„Wir zelebrieren weiter und setzen das Allerheiligste aus“ – Interview mit dem Rektor der deutschen Nationalkirche in Rom

Der Epidemie eine geistliche Dimension geben

Die Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom bleibt offen. Ihr Rektor Franz Xaver Brandmayr reagiert mit geistlichen Mitteln auf die Coronavirus-Epidemie.
Die Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom bleibt offen. Ihr Rektor Franz Xaver Brandmayr reagiert mit geistlichen Mitteln auf die Coronavirus-Epidemie.

(Rom) Der Rek­tor der deut­schen Natio­nal­kir­che San­ta Maria del­l’­Ani­ma in Rom, der öster­rei­chi­sche Prie­ster Franz Xaver Brand­mayr, wur­de zum Hel­den der Stun­de auch mit Blick auf den deut­schen Sprach­raum. Er wehr­te sich gegen das Dekret des Kar­di­nal­vi­kars vom 12. März, mit dem die Schlie­ßung aller Kir­chen und Kapel­len für die Gläu­bi­gen ange­ord­net wur­de. Die­se zwei­te Maß­nah­me folg­te auf die erste, die in Ita­li­en seit dem 8. März bereits alle öffent­li­chen Mes­sen unter­sagt. Inzwi­schen ist man sich in den Apo­sto­li­schen Palä­sten bewußt gewor­den, wohl über­re­agiert zu haben. Der Kar­di­nal­vi­kar kor­ri­gier­te gestern sein Dekret. Die Pfarr­kir­chen blei­ben offen. Katholisches.info führ­te ein Inter­view mit dem Rek­tor der Ani­ma, des­sen Kir­che ohne­hin offen bleibt.

Fra­ge: Ita­li­ens Bischö­fe haben alle Mes­sen und reli­giö­sen Zere­mo­ni­en aus­ge­setzt. Auch Bischö­fe ande­rer Län­der fol­gen die­sem Bei­spiel. Sie haben dazu eine ande­re Mei­nung. Wel­che?

Rek­tor Brand­mayr: Hat sich erle­digt (durch die Auf­he­bung des Dekrets).
Ist wohl von Papa Fran­ces­co aus­ge­gan­gen

Fra­ge: Die kirch­li­chen Amts­trä­ger wir­ken der­zeit wie ein ver­län­ger­ter Arm des Staa­tes. Ist das die rich­ti­ge Ant­wort, die die Gläu­bi­gen der­zeit brau­chen?

Rek­tor Brand­mayr: Vie­le römi­sche Pfar­rer, die näher an den Men­schen sind, haben sehr klug und ent­schie­den reagiert. Mit Erfolg.

Fra­ge: Wie stellt sich die Fra­ge kir­chen­recht­lich über­haupt. Kann ein Bischof einem Pfar­rer, der sich nichts zuschul­den kom­men hat las­sen, ein­fach die öffent­li­che Meß­ze­le­bra­ti­on ver­bie­ten? Auf wel­chen Canon des CIC stützt man sich dabei?

Rek­tor Brand­mayr: Kann er, soll er aber tun­lichst unter­las­sen.

Fra­ge: Gläu­bi­ge bekla­gen, ob in Ita­li­en oder im deut­schen Sprach­raum, die feh­len­de geist­li­che Dimen­si­on der Kri­se. Es scheint vie­len, als wür­de die Kir­che kei­ne Ant­wort geben. Ist dem so?

Rek­tor Brand­mayr: Ich höre vie­le Kla­gen, dass die Bischö­fe nur mit Dekre­ten reagie­ren und nicht auf­tre­ten. Jetzt hat der Vikar von Rom einen Brief ver­öf­fent­licht, der sich aber auch haupt­säch­lich sel­ber recht­fer­tigt, statt auf die Leu­te zuzu­ge­hen.

Fra­ge: Sie haben gesagt: Wenn man ihre Kir­che zusper­ren will, muß man Sie zuvor phy­sisch über­win­den. Hat es schon jemand ver­sucht?

Rek­tor Brand­mayr: War nicht not­wen­dig. Die Poli­zei hät­te auch kei­ner­lei Kom­pe­tenz, das Dekret des Vika­ri­ats (das ja bereits auf­ge­ho­ben wur­de) umzu­set­zen.

Fra­ge: Beab­sich­ti­gen Sie beson­de­re Initia­ti­ven wäh­rend der Kri­sen­zeit?

Rek­tor Brand­mayr: Wir zele­brie­ren wei­ter an den Sei­ten­al­tä­ren. Ich am Volks­al­tar um 18 Uhr, am Sonn­tag um 10 Uhr. Wir den­ken dar­an, das Aller­hei­lig­ste außer­halb der Mes­sen aus­zu­set­zen und wir publi­zie­ren, das wir Kran­ken­kom­mu­ni­on und Beich­ten in die Häu­ser brin­gen.

Reichsadler und Gottesmutter mit Jesuskind, Detail über dem Hauptaltar. Die harmonische Einheit von Staat und Kirche.
Reichs­ad­ler und Got­tes­mut­ter mit Jesus­kind, Detail über dem Haupt­al­tar von San­ta Maria del­l’­Ani­ma in Rom. Die har­mo­ni­sche Ein­heit von Staat und Kir­che.

