Als Saul und Paul sich trafen — Saul David Alinsky und Papst Paul VI.

Saul David Alinsky: Anleitungen zur Machtübernahme von radikalen Minderheiten. Alinsky war zwei Wochen persönlicher Gast des damaligen Erzbischofs von Mailand, Giovanni Battista Kardinal Montini
Saul David Alinsky (1909-1972): Anleitungen zur Machtübernahme durch radikale Minderheiten. Alinsky war zwei Wochen persönlicher Gast des damaligen Erzbischofs von Mailand, Giovanni Battista Kardinal Montini

von John J. Are­chi­ga

Crom­well wird gemein­hin fol­gen­de Fest­stel­lung zuge­schrie­ben: “Es ist an der Zeit Geschich­te zu stu­die­ren, um zu erken­nen, was in unse­ren Tagen wirk­lich auf dem Spiel steht.“ Aber wer auch immer die­sen Satz gesagt hat: Es ist an der Zeit die maß­geb­li­che welt­li­che Geschich­te zu erfor­schen, um zu erken­nen, was heu­te auf dem Spiel steht. Und so soll­te man sich u.a. fra­gen, wel­chen Ein­fluss Saul David Alin­sky auf Papst Paul VI, auf das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und auf den heu­ti­gen moder­ni­sti­schen Katho­li­zis­mus – beson­ders den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka hat­te und noch hat.

Bevor Papst Paul VI, zum Papst gewählt wur­de, beriet er sich mit Saul David Alin­sky „über die Bezie­hun­gen der Kir­che zu den orts­an­säs­si­gen kom­mu­ni­sti­schen Gewerk­schaf­ten“. Als die­se Begeg­nung statt­fand war Saul Alin­sky bereits ein bekann­ter Autor:

„1944 nahm der Ver­lag der Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go Alin­sky für ein Buch unter Ver­trag, das des­sen Visi­on eines neu­en ame­ri­ka­ni­schen Radi­ka­lis­mus bekannt machen soll­te. Sechs Mona­te vor­her hat­te bereits die Mit­in­ha­be­rin der ‚Washing­ton Post‘, Agnes Mey­er, gemein­sam mit ihrem Ehe­mann Euge­ne, Alin­sky durch eine sechs­tei­li­gen Arti­kel­rei­he über die ‚Geord­ne­te Revo­lu­ti­on‘ in den Him­mel gelobt. Der dama­li­ge [demo­kra­ti­sche, Anm.d.Ü.] Prä­si­dent Tru­man bestell­te 100 Reprints die­ser Arti­kel­rei­he. Als Alin­skys Mani­fest ‚Reveil­le for Radi­cals‘ [dt. Weck­ruf für Radi­ka­le] im Janu­ar 1946 in die Buch­hand­lun­gen gelie­fert wur­de, war er bereits ein gemach­ter Mann. ‚Reveil­le‘ wur­de zu einem lan­des­wei­ten Best­sel­ler und Mrs. Mey­er leg­te mit der Finan­zie­rung von Alin­skys ‚Indu­stri­al Are­as Foun­da­ti­on‘ los“ (Zitat aus Horowitz/Poe, The Shadow Par­ty, Sei­te 58–59).

Spä­ter, 1971, wäh­rend des Pon­ti­fi­kats von Papst Paul VI., schrieb Alin­sky „Anwei­sun­gen für Radi­ka­le: Ein prak­ti­sches Lehr­buch für rea­li­sti­sche Radi­ka­le“.

