Gedenkjahr 2017: 600. Geburtstag und 530. Todestag des heiligen Nikolaus von Flüe

Im Ranft: rechts die Kapelle und Einsiedelei, in der Bruder Klaus 19 Jahre seines Lebens verbrachte. Die Kirche im Tal unten wurde kurz nach seinem Tod erbaut wegen des großen Pilgerandrangs.
Im Ranft: rechts die Kapelle und Einsiedelei, in der Bruder Klaus 19 Jahre seines Lebens verbrachte. Die Kirche im Tal unten wurde kurz nach seinem Tod erbaut wegen des großen Pilgerandrangs.

(Bern) 2017 ist reich an Gedenk­ta­gen von inter­na­tio­na­ler Bedeu­tung. Ein beson­de­rer Gedenk­tag gilt ganz für die Schweiz (und doch nicht nur): der 600. Geburts­tag von Niko­laus von Flüe, bes­ser bekannt als Bru­der Klaus. Der Schwei­zer Fami­li­en­va­ter, Mysti­ker und Frie­dens­stif­ter wur­de vor 70 Jah­ren hei­lig­ge­spro­chen. Bru­der Klaus wur­de bereits zu Leb­zei­ten als „leben­di­ger Hei­li­ger“ ver­ehrt. Er starb vor 530 Jah­ren, 1487, im Ranft, wo er als Ein­sied­ler die letz­ten 20 Jah­re sei­nes Lebens in Zurück­ge­zo­gen­heit und Gebet ver­brach­te. 1417, 1467, 1487, das sind gleich drei Gedenk­ta­ge für 2017, die mit dem hei­li­gen Niko­laus von Flüe zusam­men­hän­gen und Anre­gung sein kön­nen, der Urschweiz einen Besuch abzu­stat­ten, um einen gro­ßen Hei­li­gen ken­nen­zu­ler­nen und etwas über den wah­ren Frie­den zu erfah­ren.

Niko­laus von der Flüe wur­de 1417 in Obwal­den, am Sachs­ler Berg über dem Sar­ner See, im Ort Flüeli gebo­ren. Das Geburts­haus des Hei­li­gen steht noch heu­te dort, eben­so das statt­li­che Haus, das er spä­ter für sei­ne eige­ne Fami­lie erbaut hat und heu­te anschau­li­chen Ein­blick bie­tet, wie die Lebens­qua­li­tät vor mehr als einem hal­ben Jahr­tau­send war. Benannt wur­de er nach dem Patron der Orts­kir­che, dem hei­li­gen Niko­laus von Myra.

Regierungsräte suchen Rat bei Bruder Klaus
Regie­rungs­rä­te suchen Rat bei Bru­der Klaus

Mit 14 Jah­ren nimmt er mit sei­nem Vater an sei­ner ersten Lands­ge­mein­de teil. Alle stimm­be­rech­tig­ten Bür­ger einer bestimm­ten Gegend ver­sam­meln sich unter frei­em Him­mel um über wich­ti­ge Ange­le­gen­hei­ten zu ent­schei­den. Die­se bis heu­te in man­chen Tei­len der Schweiz gepfleg­te Form der direk­ten Demo­kra­tie geht auf das ger­ma­ni­sche Thing zurück. Mit­tel­al­ter­li­che Ding­stät­ten, meist an mar­kan­ten Stel­len in der Land­schaft oder unter Lin­den­bäu­men, las­sen sich im ober­deut­schen (ale­man­ni­schen und bai­ri­schen) Raum noch zahl­reich auch dort aus­ma­chen, wo die Ver­samm­lun­gen längst nicht mehr statt­fin­den. Für Niko­laus soll­ten öffent­li­che Ange­le­gen­hei­ten bald eine wich­ti­ge Rol­le im Leben spie­len.

Er zieht mit mit dem Auf­ge­bot sei­ner Alters­ge­nos­sen in den Krieg und bekommt wegen sei­ner beson­ne­nen und über­leg­ten Mei­nung früh­zei­tig Rich­ter­äm­ter über­tra­gen.

