Argumentationsniveau und Überzeugungskraft des traditionellen Katholizismus — angesichts von Vaticanum II und des Modernismus

überlieferte Messe

In Ergän­zung zum jüngst ver­öf­fent­lich­ten Bei­trag Glau­bens­treue und theo­lo­gi­sche Stand­punk­te – ein Unter­schied, den man nicht über­se­hen darf greift Cle­mens Vic­tor Olden­dorf erneut zur Feder, um Aspek­te der Dis­kus­si­ons- und Argu­men­ta­ti­ons­fä­hig­keit der Tra­di­ti­on in der inner­kirch­li­che Debat­te zu präzisieren.

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Gast­kom­men­tar von Cle­mens Vic­tor Oldendorf.

Wenn man die Anzahl der Kom­men­ta­re, die auf einen Arti­kel bei Katholisches.info hin geschrie­ben und ver­öf­fent­licht wer­den, als Grad­mes­ser für das Inter­es­se nimmt, auf das der Bei­trag stößt, sind die Auf­sät­ze, die ich bis­her hier ver­öf­fent­licht habe, höchst erfolgreich.

Die­ser erste Ein­druck rela­ti­viert sich, wenn ich die Kom­men­ta­re inhalt­lich aus­wer­te. Regel­recht nur ver­ein­zelt sind die Stim­men, die mei­nen Über­le­gun­gen bei­pflich­ten oder sich zwar kri­tisch mit mei­nem Stand­punkt aus­ein­an­der­set­zen, ihn aber zumin­dest zutref­fend erfassen.

Vetus OrdoDa ja nicht alle Kom­men­ta­re, die jemand schreibt, auto­ma­tisch erschei­nen, wür­den aller­dings die aller­mei­sten Leser­mei­nun­gen sofort weg­fal­len, sobald die Redak­ti­on kon­se­quent nichts frei­schal­ten wür­de, was ent­we­der über­haupt nichts mit mei­nen Tex­ten zu tun hat, oder irgend­ei­nen Ran­d­aspekt zur Haupt­aus­sa­ge auf­bauscht und gera­de damit zeigt, weder Inten­ti­on, noch Argu­men­ta­ti­on mei­ner Bei­trä­ge kor­rekt ver­stan­den zu haben und eigen­stän­dig wie­der­ge­ben zu kön­nen. Dies führt zwar nicht not­wen­di­ger­wei­se zur Zustim­mung für eine Posi­ti­on, ist aber — nicht nur bei mir, son­dern ganz gene­rell — die grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung, sich einer Sicht­wei­se anzu­schlie­ßen oder sie begrün­det zurückzuweisen.

Die­ser Befund ergibt sich auch, wenn ich auf mei­nen jüng­sten Bei­trag zurück­blicke, der hier publi­ziert wor­den ist. Es geht mir in allen mei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen um Aus­ge­wo­gen­heit und theo­lo­gisch-argu­men­ta­ti­ve Red­lich­keit, nicht um vor­ge­faß­te Parteinahme.

Zwar bin ich über­zeugt, daß das Kern­pro­blem, dem sich der tra­di­ti­ons­kon­for­me, katho­li­sche Glau­be heu­te gegen­über­sieht, nicht ein lit­ur­gi­sches ist, aber in einem noch­ma­li­gen Ver­such, mich ver­ständ­lich zu machen, möch­te ich ganz kon­kret Ein­blick geben in mei­ne lit­ur­gi­sche Praxis.

Ausschließlich überlieferter Römischer Ritus!

Novus Ordo-Standard
Novus Ordo-Stan­dard

In der Absicht, mei­ne Sonn­tags­pflicht zu erfül­len und auch, wenn ich aus from­mer Andacht werk­tags zur hei­li­gen Mes­se gehe, besu­che ich aus­schließ­lich Got­tes­dien­ste, die nach dem über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus gefei­ert wer­den. Sonn­tags mei­stens, aber nicht aus prin­zi­pi­el­len Erwä­gun­gen, bei der Petrus­bru­der­schaft, werk­tags, nicht nur man­gels ande­rer Gele­gen­heit, in jenem Prio­rat, in dem ich an den bei­den ver­gan­ge­nen Sonn­ta­gen das Hoch­amt besucht habe und übri­gens am 1. Advents­sonn­tag Zeu­ge einer groß­ar­ti­gen Pre­digt über die neun auf­ein­an­der­fol­gen­den Süh­ne­kom­mu­nio­nen am Herz-Jesu-Frei­tag gewor­den bin, zu denen der Pri­or biblisch, theo­lo­gisch und histo­risch gut fun­diert für das gera­de ange­bro­che­ne, neue Kir­chen­jahr aufforderte.