Woher wis­sen wir aber, dass sich Papst Paul VI. mit Saul Alin­sky bera­ten hat? [Die katho­li­sche Ent­hül­lungs-Jour­na­li­stin] Ran­dy Engel, schreibt in ihrem Buch „The Rite of Sodo­my“, dass Paul VI. auf Alin­sky traf, als er noch Erz­bi­schof von Mai­land war:

„So hieß es vom neu­en Erz­bi­schof von Mai­land, dass er kei­ne Kir­chen­glocken läu­ten, son­dern Fabrik­si­re­nen heu­len hör­te.“

„Es war also nicht ver­wun­der­lich, dass einer der Besu­cher der erz­bi­schöf­li­chen Resi­denz, Jac­ques Mari­tain, der einst­mals gro­ße tho­mi­sti­sche Phi­lo­soph, Saul David Alin­sky mit­brach­te, den ‚Apo­stel der Kon­ti­nu­ier­li­chen Revo­lu­ti­on‘. Mon­ti­ni (damals Erz­bi­schof von Mai­land, spä­ter Papst Paul VI.) war der­art beein­druckt von dem Mann, den Mari­tain als einen ‚engen, guten Freund‘ bezeich­ne­te, dass er ihn ein­lud, für zwei Wochen sein Gast zu sein, um sich mit ihm über die Bezie­hung der Kir­che zu den ört­li­chen kom­mu­ni­sti­schen Gewerk­schaf­ten zu bera­ten“ (The Rite of Sodo­my, Sei­te 1143).

Die­ses Tref­fen Alin­skys mit Papst Paul VI. wird im Wesent­li­chen durch Hil­la­ry Dia­ne Rod­ham Clin­ton bestä­tigt. In ihrer Diplom­ar­beit am Wes­ley­an Col­le­ge im Jahr 1969 schreibt sie:

„Alin­sky bedien­te sich häu­fig der Katho­li­schen Kir­che, und auf Drän­gen sei­nes Freun­des Jac­ques Mari­tain beriet er sogar den Vati­kan bezüg­lich der  pro­ble­ma­ti­schen gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung in Süd­ita­li­en“ (sic!, Sei­te 28 von 92 der digi­ta­len Aus­ga­be).

Die Fuß­no­te 27 (Sei­te 28) der Diplom­ar­beit weist die Quel­le als „Inter­view mit Alin­sky in Bos­ton“ aus (Sei­te 45)

In der Abtei­lung „Per­sön­li­che Inter­views“ der Pri­mär­quel­len [ der Libra­ry of Con­gress in den USA] schreibt Hil­la­ry Dia­ne Rod­ham Clin­ton unter dem Ein­trag „Alin­sky, Saul D.“:

 „Ich habe mich mit Herrn Alin­sky zwei­mal getrof­fen. Ein­mal in Bos­ton im Okto­ber und am Wel­les­ley Col­le­ge im Janu­ar. Bei­de Male zeig­te er sich sehr inter­es­siert an mei­ner Arbeit und teil­te groß­zü­gig sei­ne Ideen mit mir. Sein Ange­bot, mich in sei­nem neu­en Insti­tut anzu­stel­len, war ver­füh­re­risch, aber nach­dem ich ein Jahr lang ver­such­te hat­te, sei­ne Sprung­haf­tig­keit rich­tig zu inter­pre­tie­ren, ent­schied ich mich lie­ber für drei Jah­re juri­sti­scher Stren­ge“ [Hil­la­ry Clin­ton ging nach dem Col­le­ge nach Yale um Jura stu­die­ren, Anm.d.Ü.].

Es han­delt sich um die­sel­be Hil­la­ry Dia­ne Rod­ham Clin­ton, deren Tak­ti­ken und Ver­hal­ten wäh­rend ihrer Wahl­kam­pa­gne zur ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schaft im Jahr 2016 Saul Alin­skys „Anwei­sun­gen für Radi­ka­le“ wider­spie­gel­ten.

 

Alinsky Buch von 1946
Alin­sky-Buch von 1946

Aus den Vor­ge­hen­den ergibt sich, dass Papst Paul VI. Saul Alin­sky zwi­schen dem 5. Janu­ar 1955 und Juni 1963 getrof­fen haben muss, als er noch Erz­bi­schof von Mai­land war. Sie haben sich auf jeden Fall eini­ge Jah­re nach der Publi­ka­ti­on von „Weck­ruf für Radi­ka­le“ im Jahr 1946 und noch vor der Publi­ka­ti­on von „Anwei­sun­gen für Radi­ka­le. Ein prak­ti­sches Lehr­buch für rea­li­sti­sche Radi­ka­le“ getrof­fen.