Schon in jun­gen Jah­ren sucht er die Nähe Got­tes und bemüht sich nach einem recht­schaf­fe­nen und from­men Leben. Im Alter von 29 Jah­ren hei­ra­tet der Jung­bau­er Doro­thee Wyss, die ihm zehn Kin­der schenk­te, fünf Buben und fünf Mäd­chen.

Niko­laus genießt gro­ße öffent­li­che Aner­ken­nung, er hat fami­liä­res Glück und wirt­schaft­li­chen Erfolg gefun­den und einen beacht­li­chen sozia­len Auf­stieg geschafft. Er gehört der Regie­rung von Obwal­den an.

Doch im Alter von 48 Jah­ren kommt es zum Bruch, weil er nicht bereit ist, poli­ti­sche Miß­stän­de mit­zu­tra­gen. Gleich­zei­tig hört er eine inne­re Stim­me, alles für die Gott­su­che zu ver­las­sen. Das stürzt ihn in eine tie­fe Nie­der­ge­schla­gen­heit. Es beginnt ein lan­ges inne­res Rin­gen zwi­schen sei­nen Stan­des­pflich­ten und dem Ruf Got­tes. Immer mehr zieht es ihn an einen „ein­sa­men Ort“, an dem er sich aus­schließ­lich der geist­li­chen Betrach­tung zuwen­den kann. Die Ent­schei­dung fällt für ihn, als er auf Feld eine Stim­me aus einer Wol­ke spre­chen hört: „Ergib dich in den Wil­len Got­tes, du törich­ter Mann. Was Gott mit dir wir­ken will, dar­in sollst du wil­lig sein!“

Sei­ne Frau und sei­ne Kin­dern wil­li­gen schließ­lich ein. Niko­laus wird die­se Erlaub­nis sei­ner Frau zum Ein­sied­ler­da­sein als eine von drei gro­ßen Gna­den bezeich­nen, die Gott ihm geschenkt hat.

Bis­her war er tat­kräf­tig Han­deln­der, ob als Bau­er, Poli­ti­ker oder Rich­ter, nun ver­nimmt er das Her­ren­wort an Petrus: „Wenn du alt gewor­den bist, wird ein ande­rer dich gür­ten und dich füh­ren, wohin du nicht willst“ (Joh 21,18). Am 16. Okto­ber 1467 macht er sich weni­ge Mona­te nach der Geburt des jüng­sten Kin­des auf zu einer gro­ßen Pil­ger­fahrt, viel­leicht ohne Wie­der­kehr. Er kommt aber nicht weit.

Eine inne­re Stim­me gibt ihm zu ver­ste­hen, daß Gott das nicht will. Licht­strah­len zei­gen ihm schließ­lich den Ranft, das Tal hin­ter Flüeli. Dort hat­te er als 16-Jäh­ri­ger in einer Visi­on einen Turm gese­hen. Der Ort liegt nur einen kräf­ti­gen Stein­wurf von Wohn­haus sei­ner Fami­lie ent­fernt. Der Umstän­de wegen fehlt es nicht an Spöt­tern.

Das "Buch" des heiligen Bruder Klaus
Das „Buch“ des hei­li­gen Bru­der Klaus

Doch bald wird bekannt, daß Niko­laus dort im Tal ohne Essen und Trin­ken lebt. Die Obwal­der Regie­rung führt eine „stren­ge Unter­su­chung“. Niko­laus ist ja nicht irgend­wer. Sein Lebens­wan­del sorgt für Auf­se­hen. Die Unter­su­chung bestä­tigt sein Wun­der­fa­sten. 1468 bau­en ihm Nach­barn und Freun­de eine Kapel­le. Bei der Wei­he 1469 prüft auch der Weih­bi­schof von Kon­stanz (die Gegend gehört damals zum Bis­tum Kon­stanz) das bestän­di­ge Fasten. Der Hei­li­ge leb­te ganz aus der Eucha­ri­stie, die er ein­mal im Monat emp­fing.

