Als 1994 die Glaubenskongregation Antwort gab, wo Papst Franziskus sie heute verweigert

Die Unauflöslichkeit der Ehe
Die Unauflöslichkeit der Ehe

(Rom) Der Kon­flikt um das umstrit­te­ne nach­syn­oda­le Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia spitzt sich zu. Dabei wur­de die Ant­wort, die Papst Fran­zis­kus seit Mona­ten ver­wei­gert, bereits vor 22 Jah­ren von der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on im Auf­trag von Papst Johan­nes Paul II. gege­ben. Adres­sa­ten waren die bun­des­deut­schen Diö­ze­sen der Ober­rhei­ni­schen Kir­chen­pro­vinz. Damals wie heu­te ist Wal­ter Kas­per, damals Bischof von Rot­ten­burg-Stutt­gart, heu­te Kar­di­nal, trei­ben­de Kraft eines Angriffs gegen das Ehe­sa­kra­ment.

Grund für die aktu­el­le Zuspit­zung der Lage ist, weil sich Papst Fran­zis­kus seit dem 8. April 2016, dem Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens, wei­gert, die dar­in ent­hal­te­nen zwei­deu­ti­gen und miß­ver­ständ­li­chen For­mu­lie­run­gen zu klä­ren, obwohl er von ver­schie­de­ner Sei­te dar­um gebe­ten wur­de. Seit vier Kar­di­nä­le, die Kar­di­nä­le Wal­ter Brand­mül­ler, Ray­mond Leo Bur­ke, Car­lo Caf­farra und Joa­chim Meis­ner, der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Dubia (Zwei­fel) zu Amo­ris lae­ti­tia ein­ge­bracht haben, ist Feu­er am Dach. All­ge­mein ver­ständ­li­che, klar for­mu­lier­te Fra­gen, die eine Klä­rung her­bei­füh­ren wol­len, brin­gen den Papst in größ­te Bedräng­nis. Die Dubia sind näm­lich so for­mu­liert, daß ihre Beant­wor­tung nur zwei Mög­lich­kei­ten läßt. Ent­we­der bekräf­tigt Fran­zis­kus, wie es sei­ne Pflicht und Auf­ga­be ist, die gel­ten­de Leh­re der Kir­che, oder er wider­spricht ihr und setzt sich damit vor aller Augen ins Unrecht. Die Fol­gen wären dra­ma­tisch und könn­ten zu einem vor­zei­ti­gen Ende sei­nes Pon­ti­fi­kats füh­ren, aber auch zu Spal­tun­gen. Die­ser Gefahr wol­len die vier Kar­di­nä­le mit ihren Dubia ent­ge­gen­wir­ken, wie sie aus­drück­lich beto­nen.

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis lohnt es, den Blick auf die Ant­wort der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on im Jahr 1994 zu rich­ten.

Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über den Kommunionempfang von wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen

Exzellenz!

1. Das Inter­na­tio­na­le Jahr der Fami­lie bie­tet eine wich­ti­ge Gele­gen­heit, die Zeug­nis­se der Lie­be und der Sor­ge der Kir­che für die Fami­lie wie­der­zu­ent­decken ((Vgl. JOHANNES PAUL II., Brief an die Fami­li­en (2. Febru­ar 1994), 3.)) und zugleich die unschätz­ba­ren Reich­tü­mer der christ­li­chen Ehe, die das Fun­da­ment der Fami­lie bil­det, erneut vor­zu­le­gen.