Was wis­sen wir aber dar­über hin­aus über Papst Paul VI.? Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil wur­de am 25. Janu­ar 1959 durch Papst Johan­nes XIII ange­kün­digt und am 11. Okto­ber 1962 eröff­net, als der spä­te­re Papst Paul Erz­bi­schof von Mai­land war. Fünf Tage nach­dem er zum Papst gewählt wor­den war, am 29. Sep­tem­ber 1963, wur­de das Kon­zil von Papst Paul VI. für die näch­sten drei Sit­zun­gen erneut zusam­men­ge­ru­fen und schloß am 8. Dezem­ber 1965.

Am 17. Juli 1967, wäh­rend des Pon­ti­fi­kats von Paul VI., ersetz­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on den Anti­mo­der­ni­sten­eid Sacro­rum anti­sti­tum von Papst Pius X. aus dem Jahr 1910 durch ein wesent­lich weni­ger stren­ges „Glau­bens­be­kennt­nis“.

Die­se Aus­wechs­lung des Anti­mo­der­ni­sten­ei­des von 1910 gegen die moder­ne Glau­bens­for­mel öff­ne­te erneut die Schleu­sen für die moder­ni­sti­sche Flut und auch jene Lita­nei von Ände­run­gen, die man dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil zuschrei­ben kann. Im End­ergeb­nis war der 17. Juli 1967 ein Sie­ges­tag der moder­ni­sti­schen Infa­mie.

Was wis­sen wir nun über Saul David Alin­sky? Sei­ne Per­son  wird wohl am besten durch reprä­sen­ta­ti­ve Zita­te aus sei­nen Wer­ken und auch den Wer­ken, die ande­re über ihn ver­öf­fent­lich­ten, cha­rak­te­ri­siert. Zum Bei­spiel die Wid­mung der „Anwei­sun­gen für Radi­ka­le“:

„Wie könn­ten wir wohl eine klei­ne Wür­di­gung des aller­er­sten Radi­ka­len ver­ges­sen: Aus all unse­ren Legen­den, Mythen und der Geschich­te „” und wer weiß schon genau, wo Mythen enden und die Geschich­te beginnt, oder was davon was ist „” ist uns der erste Radi­ka­le bekannt, der gegen das Estab­lish­ment rebel­lier­te, und das so effi­zi­ent, daß er immer­hin sein eige­nes König­reich erober­te „” Luzi­fer.“

[In die ver­grif­fe­ne dt. Über­set­zung wur­de die­se Wid­mung nicht über­nom­men. Anm.d.Ü.]

„Das Fol­gen­de ist für Men­schen geschrie­ben, die die Welt so wie sie ist, ver­än­dern wol­len, in eine Welt, wie sie ihrer Ansicht nach sein soll­te. ‚Der Fürst‘ wur­de von Mac­chia­vel­li für die Haben­den (Haves) geschrie­ben und han­delt davon, wie sie an der Macht blei­ben. Die ‚Anwei­sun­gen für Radi­ka­le‘ sind für die Nicht-Haben­den (Have-Nots) geschrie­ben und han­delt davon, wie man sie weg­nimmt“ („Anwei­sun­gen für Radi­ka­le“, erster Absatz).

Erin­nert uns das nicht an Sozia­lis­mus, Umver­tei­lung und Befrei­ungs­theo­lo­gie?

