen­bild soll genau dies dar­stel­len: Jedes dar­in ent­hal­te­ne Ele­ment spricht von Anbe­tung – von der all­hei­li­gen Maria bis zu Joseph, vom Och­sen bis zum Esel, von den Scha­fen bis zu den Gän­sen, von den Küken bis zu den Hun­den, von den Hir­ten bis zu den Wasch­frau­en, von den Kie­sel­stei­nen bis zum Moos, vom Stern bis zu sei­nen Begleit­ster­nen, von den Brun­nen bis zu den Hüh­ner­stäl­len, von den Bäckern bis zu den Kasta­ni­en­ver­käu­fern, von den Fischern bis zu den Schu­stern, von den Land­ar­bei­te­rin­nen bis zu den Hei­li­gen Drei Köni­gen… alles ist ein außer­ge­wöhn­li­cher Hym­nus der Anbe­tung Jesu im Zau­ber von Ein­fach­heit, Schön­heit und uni­ver­sel­ler Ordnung.

„Ver­bum caro fac­tum est“ – das Wort ist Fleisch gewor­den – und in ihm, so erklärt der hei­li­ge Augu­sti­nus, waren wir vor­aus­ge­bil­det, für die er starb, um uns zu erhe­ben. Des­halb nahm er von den Hei­li­gen Drei Köni­gen nicht nur Gold als Zei­chen der Ehre, nicht nur Weih­rauch als Zei­chen der Anbe­tung, son­dern auch Myr­rhe als Zei­chen des Begräb­nis­ses ent­ge­gen. Dar­über hin­aus „zeig­te er in den von Hero­des getö­te­ten Kin­dern die Unschuld und Güte derer, die um sei­nes Namens wil­len ster­ben wür­den“ (eben­da).

Die Epi­pha­nie fei­ert die uni­ver­sa­le Anbe­tung des Erlö­sers und zugleich die Uni­ver­sa­li­tät der Kir­che: Imma­nu­el, „Gott mit uns“, kam auf die Erde, um jeden zur Wahr­heit zu rufen und den Weg zu zei­gen, wie man sie erreicht und das Heil erlangt. Die Hei­li­gen Drei Köni­ge, die der ererb­ten Prie­ster­ka­ste der zoro­a­stri­schen Reli­gi­on ange­hör­ten, glaub­ten an die himm­li­schen Zei­chen („Die Him­mel ver­kün­den die Herr­lich­keit Got­tes“ – Ps 19,2), ver­stan­den sie und wand­ten sich von der heid­ni­schen Abgöt­te­rei ab, um sich Chri­stus, dem König, zu unterwerfen.

Die­se ober­sten Prie­ster ver­lang­ten von Maria und Joseph nicht, das gött­li­che Kind in ihrer Reli­gi­on zu erzie­hen; viel­mehr wur­den sie am Beginn der Offen­ba­rung der Wahr­heit bekehrt. Sie such­ten kei­nen Dia­log, kei­ne Debat­te, kei­nen Mei­nungs­aus­tausch; sie brach­ten weder ihre Erfah­rung noch ihre Inter­pre­ta­tio­nen ein, son­dern knie­ten demü­tig vor dem Weg, der Wahr­heit und dem Leben nie­der. Die Epi­pha­nie fei­ert daher nicht den Öku­me­nis­mus, son­dern die Uni­ver­sa­li­tät unse­res Herrn und sei­ner Kir­che, also den Lie­bes­ruf Got­tes an die Hei­den zur Glau­bens­an­nah­me. Den Platz des Sterns hat das Evan­ge­li­um ein­ge­nom­men, das wei­ter­hin jeden zur Umkehr führt durch den Gesalb­ten Gottes.

Mar­co Polo berich­tet, daß er um 1270 die Grä­ber der Wei­sen, der ersten bekehr­ten Hei­den, in der Stadt Saba süd­lich von Tehe­ran besucht habe: „In Per­si­en gibt es die Stadt, die Saba genannt wird, von der aus die drei Köni­ge auf­bra­chen, um Gott bei sei­ner Geburt anzu­be­ten. In die­ser Stadt sind die drei Wei­sen in einem schö­nen Grab bei­gesetzt, und sie sind noch voll­stän­dig mit Bart und Haa­ren: Der eine hieß Bal­tha­sar, der ande­re Gas­par, der drit­te Mel­chi­or.“ (Il Mili­o­ne, Kap. 30)