Manch­mal neh­me ich die Gele­gen­heit wahr, die Werk­tags­mes­se eines Ordens­prie­sters zu besu­chen, der als Pfar­rer ein­ge­setzt ist und ein­mal wöchent­lich im über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus zele­brie­ren kann. Da im neu­en Ritus erschwe­rend hin­zu­kommt, daß sich prak­tisch nie­mand dar­an hält, wür­de ich gege­be­nen­falls eher in die Mes­se eines Prie­sters gehen, der im Sin­ne einer pri­va­ten, theo­lo­gi­schen Mei­nung die Sedis­va­kanz­the­se ein­nimmt, als die mir erreich­ba­ren Zele­bra­tio­nen im neu­en Ritus zu besu­chen, obgleich ich selbst über­zeugt bin, daß man ein aktu­el­les Bestehen einer außer­or­dent­li­chen Sedis­va­kanz nicht strin­gent bewei­sen konn­te oder kann, und wenn, es dar­aus kei­nen Aus­weg gibt. Bis­her habe ich dies wis­sent­lich aller­dings nur ein­mal getan und auch die hei­li­ge Kom­mu­ni­on emp­fan­gen, die mir der Zele­brant, der mitt­ler­wei­le ver­stor­ben ist, nicht gespen­det hät­te, hät­te er aus der Sedis­va­kanz gleich­sam einen Glau­bens­ar­ti­kel gemacht, denn er wuß­te, daß ich die Legi­ti­mi­tät der regie­ren­den Päp­ste durch­gän­gig anerkenne.

Selbst­ver­ständ­lich wür­de ich auch an jedem ande­ren, in der Kir­che legi­tim über­lie­fer­ten und prak­ti­zier­ten Ritus teil­neh­men, doch prin­zi­pi­ell hat man einen grund­sätz­li­chen Anspruch, im Regel­fall in dem Ritus zu prak­ti­zie­ren, dem man selbst angehört.

Grund­la­ge für die­se Posi­ti­on ist eben der Unter­schied zwi­schen Glau­bens­treue und theo­lo­gi­schen Posi­tio­nen, und es ist nie­mals erfor­der­lich gewe­sen, in allen Punk­ten mit den theo­lo­gi­schen Mei­nun­gen des Prie­sters oder der Gemein­schaft, der er ange­hört, über­ein­zu­stim­men, bei dem man zur hei­li­gen Mes­se geht.

Zwei Usus, ein Ritus — de iure anzuerkennen unter Voraussetzung einer „Reform der ‚Reform‘ “

Karnevalsstimmung im Novus Ordo
Kar­ne­vals­stim­mung im Novus Ordo

Gleich­zei­tig kann ich nach­voll­zie­hen und de iure aner­ken­nen, war­um Bene­dikt XVI. den Novus Ordo als ordent­li­chen Usus bestimmt hat und den Vetus Ordo als außer­or­dent­li­chen. Die Art der Zuord­nung ist pro­ble­ma­tisch, weil bei einer „Reform der ‚Reform‘ “ der außer­or­dent­li­che Usus kir­chen­recht­lich streng­ge­nom­men am ordent­li­chen zu ori­en­tie­ren wäre, wohin­ge­gen nach all­ge­mei­ner Rezep­ti­on von Joseph Ratz­in­ger an sich das Umge­kehr­te erfor­der­lich sein müßte.

In dem Maße, wie offen­sicht­lich wird, daß es zu kei­ner sol­chen Reform kommt, wird die Ver­pflich­tung brü­chig, sach­lich einen Ritus in zwei Usus anzu­ken­nen und eben­so die Zuord­nung von ordent­lich und außer­or­dent­lich. Die Ten­denz, den Novus Ordo gleich­sam nur zere­mo­ni­ell zu triden­ti­ni­sie­ren, hät­te maxi­mal ein erster Schritt einer „Reform der ‚Reform‘ “ sein kön­nen. Bleibt man dabei ste­hen, ver­deckt man eher die Defi­zi­te der neu­en Lit­ur­gie. Bei den frü­hen luthe­ri­schen Lit­ur­gien gab es dazu übri­gens eine Ana­lo­gie, der Unter­schied war, dass die Defi­zi­te der luthe­ri­schen Lit­ur­gien, die in der äuße­ren Gestalt zuerst und ziem­lich lan­ge sogar eine star­ke Über­ein­stim­mung mit dem ererb­ten Got­tes­dienst bei­be­hiel­ten, sich zu Defek­ten aus­wuch­sen, die die sakra­men­ta­le Gül­tig­keit ver­letz­ten. Inzwi­schen ist die­ser, allein unzu­rei­chen­de, erste Schritt oben­drein bereits wie­der zurückgenommen.