 „Als Com­mu­ni­ty Orga­ni­zer muss ich von der Welt aus­ge­hen, so wie sie ist, und nicht davon, wie die Welt sein soll­te. Das wir die Welt so anneh­men, wie sie ist, schwächt aber nicht unse­ren Wil­len, sie in das zu ver­wan­deln, was wir glau­ben, die Welt sein soll­te. Wenn wir sie so ver­än­dern wol­len, wie wir es für rich­tig hal­ten, ist es jedoch not­wen­dig dort zu begin­nen, wo die Welt steht. Das heißt, wir müs­sen inner­halb des Systems arbei­ten“ („Anwei­sun­gen für Radi­ka­le“, Vor­wort, Sei­te xix).

Erin­nert das „inner­halb des System arbei­ten“ nicht an moder­ni­sti­sche Prie­ster, Bischö­fe, Erz­bi­schö­fe und Kar­di­nä­le?

Der Ver­le­ger der aktu­el­len Aus­ga­be der „Anwei­sun­gen“ zögert nicht, Saul David Alin­sky sowohl mit Barack Oba­ma als auch mit Hil­la­ry Clin­ton in Ver­bin­dung zu brin­gen:

„Alin­skys Metho­den und Leh­ren beein­fluss­ten gan­ze Genera­tio­nen von Gemein­we­sen- und Arbei­ter­füh­rern, jene kirch­li­chen Grup­pie­run­gen ein­ge­schlos­sen, die u.a. den jun­gen Barack Oba­ma anwar­ben, um in den 1980gern im Süden Chi­ga­gos Gemein­we­sen­ar­beit zu orga­ni­sie­ren … Alin­sky beein­druck­te die jun­ge Hil­la­ry Clin­ton, die in Park Ride auf­wuchs, als Alin­sky der Lei­ter der ‚Indu­stri­al Areas‘-Stiftung in Chi­ca­go war“ („Anwei­sun­gen für Radi­ka­le“, Aus­zug aus einer Rezen­si­on der Chi­ca­go Sun-Times auf dem Klap­pen­text).

Das Wort „katho­lisch“ fin­den wir in den den „Anwei­sun­gen“ elf­mal, „Prie­ster“ erscheint acht­mal, „Bischof“ sechs­mal und „Kar­di­nal“ immer­hin ein­mal, genau wie „Luzi­fer“. Man­cher Zusam­men­hang, in dem sie ste­hen, scheint nichts­sa­gend, ande­re Zusam­men­hän­ge aller­dings sehr ein­deu­tig und maß­geb­lich für die heu­ti­ge katho­li­sche Kir­che in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Hier nun ein paar die­ser sowohl nichts­sa­gen­den wie auch ein­deu­ti­gen und maß­geb­li­chen Zita­te (Her­vor­he­bun­gen durch d.A.):

„Um zwei Bei­spie­le zu geben: Da wäre ein­mal der Prie­ster, der unbe­dingt Bischof wer­den will und sich durch Schmei­che­lei­en und Draht­zie­he­rei­en nach oben arbei­tet. Er recht­fer­tigt sich mit den Wor­ten: ‚Wenn ich Bischof bin, dann habe ich durch mein Amt mehr Mög­lich­kei­ten die Reform der Kir­che vor­an­zu­trei­ben‘. Oder der Geschäfts­mann, der damit argu­men­tiert, dass er erst ‚eine Mil­li­on ver­die­nen‘ muss, bevor er sich den ‚wich­ti­gen Din­gen‘ des Lebens wid­men kann. Unglück­li­cher­wei­se ver­än­dert man sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se auf dem Weg zum Bischofs­amt oder der ersten Mil­li­on, und sagt sich dann: ‚Wenn ich erst Kar­di­nal bin, dann kann ich mich effi­zi­en­ter ein­set­zen‘ oder ‚mit zwei Mil­lio­nen kann ich bes­ser etwas anfan­gen‘ und so geht das wei­ter…“ (Rules for Radi­cals, Sei­te 13)

