Impfstoff? „Es gibt keine Kranken, an denen wir ihn testen können“

Die Coronakrise der Regierungen und das Wettrennen um einen Impfstoff

Coronavirus: Nicola Zingaretti (Gouverneur von Latium und Vorsitzender der italienischen Regierungspartei der Linksdemokraten) und Prof. Francesco Vaia, medizinischer Direktor des Forschungszentrums Spallanzani.
Coronavirus: Nicola Zingaretti (Gouverneur von Latium und Vorsitzender der italienischen Regierungspartei der Linksdemokraten) und Prof. Francesco Vaia, medizinischer Direktor des Forschungszentrums Spallanzani.

(Rom) 24. August: Pres­se­kon­fe­renz von Nico­la Zin­g­a­ret­ti, Gou­ver­neur der Regi­on Lati­um und Par­tei­vor­sit­zen­der der Links­de­mo­kra­ten (und als sol­cher Anwär­ter auf den Posten des ita­lie­ni­schen Mini­ster­prä­si­den­ten), am Sitz des Natio­na­len Insti­tuts für Infek­ti­ons­krank­hei­ten Laz­z­a­ro Spall­an­za­ni in Rom. Zin­g­a­ret­ti stell­te tri­um­phie­rend den ita­lie­ni­schen Impf­stoff gegen Covid-19 vor, der an die­sem For­schungs­zen­trum ent­wickelt wur­de. Impf­stof­fe wer­den der­zeit syn­chron von ver­schie­de­nen Sei­ten vor­ge­stellt, wie ins­ge­samt alles in die­ser Coro­na­kri­se auf­fal­lend syn­chron zu ver­lau­fen scheint. Die Rus­sen haben ihn, den Wun­der­impf­stoff, die Eng­län­der, die Chi­ne­sen, da kön­nen auch die Ita­lie­ner in dem gro­ßen Wett­ren­nen, das von Bill Gates mit bereit­wil­li­ger Hil­fe von Ange­la Mer­kel und Ursu­la von der Ley­en eröff­net wur­de, nicht zurück­blei­ben. Ein Wett­ren­nen, das sogar vom Papst befeu­ert wird, der offen­bar den Vati­kan nicht mehr ver­las­sen will, solan­ge es kei­nen Impf­stoff gibt. Doch ein Detail blieb an jenem Tag unbe­ach­tet.

Nach­dem Zin­g­a­ret­ti „staats­män­nisch” die Auf­merk­sam­keit der Medi­en genos­sen und anschlie­ßend die Büh­ne wie­der ver­las­sen hat­te, trat, wie vor­ge­se­hen, der medi­zi­ni­sche Direk­tor des Insti­tuts, Prof. Fran­ces­co Vaia, ans Mikro­phon. Das gan­ze Medi­en­in­ter­es­se hat­te zu die­sem Zeit­punkt jedoch mit Zin­g­a­ret­ti, dem Star des Tages, schon das Feld geräumt. Dabei hat­te Prof. Vaia eine Sen­sa­ti­on zu ver­kün­den.

„In Ita­li­en – unab­hän­gig von dem, was gesagt wird – gibt es kei­ne Kata­stro­phe. Wir haben alle die­se Pati­en­ten und Kran­ken.”

Nicht ein­mal so vie­le, um das Test­ver­fah­ren für den Impf­stoff durch­zu­füh­ren. Die­ser brau­che, so Prof. Vaia, wei­te­re Expe­ri­men­te an leben­den Men­schen. Doch das sei das „gro­ße Pro­blem”:

„Es gibt kei­ne Kran­ken, an denen wir ihn testen kön­nen.”

Prof. Vaia bestä­tig­te damit jene Kol­le­gen, die an Zahl immer mehr wer­den, und die fast schon ver­zwei­felt einer Medi­en­öf­fent­lich­keit, die nicht zuhö­ren will, begreif­lich machen wol­len, daß die Coro­na­epi­de­mie längst zu Ende ist. Im Gegen­satz zum Poli­ti­ker, der vor ihm sprach, zeich­ne­te sich die Wort­mel­dung des Exper­ten durch Ehr­lich­keit und intel­lek­tu­el­le Red­lich­keit aus. Vaia sag­te mit ent­waff­nen­der Direkt­heit, daß in Erman­ge­lung von Erkrank­ten der Impf­stoff im Aus­land, „wahr­schein­lich in Latein­ame­ri­ka“, gete­stet wer­den wird, wo man dann noch Kran­ke zu fin­den hof­fe.

Kon­kret sag­te er, daß mit dem 24. August die erste Test­pha­se begon­nen wur­de, die sechs Mona­te dau­ern wird. Dann wer­den die zwei­te und die drit­te Test­pha­se fol­gen. Die­se wer­den „in einem ande­ren Land” erfol­gen, wahr­schein­lich in Latein­ame­ri­ka, weil es in Ita­li­en nicht aus­rei­chend Coro­na-Kran­ke für die­se Expe­ri­men­te gibt.