Weder volle Verpflichtung, noch volles Verbot des Novus Ordo

Stift Heiligenkreuz: nach Rukriken zelebrierter Novus Ordo
Stift Hei­li­gen­kreuz: kor­rekt gefei­er­ter Novus Ordo

Trotz­dem die Gül­tig­keit der vor­schrifts­ge­mäß gefei­er­ten neu­en Lit­ur­gie nicht zu bezwei­feln ist, bin ich einer­seits über­zeugt, daß sie zu kei­nem Zeit­punkt voll ver­pflich­tend auf­er­legt wer­den konn­te. Des­we­gen tei­le ich nicht die offi­zi­el­le Linie der Petrus­bru­der­schaft, wenn kei­ne Gele­gen­heit zur alten Mes­se bestehe, sei­en die Gläu­bi­gen ver­pflich­tet (!), sonn- und fei­er­tags die neue Mes­se zu besu­chen. Dies umso mehr nicht, als die Patres der Petrus­bru­der­schaft trotz Prie­ster­man­gel nicht bereit sind, in Gemein­den des Usus, den sie als ordent­lich aner­ken­nen, in die­sem Usus aus­zu­hel­fen. Wer es zur Beru­hi­gung sei­nes Gewis­sens tun zu müs­sen glaubt, kann mei­nes Erach­tens aus­nahms­wei­se an einem kor­rekt gefei­er­ten Novus Ordo teil­neh­men. Hier wei­che ich wie­der­um vom offi­zi­el­len Stand­punkt der Pius­bru­der­schaft ab, auch, wenn ich per­sön­lich mich in einem sol­chen Aus­nah­me­fall nicht zur Teil­nah­me am Novus Ordo ver­pflich­tet füh­len würde.

Ande­rer­seits glau­be ich nicht, daß der Papst bei einer ech­ten „Reform der ‚Reform‘ “ den Novus Ordo zwangs­läu­fig von heu­te auf mor­gen wie­der ver­bie­ten muß und dies über­haupt könn­te. Ich wür­de auch nie­man­dem, der sich wirk­lich an die Vor­ga­ben des Usus recen­ti­or gehal­ten hat und hält, das Recht dazu abspre­chen, in die­sem Usus zu prak­ti­zie­ren. Denn gera­de, wenn man histo­risch den Weg betrach­tet, den die lit­ur­gi­sche Über­lie­fe­rung genom­men hat, kann es sein, daß der Novus Ordo da, wo er getreu sei­nen Rubri­ken gefei­ert wor­den ist, wäh­rend meh­re­ren Jahr­zehn­ten der got­tes­dienst­li­chen Pra­xis und Rezep­ti­on eine gewis­se Legi­ti­mi­tät erlangt hat, auch, wenn er sie ursprüng­lich nicht oder höch­stens ver­min­dert beses­sen haben dürf­te, da sei­ne Ein­füh­rung fak­tisch offen­sicht­lich gegen den über­lie­fer­ten Römi­schen Ritus gerich­tet war.

Und jetzt bin ich — salopp gesagt — gespannt, ob es mir viel­leicht doch ein­mal gelun­gen ist — am Bei­spiel der Lit­ur­gie — mei­nen Stand­punkt und den Unter­schied zwi­schen Glau­bens­treue und theo­lo­gi­schen Stand­punk­ten deut­li­cher zu machen. Sonst, und das wäre mir sehr unan­ge­nehm, kommt man nicht umhin, vie­len, von Papst Fran­zis­kus bis­her schon vor­ge­tra­ge­nen Ein­schät­zun­gen zu den katho­li­schen Tra­di­tio­na­li­sten der Sache nach zuzu­stim­men, womit unse­re intel­lek­tu­el­le Kraft und Argu­men­ta­ti­on emp­find­lich geschwächt wür­de — bis hin zur Pein­lich­keit eines Niveaus, das viel­leicht selbst noch durch­schnitt­li­che Zeu­gen Jeho­vas spie­lend überbieten.

