Wird es bald drei Päpste geben?

Nach fünf Jahren wieder ein Alessandro Gnocchi












Wird es bald sogar drei „Päpste“ geben?
Wird es bald sogar drei „Päpste“ geben?

(Rom) Wird Papst Franziskus bald zurücktreten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Journalist Alessandro Gnocchi, der zusammen mit dem Rechtsphilosophen Mario Palmaro, bis zu dessen so frühen Tod im März 2014, ein kongeniales Autorenduo bildete. Palmaro und Gnocchi waren in den ersten Monaten des derzeitigen Pontifikats die schärfsten Kritiker der Amtsführung von Papst Franziskus. Erstmals seit Palmaros Tod veröffentlicht Katholisches.info wieder einen Text von Alessandro Gnocchi. Er soll zugleich auch die pessimistische Entwicklung dokumentieren, die dieser Autor seither unter dem Eindruck des inzwischen bald sechs Jahre währenden Pontifikats von Papst Franziskus durchgemacht hat.

Ist für Bergoglio der verdiente Rücktritt in Sicht?

von Alessandro Gnocchi

Es heißt, daß Bergoglio 2019 zurücktreten wird. Dem wird das obligate kuriale „Es scheint sicher“ und „Nicht vergessen, die Sache bleibt unter uns“ nachgeschoben. In bestimmten Kreisen sagen sie es aber. Und wie sie es sagen … Sie sagen es, obwohl die neue Bergoglianische MinCulPop die Kinnbacken abgeklemmt, die Luftröhre abgeschnürt und den Mund gestopft hat. Da die Welt aber die Welt und der Vatikan eben der Vatikan ist, weiß man, daß es kein schlechter gehütetes Geheimnis gibt, als jenes, das dem klerikalen Schweigen anvertraut ist.

Es gibt also jene, die behaupten, daß der Bischof, der vom Ende der Welt kam, wieder – sagen wir – wegen Auslaufen des Vertrags gehen wird – und auch jene, die sagen: auch wegen Ermüdung. Jedenfalls „scheint es sicher“, daß es kein Happy End für eine üble Geschichte sein wird, sondern lediglich der Beginn eines neuen Kapitels in einem infernalischen Roman: Wenn Franziskus I. die Szene verläßt, wird Franziskus II. die Bühne betreten.

Alessandro Gnocchi
Alessandro Gnocchi

Man sollte sich keine Illusionen machen, was einen möglichen Nachfolger betrifft, daß er zumindest die Reste bewahrt oder zumindest eine vage Absicht zeigt, die Pforten der Hölle wieder zu schließen, die inzwischen vor dem Volk Gottes und seinem Führer aufgetan wurden. Die Handlung ist bereits geschrieben, und wer immer sich an die Spitze der freudigen Friedensmaschine setzt, die sich prozessionsartig mit den Standarten der Welt fortbewegt, wird sie bis hinein in den Tempel der auf den Kopf gestellten Wahrheit führen, deren perfektes, lebendes Sakrament die Neokirche ist. Er wird es mit demselben Stil tun, indem er den Logos zerredet, aber Kontinuitäts-Hermeneutiken behauptet, gegen die allerseligste Gottesmutter lästert und Eugenio Scalfari heiligt, oder mit wer weiß welchen Formen, die der kreative Weltgeist empfiehlt, aber er wird es tun. Inzwischen steht fest, daß das Pontifikat der Neokirche nur ein Amt auf Zeit ist, das mit einem klaren Mandat vergeben wird, das nicht gerade göttlich ist, und jeder Papst die Fortsetzung des vorherigen mit anderen Mitteln ist. Das ist der Unternehmensauftrag. Wie schön.

In Wirklichkeit reduzieren solche Überlegungen das Kommen und Gehen in den Heiligen Palästen auf den Rang von Gerede und Machtspielen, die inzwischen das einzige Wesensmerkmal der Römischen Kurie zu sein scheinen.

Die Stimmen über einen baldigen Rücktritt Bergoglios, so sehr sie auch durch den kurialen Konjunktiv dekliniert sein mögen, gehören aber zu jenen, die man nicht einfach in Erwartung einer offiziellen Bestätigung archivieren kann. In Wirklichkeit brauchte ich eine Weile, um sie ernst zu nehmen, obwohl sie mich kurz vor Weihnachten innerhalb von zwei Wochen aus drei verschiedenen Quellen erreichten. Die abgewogene Behutsamkeit, wonach drei Indizien einen Beweis ergeben, funktioniert nur in den Romanen von Agatha Christie, vor allem weil niemand auf die naheliegendste Frage Antwort gab: Wann?

