Papst Leo XIV. am Grab des heiligen Scharbel

"Seine radikale wie demütige Kohärenz ist eine Botschaft für alle Christen"


Leo XIV. am Grab des heiligen Scharbel
Leo XIV. am Grab des heiligen Scharbel

Papst Leo XIV. besuch­te heu­te das Klo­ster des hei­li­gen Maron in Anna­ya im Liba­non. Dort ruht der hei­li­ge Schar­bel, ein maro­ni­ti­scher Mönch von gro­ßer Bedeu­tung für die Maro­ni­ten. In sei­ner Anspra­che am Grab des Hei­li­gen sprach Leo XIV. über des­sen Ver­mächt­nis und stell­te es in den Zusam­men­hang mit dem Leit­mo­tiv sei­nes neu­en Pon­ti­fi­kats: dem Wunsch nach Ein­heit der Kir­che. Hier die voll­stän­di­ge Ansprache:

Lie­be Brü­der und Schwestern!

Ich dan­ke dem Gene­ral­obe­ren für sei­ne Wor­te und für den Emp­fang in die­sem schö­nen Klo­ster von Anna­ya. Auch die Natur, die die­ses Haus des Gebets umgibt, zieht uns mit ihrer schlich­ten Schön­heit an.

Ich dan­ke Gott, dass er es mir ermög­licht hat, als Pil­ger zum Grab des hei­li­gen Schar­bel zu kom­men. Mei­ne Vor­gän­ger – ich den­ke dabei beson­ders an den hei­li­gen Paul VI., der ihn selig- und hei­lig­ge­spro­chen hat – hät­ten sich das sehr gewünscht.

Mei­ne Lie­ben, was lehrt uns der hei­li­ge Schar­bel heu­te? Was ist das Ver­mächt­nis die­ses Man­nes, der nichts geschrie­ben hat, der zurück­ge­zo­gen und schweig­sam leb­te, des­sen Ruhm sich aber in der gan­zen Welt ver­brei­tet hat?

Ich möch­te es so zusam­men­fas­sen: Der Hei­li­ge Geist hat ihn geformt, damit er jene, die ohne Gott leben, das Beten lehrt; jene, die im Lärm leben, die Stil­le; jene, die um des Scheins wil­len leben, die Beschei­den­heit; und jene, die nach Reich­tum stre­ben, die Armut. All dies sind Ver­hal­tens­wei­sen, die gegen den Trend gehen, aber gera­de des­halb üben sie eine Anzie­hungs­kraft auf uns aus, wie fri­sches, rei­nes Was­ser auf jeman­den, der durch die Wüste wandert.

Ins­be­son­de­re uns Bischö­fe und geweih­te Amts­trä­ger erin­nert der hei­li­ge Schar­bel an die Anfor­de­run­gen, die das Evan­ge­li­um an unse­re Beru­fung stellt. Aber sei­ne eben­so radi­ka­le wie demü­ti­ge Kohä­renz ist eine Bot­schaft für alle Christen.

Und dann gibt es noch einen wei­te­ren ent­schei­den­den Aspekt: Der hei­li­ge Schar­bel hat nie auf­ge­hört, für uns beim himm­li­schen Vater, der Quel­le alles Guten und aller Gna­de, Für­spra­che ein­zu­le­gen. Schon zu sei­nen Leb­zei­ten kamen vie­le zu ihm, um vom Herrn Trost, Ver­ge­bung und Rat zu emp­fan­gen. Nach sei­nem Tod hat sich all dies ver­viel­facht und ist wie ein Strom der Barm­her­zig­keit gewor­den. Auch aus die­sem Grund kom­men an jedem 22. eines Monats Tau­sen­de von Pil­gern aus ver­schie­de­nen Län­dern, um hier einen Tag des Gebets und der Stär­kung für See­le und Leib zu verbringen.

Schwe­stern und Brü­der, heu­te wol­len wir der Für­spra­che des hei­li­gen Schar­bel die Anlie­gen der Kir­che, des Liba­non und der Welt anver­trau­en. Für die Kir­che bit­ten wir um Gemein­schaft und Ein­heit: ange­fan­gen bei den Fami­li­en, den klei­nen Haus­kir­chen, über die Gemein­schaf­ten der Pfar­rei­en und Diö­ze­sen bis hin zur Welt­kir­che. Gemein­schaft und Ein­heit. Für die Welt bit­ten wir um Frie­den. Wir erbit­ten ihn beson­ders für den Liba­non und für die gan­ze Levan­te. Aber wir wis­sen sehr wohl – und die Hei­li­gen erin­nern uns dar­an –, dass es kei­nen Frie­den ohne eine Bekeh­rung der Her­zen gibt. Des­halb hel­fe uns der hei­li­ge Schar­bel, uns Gott zuzu­wen­den und um das Geschenk der Bekeh­rung für uns alle zu bitten.

Mei­ne Lie­ben, als Sym­bol für das Licht, das Gott hier durch den hei­li­gen Schar­bel ent­zün­det hat, habe ich eine Lam­pe als Geschenk mit­ge­bracht. Mit die­ser Lam­pe ver­traue ich den Liba­non und sein Volk dem Schutz des hei­li­gen Schar­bel an, auf dass es immer im Lich­te Chri­sti wan­deln möge. Ich dan­ke Gott für das Geschenk des hei­li­gen Schar­bel! Ich dan­ke euch, die ihr sein Andenken bewahrt. Wan­delt im Licht des Herrn!

Ein­lei­tung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati​can​.va (Screen­shot)