Text: Cle­mens Vic­tor Oldendorf
Bild: MiL/Bistum Mainz/Conciliocaticanosecondo/Sift Hei­li­gen­kreuz (Screen­shot)

23 Kommentare

  1. «Trotz­dem die Gül­tig­keit der vor­schrifts­ge­mäß gefei­er­ten neu­en Lit­ur­gie nicht zu bezwei­feln ist, bin ich einer­seits über­zeugt, daß sie zu kei­nem Zeit­punkt voll ver­pflich­tend auf­er­legt wer­den konn­te. Des­we­gen tei­le ich nicht die offi­zi­el­le Linie der Petrus­bru­der­schaft, wenn kei­ne Gele­gen­heit zur alten Mes­se bestehe, sei­en die Gläu­bi­gen ver­pflich­tet (!), sonn- und fei­er­tags die neue Mes­se zu besuchen.»

    also manch­mal über­for­dern mich eure Denk­ka­prio­len hier. Mit dem Glau­ben, der mir von Kin­des­bei­nen an mit­ge­ge­ben wur­de, weiss ich, dass ich am Sonn­tag in die Mes­se muss. Punkt, nix zu dis­ku­tie­ren. Natür­lich ist die neue Lit­ur­gie nicht voll ver­pflich­tend in dem Sinn, dass ich da hin muss, ich kann mei­ne Sonn­tags­pflicht mit der „alten“ Mes­se erfül­len. Der gute Kolum­nist scheint mir aber zu schrei­ben, wenn’s kei­ne alte Mes­se in Reich­wei­te gibt, kann ich daheim blei­ben, und das seh ich anders. So könn­te er argu­men­tie­ren, wenn er die „neue“ Mes­se für ungül­tig hiel­te, das tut er aber nicht. Wenn „die Gül­git­keit nicht zu bezwei­fen ist“, dann muss ich da hin, auch wenn ich lie­ber ne alte Mes­se hät­te und es in der gan­zen Gegend kei­ne gibt. Man­che sehen hier den Wald vor lau­ter Bäu­men nicht. Ich „muss“ am Sonn­tag zur Mes­se, ein bestimm­ter Ritus scheint mir nicht vor­ge­schrie­ben, ich kann triden­ti­nisch, moza­ra­bisch, ambro­sia­nisch etc. Natür­lich vor­zugs­wei­se in mei­nen „Heim“-Ritus. Herr Olden­dorf fühlt sich aber nicht ver­pflich­tet, in die Sonn­tags­mes­se zu gehen, wenn nur Novus Ordo ange­bo­ten wird, obwohl er den für gül­tig hält… Also den Kno­ten krieg ich nicht auf

    • Sehr zutref­fend bemerkt, und hier kann Herr Olden­dorf nicht den Leser haft­bar machen, son­dern die Unklar­heit kommt von ihm selbst, weil er offen­bar die Form über den Inhalt, die Psy­che über den Geist, die Ästhe­tik über die Dog­ma­tik, … stellt.

    • Lehr­amt­lich fest­ge­hal­ten kann ein Katho­lik sogar sei­ner Sonn­tags­pflicht nach­kom­men, wenn er im Fal­le zu gro­ßer Ent­fer­nung der näch­sten katho­li­schen Kir­che oder Kapel­le in einer ortho­do­xen Gemein­de an der Mes­se teil­nimmt. Unter die­sem Aspekt ist es nicht halt­bar, so zu tun, als gel­te die Sonn­tags­pflicht nur bezo­gen auf die eige­ne Teil­kir­che und den per­sön­lich dort bevor­zug­ten Ritus. Wäre dem näm­lich so, könn­te ein ost­kirch­li­cher Katho­lik sagen, für ihn gel­te nur die Sonn­tags­pflicht, wenn die Mes­se in sei­ner eige­nen Teil­kir­che und dort im Byzan­ti­ni­schen Ritus mit kir­chensla­wi­scher Spra­che ange­bo­ten wird. Objek­tiv ist dem aber nicht so.

    • also ich ver­ste­he den Sach­ver­halt so und das ist theo­lo­gisch durch­aus zulässig!

      Ja, jeder Getauf­te Katho­lik unter­liegt der Sonn­tags­pflicht. Das ist grund­sätz­lich richtig.

      Die­se Pflicht endet aber genau an dem Punkt, wenn es für den Gläu­bi­gen unzu­mut­ba­re Umstän­de gibt, die ihn gerech­ter­wei­se von der Sonn­tags­pflicht entschuldigen.