2. Beson­de­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen in die­sem Zusam­men­hang die Schwie­rig­kei­ten und Lei­den jener Gläu­bi­gen, die sich in einer irre­gu­lä­ren ehe­li­chen Situa­ti­on ((Vgl. JOHANNES PAUL II., Apost. Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio, 79–84: AAS 74 (1982) 180–186.)) befin­den. Die Hir­ten sind auf­ge­ru­fen, die Lie­be Chri­sti und die müt­ter­li­che Nähe der Kir­che spü­ren zu las­sen; sie sol­len sich ihrer in Lie­be anneh­men, sie ermah­nen, auf die Barm­her­zig­keit Got­tes zu ver­trau­en, und ihnen in klu­ger und takt­vol­ler Wei­se kon­kre­te Wege der Umkehr und der Teil­nah­me am Leben der kirch­li­chen Gemein­schaft auf­zei­gen. ((Vgl. Ebd., 84: AAS 74 (1982) 185; Brief an die Fami­li­en, 5; Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, 1651.))

3. Im Wis­sen dar­um, daß wah­res Ver­ständ­nis und ech­te Barm­her­zig­keit nie­mals von der Wahr­heit getrennt sind ((Vgl. PAUL VI., Enzykl. Huma­nae vitae, 29: AAS 60 (1968) 501; JOHANNES PAUL II., Apostl. Schrei­ben Recon­ci­lia­tio et pae­n­i­ten­tia, 34: AAS 77 (1985) 272; Enzykl. Veri­ta­tis sple­ndor, 95: AAS 85 (1993) 1208.)), haben die Hir­ten die Pflicht, die­sen Gläu­bi­gen die Leh­re der Kir­che bezüg­lich der Fei­er der Sakra­men­te, beson­ders hin­sicht­lich des Kom­mu­nion­emp­fangs in Erin­ne­rung zu rufen. In die­sem Anlie­gen wur­den in den letz­ten Jah­ren in ver­schie­de­nen Gegen­den unter­schied­li­che pasto­ra­le Lösun­gen vor­ge­schla­gen, denen zufol­ge zwar eine all­ge­mei­ne Zulas­sung der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on nicht mög­lich wäre, sie aber in bestimm­ten Fäl­len zum Tisch des Herrn hin­zu­tre­ten könn­ten, sofern sie sich in ihrem Gewis­sen­s­ur­teil dazu ermäch­tigt hiel­ten. So zum Bei­spiel, wenn sie ganz zu Unrecht ver­las­sen wor­den wären, obwohl sie sich auf­rich­tig bemüht hät­ten, die vor­aus­ge­hen­de Ehe zu ret­ten, oder wenn sie von der Ungül­tig­keit ihrer vor­aus­ge­hen­den Ehe über­zeugt wären, dies aber im äuße­ren Bereich nicht auf­zei­gen könn­ten, oder wenn sie schon einen län­ge­ren Weg der Besin­nung und der Buße zurück­ge­legt hät­ten, oder auch wenn sie aus mora­lisch ernst­haf­ten Grün­den der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men könn­ten.

Gewis­sen Mei­nun­gen zufol­ge müß­ten die geschà­edenen Wie­der­ver­hei­ra­te­ten ein Gespräch mit einem klu­gen und erfah­re­nen Prie­ster suchen, um ihre tat­säch­li­che Situa­ti­on objek­tiv zu prü­fen. Die­ser Prie­ster hät­te aber ihre mög­li­che Gewis­sens­ent­schei­dung, zur Eucha­ri­stie hin­zu­zu­tre­ten, zu respek­tie­ren, ohne daß dies eine Zulas­sung von amt­li­cher Sei­te ein­schlös­se.

In die­sen und ähn­li­chen Fäl­len wür­de es sich um eine tole­ran­te und wohl­wol­len­de pasto­ra­le Lösung han­deln, um den unter­schied­li­chen Situa­tio­nen der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen gerecht wer­den zu kön­nen.

4. Obwohl bekannt ist, daß von man­chen Kir­chen­vä­tern ähn­li­che pasto­ra­le Lösun­gen vor­ge­schla­gen und auch in der Pra­xis ange­wandt wor­den sind, stell­ten die­se doch nie einen Kon­sens der Väter dar, bil­de­ten in kei­ner Wei­se eine gemein­sa­me Leh­re der Kir­che und bestimm­ten nicht deren Dis­zi­plin. Es kommt dem uni­ver­sa­len Lehr­amt der Kir­che zu, in Treue zur Hl. Schrift und zur Tra­di­ti­on das Glau­bens­gut zu ver­kün­den und authen­tisch aus­zu­le­gen.