Kirche, Kolleg und Bruderschaft der Anima in Rom

Die Kir­che San­ta Maria dell‘Anima, kurz Ani­ma genannt, und die mit ihr ver­bun­de­nen Ein­rich­tun­gen stel­len eine ganz beson­de­re römi­sche Insti­tu­ti­on dar. Sie ist recht­lich gese­hen der letz­te Rest des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on. Das erklärt auch den gro­ßen geo­gra­phi­schen Raum, den sie abdeckt. Des­halb wur­de auch der sieb­te und bis­her vor­letz­te deut­sche Papst, Hadri­an VI. (1522/1523), nach heu­ti­gem Ver­ständ­nis ein Nie­der­län­der, in der Kir­che der Ani­ma bei­gesetzt.

Als im Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluß 1803 alle geist­li­chen Reichs­für­sten­tü­mer auf­ge­ho­ben wur­den, ver­gaß man auf die deut­sche Natio­nal­kir­che in Rom. Deren Kir­chen­rek­tor ver­füg­te eben­falls über Reichs­un­mit­tel­bar­keit. 1806 wur­de die Kai­ser­wür­de ruhend gestellt, wäh­rend sich für die deut­sche Natio­nal­stif­tung in Rom nichts änder­te.

Die Ani­ma ist Zen­trum und Anlauf­stel­le der Gläu­bi­gen aus dem enge­ren und wei­te­ren deut­schen Sprach­raum. Die Mes­se wird im Neu­en Ritus auf deutsch zele­briert und es besteht die Mög­lich­keit auf deutsch zu beich­ten. Die­se bemer­kens­wer­te Insti­tu­ti­on befin­det sich, etwas ver­steckt, gleich west­lich der Piaz­za Navo­na, in der gleich­na­mi­gen Via San­ta Maria dell’Anima.

Darstellung des heiligen Karls des Großen, Kaiser und Beschützer der Kirche, Santa Maria dell'Anima in Rom
Dar­stel­lung des hei­li­gen Karl des Gro­ßen, „Kai­ser und Beschüt­zer der Kir­che“, San­ta Maria del­l’­Ani­ma in Rom

Der­zei­ti­ger Rek­tor (und Reich­fürst) ist der öster­rei­chi­sche Prie­ster Franz Xaver Brand­mayr aus dem Bis­tum Linz. 2007 ernann­te Papst Bene­dikt XVI. den im Erz­bis­tum Wien inkar­di­nier­ten Prie­ster und Kir­chen­recht­ler zum Rek­tor der Kir­che und des Deut­schen Prie­ster­kol­legs San­ta Maria dell’Anima sowie der damit ver­bun­de­nen Bru­der­schaft.

Am kom­men­den 1. Sep­tem­ber 2020 wird er durch Micha­el Max abge­löst wer­den. Der Lit­ur­gi­ker Max ist Prie­ster des Erz­bis­tums Salz­burg und war zuletzt Pfarr­pro­vi­sor der Salz­bur­ger Uni­ver­si­täts­pfar­rei und Rek­tor des Salz­bur­ger Bil­dungs­hau­ses St. Vir­gil. Zuvor war er in der Pfarr­seel­sor­ge tätig.

Ver­ant­wort­lich für die Ein­rich­tung sind heu­te die Deut­sche und die Öster­rei­chi­sche Bischofs­kon­fe­renz gemein­sam. Der Kir­chen­rek­tor wird von der Öster­rei­chi­schen Bischofs­kon­fe­renz ernannt und von der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz bestä­tigt. Dar­in schwingt nach, daß das habs­bur­gi­sche Öster­reich nicht nur die Kai­ser­wür­de inne­hat­te, son­dern auch katho­li­sche Vor­macht im Reich war, bis das pro­te­stan­ti­sche Preu­ßen 1866 mili­tä­risch die die klein­deut­sche Lösung unter Aus­schluß Öster­reichs erzwang.

Ein Besuch der Kir­che der Ani­ma ist ein Muß aller Rom-Pil­ger aus dem Raum des ein­sti­gen Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches Deut­scher Nati­on.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Giu­sep­pe Nar­di




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3 Kommentare

  1. Es ist sicher rich­tig die Hl. Mes­sen nicht aus­zu­set­zen, aber noch wich­ti­ger wäre das über­lie­fer­te Hei­li­ge Mess­op­fer dar­zu­brin­gen!

  2. An alle Prie­ster, die nicht mehr täg­lich das Hei­li­ge Opfer fei­ern: Zele­briert täg­lich und so oft wie mög­lich, bringt das Opfer dar. Nicht die Anwe­sen­heit von Gläu­bi­gen ist wich­tig, son­dern das Opfer, lernt das über­lie­fer­te Hei­li­ge Mess­op­fer zu fei­ern.
    Es hat mich tief berührt, in Vide­os Prie­ster zu segen, die allein oder zu zweit Jesus Selbst in der Mon­tranz durch die (fast lee­ren) Stra­ßen tra­gen und mit der Mon­stranz seg­nen. Dan­ke oh Herr, für die­se tief­gläu­bi­gen Prie­ster.
    In der Zeit der Gna­de alles zum Heil der See­len.

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