      Neben gesund­heit­li­chen oder fami­liä­ren Ver­pflich­tun­gen (Krank­heit /Pflege von Angehörigen/Gesundheits oder sozia­le Berufs­tä­tig­keit) z.B. auch, wenn er in einem ver­nünf­ti­gen Zeit- und Distanz­ver­hält­nis eine hl. Mes­se nicht errei­chen kann.

      da sei­ner­zeit Paul VI. zu Recht die triden­ti­ni­sche Lit­ur­gie (nicht deab­ro­gie­ren = außer Kraft set­zen) konn­te — was kir­chen­recht­lich nicht mög­lich ist, wie es Bene­dikt XVI. auch in sei­nem Motu pro­prio fest­ge­stellt hat — 

      kann man auch dem­zu­fol­ge nie­mand grund­sätz­lich ver­pflich­ten, sei­ne Sonn­tags­pflicht in der neu­en Form der Mes­se von 1969/70 zu erfül­len, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn jemand ern­ste Beden­ken gegen­über der wür­di­gen Fei­er die­ser Mes­se vor­brin­gen kann.

      Unter ern­sten Beden­ken zäh­len ich und der Arti­kel­au­tor, wie er aus­drück­lich geschrie­ben hat, nicht die Gül­tig­keit der Hl. Mes­se, das ver­steht sich von selbst, denn wenn man berech­tig­te Zwei­fel an der Gül­tig­keit einer gefei­er­ten „Mes­se“ haben muss, wenn der Zele­brant bekann­ter­wei­se die Wand­lungs­wor­te eigen­mäch­tig abän­dert oder er nicht die vor­ge­schrie­be­ne Mate­rie von Brot und Wein benutzt, dann hät­te man sogar die Pflicht, die­se zu meiden!

      Ern­ste Beden­ken sind anzu­brin­gen, wenn die Zele­bra­ti­on der hl. Mes­se nicht in der von der Kir­che vor­ge­schrie­be­nen Form und Wür­de, die dem Gott geschul­de­ten Kult inne zu sein hat, vor­ge­nom­men wird, denn davon geht in aller Regel eine Gefähr­dung des Glau­bens ein­her, gemäß dem bekann­ten Grund­satz: lex oran­di est lex credendi.

      Wie ich bete, so glau­be ich auch. 

      Sprich, gibt der Prie­ster zu erken­nen, dass er nicht der Stell­ver­tre­ter Chri­sti am Altar sein will und nicht mit der Kir­che sein Opfer fei­ern will, also tun will, was die Kir­che tut, dann kann die­se gefei­er­te hl. Mes­se, obwohl gül­tig, nicht Aus­druck der Glau­bens­ge­mein­schaft der gesam­ten Kir­che sein und dann ent­stellt sie das Ant­litz der Kir­che und das Ver­mächt­nis Christi.

      Eine sol­che gefei­er­te Mes­se hat dann auch kei­nen Anspruch auf Sonn­tags­pflicht, denn das Kir­chen­recht will, das jeder Gläu­bi­ge das Recht auf die vol­le und wür­di­ge Teil­nah­me am sakra­men­ta­len Leben der Kir­che erhält und das beson­ders in ihrem Herz­stück, der hl. Eucharistie!

      Sol­che unwür­dig gefei­er­ten Got­tes­dien­ste fin­den sich zuhauf land­auf, land­ab in unse­ren deut­schen Lan­den, man muss schon in einer beson­de­ren Ecke woh­nen, wo es ver­ein­zel­te gegen den Lit­ur­gie­miß­brauch ankämp­fen­de Prie­ster gibt…

      ich hof­fe, ich konn­te ihren Kno­ten ein wenig auf­trö­seln. Noch Fragen?

  2. Was meint hier eigent­lich der Begriff „Gül­tig­keit“?
    Von Bar­ba­ra Wei­gand, glau­be ich, gibt es eine inter­es­san­te Offen­ba­rung bezgl. des neu­en Ritus. Dort heißt es sinn­ge­mäß bezüg­lich der Trans­sub­stan­tia­ti­on, dass Jesus durch die Wand­lungs­wor­te des Prie­sters zwar auch bei den Mahl­ti­schen („Volks­al­tar“) her­ab­kom­men wür­de — weil ER es den Prie­stern zuge­sagt habe -, aber auch Satan anwe­send sein wür­de, und es ihm dadurch grö­ße­re Schmer­zen berei­ten würde.
    Der neue Ritus mit sei­ner anthro­po­zen­tri­schen Rich­tung wäre dem­nach kei­ne unge­teil­te Ver­eh­rung für Gott, auch der Rauch Satans somit prä­sent. „Locus iste a Deo fac­tus est“ ?

