Byzantinisches Kloster in Spanien entdeckt

Erster Fund dieser Art auf der iberischen Halbinsel

El Monastil bei Elda (Alicante), die Reste eines byzantinischen Klosters, links im ist die Kirche zu erkennen.
El Monastil bei Elda (Alicante), die Reste eines byzantinischen Klosters, links ist die Kirche zu erkennen.

(Madrid) Archäo­lo­gen der Uni­ver­si­tät Ali­can­te haben vor kur­zem einen Sen­sa­ti­ons­fund gemacht, indem sie erst­mals Reste eines byzan­ti­ni­schen Klo­sters auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel iden­ti­fi­zie­ren konn­ten.

Bei der Reichs­tei­lung fiel die gesam­te Halb­in­sel als Dio­ce­sis His­pa­nia dem West­rö­mi­schen Reich zu und unter­stand damit der latei­ni­schen Kir­che. Des­halb stellt die Ent­deckung durch­aus eine Sen­sa­ti­on dar.

In Süd­ita­li­en gab es zahl­rei­che byzan­ti­ni­sche Klö­ster, die von Basi­lia­ner­mön­chen besie­delt waren. Byzanz konn­te sich nach dem Sieg über das Ost­go­ten­reich für meh­re­re Jahr­hun­der­te in Tei­len Ita­li­ens fest­set­zen. In meh­re­ren Gegen­den Süd­ita­li­ens wur­de damals mehr Grie­chisch als Latein gespro­chen. Das änder­te sich erst im 11. Jahr­hun­dert mit den Nor­man­nen.

Dau­er­te die Prä­senz des Byzan­ti­ni­schen Rei­ches in Ita­li­en ein hal­bes Jahr­tau­send, währ­te sie in Spa­ni­en kaum 75 Jah­re und beschränk­te sich auf einen schma­len Küsten­strei­fen am Mit­tel­meer. Die­ses Gebiet, das die Byzan­ti­ner als Pro­vin­cia Spa­niae zusam­men­faß­ten, reich­te von Gibral­tar bis Ben­i­dorm ein­schließ­lich der Balea­ren. Ande­re Gebie­te um Cadiz und Cor­do­ba gin­gen bereits nach weni­gen Jah­ren wie­der an die West­go­ten ver­lo­ren. 625 gelang die­sen die Erobe­rung der gan­zen Pro­vinz Spa­nia.

Über­haupt hat­ten die Ost­rö­mer nur wegen anhal­ten­der Thron­strei­tig­kei­ten bei den West­go­ten auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel lan­den kön­nen. Eine der strei­ten­den goti­schen Par­tei­un­gen dürf­te die Byzan­ti­ner zu Hil­fe geru­fen haben, die soeben erfolg­reich die Van­da­len in Nord­afri­ka besiegt hat­ten und dabei waren, auch über die Ost­go­ten in Ita­li­en den end­gül­ti­gen Tri­umph davon­zu­tra­gen.

Der frän­ki­sche und ost­rö­mi­sche Ein­fluß lei­te­te die Bekeh­rung der aria­ni­schen Sue­ben und West­go­ten zum katho­li­schen Glau­ben ein. Anson­sten bekämpf­ten die Goten­kö­ni­ge die Byzan­ti­ner erfolg­reich, beson­ders Leo­vi­gild, Gun­de­mar, Sisebut und Swinthi­la.

Kai­ser Justi­ni­an I. (527–565) ver­lang­te in jeder Stadt, daß Kauf­leu­te und Händ­ler Geld in den Haupt­kir­chen hin­ter­le­gen, um auf die­se Wei­se den Nach­weis  zu erbrin­gen, daß sie für die Han­dels­ge­schäf­te das Geld benutz­ten, das der Kai­ser prä­gen ließ und für des­sen Wert er garan­tier­te. Den Kir­chen oblag die Auf­ga­be, die Mün­zen zu prü­fen, damit der Ver­käu­fer nicht betro­gen wur­de. Das dien­te nicht nur dem Han­dels- und Rechts­frie­den, son­dern schütz­te auch die staat­li­chen Steu­er­ein­nah­men. Da die Ange­le­gen­heit sehr hei­kel war, ver­trau­te sie der Kai­ser dem Kle­rus an und damit jener Auto­ri­tät, die gro­ßes Ver­trau­en genoß und super par­tes war. Auch das nun ent­deck­te Klo­ster erfüll­te die­se Auf­ga­be.

Die archäo­lo­gi­sche Ent­deckung wur­de in Elda gemacht, einer Klein­stadt, die zur Pro­vinz Ali­can­te der Auto­no­men Regi­on Valen­cia gehört. Der Aus­gra­bungs­ort befin­det sich knapp 30 Kilo­me­ter von der Küste ent­fernt im Hin­ter­land von Ali­can­te. Die­ses Gebiet gehör­te in der zwei­ten Hälf­te des 6. und im ersten Vier­tel des 7. Jahr­hun­derts zur byzan­ti­ni­schen Pro­vinz Spa­nia.

Bereits der Orts­na­me El Mona­stil ver­weist auf die ein­sti­ge Exi­stenz eines Klo­sters, soviel war bekannt. Die Archäo­lo­gen ver­mu­te­ten eine spä­te west­rö­mi­sche oder west­go­ti­sche Ein­rich­tung zu fin­den. Erst die Aus­gra­bun­gen führ­ten zur Ent­deckung, daß es sich um ein byzan­ti­ni­sches Klo­ster han­del­te. Es ist das erste, das auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel gefun­den wur­de.

Die von Anto­nio Manu­el Pove­da gelei­te­te Archäo­lo­gen­grup­pe leg­te die Reste einer byzan­ti­ni­schen Basi­li­ka frei. Mit ihr war zudem ein wich­ti­ges Ver­wal­tungs- und Finanz­zen­trum der Byzan­ti­ner ver­bun­den.

Neben zahl­rei­chen byzan­ti­ni­schen Mün­zen wur­den ver­schie­de­ne Metall­ge­gen­stän­de ent­deckt, die in der byzan­ti­ni­schen Lit­ur­gie Ver­wen­dung fan­den, dar­un­ter ein Mes­ser, mit dem der Opfer­brot­laib geschnit­ten wur­de, eben­so ein klei­ner Löf­fel, wie er noch heu­te im Byzan­ti­ni­schen Ritus zur Kom­mu­ni­on­spen­dung ver­wen­det wird.

1991 waren in der­sel­ben Gegend zehn Grä­ber mit den Über­re­sten von 16 Bestat­te­ten gefun­den wor­den. Vier von ihnen tru­gen Rin­ge mit dem ein­gra­vier­ten grie­chi­schen Buch­sta­ben Sig­ma, einer von ihnen hat­te auch ein grie­chi­sches Kreuz.

Die nun gemach­ten Ent­deckun­gen erlau­ben, die Grab­fun­de in einen grö­ße­ren Kon­text zu stel­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Goog­le Maps (Screen­shot)




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