Der Kir­chen­leh­rer, der hei­li­ge Augu­sti­nus, lehrt mit kla­ren, ein­dring­li­chen, zugleich lie­be­vol­len Wor­ten, die die See­le der Chri­sten sei­ner Zeit, der Gegen­wart und aller Zei­ten fes­seln: Er lädt die Gläu­bi­gen zur Umkehr und zur Zeu­gen­schaft ihres Glau­bens ein:

„So sol­len auch wir, lie­be Brü­der, für die jene Wei­sen die Erst­lin­ge waren, umkeh­ren und Zeu­gen sein; wir, das Erbe Chri­sti, das bis an die äußer­sten Gren­zen der Erde ver­streut ist; wir, für die die Hart­näckig­keit eines Teils Isra­els gesche­hen ist, damit die Gesamt­heit der Hei­den ein­tre­ten konn­te: Jetzt, da wir den Herrn und Hei­land Jesus Chri­stus erkannt haben, der, um uns zu ermu­ti­gen, bei sei­ner Geburt Zuflucht in einer engen Hüt­te fand und nun zu unse­rer Erhö­hung im Him­mel sitzt, müs­sen wir ihn hier auf Erden bezeu­gen, in die­ser Woh­nung unse­res Kör­pers, damit wir den Weg, auf dem wir gekom­men sind, nicht wie­der beschrei­ten und nicht in die Spu­ren unse­res frü­he­ren Lebens zurück­fal­len. Dies bedeu­tet, daß die Wei­sen nicht den­sel­ben Weg zurück­gin­gen, auf dem sie gekom­men waren. Indem sie den Weg änder­ten, änder­te sich auch ihr Leben. Auch für uns haben die Him­mel die Herr­lich­keit Got­tes ver­kün­det; auch wir wur­den durch die Wahr­heit, die im Evan­ge­li­um leuch­tet, zur Anbe­tung Chri­sti geführt, wie durch einen Stern am Him­mel; auch wir haben treu die Pro­phe­zei­ung gehört, die im Volk Isra­el ertön­te – als Zeug­nis gegen die Juden, die nicht mit uns kamen; auch wir haben Chri­stus, unse­ren König und Prie­ster, der für uns starb, erkannt und gelobt und geehrt, als hät­ten wir Gold, Weih­rauch und Myr­rhe dar­ge­bracht; es bleibt uns nur, dies zu bezeu­gen, indem wir einen neu­en Weg gehen, einen ande­ren als den, auf dem wir gekom­men sind.“

*Cri­sti­na Sic­car­di, Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin, zu ihren jüng­sten Buch­pu­bli­ka­tio­nen gehö­ren „L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II“ (Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Ver­än­de­run­gen und Ursa­chen, 2013); „San Pio X“ („Der hei­li­ge Pius X. Das Leben des Pap­stes, der die Kir­che geord­net und erneu­ert hat“, 2014), „San Fran­ces­co“ („Hei­li­ger Fran­zis­kus. Eine der am mei­sten ver­zerr­ten Gestal­ten der Geschich­te“, 2019), „Quella mes­sa così mar­to­ria­ta e per­se­gui­ta­ta, eppur così viva!“ „Die­se so geschla­ge­ne und ver­folg­te und den­noch so leben­di­ge Mes­se“ zusam­men mit P. Davi­de Pagli­a­ra­ni, 2021), „San­ta Chia­ra sen­za fil­tri“ („Die hei­li­ge Kla­ra unge­fil­tert. Ihre Wor­te, ihre Hand­lun­gen, ihr Blick“, 2024), 

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana

3 Kommentare

  1. Um die Her­kunft der hl. 3 Köni­ge gibt es unter­schied­li­che Anga­ben. Plau­si­ble Grün­de spre­chen für ihre Her­kunft nach Anga­ben der Autorin Frau Sic­car­di aus der Stadt Saba in Per­si­en. Sie wer­den in der Bibel als Mager bzw. Magi­er bezeich­net und tra­gen auf Abbil­dun­gen alt-per­si­sche Tracht wie sie über Jahr­hun­der­te lang üblich war. Die Per­ser gal­ten noch zur Zeit des Königs Hero­des als Freun­de der Juden und die 3 Wei­sen wur­den auch dem­ge­mäß in Jeru­sa­lem auf­ge­nom­men. Par­ther und Meder wer­den als erste beim Pfingst­er­eig­nis in der Apo­stel­ge­schich­te erwähnt.
    Die Tra­di­ti­on erwähnt auch einen schwarz­häu­ti­gen Wei­sen, einen Negriden.
    Nach den Schau­un­gen der Maria Val­t­or­ta aber kamen von den 3 Wei­sen einer aus dem Quell­ge­bie­ten des Nils (ver­mut­lich Äthio­pi­en), ein ande­rer aus den Gebie­ten Persiens/​Afghanistans (ein Ari­er) und ein Drit­ter aus den Step­pen Inner­asi­ens (ein Mongole).
    Seit Jahr­hun­der­ten wer­den die Gebei­ne der hl. 3 Köni­ge im Köl­ner Dom verehrt.