    Wenn „Gül­tig­keit“ dar­auf zielt, dass Jesus in der hl. Mes­se real­prä­sent ver­ge­gen­wär­tigt wird, wäre auch die neue Mes­se — allein durch die Wand­lungs­wor­te des geweih­ten Prie­sters — an sich gül­tig; aller­dings, und das ist mei­ne ban­ge Fra­ge: wäre die wesent­li­che Vor­aus­set­zung für Gül­tig­keit aber nicht auch, dass der Prie­ster dies wil­lent­lich voll­zieht, dass er auch glaubt was er tut? Ist der Prie­ster nur auf­grund sei­ner Wei­he dazu befä­higt, oder gehört not­wen­dig auch sein Glau­be dar­an und sein Wil­le, sei­ne Über­zeu­gung dazu? Kurz: Ist die hl. Mes­se z.B. bei pro­te­stan­ti­sier­ten katho­li­schen Prie­stern (Mahl statt Opfer) eigent­lich gül­tig? Wel­che Kon­se­quen­zen hät­te das für die Gläu­bi­gen bzgl. ihrer Ver­ant­wor­tung gegen­über Gott?

    Das hl. Geheim­nis ist ohne Fehl! Auch die Art, es Gott gefäl­lig dar­zu­brin­gen? „… ina­e­stima­bi­le sacra­men­tum, irre­pre­hen­si­bi­lis est“ (ein unschätz­ba­res Geheim­nis, kein Fehl ist an ihm).
    Der Kreis um das ina­e­stima­bi­le sacra­men­tum ist im Usus anti­quus mäch­ti­ger, als der mit vie­len Ablen­kun­gen durch­setz­te neue Ritus.

  3. Papst Bene­dikt XVI. konn­te mei­ner Mei­nung nach nur ganz behut­sam und gegen star­ke Wider­stän­de dem über­lie­fer­ten Ritus über­haupt wie­der ein aner­kann­tes Hei­mat­recht in der Kir­che geben. Mehr war da auch nicht drin.
    Papst Bene­dikt XVI. spricht aber ins­be­son­de­re von der Glau­bens­kri­se als der Ursa­che aller Übel. Die Meß­fei­er ist dann „ledig­lich“ Aus­druck die­ser tie­fen Kri­se- und damit hat er sicher­lich auch recht.

    Zur Sonn­tags­pflicht ist zu sagen, daß die­se vor­ge­schrie­ben ist und somit ein­ge­hal­ten wer­den muß, aber nicht im Sin­ne von Zwang. Es ist ja ins­be­son­de­re der Dank an den gekreu­zig­ten und auf­er­stan­de­nen Herrn Jesus.
    Da gibts sicher­lich kei­ne Vor­schrif­ten, jede Art von „Got­tes­dienst“ zu besu­chen. Man kann sich das womög­lich aber auch aus­su­chen. Ich wür­de auch nicht zu jedem Prie­ster und in jede Gemein­de gehen.

  4. Lie­ber Cle­mens Vic­tor Olden­dorf, was ich bei Ihnen ein wenig ver­mis­se, ist Selbst­kri­tik. Wenn der Emp­fän­ger einer Bot­schaft ‑sei sie schrift­lich oder münd­lich for­mu­liert- die­se nicht ver­steht, kann es natür­lich am Unver­ständ­nis des Emp­fän­gers lie­gen. Es kann aber auch am Sen­der die­ser Bot­schaft lie­gen, näm­lich dann, wenn die­ser sich nicht sehr klar und ver­ständ­lich aus­drückt. Ich emp­feh­le Ihnen einen Ver­gleich Ihres Schreib­stils mit dem­je­ni­gen von Papst Bene­dikt. Letz­te­rem glau­be ich (Nicht­theo­lo­ge) rela­tiv gut fol­gen zu kön­nen. Wo ich das nicht kann, liegt es dar­an, dass das theo­lo­gi­sche Niveau für mich zu hoch ist, nicht aber an sei­ner Spra­che. Bei Ihnen sieht die Sache etwas anders aus. Ihr Schreib­stil ist für mein Emp­fin­den doch ziem­lich ver­schwur­belt, und ich kann ihm nur schwer fol­gen. Wie wäre es mit z. B. mit ein­fa­che­ren kür­ze­ren Sät­zen? Aber nun zum Inhalt Ihres Arti­kels: ich ver­ste­he Sie so, dass es Ihnen hier eigent­lich gar nicht um das The­ma Lit­ur­gie geht. Viel­mehr wol­len Sie auf­zei­gen, dass man trotz unter­schied­li­cher theo­lo­gi­scher Auf­fas­sun­gen zu Gül­tig­keit des Vetus Ordo und Ver­pflich­tung des Mess­be­suchs im Novus Ordo den­noch in Treue dem­sel­ben römisch-katho­li­schen Glau­ben anhän­gen kann, rich­tig? Übri­gens sind Ihre abschlie­ßen­den Bemer­kun­gen zum offen­ba­ren Niveau tra­di­ti­ons­freund­li­cher Katho­li­ken einem ver­nünf­ti­gen Dis­kurs ihrer­seits in kei­ner Wei­se zuträg­lich und deu­ten ‑so muss ich es lei­der aus­drücken- auf eine gewis­se Über­heb­lich­keit des Ver­fas­sers hin, frei nach dem Mot­to: „Wer mich nicht ver­steht, dem man­gelt es an Intellekt“.

