Dreimal ausgeliefert

„Aber ich bleibe dennoch“

Dreimal ausgeliefert
Dreimal ausgeliefert

Mit dem Penn­syl­va­nia-Report, dem Fall McCarrick und dem Viganò-Dos­sier wur­de eine Büch­se der Pan­do­ra geöff­net: der sexu­el­le Miß­brauch durch Kle­ri­ker. Mit dem MHG-Bericht der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz hat das The­ma auch Deutsch­land erreicht, aller­dings mit dem Ver­such, die Ange­le­gen­heit zu „kon­trol­lie­ren“ und zen­tra­le Zusam­men­hän­ge zu ver­schwei­gen. Das gilt beson­ders für die ver­such­te Leug­nung eines Zusam­men­han­ges zwi­schen sexu­el­lem Miß­brauch und Homo­se­xua­li­tät. Zur Erin­ne­rung: Mehr als 80 Pro­zent der min­der­jäh­ri­gen Opfer sind Jun­gen ab 11 Jah­re, die Täter Homo­se­xu­el­le.

Mit der Wucht und Auto­ri­tät des per­sön­lich Betrof­fe­nen, mel­de­te sich noch im Som­mer der Jurist und Theo­lo­ge Mar­kus Büning zu Wort. Nun legt er eine Publi­ka­ti­on zur Sache vor.

Hier die Ein­lei­tung:

Dreimal ausgeliefert

Aus­ge­lie­fert! War­um? Weil mei­ne Eltern ihm ver­trau­ten, dem ach so from­men und kon­ser­va­ti­ven Pfar­rer aus dem Sauer­land. Eine Urlaubs­be­kannt­schaft: „Sie kön­nen mir den Jun­gen mal ger­ne für eini­ge Tage vor­bei­brin­gen. Da kann er bei mir Urlaub machen.“ Schö­ner Urlaub: Mas­si­ve Anma­che! Des „Hoch­wür­di­gen“ Herrn Pfar­rers Art, ein Abend­ge­bet zu spre­chen und mir dabei in den Schritt zu fas­sen! Abwehr mei­ner­seits! Stopp! Am näch­sten Mor­gen: „Du glaubst doch wohl nicht, dass Dei­ne Eltern Dir die­ses Schau­er­mär­chen abneh­men!“ Immer die glei­che Masche: Ein­schüch­te­rung und Macht­miss­brauch. Tage unglaub­li­cher Angst, nicht mehr unver­sehrt nach Hau­se zurück­keh­ren zu dür­fen…
Aus­ge­lie­fert! War­um? Seit Jah­ren erle­be ich in den Pfar­rei­en unse­res Bis­tums eine mas­si­ve lit­ur­gi­sche Will­kür. Die Mes­se, das Hei­lig­ste was wir Katho­li­ken haben, scheint zum Spiel­ball diver­ser Kle­ri­ker und Grup­pen ver­kom­men zu sein. Auch hier: Ein­spruch sinn­los! Beschwer­den frucht­los! Wand­lungs­wor­te wer­den ver­än­dert, Hoch­ge­be­te ver­fälscht oder gar völ­lig neu kre­iert. Eine wei­te­re Form schlim­men Miss­brau­ches.

Aus­ge­lie­fert! War­um? Seit Jah­ren muss ich mir Pre­dig­ten anhö­ren, die ein­deu­tig dem Glau­ben der Kir­che wider­spre­chen. Die direk­te Kon­fron­ta­ti­on mit sol­chen Pre­di­gern bringt nichts. Die Beschwer­den im Ordi­na­ri­at auch nicht, offen­kun­dig nicht gern gese­he­ne Papier­ti­ger. Auch der Zwi­schen­ruf bringt nichts. Was bleibt? Man muss sich immer wie­der mal häre­ti­sche Pre­dig­ten an Sonn- und Fest­ta­gen bie­ten las­sen. Kan­zel­miss­brauch: Auch eine Form von Macht­miss­brauch!