  2. Es gab aber auch die „Wei­sen aus dem Mor­gen­land“, die als stern­deu­ten­de Magi­er-Prie­ster bzw. „Magoi aus dem Osten“ im Ori­gi­nal-Text des Neu­en Testa­men­tes der Bibel zu Jesu Chri­sti Geburt kamen. Damit wohn­ten sie der Erfül­lung der Pro­phe­zei­ung des Pro­phe­ten Dani­el aus dem alten Testa­ment der Bibel bei bzw. bestä­tig­ten die­se, näm­lich das Kom­men des „Men­schen­soh­nes“ als gött­li­cher Erlö­ser, wie es auch von der alten mono­the­isti­schen per­sisch-medi­schen Reli­gi­on des Zara­thu­stris­mus bzw. Zoro­a­stris­mus bzw. Par­sis­mus nach dem Pro­phe­ten Zara­thu­stra oder Zoro­a­ster geweis­sagt wur­de. Jesus Chri­stus führ­te die­sen spi­ri­tu­el­len Hoheits­ti­tel „Men­schen­sohn“ auch selbst im Neu­en Testa­ment der Bibel. Der Pro­phet Dani­el wur­de im alten Testa­ment zum „Rab-Mag“ ernannt, dem Ober-Magi­er bzw. Vor­ste­her über die Wei­sen und Zei­chen­deu­ter und Magi­er-Prie­ster bzw. „Magoi“ und Astro­lo­gen bzw. Sterndeuter.
    Sie­he im alten Testa­ment der Bibel auch Dani­el 4:9; 5:11.

    Infor­ma­ti­on: Die Reli­gi­on Zara­thu­stras (Par­sen) und Jesus Christus.

    https://​www​.chri​stus​we​ge​.net/​t​h​e​m​e​n​/​p​a​r​s​i​s​m​u​s​.​htm

    In der per­sisch-medi­schen Reli­gi­on des Zara­thu­stris­mus bzw. Zoro­a­stris­mus bzw. Par­sis­mus gab es auch eben „magi­sche“ Ritua­le, benannt nach den „Mag­hav“ oder „Magoi“ als Magi­er-Prie­stern, die auch im Neu­en Testa­ment der Bibel als spä­ter soge­nann­te „Wei­se aus dem Mor­gen­land“ oder „Hei­li­ge drei Köni­ge“ vorkommen.
    Der Pro­phet Dani­el wur­de im Alten Testa­ment zum „Rab-Mag“ ernannt, dies war der Titel des Ober-Magi­ers und Vor­ste­hers über die Magi­er-Prie­ster und Stern­deu­ter und Wei­sen. Er pro­phe­zei­te das Kom­men des „Men­schen­soh­nes“ als auch von den Zara­thu­stri­ern oder Par­sen erwar­te­ten gött­li­chen Erlö­ser. Jesus Chri­stus ver­wand­te die Eigen­be­zeich­nung „Men­schen­sohn“ als spi­ri­tu­el­ler Hoheits­ti­tel im Neu­en Testa­ment der Bibel auch selbst. Die „Magoi aus dem Osten“ im Neu­en Testa­ment der Bibel bestä­tig­ten die Erfül­lung jener Pro­phe­zei­ung aus dem Alten Testa­ment des Pro­phe­ten Dani­el deren Ein­tref­fen sie erwar­te­ten. Und hul­dig­ten Jesus Chri­stus als spi­ri­tu­el­len König des neu­en Äons. Die­se Magi­er-Prie­ster der Reli­gi­on des per­sisch-medi­schen Pro­phe­ten Zara­thu­stra waren auch in der Astro­lo­gie kun­dig, und der Pro­phet Dani­el war als „Rab-Mag“ laut Altem Testa­ment der Bibel aus­drück­lich das Ober­haupt der Magi­er und Wei­sen und Astro­lo­gen und Zei­chen­deu­ter. Der dama­li­ge Vor­ste­her auch des Par­sis­mus am Hofe des Königs.

