Erscheinung des Herrn oder: Weihrauch, Myrrhe, Impfstoff

Von Heil und Nächstenliebe in Coronazeiten

Carle van Loo: Anbetung der heiligen drei Könige, ca. 1760, Los Angeles County Museum of Art (LACMA).
Das Original von Carle van Loo: Anbetung der Heiligen Drei Könige, ca. 1760, Los Angeles County Museum of Art (LACMA). Dem Jesuskind wird die Königskrone überreicht.

Von einer Katholikin

Anbe­tung der Köni­ge: Das Ori­gi­nal­ge­mäl­de (um 1760) des fran­zö­si­schen Malers Charles André (Car­le) van Loo zeigt die Hei­li­gen Drei Köni­ge, die dem Jesus­kind ihre Geschen­ke brin­gen. Man sieht auf Knien König Mel­chi­or, der dem Jesus­kind ehr­fürch­tig hul­digt und ihm die eige­ne Kro­ne zu Füßen legt. Sei­ne hei­li­ge jung­fräu­li­che Mut­ter hält ihren Sohn lie­be­voll denen ent­ge­gen, die kamen, um ihn als König anzu­be­ten. Sie hat gera­de die wei­ßen Tücher vor­sich­tig ange­ho­ben, damit alle das in Win­deln gewickel­te gött­li­che Kind sehen kön­nen, das sie durch die Gna­de Got­tes, des Vaters, auf und in die Welt brin­gen durf­te. Alle Blicke, auch die des Betrach­ters, kon­zen­trie­ren sich auf das Kind in der unte­ren Bild­hälf­te, alles neigt sich ihm zu, Chri­stus, dem König, des­sen Offen­bar­wer­den und Ein­zug in die Welt die Kir­che feiert.

Doch die Wer­tig­kei­ten haben sich schon seit Lan­gem ver­scho­ben. Die „Coro­na­pan­de­mie“ macht es nur vor aller Augen sichtbar.

Nein, das Titel­bild des Maga­zins „Stern“ ( 23.12.2020), ist kei­ne Sati­re wie sei­ner­zeit der gekreu­zig­te Oster­ha­se der heu­te-Show. Es ist schlim­mer! Denn was hier päd­ago­gi­sie­rend die Covid-19-Impf­kam­pa­gne unter­stüt­zen soll, bedient sich in blas­phe­mi­scher Wei­se der christ­li­chen Heils­bot­schaft von Weih­nach­ten und instru­men­ta­li­siert Jesu Gebot der Näch­sten­lie­be: Imp­fen zählt a prio­ri als „Akt der Näch­sten­lie­be“ und der Impf­stoff ist eines der könig­li­chen Geschenke: 

Impf­pro­pa­gan­da: Stern, Heft 53/2020

„Die Weih­nachts­ga­be. Coro­na wütet in Deutsch­land so schlimm wie nie zuvor. Nur der neue Impf­stoff gibt Hoff­nung. Aber damit sie wahr wird, braucht es viel Nächstenliebe.“ 

So die Titel­ge­schich­te des „Stern“.

Das Ein­tre­ten des Erlö­sers in die Welt, dem wir unse­re Lie­be, unse­re Arbeit und auch unse­re Lei­den dar­brin­gen, ist nicht mehr genug. Das Jesus­kind, unser Hei­land, wird aus dem kom­po­si­to­ri­schen Zen­trum des Bil­des ver­drängt und wirkt win­zig hin­ter einer prä­do­mi­nan­ten über­di­men­sio­na­len Fla­sche mit dem Covid-19-Impf­stoff von Bio­N­Tec, die Mel­chi­or dem Kin­de hin­hält. Die gol­de­ne Kro­ne trägt er selbst wie­der auf dem Kopf, der Mensch, der Schöp­fer der Impf­stoff-Wun­der­waf­fe, mit der er die Leben der Men­schen ret­ten wird im Kampf gegen das ver­nich­ten­de Virus. Die Ret­tung der See­len durch den Hei­land hat Zeit.

„Fürch­tet Euch nicht! Sie­he, ich ver­kün­di­ge Euch gro­ße Freu­de, die allem Volk wider­fah­ren wird“ (Lukas 2,10).