Es war die Antwort des Laien unter meinen Informanten, die mich schließlich überzeugte, doch darüber nachzudenken. In Wirklichkeit gab auch er mir keine Antwort, legte mir dafür aber eine Methode nahe: „Du kennst Dich ja aus. Findest Du nicht ein wichtiges Datum, einen Tag, der symbolisch sein könnte?“

In der Tat, keine Religion und keine Kirche kann ohne Symbole leben, nicht einmal die Anhäufung von weltlichen Banalitäten, die fortgesetzt den Namen der katholischen Kirche mißbraucht. Also habe ich die Datei geöffnet, in der ich als sorgfältiger Journalist die Jahrestage des Jahres 2019 notiere. Ich habe sie mit den Stimmen über einen Rücktritt Bergoglios abgeglichen, und tatsächlich ist mir ein Ergebnis ins Auge gesprungen, das nicht schlecht ist: der 30. November 2019, der 50. Jahrestag der Einführung des neuen Missale von Paul VI.

Es war am 30. November 1969, dem Ersten Adventssonntag, als die Katholiken am Morgen in die Kirche kamen, fanden sie nicht eine neue, sondern vielmehr eine verkehrte Messe vor, die gedacht war, mehr der Welt als Unserem Herrn zu gefallen. Welches andere Datum könnte geeigneter sein, als dieses, um die allerneueste Messe in Kraft zu setzen, in der die Welt endgültig zur Gottheit wird, der das Neoopfer des Neoritus der Neokirche dargebracht wird? Was hätte Bergoglio noch zu tun, um sein Mandat zu erfüllen? Alles was er gesagt, geschrieben, gelehrt und vollbracht hat als Bischof von Rom, hatte zum Zweck, den menschgewordenen Gott durch den Menschen zu ersetzen, auf den Altären, in den Tabernakeln, den Dogmen, der Moral und sogar im Herumblödeln auf hoher und niederer Ebene, das zum ordentlichen Lehramt erhoben wurde und daher grundsätzlich und überhaupt nicht anfechtbar zu sein hat.

Was das Datum betrifft, um liturgisch gewissenhaft zu sein, gilt es zu beachten, daß der 30. November in diesem Jahr ein Samstag ist, weshalb der Zelebrationsapparat auf den darauffolgenden Tag verschoben werden muß: Sonntag, den 1. Dezember, Erster Advent, wie 1969. Sobald die neue Messe des neuen Menschen erlassen ist, bleibt dem Bischof, der vom Ende der Welt kam, nichts mehr zu tun, als sich zurückzuziehen und zu emeritieren. So wird es nach dem nächsten Konklave der Päpste sogar drei geben in bester trinitarischer Symbolik für eine Kirche, in der an Göttlichem kaum mehr etwas übrig ist.

Es ist naheliegend, daß mit den Stimmen über den Rücktritt auch solche über einen möglichen Nachfolger kursieren. Es ist aber noch zu früh, um ihnen Glauben zu schenken. Allerdings kann ich der Versuchung nicht widerstehen und will zumindest eine Prognose wagen: Franziskus II. wird eine „halbe Figur“ sein, eine wenig charismatische Gestalt aus der zweiten Reihe, ein Platzhalter.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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2 Kommentare

  1. „Franziskus II. wird eine „halbe Figur“ sein, eine wenig charismatische Gestalt aus der zweiten Reihe, ein Platzhalter.“

    So sehe ich es auch.

    Es wird so sein wie in der Politik. Auf Merkel folgt Merkel II. usw, bis das ganze System kippt.

    Zwischen Kirche und Gesellschaft gibt es jedoch einen wesentlichen Unterschied: das politische demokratische System ist flexiler als das starre hierarchische.

    Darauf hat ja Erzbischof Marcel Lefebvre immer wieder hingewiesen, wenn er sagte: „Die Kirche zertört sich durch sich selbst.“ Das heißt durch einen Gehorsam, den die Orthodoxen schlichtweg ‚Papismus‘ nennen.

    Eine Erneuerung der Kirche kann nur von unten ausgehen.

    So ist es schon als Ironie der Geschichte anzusehen, dass gerade der demokratisch verstandene Slogan der Progressisten „Die Gesamtheit des pilgernden Volkes Gottes kann nicht irren“ anzeigt, wo wir gerade kirchlich ‚pilgernd‘ stehen: nämlich in der Irre. Und dass erst der gesellschaftliche Wandel eine Erneuerung im Sinne der Tradition der Kirche mit sich bringen wird.

    Die gegenwärtigen Hirten sind ja leider, die Wahl des Bildes sei mir hier aufgrund seiner Anschaulichkeit nachgesehen, der ‚Ab-‚ oder Aufschaum‘ der Volksgärung (vergleichbar mit einem gezapften Bier). Der Schaum, beim Bier redet man von der Krone, zeigt die Bewegung innerhalb des Gebräus.

    Eine wirklich hierarchische Kirche bliebe weitgehend unbeeindruckt von den gesellschaftlichen Wandlungen, da sich ihre Autorität nicht von Menschen, sondern immer von Gott ableitet.

    Die ‚humane Kirche‘, die der humanen Theologie folgt, macht jedoch zwangsläuig Abstriche bei der Lehre.

  2. Woher nimmt der Autor die These, von Papst Franziskus werde eine Reform der sog. neuen Messe, also eine Neue Neue Messe erarbeitet. Habe ich da etwas verpasst?

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