„Wäh­rend eini­ger Jah­re, such­ten mich jedes Jahr die Akti­vi­sten des Abschluss­jahr­gang einen gro­ßen katho­li­schen Prie­ster­se­mi­nars in der Nähe von Chi­ca­go am Tag vor ihrer Prie­ster­wei­he auf, um mir Fra­gen über Wer­te, revo­lu­tio­nä­re Tak­ti­ken und ähn­li­ches zu stel­len. Am Ende eines sol­chen Tages, sag­te mir einer der Semi­na­ri­sten: ‚Herr Alin­sky, bevor wir hier­her kamen, haben wir gemein­sam ent­schie­den, dass wir ihnen eine Fra­ge auf jeden Fall stel­len woll­ten. Wir wer­den bald geweiht, und dann wird man uns über ver­schie­de­nen Pfar­rei­en ver­tei­len, wo wir als Assi­sten­ten von – ehr­lich gesagt – alten, bie­de­ren und reak­tio­nä­ren Pasto­ren arbei­ten müs­sen. Die wer­den mit dem Mei­sten, an das Sie und wir glau­ben, nicht ein­ver­stan­den sein, und man wird uns in eine uns ersticken­de All­tags­rou­ti­ne zwin­gen. Unse­re Fra­ge ist nun: Wie wer­den wir unse­ren Glau­ben an die wah­ren christ­li­chen Wer­te erhal­ten kön­nen und dass wir es schaf­fen wer­den das System zu ver­än­dern?‘ Die Ant­wort fiel leicht. Ich sag­te: ‚Wenn Sie heu­te dort zur Tür hin­aus­ge­hen, tref­fen Sie ihre per­sön­li­che Ent­schei­dung dar­über, ob Sie ein Bischof wer­den wol­len oder ein Prie­ster. Alles ande­re wird sich dar­aus erge­ben‘.“ (‚Rules for Radi­cals‘, Sei­te 13).

„… In den letz­ten zwei Jah­ren habe ich eine beson­de­re fünf­zehn­mo­na­ti­ge  ganz­tä­gi­ge Schu­lung für ‚Orga­ni­zer‘ ange­bo­ten. Die Teil­neh­mer­schaft reich­te von Akti­vi­stin­nen aus der Mit­tel­schicht bis zu katho­li­schen Prie­stern sowie pro­te­stan­ti­schen Geist­li­chen aller Bekennt­nis­se, von mili­tan­ten India­nern über mexi­ka­ni­sche Chi­ca­nos und Puer­to­ri­ca­nern bis zu allen Grup­pie­run­gen der Black Power-Bewe­gung, von den Black Pan­thers bis zu den radi­ka­len Den­kern, von den an den Uni­ver­si­tä­ten agie­ren­den Akti­vi­sten,  den Stu­dents for a Demo­cra­tic Socie­ty,  bis zu einem katho­li­schen Prie­ster, der sich einer Revo­lu­ti­ons­be­we­gung in Süd­ame­ri­ka zuge­hö­rig fühl­te“ (Rules for Radi­cals Sei­te 63).

“Als wir unse­re Orga­ni­sa­ti­on auf dem Ter­ri­to­ri­um der Back of the Yards [Alin­skys erstes Groß­pro­jekt in Chi­ca­go, Anm.d.Ü.] auf­bau­ten, wur­den wir von den pol­ni­schen römisch-katho­li­schen Gemein­den in Chi­ca­go unter­stützt, weil die­se über den grö­ß­er­wer­den­den Ein­fluss der iri­schen römisch-katho­li­schen Gemein­den besorgt waren“ (Rules for Radi­cals Sei­te 76).

Was aber haben ande­re über Alin­sky geschrie­ben?

Katho­li­sche Bischö­fe haben erwie­se­ner­ma­ßen die Schu­lun­gen nach Alin­skys Metho­de für Barack Oba­ma finan­ziert. Der Bericht ent­hält erhel­len­de Doku­men­te (Arti­kel von Hoff­man, Mat­thew Cul­lin­an auf Life­Si­teNews am 23. Juli 2012).