Der Autor kennt sei­ne (Luther)bibel. Er kennt die Weih­nachts­ge­schich­te und die Bot­schaft von der Hoff­nung durch das Kind. Ver­stan­den hat er sie nicht, denn „das Weih­nachts­fest im Coro­na-Lock­down brauch­te jeden­falls drin­gend eine zusätz­li­che fro­he Bot­schaft“: die Impfung.

Immer­hin weiß der Autor um die Ver­säum­nis­se der Poli­tik und dekla­riert auch nicht jeden „ehr­lich Besorg­ten“ (die es ja durch­aus auch im Gesund­heits­be­reich gebe) gleich zum „gewis­sen­lo­sen Leugner“.

Ande­re sind da bru­ta­ler. Aus­ge­rech­net ein Mit­glied des Ethik­rats der Bun­des­re­gie­rung tat sich vol­ler Empö­rung mit unethi­schen For­de­run­gen her­vor. Die „Bild“-Zeitung zitiert aus einem Schrei­ben, in dem der Human­ge­ne­ti­ker Prof. Wolf­ram Henn zu einer Stig­ma­ti­sie­rung von Impf­ver­wei­ge­rern aufruft:

„Wer par­tout das Imp­fen ver­wei­gern will, der soll­te, bit­te schön, auch stän­dig ein Doku­ment bei sich tra­gen mit der Auf­schrift: Ich will nicht geimpft wer­den. Ich will den Schutz vor der Krank­heit ande­ren über­las­sen. Ich will, wenn ich krank wer­de, mein Inten­siv­bett und mein Beatmungs­ge­rät ande­ren überlassen.“

Immer­hin wider­spricht der Inten­siv­me­di­zi­ner Uwe Jans­sens, Vor­sit­zen­der der DIVI (Deut­sche Inter­dis­zi­pli­nä­re Ver­ei­ni­gung für Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin), die­sem Ansin­nen ener­gisch und hält eine sol­che Mei­nung für ethisch (sic!) nicht ver­tret­bar und betont, man wer­de natür­lich allen die glei­che Ver­sor­gung zukom­men lassen.

Unter­stüt­zung erhält der „Ethi­ker“ dage­gen von Chri­sti­an Dro­sten. Dro­sten hat­te schließ­lich in sei­ner Mar­ba­cher Schil­ler­re­de, die er zu Ehren des Dich­ters über Frei­heit und Ver­ant­wor­tung gespro­chen hat­te, den „pan­de­mi­schen Impe­ra­tiv“ in die Welt gesetzt:

„Oder brau­chen wir – frei nach Imma­nu­el Kant – einen eher stren­gen Hin­weis auf Pflicht und Ver­ant­wor­tung? Eine Art pan­de­mi­schen Impe­ra­tiv: ‚Hand­le in einer Pan­de­mie stets so, als seist Du selbst posi­tiv gete­stet und Dein Gegen­über gehör­te einer Risi­ko­grup­pe an‘?“

In einer Twit­ter­nach­richt vom 19. Dezem­ber schreibt er:

„Wolf­ram Henn und Ralf Bar­ten­schla­ger wol­len Men­schen­le­ben ret­ten, sonst nichts. Die nicht enden­den Angrif­fe auf seriö­se Wis­sen­schaft­ler und die ste­ti­ge Ver­ball­hor­nung ihrer Aus­sa­gen wer­den in die­sem Win­ter noch Tau­sen­de das Leben kosten. #Schwe­re­Schuld [sic!].“

Die Glei­chung Imp­fen = Näch­sten­lie­be hat sich im poli­ti­schen und auch kirch­li­chen Dis­kurs bis hin in den Vati­kan durch­ge­setzt. Doch auch wenn eine per­ma­nen­te polit-media­le Gehirn­wä­sche sug­ge­riert, dass alle Impf­stof­fe unbe­denk­lich sei­en (NB: Der Bio­N­Tec-Ent­wick­ler war aller­dings nicht unter sei­nen 22 000 frei­wil­li­gen Test­per­so­nen), muss es doch wohl einem frei den­ken­den Men­schen, der der Erfor­schung von Impf­stof­fen zum Woh­le der Men­schen grund­sätz­lich posi­tiv gegen­über­steht, erlaubt sein, die Covid-19-Vac­ci­ne zu hin­ter­fra­gen, gera­de zum jet­zi­gen Zeit­punkt, wo vie­le ent­schei­den­de Fra­gen noch völ­lig offen sind. Damit er zu gege­be­ner Zeit eine ver­nünf­ti­ge freie Ent­schei­dung tref­fen kann, die ggf. aber eben auch eine Ableh­nung der Imp­fung bedeu­ten kön­nen muss.