    Auch steht im Neu­en Testa­ment der Bibel, dass Moses „unter­rich­tet in aller Weis­heit der Ägyp­ter“ war und „mäch­tig in Wor­ten und Wer­ken“, er wand­te die­se Weis­heit also auch an und ver­wand­te sie auch nach­weis­lich im alten Testa­ment der Bibel (sie­he auch Stephanusrede).

    https://​www​.bible​ser​ver​.com/​d​e​/​v​e​r​s​e​/​A​p​o​s​t​e​l​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​7​,22

  3. https://​www​.livenet​.ch/​n​e​w​s​/​d​i​v​e​r​s​e​/​1​0​8​426

    Wei­se Männer
    „Als nun die Satra­pen den Besti­en vor­ge­wor­fen waren, erkann­te Dari­us die wun­der­ba­re Ret­tung Dani­els. Denn die Löwen ver­schon­ten kei­nen ein­zi­gen, son­dern zer­ris­sen sie alle, als wenn sie noch hung­rig und nach Nah­rung begie­rig wären. (…) Als so die Fein­de Dani­els umge­kom­men waren, liess der König Dari­us im gan­zen Lan­de ver­kün­den, man sol­le den Gott ver­herr­li­chen, den Dani­el anbe­te, denn er sei der wah­re und all­mäch­ti­ge Gott. Den Dani­el aber hielt er nach wie vor in hohen Ehren und mach­te ihn zu sei­nem ersten Freun­de. Als Dani­el so den Gip­fel sei­nes Ruh­mes erstie­gen hat­te, erbau­te er, der beson­de­re Lieb­ling Got­tes, in der medi­schen Stadt Ekba­ta­na einen pracht­vol­len und wun­der­bar anzu­schau­en­den Turm, der noch heu­te steht. Wer ihn sieht, könn­te glau­ben, er sei erst jüngst erbaut wor­den, so wohl­erhal­ten und frisch bie­tet er sich dem Auge dar, ohne vom Zah­ne der Zeit gelit­ten zu haben. In die­sem Turm wur­den die Köni­ge der Meder, der Per­ser und Par­ther bestat­tet, und die Obhut über ihn ist noch heu­te einem jüdi­schen Prie­ster anver­traut. Es geziemt sich, die­se wun­der­ba­ren Ereig­nis­se aus dem Leben Dani­els hier mit­zu­tei­len; denn alles gedieh ihm, wie einem der gröss­ten Pro­phe­ten, zu unver­hoff­tem Glücke, und er genoss nicht nur wäh­rend sei­nes Lebens die höch­ste Ehre und Aus­zeich­nung beim Köni­ge wie beim Vol­ke, son­dern hin­ter­liess auch nach sei­nem Tode ein unsterb­li­ches Andenken. Die von ihm ver­fass­ten Schrif­ten wer­den noch heu­te bei uns gele­sen und bewei­sen, dass Dani­el im Ver­kehr mit Gott gestan­den hat. Denn er sagt nicht bloss, wie ande­re Seher, die zukünf­ti­gen Ereig­nis­se vor­aus, son­dern bestimmt auch die Zeit, wann sie ein­tref­fen wer­den. Und wäh­rend die ande­ren Seher Unglücks­pro­phe­ten und des­halb bei König und Volk ver­hasst waren, war Dani­el ein Ver­kün­di­ger des Glückes, so dass er durch die glän­zen­den Bil­der, die er von der Zukunft ent­warf, all­ge­mei­ne Beliebt­heit erlang­te. Weil aber sei­ne Weis­sa­gun­gen sich so bestimmt erfüll­ten, wur­de er von dem Vol­ke nicht nur zu den Wahr­sa­gern, son­dern auch zu den Gott­ge­sand­ten gerech­net. Aus sei­nen Schrif­ten kann man sei­ne Weis­sa­gun­gen in unver­än­der­ter und glaub­haf­ter Gestalt ent­neh­men“ (Anti­qui­ta­tes X,11,6.7).

    Ver­mächt­nis des Pro­phe­ten Daniel
    Das fer­ne Berg­hei­lig­tum bei den Per­sern, auf dem schon immer das Kom­men des Erlö­sers zusam­men mit dem Auf­schei­nen eines Ster­nes erwar­tet wur­de, ist zwei­fel­los in Ekba­ta­na zu suchen. Und was könn­te es ande­res sein, als das von Dani­el erbau­te Mau­so­le­um, von dem uns Jose­phus berich­tet? Der vom jüdi­schen Geschichts­schrei­ber geprie­se­ne Turm dien­te mit Sicher­heit nicht nur der Bestat­tung der medi­schen, per­si­schen und par­t­hi­schen Könige!