In Anbe­tracht der neu­en, oben erwähn­ten pasto­ra­len Vor­schlä­ge weiß sich die­se Kon­gre­ga­ti­on ver­pflich­tet, die Leh­re und Pra­xis der Kir­che auf die­sem Gebiet erneut in Erin­ne­rung zu rufen. In Treue gegen­über dem Wort Jesu ((Mk 10,11–12: «Wer sei­ne Frau aus der Ehe ent­läßt und eine ande­re hei­ra­tet, begeht ihr gegen­über Ehe­bruch. Auch eine Frau begeht Ehe­bruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe ent­läßt und einen ande­ren hei­ra­tet».)) hält die Kir­che dar­an fest, daß sie eine neue Ver­bin­dung nicht als gül­tig aner­ken­nen kann, falls die vor­aus­ge­hen­de Ehe gül­tig war. Wenn Geschie­de­ne zivil wie­der­ver­hei­ra­tet sind, befin­den sie sich in einer Situa­ti­on, die dem Gesetz Got­tes objek­tiv wider­spricht. Dar­um dür­fen sie, solan­ge die­se Situa­ti­on andau­ert, nicht die Kom­mu­ni­on emp­fan­gen. ((Vgl. Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, 1650; vgl. auch ebd., 1640, und KONZIL VON TRIENT, 24. Sit­zung: DS 1797–1812.))

Die­se Norm hat nicht den Cha­rak­ter einer Stra­fe oder irgend­ei­ner Dis­kri­mi­nie­rung der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen, sie bringt viel­mehr eine objek­ti­ve Situa­ti­on zum Aus­druck, die als sol­che den Hin­zu­tritt zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on unmög­lich macht: »Sie ste­hen inso­fern selbst ihrer Zulas­sung im Weg, als ihr Lebens­stand und ihre Lebens­ver­hält­nis­se in objek­ti­vem Wider­spruch zu jenem Bund der Lie­be zwi­schen Chri­stus und der Kir­che sind, den die Eucha­ri­stie sicht­bar und gegen­wär­tig macht. Dar­über hin­aus gibt es noch einen beson­de­ren Grund pasto­ra­ler Natur: Lie­ße man sol­che Men­schen zur Eucha­ri­stie zu, bewirk­te dies bei den Gläu­bi­gen hin­sicht­lich der Leh­re der Kir­che über die Unauf­lös­lich­keit der Ehe Irr­tum und Ver­wir­rung«. ((Apost. Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio, 84: AAS 74 (1982) 185–186.))

Für die Gläu­bi­gen, die in einer sol­chen ehe­li­chen Situa­ti­on leben, wird der Hin­zu­tritt zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on aus­schließ­lich durch die sakra­men­ta­le Los­spre­chung eröff­net, die »nur denen gewährt wer­den kann, wel­che die Ver­let­zung des Zei­chens des Bun­des mit Chri­stus und der Treue zu ihm bereut und die auf­rich­ti­ge Bereit­schaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Wider­spruch zur Unauf­lös­lich­keit der Ehe steht. Das heißt kon­kret, daß, wenn die bei­den Part­ner aus ernst­haf­ten Grün­den — zum Bei­spiel wegen der Erzie­hung der Kin­der — der Ver­pflich­tung zur Tren­nung nicht nach­kom­men kön­nen, „sie sich ver­pflich­ten, völ­lig ent­halt­sam zu leben, das heißt, sich der Akte zu ent­hal­ten, wel­che Ehe­leu­ten vor­be­hal­ten sind“«. ((Ebd., 84: AAS 74 (1982) 186; vgl. JOHANNES PAUL II., Homi­lie zum Abschluß der VI. Bischofs­syn­ode, 7: AAS 72 (1980) 1082.Ebd., 84: AAS 74 (1982) 186; vgl. JOHANNES PAUL II., Homi­lie zum Abschluß der VI. Bischofs­syn­ode, 7: AAS 72 (1980) 1082.)) In die­sem Fall kön­nen sie zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on hin­zu­tre­ten, wobei die Pflicht auf­recht erhal­ten bleibt, Ärger­nis zu ver­mei­den.