Das Schwin­gen der Näch­sten­lie­be­keu­le ist auf jeden Fall unlau­ter. Es unter­stellt Kri­ti­kern, die ja nicht alle Alu­mi­ni­um­hü­te tra­gen und mit Coro­na­par­tys pro­vo­zie­ren, son­dern ein umsich­ti­ges Ver­hal­ten zur zumin­dest erhoff­ten Sen­kung des Infek­ti­ons­ri­si­kos mit­tra­gen, die Inkauf­nah­me des Todes ihrer Mit­men­schen. Und schlim­mer noch: Ein Ver­stoß gegen eine sol­cher­ma­ßen säku­lar defi­nier­te Näch­sten­lie­be legi­ti­miert wei­ter­hin den Frei­heits­ent­zug durch den Staat, wie es uns schon seit Mona­ten ein­ge­häm­mert wird:

„Je unbe­dach­ter und ego­isti­scher ich aber hand­le, desto eher muss der Staat mei­ne Frei­heit beschrän­ken, um das Gemein­we­sen wie auch das Wohl­erge­hen der ande­ren Men­schen wirk­sam zu schüt­zen.“ (Dro­sten in sei­ner Schillerrede)

Eine Impf­dis­kus­si­on, in der zudem die ein­zig poli­tisch kor­rek­te ethi­sche Fra­ge­stel­lung die nach der „gerech­ten“ Ver­tei­lungs­rei­hen­fol­ge für die lebens­ret­ten­de Impf­do­sis ist, bringt nicht zuletzt gläu­bi­ge Chri­sten, Katho­li­ken all­zu­mal, in arge Gewissensnöte.

Zwar kam aus der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on am 21. Dezem­ber eine moral­theo­lo­gi­sche Unbe­denk­lich­keits­be­schei­ni­gung für die Inan­spruch­nah­me von Impf­stof­fen, die in For­schung und Her­stel­lung auf die Ver­wen­dung von Zell­li­ni­en aus abge­trie­be­nen Föten zurück­grei­fen, sofern ande­re Impf­stof­fe uns aus unter­schied­li­chen Grün­den nicht zugäng­lich sind.

Die Pflicht zur Ver­mei­dung einer auch nur pas­si­ven Koope­ra­ti­on an etwas Bösem ist auf­ge­ho­ben bei not­wen­di­ger Gefah­ren­ab­wehr, wenn z. B. eine Pan­de­mie durch Imp­fun­gen ein­ge­dämmt wer­den kann.

Aber: Ist weni­ger schlecht bes­ser als nicht gut?

Wir müss­ten kein „schlech­tes Gewis­sen“ haben, heißt es. Ganz im Gegen­teil: Im Zwei­fel gehe Gemein­wohl vor Gewis­sen und Imp­fen wer­de zur mora­li­schen Pflicht.

Sobald ich auf das unsäg­li­che Titel­bild des „Stern“ schaue, über­kommt mich kal­tes Grau­en, wenn ich mir vor­stel­le, ein wei­te­res Bild könn­te fol­gen, das die Hei­li­ge Fami­lie beim Imp­fen zeigt. Und das Schlim­me ist: Wir kön­nen in die­ser immer dunk­le­ren Welt kei­ne Per­ver­si­on mehr aus­schlie­ßen und kei­ne Auf­leh­nung gegen Gott.

Umso drin­gen­der ist es, den Blick auf das Jesus­kind in den Armen sei­ner Mut­ter zu rich­ten, von dem uns Licht, Hil­fe und Heil kommt. Nein, wir fürch­ten uns nicht.

Bild: Wiki­com­mons

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