Über den Ein­fluss Saul Alin­sky auf die [von der ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz geför­der­te] Cam­pai­gn for Human Deve­lo­p­ment wur­de 1998 eine theo­lo­gi­sche Stu­die ver­öf­fent­licht. Die Anmer­kun­gen des Her­aus­ge­bers sind im wesent­li­chen auch ein Über­blick über deren Inhalt:

„Der Autor legt dar, dass die 1969 gestar­te­te ‚Kam­pa­gne für huma­ne Ent­wick­lung‘, das bedeu­tend­ste und läng­ste Sozi­al­ex­pe­ri­ment des US-Katho­li­zis­mus ist. Als nach­kon­zi­lia­re Reak­ti­on auf ein Ame­ri­ka, das in der Kri­se steck­te, ist die­se Kam­pa­gne eine ein­zig­ar­ti­ge Quel­le, um die Ent­wick­lung einer spe­zi­fi­schen, haus­ge­mach­ten nord­ame­ri­ka­ni­schen Theo­lo­gie zu stu­die­ren. Von zen­tra­ler Bedeu­tung war die Ein­bin­dung des Vor­den­kers des Com­mu­ni­ty Orga­ni­zing, Saul David Alin­sky, durch die Bischö­fe“ (Engel/Lawrence, Der Ein­fluß von Saul Alin­sky auf die Kam­pa­gne für huma­ne Ent­wick­lung. Eine theo­lo­gi­sche Stu­die, 1998.).

Die katho­li­sche Kam­pa­gne für huma­ne Ent­wick­lung (CCHD) eig­net sich Saul Alin­skys Ver­mächt­nis an (Kolum­ne von Judie Brown in Rene­wAme­ri­ca, 20. Novem­ber 2010).

2015 ver­öf­fent­lich­te das Lepan­to Insti­tut den Kom­men­tar „Der mar­xi­sti­sche Kern der katho­li­schen Kam­pa­gne für huma­ne Ent­wick­lung“ von Micha­el Hich­born. Hich­borns Kom­men­tar ver­bin­det deut­lich Saul David Alin­sky mit der Kam­pa­gne für huma­ne Ent­wick­lung (Micha­el Hich­born, The Mar­xist Core of the Catho­lic Cam­pai­gn for Human Deve­lo­p­ment, Kom­men­tar vom 18. Novem­ber 2015).

“Der radi­ka­le Com­mu­nitiy Orga­niser Saul Alin­sky, ein frü­her Men­tor von Sena­to­rin Hil­la­ry Clin­ton und vie­ler  Akteu­re der Schat­ten­par­tei, leg­te für sei­ne Jün­ger den Weg zur Macht in der ame­ri­ka­ni­schen Poli­tik fest. Alin­sky stell­te fest, dass Radi­ka­le den revo­lu­tio­nä­ren Wan­del ohne die Unter­stüt­zung einer Mehr­heit errei­chen könn­ten, wenn sie die Spiel­re­geln ver­stan­den und für sich nutz­ten. Dies war der Inhalt sei­nes Buchs ‚Anlei­tun­gen für Radi­ka­le‘. Für eine Macht­er­grei­fung wür­de ein klei­ner Kern von dis­zi­pli­nier­ten Akti­vi­sten aus­rei­chen, der die eige­ne Agen­da durch­drück­te, und eine Bevöl­ke­rung, der gegen­über die wah­ren Zie­le aus­rei­chend im Dun­keln blie­ben. So kön­ne auch eine klei­ne aber radi­ka­le Min­der­heit einer gro­ßen Demo­kra­tie wie Ame­ri­ka  ihren Wil­len auf­drücken“ (Horowitz/Poe, The Shadow Par­ty, Sei­te XIII).

