Von 223 auf 36 Bistümer schrumpfen

Pläne für neue Diözesangrenzen












Erzbischof Massara, als er am vergangenen Freitag in der Seminarkirche die Ernennung bekanntgab.
Erzbischof Massara, als er am vergangenen Freitag in der Seminarkirche die Ernennung bekanntgab.

(Rom) Der Rotstift von Papst Franziskus erreicht Italiens Bistümer. Manche sprechen auch vom „Bergoglianischen Hammer“.

Italien, das „Land des Papstes“, zählt 227 Diözesen. Die meisten sind sehr alt. Manche reichen bis in die Frühzeit des Christentums zurück, viele zumindest bis in die Antike oder das frühe Mittelalter. Die große Zahl hängt mit dem urbanen Charakter der römischen Verwaltungsgliederung zusammen.

Da es sich um gewachsene historische Einheiten handelt, worauf die Kirche großen Wert legte, blieb ihre Zahl, trotz mancher Zusammenlegungen, aufrecht. Die Bundesrepublik Deutschland zum Vergleich zählt 29 Bistümer. In Zeiten bürokratisierter Effizienzsteigerung und kostensparender Rationalisierung stand es für manche Beobachter fest, daß früher oder später der Rotstift auch bei Italiens Bistümern ansetzen würde.

Am vergangenen Freitag, den 26. Juli gab das vatikanische Presseamt die Ernennung von Erzbischof Francesco Massara von Camerino-San Severino Marche zum Apostolischen Administrator des Bistums Fabriano-Matelica bekannt.

Die Erklärung von Erzbischof Massara.
Die Erklärung von Erzbischof Massara.

Es ist nicht ungewöhnlich, daß ein amtierender Diözesanbischof zugleich auch zum Administrator eines vakanten Nachbarbistums ernannt wird. Dennoch verdient die erwähnte Ernennung Aufmerksamkeit.

Bischof von Fabriano-Matelica, eines Bischofssitzes, der bis ins 5. Jahrhundert zurückreicht, war Msgr. Stefano Russo, den Papst Franziskus im März 2016 ernannt hatte. Kaum zwei Jahre nachdem Msgr. Russo von seinem Bistum Besitz ergriffen hatte, ernannte ihn Papst Franziskus auch schon zum Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz. Dort folgte er auf den umtriebigen Msgr. Nunzio Galantino, den Franziskus als Präfekt der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) in den Vatikan geholt hatte.

Wie zuvor Galantino blieb auch Russo zunächst weiterhin Diözesanbischof, um dann den „schmerzlichen“ Verzicht auf die Diözese bekanntzugeben. Das Rücktrittsgesuch wurde von Franziskus wiederum sofort angenommen.

Am vergangenen Freitag gab Erzbischof Massara seine Ernennung zum Administrator von Fabriano-Matelica bekannt, indem er in der Seminarkirche von Camerino ein Schreiben an „Priester, Ordensleute und alle Gläubigen“ verlas.

Dabei informierte er nicht nur über seine Ernennung, sondern betonte:

„Die beiden Diözesen werden weiterhin, obwohl sie unter der Leitung eines einzigen Bischofs stehen, ihre jeweiligen Verwaltungen getrennt einsetzen mit Blick auf eine territoriale Angleichung, die zu einer Revision der Grenzen führen soll.“

Mit anderen Worten: Es bleibt alles gleich in der Absicht, die beiden Bistümer zusammenzulegen.

Msgr. Stefano Russo, seit einigen Monaten Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz.
Msgr. Stefano Russo, seit einigen Monaten Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz.

Seit 2015 gibt es Gerüchte, daß die Diözesangrenzen in Italien einer radikalen Neueinteilung unterzogen werden sollen. Die 223 Bistümer (die beiden Eparchien der Albaner und jene der Ukrainer sowie die Militärdiözese werden hier nicht berücksichtigt), darunter mehrere Territorialabteien, sollen auf 36 Bistümer zusammengeschrumpft werden. Damit würde auch die Zahl der italienischen Bischöfe massiv schrumpfen.

Das Bistum Fabriano-Matelica, doppelt so groß wie das Fürstentum Liechtenstein, zählt 52.000 Katholiken, 35 Diözesanpriester, 21 Ordenspriester und sechs ständige Diakone. Laut den Plänen zur Neueinteilung, die vorsehen, daß in jedem Fall Bistümer mit weniger als 100.000 Gläubigen in ein Nachbarbistum eingegliedert werden sollen, steht das Bistum Fabriano-Matelica im ehemaligen Kirchenstaat auf der Liste der aufzulösenden Bistümer.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Facebook/Vatican.va (Screenshots)

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1 Kommentar

  1. Der amerikanische Theologe Taylor Marshall hat einmal die amerikanische und die italienische Situation mit Blick auf den Mißbrauchsskandal verglichen. Ohne die Untätigkeit vieler Bischöfe zu entschuldigen, weist er doch sehr klar darauf hin, daß es die großen amerikanischen Diözesen es einerseits den Bischöfen sehr schwer machen, alle Priester im Blick zu behalten, andererseits es aber auch für die Gläubigen schwierig ist, bei Bedarf mit dem Bischof unbürokratisch Kontakt aufzunehmen.

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