5. Die Leh­re und Dis­zi­plin der Kir­che auf die­sem Gebiet sind in der Zeit nach dem Kon­zil aus­führ­lich im Apo­sto­li­schen Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio vor­ge­legt wor­den. Das Mahn­schrei­ben ruft den Hir­ten unter ande­rem ins Gedächt­nis, daß sie um der Lie­be zur Wahr­heit wil­len ver­pflich­tet sind, die ver­schie­de­nen Situa­tio­nen gut zu unter­schei­den; es ermahnt sie, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu ermu­ti­gen, an ver­schie­de­nen Lebens­voll­zü­gen der Kir­che teil­zu­neh­men; zugleich bekräf­tigt es die bestän­di­ge und all­ge­mei­ne »auf die Hei­li­ge Schrift gestütz­te Pra­xis, wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zur eucha­ri­sti­schen Kom­mu­ni­on zuzu­las­sen« ((Apost. Schrei­ben Fami­lia­ri­so con­sor­tio, 84: AAS 74 (1982) 185.)) und gibt die Grün­de dafür an. Die Struk­tur des Mahn­schrei­bens und der Tenor sei­ner Wor­te zei­gen klar, daß die­se in ver­bind­li­cher Wei­se vor­ge­leg­te Pra­xis nicht auf­grund der ver­schie­de­nen Situa­tio­nen modi­fi­ziert wer­den kann.

6. Gläu­bi­ge, die wie in der Ehe mit einer Per­son zusam­men­le­ben, die nicht ihre recht­mä­ßi­ge Ehe­gat­tin oder ihr recht­mä­ßi­ger Ehe­gat­te ist, dür­fen nicht zur hei­li­gen Kom­mu­ni­on hin­zu­tre­ten. Im Fal­le, daß sie dies für mög­lich hiel­ten, haben die Hir­ten und Beicht­vä­ter wegen der Schwe­re der Mate­rie und der For­de­run­gen des geist­li­chen Wohls der betref­fen­den Per­so­nen ((Vgl. 1 Kor 11, 27–29.)) und des All­ge­mein­wohls der Kir­che die emste Pflicht, sie zu ermah­nen, daß ein sol­ches Gewis­sen­s­ur­teil in offe­nem Gegen­satz zur Leh­re der Kir­che steht. ((Vgl. Codex des kano­ni­schen Rech­tes, can. 978 § 2.)) Sie müs­sen die­se Leh­re zudem allen ihnen anver­trau­ten Gläu­bi­gen in Erin­ne­rung rufen.

