Bischof festgenommen

Bischof zusammen mit Generalvikar, weiteren Priestern und einigen Laien festgenommen.
Bischof zusammen mit Generalvikar, weiteren Priestern und einigen Laien festgenommen.

(Bra­si­lia) Die bra­si­lia­ni­schen Behör­den haben gestern einen Bischof und meh­re­re Prie­ster fest­ge­nom­men. Ihnen wird vor­ge­wor­fen, Spen­den­gel­der und ande­re Ver­mö­gens­wer­te des Bis­tums ver­un­treut zu haben.

Fest­ge­nom­men wur­den der Diö­ze­san­bi­schof von For­mo­sa, Msgr. José Ronal­do Ribei­ro, sein Gene­ral­vi­kar und vier wei­te­re Prie­ster sowie ande­re Mit­ar­bei­ter des Bis­tums. Allen wird zur Last gelegt, sich an Spen­den­gel­dern der Gläu­bi­gen ver­grif­fen zu haben. Dies berich­ten bra­si­lia­ni­sche Medi­en unter Beru­fung auf Behör­den­ver­tre­ter.

Die Fest­nah­men, beson­ders jene des Bischofs, lösten gro­ßes Auf­se­hen aus. Sie erfolg­ten im Rah­men der Ope­ra­ti­on Cai­fás, wie die Ermitt­ler die gestern in den frü­hen Mor­gen­stun­den begon­ne­ne Akti­on nann­ten. Die Poli­zei rück­te aus, um eine „kri­mi­nel­le Ver­ei­ni­gung“ zu zer­schla­gen. Eine sol­che setzt die Ermitt­lungs­be­hör­de vor­aus, wenn meh­re­re Per­so­nen sich zusam­men­tun, um gemein­sam eine Straf­tat zu bege­hen. Der Zugriff auf Gel­der und Ver­mö­gens­wer­te des Bis­tums For­mo­sa habe sich an der diö­ze­sa­nen Kurie und in eini­gen Pfar­rei­en im Bun­des­staat Goiás ereig­net.

Gestern wur­den neun Per­so­nen fest­ge­nom­men. Ins­ge­samt wur­den 13 Haft­be­feh­le aus­ge­stellt und zehn Haus­durch­su­chun­gen ange­ord­net. In den Abend­stun­den such­te die Poli­zei noch nach eini­gen Per­so­nen. Die Ope­ra­ti­on Cai­fás fand zeit­gleich in drei Orten statt, in For­mo­sa, Pos­se und Pla­nal­ti­na.

Die Haus­durch­su­chun­gen fan­den an der diö­ze­sa­nen Kurie von For­mo­sa und in eini­gen Pfar­rei­en statt.

Anonyme Anzeige

Aus­gangs­punkt für die Ermitt­lun­gen in der Ope­ra­ti­on Cai­fás war eine anony­me Anzei­ge von 30 Gläu­bi­gen. In ihr wird behaup­tet, daß es seit 2015 finan­zi­el­le Unre­gel­mä­ßig­kei­ten in der Diö­ze­se gebe und seit­her Geld abge­zweigt wer­de.

Bischof Ribeiro wird abtransportiert
Bischof Ribei­ro wird abtrans­por­tiert

Die nähe­ren Hin­ter­grün­de sind noch unklar, da noch kei­ne Ankla­ge erho­ben wur­de. Die Fest­nah­me eines Diö­ze­san­bi­schofs stellt alle­mal einen außer­ge­wöhn­li­chen Akt dar. Allen Betei­lig­ten wird laut dem von Staats­an­walt Dou­glas Che­gu­ry aus­ge­stell­ten Haft­be­fehl vor­ge­wor­fen, aus den Kas­sen der Diö­ze­se jähr­lich eine Mil­li­on Bra­si­lia­ni­sche Real ver­un­treut zu haben. Die Sum­me ent­spricht in etwa dem Gegen­wert von 250.000 Euro.

Mit dem Geld sol­len die Betei­lig­ten eine Rin­der­farm und ein Glücks­spiel­ge­schäft in der Stadt Pos­se gekauft haben. Das sei „der Ver­dacht“, wie der zustän­di­ge Rich­ter Fer­nan­do Oli­vei­ra Samu­el von der Zwei­ten Straf­kam­mer von For­mo­sa bestä­tig­te.

Der Staats­an­walt ist über­zeugt, daß die Betei­lig­ten sich Gel­der des Bis­tums zum eige­nen Vor­teil ange­eig­net hät­ten. Che­gu­ry geht von einem Scha­den für das Bis­tum von min­de­stens zwei Mil­lio­nen Real aus. Von dem Geld habe bis­her nur ein Teil sicher­ge­stellt wer­den kön­nen. Auch sei­en PKWs des Bis­tums zum eige­nen Vor­teil „umge­lei­tet“ wor­den.

Bischof bestreitet Unregelmäßigkeiten

In einem dop­pel­ten Boden im Haus des Prie­sters Epita­cio Card­ozo Perei­ras fand die Poli­zei „eine gro­ße Men­ge Geld“. In sei­ner ersten Ein­ver­nah­me habe der Prie­ster aus­ge­sagt, daß das Geld nicht ihm gehö­re, son­dern der Diö­ze­se. Es hand­le sich um Kol­lek­ten­geld. Die Auf­be­wah­rung im dop­pel­ten Boden die­ne nur der Sicher­heit, solan­ge er soviel Geld im eige­nen Haus auf­be­wah­re.

Msgr. José Ronal­do Ribei­ro wur­de 2014 von Papst Fran­zis­kus zum Bischof von For­mo­sa ernannt. 1985 hat­te er die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen.

Bischof Ribei­ro bestrei­tet jede Form von Miß­brauch oder Unre­gel­mä­ßig­kei­ten. Das Geld sei für die Bedürf­nis­se zur Erhal­tung des Kle­rus­hau­ses, des Prie­ster­se­mi­nars und ande­rer Diö­ze­san­ein­rich­tun­gen auf­ge­wen­det wor­den. „Dar­an ist nichts falsch“, so der Bischof.

Staats­an­walt Che­gu­ry behaup­tet hin­ge­gen, daß der Bischof ver­sucht habe, Zeu­gen ein­zu­schüch­tern.

Der Haft­be­fehl gilt gemäß bra­si­lia­ni­scher Rechts­ord­nung vor­erst für fünf Tage.

Für alle Betei­lig­ten gilt die Unschulds­ver­mu­tung.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Fanf1/UOL (Screen­shots)