    • Ich bin ja nicht Olden­dorf, aber ich ver­ste­he ihn auch so wie Sie. Es wur­de ja auch schon geschrie­ben, er sol­le in der Neu­en Mes­se blei­ben. Wo er gar nicht hin­geht. Und er begrün­det für mich schlüs­sig, wes­halb er nicht meint, im NOM die Sonn­tags­pflicht erfül­len zu müs­sen. Wäre der NOM voll­kom­men recht­mä­ßig ein­ge­führt wor­den, hät­te es gar kei­ne Legi­ti­ma­ti­on gege­ben, ihn nicht anzu­neh­men. Das gab es aber in nen­nens­wer­tem Umfang von Anfang an. Anders wäre es doch gar nicht zu den Indul­ten gekom­men und auch nicht zu Summorum Pontificum.

    • Die Arti­kel O.s sind zu einem guten Teil eit­le Selbst­dar­stel­lun­gen. Er wäre gern ein ernst­zu­neh­men­der Theo­lo­ge, daher schreibt er einen mög­lichst geschraub­ten Stil, der in deut­schen Lan­den seit der sog. Auf­klä­rung als Signum gei­sti­ger Sub­li­mi­tät gilt. Die Unsit­te eines der­ar­ti­gen Stils läßt man sich zur Not von wirk­lich Gro­ßen ‑z.B. Mat­thi­as Joseph Schee­ben- gefal­len. Da lohnt es sich tat­säch­lich, sprach­lich schwer Ver­dau­li­ches durch­zu­ar­bei­ten. Lei­der kann man letz­te­res nicht von den Arti­keln O.s behaup­ten — sicut expe­ri­en­tia docet.

  5. Herr O. über­schätzt anschei­nend sowohl den (reprä­sen­ta­ti­ven) Wert von Mei­nun­gen, die in einem Inter­net-Forum publi­ziert wer­den, als auch die Rele­vanz und theo­lo­gi­sche Stich­hal­tig­keit sei­ner eige­nen Über­le­gun­gen. Wer meint, dies sei nicht der Fall, lese auf­merk­sam den letz­ten Absatz des Artikels. 

    Es ist unver­ständ­lich, daß die Leser­schaft immer wie­der mit Arti­keln des Herrn O. mole­stiert wird.

      • Der Schluss des Arti­kels ist sicher scharf for­mu­liert, aber was gemeint ist, scheint doch wirk­lich eine ern­ste Gefahr zu sein. Und zwar nicht, weil Olden­dorf so kom­pli­ziert schreibt. Die Tra­dis wider­set­zen sich ja prak­tisch alle, mit mehr oder weni­ger ver­schie­de­nen Moti­ven, der Lit­ur­gie, die seit Paul VI. auch alle Päp­ste aus­schließ­lich gefei­ert haben. Wenn man das nicht macht und auch nicht möch­te, muss man es schon gut begrün­den. Und das ver­sucht Olden­dorf jedenfalls.

      • @ Fra­gen­der:

        Es genügt, daß man schwer­wie­gen­de, mit der Glau­bens­leh­re und der ver­bind­li­chen kirch­li­chen Dis­zi­plin in Ein­klang ste­hen­de Grün­de hat, de fac­to aus­schließ­lich die alte Mes­se zu lesen oder ihr de fac­to aus­schließ­lich bei­zu­woh­nen. Die Fest­stel­lung, daß nicht alle, die so han­deln, sol­che Grün­de für ihr Ver­hal­ten vor­brin­gen oder auch nicht in der Lage sind, (theo-) logisch strin­gen­te Argu­men­te dafür anzu­füh­ren, ist rich­tig. Inso­fern könn­te man es O. an sich nicht übel­neh­men, sich die­ser The­ma­tik ange­nom­men zu haben. 