Dies bedeu­tet nicht, daß der Kir­che die Situa­ti­on die­ser Gläu­bi­gen nicht am Her­zen lie­ge, die im übri­gen nicht von der kirch­li­chen Gemein­schaft aus­ge­schlos­sen sind. Die Kir­che bemüht sich um ihre pasto­ra­le Beglei­tung und lädt sie ein, am kirch­li­chen Leben inner­halb der Gren­zen teil­zu­neh­men, in denen dies mit den Vorraus­set­zun­gen des gött­li­chen Rechts ver­ein­bar ist, über wel­che die Kir­che kei­ner­lei Dis­pensge­walt besitzt. ((Vgl. Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che, 1640.)) Ande­rer­seits ist es not­wen­dig, den betref­fen­den Gläu­bi­gen klar­zu­ma­chen, daß ihre Teil­nah­me am Leben der Kir­che nicht allein auf die Fra­ge des Kom­mu­nion­emp­fangs redu­ziert wer­den darf. Den Gläu­bi­gen muß gehol­fen wer­den, zu einem tie­fe­ren Ver­ständ­nis vom Wert der Teil­nah­me am eucha­ri­sti­schen Opfer Chri­sti, der geist­li­chen Kom­mu­ni­on ((Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Schrei­ben an die Bischö­fe der katho­li­schen Kir­che über eini­ge Fra­gen bezüg­lich des Die­ners der Eucha­ri­stie, III/4: AAS 75 (1983) 1007; HL. THERESIA VON AVILA, Weg der Voll­kom­men­heit, 35, 1; HL. ALFONS M. VON LIGUORI, Besu­chun­gen des Aller­hei­lig­sten Altars­sa­kra­men­tes und der Got­tes­mut­ter.)), des Gebe­tes, der Betrach­tung des Wor­tes Got­tes, der Wer­ke der Näch­sten­lie­be und der Gerech­tig­keit zu gelan­gen. ((Vgl. Apost. Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio, 84: AAS 74 (1982) 185.))

7. Die irri­ge Über­zeu­gung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen, zum eucha­ri­sti­schen Tisch hin­zu­tre­ten zu dür­fen, setzt nor­ma­ler­wei­se vor­aus, daß dem per­sön­li­chen Gewis­sen die Macht zuge­schrie­ben wird, in letz­ter Instanz auf der Grund­la­ge der eige­nen Über­zeu­gung ((Vgl. Enzykl. Veri­ta­tis sple­ndor, 55: AAS 85 (1993) 1178.)) über das Bestehen oder Nicht­be­stehen der vor­aus­ge­hen­den Ehe und über den Wert der neu­en Ver­bin­dung zu ent­schei­den. Eine sol­che Auf­fas­sung ist jedoch unzu­läs­sig. ((Vgl. Codex des kano­ni­schen Rech­tes, can. 1085 § 2.)) Die Ehe stellt näm­lich wesent­lich eine öffent­li­che Wirk­lich­keit dar, weil sie das Abbild der bräut­li­chen Ver­ei­ni­gung zwi­schen Chri­stus und sei­ner Kir­che ist und die Urzel­le und einen wich­ti­gen Fak­tor im Leben der staat­li­chen Gesell­schaft bil­det.

8. Es ist gewiß wahr, daß das Urteil, ob die Vor­aus­set­zun­gen für einen Hin­zu­tritt zur Eucha­ri­stie gege­ben sind, vom rich­tig geform­ten Gewis­sen getrof­fen wer­den muß. Es ist aber eben­so wahr, daß der Kon­sens, der die Ehe kon­sti­tu­iert, nicht eine blo­ße Pri­va­tent­schei­dung ist, weil er für jeden Part­ner und das Ehe­paar eine spe­zi­fisch kirch­li­che und sozia­le Situa­ti­on kon­sti­tu­iert. Das Gewis­sen­s­ur­teil über die eige­ne ehe­li­che Situa­ti­on betrifft daher nicht nur die unmit­tel­ba­re Bezie­hung zwi­schen Mensch und Gott, als ob man ohne die kirch­li­che Ver­mitt­lung, die auch die im Gewis­sen ver­bind­li­chen kano­ni­schen Nor­men ein­schließt, aus­kom­men könn­te. Die­sen wich­ti­gen Aspekt nicht zu beach­ten, wür­de bedeu­ten, die Ehe fak­tisch als Wirk­lich­keit der Kir­che, das heißt als Sakra­ment, zu leug­nen.