Mit den Wor­ten, „ unab­hän­gig von dem, was gesagt wird”, konn­te Prof. Vaia, ohne es zu sagen, nur die Regie­rung und die Medi­en mei­nen, die seit Mona­ten die Men­schen mit Coro­na-Schreckens­mel­dun­gen ter­ro­ri­sie­ren, um Regie­rungs­maß­nah­men zu recht­fer­ti­gen. Soweit jener denk­wür­di­ge Moment im Spall­an­za­ni.

Die Zunahme der „Fälle“

Was hat es dann aber mit der Zunah­me der „Fäl­le” auf sich, die täg­lich berich­tet wird?

Die Erhö­hung der Fall­zah­len seit Ende Juli wur­de erreicht durch die Erhö­hung der Tests. Wer­den die Tests von 25.000 am Tag auf 100.000 erhöht, wie in Ita­li­en gesche­hen (und um die­sel­be Zeit wun­der­sam syn­chron auch in ande­ren Staa­ten), erhöht sich auto­ma­tisch die Zahl der (fal­schen) Posi­ti­ven, die von Fach­leu­ten mit 1–2 Pro­zent ange­ge­ben wer­den. Damit ist bereits die Zunah­me der „Fäl­le” erklärt, die Regie­rung und Medi­en seit Ende Juli kom­mu­ni­zie­ren. Die Ent­schei­dung, die Zahl der Tests zu erhö­ren, ist kei­ne epi­de­mio­lo­gi­sche, son­dern eine poli­ti­sche. Es ist also die Regie­rung, die am Reg­ler dreht. Auf die­se Wei­se läßt sich aber je nach Bedarf jede Zunah­me oder Abnah­me der „Fäl­le” erzie­len, die man will. Kri­ti­ker spre­chen des­halb von einer „Gau­ke­lei”, um es freund­lich aus­zu­drücken.

In Schwe­den wur­de die­ser Tage der Fall von 3.700 fal­schen Posi­ti­ven bekannt, mit allen Fol­gen für die Betrof­fe­nen und ihr Umfeld. Die schwe­di­sche Gesund­heits­be­hör­de macht dafür den feh­ler­an­fäl­li­gen chi­ne­si­schen Test ver­ant­wort­lich und erhebt Vor­wür­fe gegen das Unter­neh­men BGI Geno­mics, das ihn lie­fert. Das Unter­neh­men befin­det sich übri­gens auf einer Schwar­zen Liste der USA wegen Betei­li­gung an Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Die WHO hin­ge­gen stell­te BGI Geno­mics die Geneh­mi­gung aus, welt­weit Coro­na-Tests lie­fern zu kön­nen.

Die Zwei­fel an der Zuver­läs­sig­keit der Tests sind nicht neu, doch die Poli­tik scheint nicht inter­es­siert dar­an. Weil sie erhält, was sie will?

Ent­schei­den­der ist die Bot­schaft von Prof. Vaia, der wie ande­re Exper­ten auf sei­ne Wei­se bestä­tig­te, daß es die Coro­na­epi­de­mie nicht mehr gibt.

Gar nicht zu reden von dem Bill-Gates-Wett­ren­nen um einen Impf­stoff, für des­sen Errei­chen alle ethi­schen Beden­ken zu fal­len schei­nen, so daß in Eng­land (Oxford) an abge­trie­be­nen Kin­dern und in Ita­li­en an süd­ame­ri­ka­ni­schen Ver­suchs­per­so­nen expe­ri­men­tiert wird. Von den Beden­ken zahl­rei­cher Wis­sen­schaf­ter ganz zu schwei­gen, die vor einem zu schnell her­ge­stell­ten Impf­stoff war­nen, der nicht aus­rei­chend gete­stet wur­de und des­sen Neben­wir­kun­gen unbe­kannt sind.

Doch dazu wie zu den ande­ren auf­ge­wor­fe­nen Punk­ten herrscht von offi­zi­el­ler Sei­te gro­ßes Schwei­gen.

Die Stel­lung­nah­me von Prof. Vaia im Gespräch mit eini­gen Jour­na­li­sten:

Text: Andre­as Becker/Giuseppe Nar­di
Bild: You­tube (Screen­shot)

2 Kommentare

    • Die Aus­sa­ge von Prof. Vaia wur­de wört­lich wie­der­ge­ge­ben, wie anhand des Vide­os über­prüft wer­den kann. Am 24. August wur­de der Impf­stoff dem ersten Pro­ban­den gereicht, eine Woche spä­ter zwei wei­te­ren. Die Aus­sa­ge bezieht sich offen­sicht­lich auf die nur mehr so gerin­ge Ver­brei­tung des Virus in der Umwelt, daß eine sinn­vol­le Testung der Impf­stoff­wirk­sam­keit erschwert bzw. in Ita­li­en offen­bar nicht mehr sinn­voll ist. Wor­aus sich die Aus­sa­ge im Arti­kel ergibt, daß offen­bar der Impf­stoff selbst über­flüs­sig gewor­den ist. Die Fra­ge ist viel­mehr, in wel­chem Umfeld ande­re Län­der und Unter­neh­men ihre Impf­stof­fe testen, zumal die Viru­lenz des Virus inzwi­schen über­all gleich (gering) zu sein scheint.

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