„Hil­la­ry (Clin­tons) Radi­ka­lis­mus ist in ihr tief ver­wur­zelt und grund­le­gend. Er trägt die deut­li­chen Merk­ma­le ihres frü­hen Men­tors Saul Alin­sky. Hil­la­ry traf auf den Radi­ka­len aus Chi­ca­go durch Ver­mitt­lung einer links­ge­rich­te­ten kirch­li­chen Grup­pie­rung, der sie zu High School-Zei­ten ange­hör­te. Sie stan­den sich bis zu Alin­skys Tod nahe. Hil­la­rys Diplom­ar­beit im Jahr 1969 am Wel­les­ley Col­le­ge war eine 75-sei­ti­ge Lobes­hym­ne auf Alin­sky. Sie ent­hielt Aus­schnit­te aus sei­nem spä­te­ren Buch ‚Anlei­tung für Radi­ka­le‘, des­sen Manu­skript er Hil­la­ry vor des­sen Ver­öf­fent­li­chung im Jahr 1971 zur Ver­fü­gung stell­te. Alin­sky offe­rier­te Hil­la­ry eine Voll­zeit­stel­le als Com­mu­ni­ty Orga­ni­zer inner­halb sei­ner Indu­stri­als Area Foun­da­ti­on. Sie lehn­te nur ab, weil ihr das Jura-Stu­di­um in Yale als der bes­se­re Weg erschien, das Estab­lish­ment zu unter­wan­dern“ (Horowitz/Poe, The Shadow Par­ty, Sei­te 56).

“Alin­sky war ein Mei­ster der Unter­wan­de­rung. Er betrach­te­te die Revo­lu­ti­on als einen all­mäh­li­chen, ja geord­ne­ten Pro­zess, der am besten durch Unter­wan­de­rung und Mani­pu­la­ti­on von sol­chen Insti­tu­tio­nen zu errei­chen wäre, die tie­fe Wur­zeln im Gemein­we­sen haben, wie es die Kir­chen, Gewerk­schaf­ten, Volks­grup­pen und loka­len poli­ti­schen Kräf­te sind. In Alin­kys Hei­mat­stadt Chi­ca­go hat­te kaum eine Insti­tu­ti­on tie­fe­re Wur­zeln oder einen grö­ße­ren Ein­fluss als das orga­ni­zier­te Ver­bre­chen. Der prak­tisch ver­an­lag­te Alin­sky umwarb Gang­ster genau­so lie­be­voll wie Stad­teil­vor­ste­her, Bischö­fe und Schul­rek­to­ren“ (Horowitz/Poe, The Shadow Par­ty, Sei­te 57).

Nach allem, was jetzt gesagt wur­de, soll­ten Sie sich fra­gen, ob wir nicht gera­de die Früch­te eines von Alin­sky gepräg­ten radi­ka­len Moder­nis­mus ern­ten.

Alinsky-Buch von 1971
Alin­sky-Buch von 1971

Dass Chri­stus für  unse­re Sün­den gelit­ten hat und für uns gestor­ben ist, ist die Quel­le und die Ursa­che unse­res ewi­gen Heils. Chri­stus hat nicht für die Umver­tei­lung der Reich­tü­mer gelit­ten und er ist nicht für den Kampf der Befrei­ungs­theo­lo­gen gestor­ben, oder für „unser gemein­sa­mes Haus“. Nicht dafür, dass eine Grup­pie­rung für Homo-Rech­te bei der jähr­li­chen St.-Patricks-Parade in New York mit­lau­fen darf, oder dass wir in einer Kir­che vor dem Aller­hei­lig­sten einen Tan­go tan­zen dür­fen.

Ist es nicht an der Zeit, die Geschich­te zu erfor­schen, um zu erfah­ren, was heu­te wirk­lich auf dem Spiel steht?

Die Geschich­te könn­te uns ja zei­gen, wel­chen Ein­fluss Saul David Alin­sky auf Papst Paul VI., auf das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil und auf den heu­ti­gen moder­ni­sti­schen Katho­li­zis­mus – beson­ders den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka – hat­te oder nicht hat­te.