9. Indem das Apo­sto­li­sche Schrei­ben Fam­li­ia­ris con­sor­tio die Hir­ten dar­über hin­aus ein­lädt, die ver­schie­de­nen Situa­tio­nen der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen gut zu unter­schei­den, erin­nert es auch an den Zustand jener, die die sub­jek­ti­ve Gewis­sens­über­zeu­gung haben, daß die frü­he­re, unheil­bar zer­stör­te Ehe nie­mals gül­tig war. ((Vgl. Apost. Schrei­ben Fami­lia­ris con­sor­tio, 84: AAS 74 (1982) 185.)) Es ist unbe­dingt auf dem von der Kir­che fest­ge­leg­ten Weg des äuße­ren Bereichs zu prü­fen, ob es sich objek­tiv um eine ungül­ti­ge Ehe han­delt. Wäh­rend die Dis­zi­plin der Kir­che die aus­schließ­li­che Kom­pe­tenz der Ehe­ge­rich­te bezüg­lich der Prü­fung der Gül­tig­keit der Ehe von Katho­li­ken bekräf­tigt, bie­tet sie auch neue Wege, um die Ungül­tig­keit einer vor­aus­ge­hen­den Ver­bin­dung zu bewei­sen, und zwar mit dem Ziel, jede Abwei­chung der Wahr­heit, die im pro­zes­sua­len Weg nach­weis­bar ist, von der objek­ti­ven, vom rech­ten Gewis­sen erkann­ten Wahr­heit so weit wie mög­lich aus­zu­schlie­ßen. ((Vgl. Codex des kano­ni­schen Rech­tes, cann. 1536 § 2 und 1679, sowie Codex für die Ori­en­ta­li­schen Kir­chen, cann. 1217 § 2 und 1365 über die Beweis­kraft, die die Erklä­run­gen der Par­tei­en in sol­chen Pro­zes­sen haben.))

Das Befol­gen des Urteils der Kir­che und die Beob­ach­tung der gel­ten­den Dis­zi­plin bezüg­lich der Ver­bind­lich­keit der für eine gül­ti­ge Ehe unter Katho­li­ken not­wen­di­gen kano­ni­schen Form ist das, was dem geist­li­chen Wohl der betrof­fe­nen Gläu­bi­gen wahr­haft nützt. Die Kir­che ist näm­lich der Leib Chri­sti, und Leben in der kirch­li­chen Gemein­schaft ist Leben im Leib Chri­sti und Sich-Näh­ren vom Leib Chri­sti. Beim Emp­fang des Sakra­men­tes der Eucha­ri­stie kann die Gemein­schaft mit Chri­stus, dem Haupt, nie­mals von der Gemein­schaft mit sei­nen Glie­dern, d.h. mit sei­ner Kir­che getrennt wer­den. Des­halb ist das Sakra­ment unse­rer Ver­ei­ni­gung mit Chri­stus auch das Sakra­ment der Ein­heit der Kir­che. Ein Kom­mu­nion­emp­fang im Gegen­satz zu den Nor­men der kirch­li­chen Gemein­schaft ist des­halb ein in sich wider­sprüch­li­cher Akt. Die sakra­men­ta­le Gemein­schaft mit Chri­stus beinhal­tet den Gehor­sam gegen­über der Ord­nung der kirch­li­chen Gemein­schaft, auch wenn dies manch­mal schwie­rig sein kann, und setzt die­sen vor­aus; sie kann nicht in rech­ter und frucht­ba­rer Wei­se erfol­gen, wenn sich ein Glau­ben­der, der sich Chri­stus direkt nähern möch­te, die­se Ord­nung nicht wahrt.