    Ange­sichts der aus­ge­zeich­ne­ten Höhen­la­ge von Ekba­ta­na war er gera­de­zu für die Beob­ach­tung des Ster­nen­him­mels prä­de­sti­niert. Dies dürf­te dann auch der ursprüng­li­che Ver­wen­dungs­zweck gewe­sen sein, für wel­chen ihn Dani­el als Ober­ster der Astronomen/​Astrologen Baby­lons (vgl. Dan. 5,11.12) und wohl auch der medi­schen Gelehr­ten (vgl. 6,4), erbau­en liess. Es ist kaum wahr­schein­lich, dass der von Jose­phus erwähn­te Turm iden­tisch ist mit der „Festung Ach­me­ta“, in der das berühm­te Edikt von Kyrus betreffs dem Wie­der­auf­bau des jüdi­schen Tem­pels auf­ge­fun­den wur­de. Die­se Bege­ben­heit ist in Esra 6,1–2 nach­zu­le­sen: „Dar­auf erliess der König Dari­us einen Befehl, und man forsch­te in Babel nach im Urkun­den­haus, wo man die Schät­ze nie­der­leg­te. Und es wur­de zu Ach­me­ta, in der Festung, die in der Pro­vinz Medi­en (liegt), eine Schrift­rol­le gefun­den, und dar­in war fol­gen­des geschrieben: (…)“

    Aber mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit wur­de der von Dani­el erbau­te Turm noch für einen drit­ten Zweck ver­wen­det: Er dien­te als Archiv, gleich wie die bibli­sche „Festung Ach­me­ta“. In die­sem Sin­ne bestand die Auf­ga­be des jüdi­schen Prie­sters, der auch nach der Zei­ten­wen­de noch die Obhut über den Turm inne­hat­te, in nichts ande­rem als der Ver­wah­rung des schrift­li­chen Ver­mächt­nis­ses des gro­ssen Pro­phe­ten Daniel!

    Dani­el hin­ter­liess sei­ne Spu­ren aller­dings nicht nur in Ekba­ta­na, son­dern auch in Susa, der Win­ter­re­si­denz der Achä­men­i­den. Bei Mai­er kön­nen wir über die­se Stadt lesen: „Biblisch gese­hen ist Susa mehr­fach wich­tig gewor­den: Es ist die Stadt Dani­els, die Stadt Esthers und Mar­dochais, die Stadt Neh­emi­as und kommt als Teil Elams auch in der Pro­phe­tie vor.„16 In der Festung von Susa emp­fing Dani­el das Gesicht vom Wid­der und Zie­gen­bock. Nach schii­ti­scher Tra­di­ti­on liegt Dani­el in Susa begra­ben; sein Mau­so­le­um wird daselbst noch heu­te verehrt17. Wäre es nicht auch mög­lich, dass die gewis­ser­ma­ssen von Dani­el gesand­ten Magoi, von Susa aus nach dem jüdi­schen Land auf­bra­chen? Nein, denn sie tätig­ten ja ihre Beob­ach­tun­gen im Som­mer und Früh­herbst des Jah­res 3 v. Chr. von der Som­mer­re­si­denz der par­t­hi­schen Köni­ge in Ekba­ta­na aus!

    Waren der Sache sicher
    War­um frag­ten die Magi­er in Jeru­sa­lem so gewiss nach dem „König der Juden“.(Was wuss­ten die Stern­deu­ter von Dani­el, was hat er ihnen gesagt? Zur Haupt­sa­che sind es zwei her­aus­ra­gen­de Fak­ten, die zum Zug der Magoi von Ekba­ta­na nach Jeru­sa­lem und schliess­lich nach Beth­le­hem führten:

    - Das Ver­mächt­nis Dani­els beinhal­tet astro­no­mi­sches Wis­sen, auf­grund des­sen die Ster­n­er­schei­nung längst vor­aus­be­rech­net war.

    - Dani­el sag­te nicht nur zukünf­ti­ge Ereig­nis­se vor­aus, son­dern bestimm­te auch die Zeit, wann sie ein­tref­fen soll­ten. Sei­ne Vor­her­sa­gen und Schrif­ten bil­de­ten das Bin­de­glied zwi­schen den Magoi des 6. Jahr­hun­derts v. Chr. als Zeit­ge­nos­sen Dani­els und ihren Nach­fol­gern, die um die Zei­ten­wen­de wirkten.

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