Zwang zur Handkommunion auch in Kolumbien

Das Coronavirus und der Klerikalismus

Anordnung der Kolumbianischen Bischofskonferenz: Zwang zur Handkommunion.
Anordnung der Kolumbianischen Bischofskonferenz: Zwang zur Handkommunion.

(Rom) In Ita­li­en wur­de die Fra­ge nach der Kom­mu­ni­ons­pen­dung dadurch „gelöst“, daß die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz lan­des­weit alle Mes­sen bis zum 3. April absag­te. Damit stellt sich die Fra­ge, ob doch Mund­kom­mu­ni­on oder auf­ge­zwun­ge­ne Hand­kom­mu­ni­on, vor­erst nicht mehr. Histo­risch dürf­te es sich frei­lich um einen bei­spiel­lo­sen Vor­gang han­deln, daß die Bischö­fe selbst das gläu­bi­ge Volk, und das aus­ge­rech­net zur Not­zeit, um die geist­li­chen Gna­den­mit­tel brin­gen. Doch auch in Kolum­bi­en tut sich Son­der­ba­res.

Kolum­bi­en hat eine Rei­he von Pro­ble­men, dazu gehö­ren poli­ti­sche Kon­flik­te, aber das Coro­na­vi­rus gehört noch nicht zu den Prio­ri­tä­ten. Den­noch wur­de von der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz am ver­gan­ge­nen Sams­tag, 7. März, sofort nach Bekannt­wer­den des ersten Erkran­kungs­fal­les eine Erklä­rung ver­öf­fent­licht, mit der die Kom­mu­ni­ons­pen­dung als Hand­kom­mu­ni­on vor­ge­schrie­ben wird.

„Die eucha­ri­sti­sche Kom­mu­ni­on ist mit der Hand zu emp­fan­gen. Die Prie­ster haben die Gläu­bi­gen in die­sem Sinn zu unter­wei­sen, beson­ders über die Not­wen­dig­keit, daß, wer kom­mu­ni­ziert, die kon­se­krier­te Hostie sofort im Bei­sein des Kom­mu­ni­ons­pen­ders in den Mund führt.“

Wie in ähn­li­chen Anwei­sun­gen, die im Zusam­men­hang mit dem Coro­na­vi­rus durch ande­re Bischofs­kon­fe­ren­zen erfolg­ten, fin­det sich auch in die­ser kein Hin­weis, daß Gläu­bi­ge nicht zur Hand­kom­mu­ni­on gezwun­gen wer­den kön­nen.

Ein Blick in die sozia­len Netz­wer­ke zeigt, wie man­che Prie­ster die­se Anord­nung oder jene ande­rer Bischofs­kon­fe­ren­zen ganz im Zei­chen des Kle­ri­ka­lis­mus umset­zen. Sie lesen drei Punk­te her­aus, des­sen Ein­hal­tung sie den Gläu­bi­gen vor­schrei­ben:

  • Pflicht zur Hand­kom­mu­ni­on.
  • Wer sich nicht dar­an hält, dem wird das Sakra­ment ver­wei­gert.
  • Stig­ma­ti­sie­rung jener, die sich der Hand­kom­mu­ni­on ver­wei­gern.

Die geltenden Bestimmungen

Die kirch­li­chen Vor­schrif­ten und die kano­ni­sche Rechts­la­ge sieht aller­dings ganz anders aus und wird durch die Anord­nun­gen der Bischofs­kon­fe­ren­zen nicht auf­ge­ho­ben. Aus die­sem Grun­de sol­len die wich­tig­sten Doku­men­te ange­führt wer­den:

In der Insti­tu­tio Gene­ra­lis Mis­sa­lis Roma­ni, zu Deutsch, in der All­ge­mei­nen Ein­füh­rung in das Römi­sche Mess­buch von 2002 heißt es unter Nr. 161:

„Wenn die Kom­mu­ni­on nur unter der Gestalt des Bro­tes aus­ge­teilt wird, zeigt der Prie­ster jedem Ein­zel­nen die etwas erho­be­ne Hostie, wobei er spricht: Der Leib Chri­sti (Cor­pus Chri­sti). Der­je­ni­ge, der kom­mu­ni­zie­ren will, ant­wor­tet: Amen und emp­fängt das Sakra­ment gemäß sei­ner Wahl in den Mund oder, wo dies erlaubt ist, in die Hand. Sobald der Kom­mu­ni­zie­ren­de die hei­li­ge Hostie emp­fan­gen hat, ver­zehrt er sie voll­stän­dig.“

In der Instruk­ti­on Redemp­tio­nis Sacra­men­tum der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung von 2004 heißt es unter Nr. 92:

„Obwohl jeder Gläu­bi­ge immer das Recht hat, nach sei­ner Wahl die hei­li­ge Kom­mu­ni­on mit dem Mund zu emp­fan­gen, soll in den Gebie­ten, wo es die Bischofs­kon­fe­renz erlaubt und der Apo­sto­li­sche Stuhl reko­gnos­ziert hat, auch dem­je­ni­gen die hei­li­ge Hostie aus­ge­teilt wer­den, der das Sakra­ment mit der Hand emp­fan­gen möch­te. Man soll aber sorg­fäl­tig dar­auf ach­ten, daß der Kom­mu­ni­kant die Hostie sofort vor dem Spen­der kon­su­miert, damit nie­mand mit den eucha­ri­sti­schen Gestal­ten in der Hand weg­geht. Wenn eine Gefahr der Pro­fa­nie­rung besteht, darf die hei­li­ge Kom­mu­ni­on den Gläu­bi­gen nicht auf die Hand gege­ben wer­den.“

In der Mit­tei­lung über die Hand­kom­mu­ni­on von 1985 schreibt die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung in der Nr. 7:

„Die Gläu­bi­gen sol­len nicht gezwun­gen wer­den, die Hand­kom­mu­ni­on zu prak­ti­zie­ren; jeder kann völ­lig frei ent­schei­den, auf wel­che der bei­den Arten er kom­mu­ni­zie­ren möch­te.“

In den Respon­sa ad dubia pro­po­si­ta (an P. Paul McDo­nald) von 1999 (Noti­tiae 35, S. 160–161, März/April 1999) heißt es auf Sei­te 160 (deut­sche Über­set­zung):

„Cer­to patet ex ipsis docu­men­tis Sanc­tae Sedis ut in dio­ece­si­bus, ubi panis eucha­ri­sti­chus poni­tur in mani­bus fide­li­um, inte­grum tamen eis manet ius super lin­gu­am eum reci­pi­en­di. (…) Memin­er­int tamen omnes sae­cu­la­rem tra­di­tio­nem esse hosti­am super lin­gu­am acci­pe­re. Sacer­dos cele­brans, si adsit sacri­le­gii peri­cu­lum, com­mu­nio­nem in manu fide­li­bus non tra­dat, et cer­tio­res faci­at eos de fun­da­men­to hui­us pro­ce­den­di modi.“

„Aus den Doku­men­ten des Hei­li­gen Stuhls ist jeden­falls klar, dass in Diö­ze­sen, wo das eucha­ri­sti­sche Brot in die Hän­de der Gläu­bi­gen gelegt wird, das Recht, das eucha­ri­sti­sche Brot auf die Zun­ge (gelegt) zu erhal­ten, für die Gläu­bi­gen auf­recht bleibt. (…) Alle sol­len jedoch dar­an erin­nert wer­den, dass die ehr­wür­di­ge Tra­di­ti­on jene ist, die Hostie auf die Zun­ge zu emp­fan­gen. Der zele­brie­ren­de Prie­ster darf Christ­gläu­bi­gen die hl. Kom­mu­ni­on nicht in die Hand geben, wenn die Gefahr eines Sakri­legs gege­ben ist, und er soll die­se über den Grund für die­se Vor­ge­hens­wei­se unter­rich­ten.“

Ant­wort der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung Prot. Nr. 655/09/L vom 24. Juli 2009 an einen bri­ti­schen Gläu­bi­gen:

„Die­ses Dikaste­ri­um stellt fest, daß in sei­ner Instruk­ti­on Redemp­tio­nis Sacra­men­tum (25. März 2004) ein­deu­tig fest­ge­legt ist, daß ‚jeder Gläu­bi­ge immer das Recht hat, nach sei­ner Wahl die hei­li­ge Kom­mu­ni­on mit dem Mund zu emp­fan­gen‘ (Nr. 92), und es auch nicht gestat­tet ist, die hei­li­ge Kom­mu­ni­on Chri­stus-Gläu­bi­gen zu ver­wei­gern, die nicht gesetz­lich dar­an gehin­dert sind, die Hei­li­ge Eucha­ri­stie zu emp­fan­gen (vgl. Nr. 91).“

Dar­aus folgt in Wirk­lich­keit:

  • Die Mund­kom­mu­ni­on ist immer erlaubt.
  • Die Mund­kom­mu­ni­on kann weder unter­sagt noch ver­wei­gert wer­den, außer es besteht ein grund­sätz­li­cher Hin­de­rungs­grund für einen bestimm­ten Gläu­bi­gen, die Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen.
  • Die Hand­kom­mu­ni­on ist nur gedul­det.
  • Wenn schon, muß zuerst die Hand­kom­mu­ni­on unter­sagt wer­den. Wird auch die Mund­kom­mu­ni­on unter­sagt, bedeu­tet das, daß kei­ne Kom­mu­ni­ons­pen­dung mehr mög­lich ist, die­se also aus­ge­setzt wird.

Das ist das genaue Gegen­teil des­sen, was die jüng­sten Anord­nun­gen der Kolum­bia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und ande­rer Bischofs­kon­fe­ren­zen aus­sa­gen.

Auf­grund der Ähn­lich­keit der bischöf­li­chen Anord­nun­gen in unter­schied­li­chen Län­dern und Kon­ti­nen­ten ist mut­maß­lich eine römi­sche Vor­ga­be anzu­neh­men.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Kolum­bia­ni­sche Bischofskonferenz/Rorate Cae­li (Screen­shot)