10. In Über­ein­stim­mung mit dem bis­her Gesag­ten soll ohne Ein­schrän­kung der Wunsch der Bischofs­syn­ode ver­wirk­licht wer­den, den sich Papst Johan­nes Paul II. zu eigen gemacht hat und der mit Ein­satz und lobens­wer­ten Initia­ti­ven von sei­ten der Bischö­fe, Prie­ster, Ordens­leu­te und Lai­en auf­ge­grif­fen wor­den ist: näm­lich in für­sor­gen­der Lie­be alles zu tun, was die Gläu­bi­gen, die sich in einer irre­gu­lä­ren ehe­li­chen Situa­ti­on befin­den, in der Lie­be zu Chri­stus und zur Kir­che bestär­ken kann. Nur so wird es ihnen mög­lich sein, die Bot­schaft von der christ­li­chen Ehe unein­ge­schränkt anzu­er­ken­nen und die Not ihrer Situa­ti­on aus dem Glau­ben zu bestehen. Die Pasto­ral wird alle Kräf­te ein­set­zen müs­sen, um glaub­haft zu machen, daß es nicht um Dis­kri­mie­rung geht, son­dern ein­zig um unein­ge­schränk­te Treue zum Wil­len Chri­sti, der uns die Unauf­lös­lich­keit der Ehe als Gabe des Schöp­fers zurück­ge­ge­ben und neu anver­traut hat. Das Mit-Lei­den und Mit-Lie­ben der Hir­ten und der Gemein­schaft der Gläu­bi­gen ist nötig, damit die betrof­fe­nen Men­schen auch in ihrer Last das süße Joch und die leich­te Bür­de Jesu erken­nen kön­nen. ((Vgl. Mt 11,30.)) Süß und leicht ist ihre Bür­de nicht dadurch, daß sie gering und unbe­deu­tend wäre, son­dern sie wird dadurch leicht, daß der Herr — und mit ihm die gan­ze Kir­che — sie mit­trägt. Zu die­ser eigent­li­chen, in der Wahr­heit wie in der Lie­be glei­cher­ma­ßen grün­den­den Hil­fe hin­zu­füh­ren, ist die Auf­ga­be der Pasto­ral, die mit aller Hin­ga­be ange­gan­gen wer­den muß.

Ver­bun­den im kol­le­gia­len Ein­satz, die Wahr­heit Jesu Chri­sti im Leben und in der Pra­xis der Kir­che auf­leuch­ten zu las­sen, bin ich in Chri­stus Ihr

Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger
Prä­fekt

+ Alber­to Bovo­ne
Tit.-Erzbischof von Cäs­area in Numi­di­en
Sekre­tär

Papst Johan­nes Paul II hat in einer dem Kar­di­nal­prä­fek­ten gewähr­ten Audi­enz das vor­lie­gen­de Schrei­ben, das in der Ordent­li­chen Ver­samm­lung die­ser Kon­gre­ga­ti­on beschlos­sen wor­den war, gebil­ligt und zu ver­öf­fent­li­chen ange­ord­net.

Rom, am Sitz der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re, den 14. Sep­tem­ber 1994, am Fest Kreuzer­hö­hung.

9 Kommentare

  1. Jetzt wird auch immer kla­rer, war­um Ber­go­glio den Alt­papst wie­der­holt vor sei­ne Kan­dar­re spannt, indem er ihm z.B. über­fall­ar­tig die neu kre­ierten Kar­di­nä­le zum Seg­nen vor­setzt; — allein, um aller Welt und unter allen Umstän­den, Recht­gläu­big­keit und Kon­ti­nui­tät zum Vor­gän­ger zu demon­strie­ren. Lei­der durch­schau­en die mei­sten Gläu­bi­gen das Spek­ta­kel­in­sze­na­rio nicht und fal­len glatt auf die Medi­en­ma­sche her­ein! Hier braucht es den Geist der Unter­schei­dung der Gei­ster. Veni SANCTE SPIRITUS !

  2. Da fragt man sich dann nur, war­um lässt Bene­dikt XVI. das alles mit sich machen? Es gibt eigent­lich nur einen logi­schen Schluß: er wird unter Druck gesetzt.