Was bleibt? Ja, ich füh­le mich drei­fach aus­ge­lie­fert und muss an die drei­ma­li­ge Ver­leug­nung des Herrn durch Petrus den­ken. All dies tut unend­lich weh! Ohn­macht! Ohn­macht über Papst und Bischö­fe, die seit Jahr­zehn­ten nur wenig gegen die­sen drei­fa­chen Miss­brauch tun. War­um tut kaum einer was dage­gen? Aus Angst? Fra­gen über Fra­gen? Mir erscheint es nun ganz wich­tig zu sein, in die­ser schwe­ren Kri­sen­zeit wahr­zu­neh­men, dass wir in unse­rer Kir­che seit Jahr­zehn­ten einen mehr­fa­chen Miss­brauch vor­fin­den, der die Gläu­bi­gen ver­letzt. Wir dür­fen das Pro­blem des sexu­el­len Miss­brau­ches nicht iso­liert betrach­ten. All dies konn­te offen­kun­dig nur gesche­hen, weil Kle­ri­ker ihre von Chri­stus und sei­ner Kir­che emp­fan­ge­ne Voll­macht miss­brau­chen, ihr Amt miss­brau­chen. All ihr Tun scheint ihrem Wil­len unter­wor­fen zu sein und nicht dem Wil­len des­sen, des­sen Gesche­hen wir im Vater Unser tag­täg­lich erfle­hen.

Die fol­gen­den Über­le­gun­gen sol­len ganz unge­schminkt die­se drei Sze­na­ri­en des Aus­ge­lie­fert­seins durch amts­miss­brau­chen­de Kle­ri­ker in den Blick neh­men. Hier­bei wer­den auch Fra­gen an den Papst und die Bischö­fe gestellt, die sich aus mei­ner Sicht dar­aus erge­ben.

Aber der Leser soll nicht rat­los blei­ben. Nein, ich sehe im Wort des Lebens (vgl. Joh 6,68) die gro­ße Ant­wort für unser Blei­ben in der Kir­che. Anhand von vier bibli­schen Sze­nen soll auf­ge­zeigt wer­den, war­um es sich trotz alle­dem noch lohnt, dabei zu blei­ben. Ich hof­fe so, eini­gen Lesern, die in die­ser schwe­ren Stun­de der Kir­che nicht mehr ein noch aus wis­sen, einen Weg auf­zei­gen zu kön­nen, der trägt. All mei­ne Gedan­ken wei­he ich der aller­se­lig­sten Jung­frau und Got­tes­mut­ter Maria, dem Meer­stern auf unse­rer nächt­li­chen Fahrt. Möge sie uns alle an die Hand neh­men und zu Jesus füh­ren, der der eigent­li­che Herr sei­ner Kir­che ist.

Not­tuln, am Fest Mariä Namen 2018

Mar­kus Büning

Mar­kus Büning, Drei­mal aus­ge­lie­fert, aber ich blei­be den­noch!, Chri­stia­na Ver­lag, 5,00 Euro

 

1 Kommentar

  1. Was für ein Text, Herr Büning, was für ein Text.
    So füh­le ich mich auch. Wenn man nach einer Pre­digt zur Anbe­tung des Frem­den (des­sen Gott damit ver­ge­gen­wär­tigt wird) zur Kom­mu­ni­on geht, ist man näm­lich ent­we­der ein­ge­schüch­tert und ernied­rigt, weil man durch die­se Nöti­gung zum Schwei­gen gebracht wur­de und sich selbst nicht mehr fühlt oder man ist wütend, und auch damit wer­den Mes­se und Opfer zer­stört.
    In der Tat gibt es hier Par­al­le­len zu den Ernied­ri­gun­gen als Kind durch sexu­el­le Über­grif­fe.

    Es geht über­haupt nur um Macht und Ernied­ri­gung, um Zer­stö­rung.
    Wir sind die Miss­bräu­che betref­fend erst am Anfang der Offen­le­gung. Ich bin über­zeugt, dass Gott die­se Offen­le­gung will. Nicht umsonst kommt das alles auf ein­mal von über­all her hoch.

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