Der Ruf ver­brei­tet sich schnell und Gläu­bi­ge und Schau­lu­sti­ge kom­men zu ihm. Bischö­fe, Äbte, Prie­ster und Für­sten wol­len ihn sehen, sei­nen Glau­ben prü­fen oder Rat von ihm ein­ho­len. Die Stadt Kon­stanz bit­tet ihn, in einem Streit zu ver­mit­teln. Vie­le ande­re tun es eben­so. Sein Wort wird gehört. Er woll­te der Welt flie­hen, und die Welt kam zu ihm. Die Regie­rung prüf­te Maß­nah­men, den Andrang ein­zu­däm­men, um Niko­laus vor Gaf­fern zu schüt­zen. Er ertrug es jedoch gedul­dig. Besu­cher schil­dern, daß er „fröh­lich und in allem freund­lich“ war, aber auch, daß an sei­nem Äuße­ren zu erken­nen war, daß er das gan­ze Lei­den Chri­sti sieht und spürt. Schon sei­ne Zeit­ge­nos­sen waren der Über­zeu­gung, daß er Him­mel und Erde in sei­ner Per­son ver­bin­det.

1481 herrsch­te sol­cher Streit in der Eid­ge­nos­sen­schaft, daß ein Bür­ger­krieg droh­te. Bru­der Klaus wird um Rat gebe­ten und kann in letz­ter Stun­de den Frie­den ret­ten. Die Kan­to­ne Solo­thurn und Frei­burg wer­den in die Eid­ge­nos­sen­schaft auf­ge­nom­men. In der Schluß­er­klä­rung wur­de aus­drück­lich dem „from­men Mann Bru­der Klaus“ gedankt. Die gan­ze Schweiz dank es ihm noch immer, er leb­te noch vor der refor­ma­to­ri­schen Spal­tung, sie vor einem Bru­der­krieg bewahrt zu haben. Niko­laus schrieb dem Rat der Eid­ge­nos­sen­schaft spä­ter: „Fried ist all­weg in Gott, denn Gott ist der Fried.“

Das Sym­bol des Rades eröff­ne­te ihm das Geheim­nis der Drei­fal­tig­keit Got­tes. Dar­aus ent­stand ein berühm­tes Medi­ta­ti­ons­bild, das er selbst als „mein Buch“ bezeich­ne­te, „in dem ich ler­ne“.

1947 wur­de Bru­der Klaus hei­lig­ge­spro­chen. Seit­her betreut die Bru­der-Klau­sen-Stif­tung die Ein­sie­de­lei im Ranft und die dor­ti­ge Kaplanei. In jün­ge­rer Zeit wird auch ver­stärkt sei­ne Frau Doro­thee berück­sich­tigt, die sich mit der Ent­schei­dung ihres Man­nes ein­ver­stan­den erklär­te, sich in die Abge­schie­den­heit zurück­zu­zie­hen, wäh­rend sie den Hof mit Hil­fe der älte­ren Kin­der wei­ter­führ­te und die jün­ge­ren Kin­der allei­ne auf­zog.

Von Bru­der Klaus stammt das Gebet:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hin­dert zu Dir!

Mein Herr und mein Gott,
gib  alles mir,
was mich för­dert zu Dir!

Mein Herr und mein Gott
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen Dir!

Im Gedenk­jahr 2017 gibt es zahl­rei­che Initia­ti­ven. Die Inter­net­sei­te Bru­der Klaus infor­miert dar­über. Unter ande­rem auch über eine von der Bru­der-Klau­sen-Stif­tung betrie­be­ne Jugend­un­ter­kunft. Sie bie­tet jun­gen Men­schen Her­ber­ge, die den Lebens- und Wir­kungs­ort des Hei­li­gen besu­chen oder auch län­ger dort blei­ben möch­ten.

 

Text: Moritz Her­li­mann
Bild: wikicommons/bruderklaus.com/MiL (Screen­shots)