    • Ich wür­de das nicht so sehen, daß Papst em. Bene­dikt XVI. unter Druck gesetzt wird. Er hat ja selbst gesagt, daß er nach sei­nem Rück­tritt nun­mehr der Kir­che im Gebet die­nen wol­le. Und das fin­de ich sehr gut und ver­nünf­tig, denn: er hat­te im Grun­de genom­men als Theo­lo­ge alles gesagt, was gesagt wer­den muß­te. Er und sein Vor­gän­ger, Papst Johan­nes Paul II., wur­den aber von vie­len nicht akzep­tiert und nun müs­sen sie je län­ger desto mehr fest­stel­len, daß sie mit ihren Hoff­nun­gen und Visio­nen Schiff­bruch erlei­den: der Wider­stand ist ja nicht zu über­se­hen.
      Das jet­zi­ge Pon­ti­fi­kat zeigt über­deut­lich, daß die Theo­lo­gie allein die Kir­che nicht ret­ten kann. Schon der hl. Papst JP II. war nicht allein Theo­lo­ge, son­dern Beter, Mysti­ker und Phi­lo­soph. Und Bene­dikt brach­te die Theo­lo­gie zu einem wahr­schein­lich letz­ten gro­ßen Höhe­punkt. Aber er selbst begriff wohl, daß Theo­lo­gie allein nicht mehr aus­reicht für die Kir­che und das Volk Got­tes.

      Ich bin der Mei­nung, daß die Kri­se der Kir­che und der Gesell­schaf­ten wie gesagt allein mit Theo­lo­gie nicht mehr zu lösen ist. Es ist die Zeit des Gebets, der Buße und auch einer guten Phi­lo­so­phie. Nur das eröff­net m.Er. einen Aus­weg aus der schwe­ren Kri­se.

  3. Immer­hin lässt man ihn in Ruhe beten. Wenn man sieht, wie es in Welt und Kir­che heu­te zugeht, kann das als Ver­gün­sti­gung ange­se­hen wer­den. Viel­leicht nur eine beding­te Ver­gün­sti­gung.

  4. Wir alle lan­den zuerst im Fege­feu­er, man­che schon auf Erden.
    Der arme Bene­dikt hat die­ses furcht­ba­re Kon­zil auch mit­ge­stal­tet, ihm wird anschau­lich gezeigt wie es mit der Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­ta­et geht.
    Es gibt sie nicht, denn das Kon­zil war zum Umsturz der Kir­che „genutzt“ wor­den, wie uns die­ser Papst gera­de anschau­lich ver­deut­licht.
    Armer Bene­dikt, beten wir fuer ihn!

    • Joseph Ratz­in­ger war nie ein Held.
      Den abrup­ten und holp­ri­gen Abschluß des 2. Vati­kan. Kon­zils hat er haut­nah erlebt;
      die dar­auf­fol­gen­de Wir­ren und Stu­den­ten­un­ru­hen haben ihn schwer zuge­setzt.
      In Tübin­gen wur­de er von wüsten und pöbeln­den Stu­den­ten bedroht.
      Fast total ver­schwie­gen wird, daß er in Tübin­gen damals eskor­tiert und schüt­zend beglei­tet wur­de von:nein, kei­ne katho­li­sche Kol­le­gen der Fakul­tät, son­dern von zwei pro­te­stan­ti­schen Pro­fes­so­ren (einem Neu­te­sta­ment­ler, spä­ter in Ber­lin, und von einem Mis­si­ons­spe­zia­li­sten, Fami­li­en­va­ter, und mit Gar­de­maß);
      mit bei­den blieb Ratz­in­ger zeit­le­bens ver­bun­den.
      Die tübin­ger Uni­ver­si­täts­welt damals, die vie­le auf­rüh­re­ri­sche Stu­den­ten und die Kol­le­gen damals haben sich wirk­lich nicht anstän­dig ver­hal­ten.
      Mut ist eine sel­te­ne Tugend; Anstand eben­so.

  5. Noch im März 2015 bestä­tig­te die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on die Ehe­leh­re Papst Johan­nes Pauls II. mit allen pasto­ra­len und dis­zi­pli­nä­ren Impli­ka­tio­nen. — Nicht nur die Welt, auch die Kir­che ähnelt immer mehr einem „Nar­ren­schiff“ (vgl. die gleich­na­mi­gen Wer­ke von Seba­sti­an Brandt und Hie­ro­ny­mus Bosch).

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