Es gibt eine Zeit und einen Ort der brü­der­li­chen Zurecht­wei­sung. Und man soll­te sich fra­gen, ob die­se histo­ri­sche Stun­de, die­se Gegen­wart nicht der brü­der­li­chen Zurecht­wei­sung bedarf.

Text: John J. Are­chi­ga
Erst­ver­öf­fent­li­chung in The Rem­nant, 4. Janu­ar 2017: „Früch­te eines ‚radi­ka­len‘ Moder­nis­mus?“
Über­set­zung: Ker­stin Bro­s­ei
Bild: MiL/The Rem­nant

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6 Kommentare

  1. Vie­len dank für die Ver­öf­fent­li­chung die­ses wich­ti­gen Arti­kels.
    Es gilt nicht nur den Ein­fluss von Alin­ski auf Papst Paul VI zu klä­ren, son­dern auf die ame­ri­ka­ni­sche Kir­che und ame­ri­ka­ni­sche Bischö­fe. Bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Bischö­fe sol­len Alin­ski finan­ziert haben. Heu­te erfolgt der Umbau (bes­ser die Zer­stö­rung, Enk­le­ri­ka­li­sie­rung und Entsa­kra­li­sie­rung) der deut­schen Diö­ze­sen nach dem Muster des com­mu­ni­ty orga­ni­zing. Alin­ski war beken­nen­der Luzi­fe­rist. Die Erst­aus­ga­be sei­nes letz­ten Buches ent­hält im Vor­wort einen Hom­mage an Luzi­fer, das Vor­bild und Erfolg­reich­sten aller Revollu­zer. Die Pas­sa­ge wur­de in spä­te­ren Aus­ga­ben gestri­chen.
    Wer die Ent­wick­lung der heu­ti­gen Kir­che ver­ste­hen will, soll­te sich mit Alin­ski beschäf­ti­gen.

  2. Anlei­tung zur Macht­über­nah­me durch radi­ka­le Min­der­hei­ten.
    Liest sich wie ein Dreh­buch und hin­ter­lässt ein Wie­der­erken­nen und ein Frö­steln.

  3. Die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts muss als die Zeit des welt­um­span­nen­den Durch­bruchs der Frei­mau­re­rei bewer­tet wer­den. Die Frei­mau­re­rei ist auch des­halb so erfolg­reich — wie im Arti­kel rich­tig dar­ge­stellt — weil ihr Vor­ge­hen von Ver­schwie­gen­heit und Kon­spi­ra­ti­on jen­seits der Öffent­lich­keit gekenn­zeich­net ist. Wer dar­über spricht, wird als Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker gebrand­markt und mar­gi­na­li­siert. Es ent­spricht mei­ner festen Über­zeu­gung, dass der­zeit auch in der römi­schen Kir­che die Mau­re­rei das Zep­ter führt.

  4. Auch hier muß man sich fra­gen las­sen. Was für ein „Mei­ster“ soll Alin­sky schon gewe­sen sein? Es wäre bes­ser für Alin­sky mit einem Auge in das Him­mel­reich zu gelan­gen, und sei­ne per­fi­den Lügen zu unter­las­sen, was er aus tie­fer Bos­heit nicht hat tun wol­len, als in der ewi­gen Höl­le zu lan­den. Alin­sky ist ein Ver­lie­rer, genau wie all sei­ne Bun­des­ge­nos­sen.

    Auf Luzi­fer zu set­zen ist, gleich­be­deu­tend, mit der tota­len Nie­der­la­ge. Das Böse kapiert es nicht. Die Nie­der­la­ge ist bereits beschlos­sen.

    Wer zuletzt lacht, lacht am Besten über den Sieg. Vie­le, vie­le See­len wer­den so für immer ver­lo­ren sein. Das macht jeden auf­rich­ti­gen Men­schen trau­rig.

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