Die Präfektur des Päpstlichen Hauses, die schon längere Zeit über keinen Präfekten verfügt, erhielt gestern eine Ernennung – allerdings für ein anderes Amt. Seitdem Papst Franziskus Monsignore Georg Gänswein zwangsweise seines Amtes enthob – der damalige Präfekt der Präfektur – war kein Nachfolger mehr ernannt worden, Die Aufgaben des Präfekten übernahm der seit 2012 als Regent amtierende Rogationistenpater Leonardo Sapienza. Die Situation blieb so bestehen, bis nun mitgeteilt wurde, daß es einen Stellvertreter geben wird – jedoch keinen Vize-Präfekten, sondern einen Vizeregenten. Das Provisorium bleibt also weiterhin bestehen.
Im Tagesbulletin des vatikanischen Presseamts vom 10. November 2025 heißt es:
„Der Heilige Vater hat den hochwürdigen Pater Edward Daniang Daleng OSA, ehemaligen Generalrat und Generalprokurator des Augustinerordens, zum Vizeregenten der Präfektur des Päpstlichen Hauses ernannt.“
Im Pontifikat von Franziskus geriet auch die Präfektur des Päpstlichen Hauses in eine Art Havarie. Georg Gänswein, ehemaliger erster Sekretär von Papst Benedikt XVI. und nach dessen überraschendem Rücktritt weiterhin dessen persönlicher Sekretär, war 2012 zum Präfekten dieser Präfektur ernannt worden.
Da Franziskus sich offenbar nicht direkt gegen Benedikt XVI. zu stellen wagte, um keinen zu großen Teil der Kirche in Unruhe zu versetzen und gegen sich aufzubringen, mußte Gänswein faktisch als Blitzableiter herhalten. Hinter den Mauern des Vatikans wird inzwischen fast legendär erzählt, daß Franziskus Anfang 2020 einen lautstarken Wutausbruch gegenüber Gänswein hatte, nachdem Benedikt XVI. zusammen mit Kardinal Robert Sarah ein Plädoyer für das Weihesakrament und den priesterlichen Zölibat veröffentlicht hatte – ein Plädoyer, das die bergoglianischen Absichten konterkarierte, im Gefolge der Amazonassynode eben diesen Zölibat durch die exotische Amazonas-Hintertür aufzuweichen.
Gänswein wurde von seinem Amt als Präfekt der Präfektur des Päpstlichen Hauses nicht formal entlassen, aber suspendiert: Der Titel blieb ihm, doch Franziskus machte in allem deutlich, wie groß seine Mißbilligung und Distanz ist – und meinte damit Benedikt XVI.
Kaum war der deutsche Papst verstorben – dessen Leichnam Franziskus weder im Altersdomizil Mater Ecclesiae abholte noch nach dem Requiem bis in die Vatikanischen Grotten begleitete – wurde Gänswein von Franziskus auch schon als Präfekt des Päpstlichen Hauses seines Amtes enthoben. Vergeltung, Rache, Demütigung – so lautete das Programm. Er wurde nicht nur entlassen, sondern hatte auch den Vatikan und Rom zu verlassen – begleitet von niederträchtigen Seitenhieben des Franziskus-Fan-Clubs.
Gänswein trug es mit Fassung und ließ sich zu keinen Äußerungen gegen Franziskus hinreißen. Schließlich wurde er nach einem Jahr „Bewährung“, obwohl kein Berufsdiplomat, im Juni 2024 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls übernommen und als Apostolischer Nuntius in die baltischen Staaten entsandt.
Der gestern ernannte Vizeregent des Päpstlichen Hauses gehört dem Augustinerorden (ehemals Augustiner-Eremitenorden) an. Dieser stellt seit dem Übergang vom Hochmittelalter zum Spätmittelalter den Päpstlichen Sakristan und betreut auch die Pfarrei im Vatikan. Nicht zu verwechseln mit dem Petersdom: Der Vatikan selbst als Territorium bildet eine eigene Pfarrei, also Pfarrjurisdiktion, mit eigener Pfarrkirche für die dortigen Gläubigen. Papst Eugen IV. bestimmte, nachdem der Orden diese Aufgaben schon länger innehatte, daß der Päpstliche Sakristan immer aus dem Augustinerorden kommen sollte. Ein Privileg, das später von weiteren Päpsten, darunter Alexander VI. und Julius II., bestätigt wurde. Der Sakristan war eine hochrangige Funktion im Päpstlichen Haus und war gleichzeitig meist auch Pfarrer der vatikanischen Pfarrei. Erst Paul VI. hob diese exklusive Bindung des Ordens auf.
Pater Daleng stammt aus Nigeria. 2004 legte er die Ewigen Gelübde ab und wurde 2005 zum Priester geweiht. An der Päpstlichen Akademie Alfonsiana wurde er 2012 zum Doktor der Moraltheologie promoviert.
Papst Leo XIV., selbst Augustiner, holt sich nun Vertraute aus seinem Orden – wie eben nun diesen Vizerregenten der Präfektur des Päpstlichen Hauses. Angesichts der leidigen schlechten Behandlung Gänsweins durch Papst Franziskus scheint aber noch Scheu zu bestehen, das Präfektenamt (und auch das eines Vize-Präfekten) neu zu besetzen.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL
Braucht es denn einen Priester oder sogar Erzbischof für diese Tätigkeit, die ja rein organisatorische Aufgaben beinhaltet?