        Was indes ‑nicht nur beim vor­lie­gen­den Arti­kel, son­dern immer wie­der- pein­lich berührt, ist u.a. die pene­tran­te Arro­ganz, mit der O. zu Wer­ke geht. Dau­ernd wird betont, er höchst­selbst sehe dies und jenes so und so. Dar­auf habe man gefäl­ligst zu ant­wor­ten und dabei unter Beweis zu stel­len, daß man sei­nen ver­meint­li­chen intel­lek­tu­el­len Muster­stücken gei­stig fol­gen kön­ne, sonst dro­he sein aller­höch­ster Unwil­le, der dar­in bestün­de, daß er „die“ „Tra­di­tio­na­li­sten“ künf­tig für Hohl­köp­fe hal­ten müs­se. Zudem geht er, so scheint es, davon aus, daß die­ses Forum reprä­sen­tiv für den Rest der katho­li­schen Welt (in des Wor­tes dop­pel­ter Bedeu­tung) sei — auch für den Kle­rus also. 

        Ver­dient so etwas über­haupt eine Antwort?

      • Cor­ri­gen­dum: 2. Absatz 2. Zei­le von unten ist statt „reprä­sen­tiv“ „reprä­sen­ta­tiv“ zu lesen. Dies nur zur Sicher­heit, damit O. nicht gleich wie­der sau­er wird und uns der näch­ste Arti­kel über sei­ne intel­lek­tu­el­le Bril­li­anz und die Debi­li­tät der ihn nicht ver­ste­hen­den Welt ins Haus steht.

  6. Ich muß Aven­tin lei­der zustim­men. Eine Netz­sei­te ist kein fach­theo­lo­gi­sches Jour­nal. Man liest eine Netz­sei­te auch anders. Ergo muß sie inhalt­lich die­sem ande­ren Medi­um Inter­net auch ange­passt sein.
    Daß die Gül­tig­keit der Mes­se unab­hän­gig ist von der per­sön­li­chen Mei­nung des zele­brie­ren­den Prie­sters ver­steht sich schon des­halb von selbst, weil ich des­sen Mei­nung im Regel­fal­le nicht kenne.
    Und daß nicht jede abwei­chen­de Auf­fas­sung gleich eine voll­ende­te Häre­sie ist, soll­te sich eigent­lich auch von selbst verstehen.

  7. Noch­mals dan­ke für Ihre dif­fe­ren­zier­ten Ausführungen.
    Zwei Anmerkungen:

    1. Unter dem Pho­to von Hei­li­gen­kreuz steht: kor­rekt gefei­er­ter Novus Ordo
    was wür­den sie zum kon­vent­amt der Abtei fla­vi­gny sagen: novus Ordo,nur römi­scher kanon,komplett Latein (bis auf Lesungen/ev.),ad ori­en­tem am Hochaltar,keine Konzelebration,nur „nor­ma­le“ kommunionspendung

    2.„nur zere­mo­ni­ell zu tridentinisieren“.das ist wohl im obi­gen kon­vent­amt der fall (in fla­vi­gny mei­ne ich).was müss­te denn dann noch folgen?ltes Offer­to­ri­um und Stu­fen­ge­bet? bei­des hat­te die römi­sche mes­se nicht immer.

  8. Herr Olden­dorf, in Ihrem Titel haben Sie Vati­ca­num II und Moder­nis­mus erwähnt, aber im Text neh­men sie nicht direkt Bezug dazu. Das frei­mau­re­ri­sche Doku­ment ‚Alta Ven­dita‘ aus dem 19. Jh, gibt uns Ein­sicht über die jet­zi­ge Situa­ti­on der Kir­che und Auf­schluss über die Ent­wick­lung des Moder­nis­mus. Man könn­te sagen, die Frei­mau­rer haben ihr Ziel erreicht und die katho­li­sche Kir­che infil­triert. Aber sie rech­nen nicht mit der Wach­sam­keit und das Gebet des Gläu­bi­gen. Ob Novus Ordo oder Vetus Ordo, das ent­schei­den­de ist das inne­re Gebet. Wir Gläu­bi­gen gehen nicht in die Hei­li­ge Mes­se nur um zu emp­fan­gen, noch weni­ger zu kon­su­mie­ren (um unser Wis­sen zu ver­grö­ssern oder Kon­zer­te des Kir­chen­chors zu genie­ssen), son­dern um Gott die Ehre zu geben, Ihm für das Opfer Chri­sti zu dan­ken und uns selbst als Opfer hin­zu­ge­ben, dass wir die­nen­de Men­schen wer­den, die den Wil­len Got­tes tun. Wenn Hei­li­ge Mes­sen im Novus Ordo nicht wür­dig gefei­ert wer­den, dann gilt es für den Gläu­bi­gen zu knien und für Prie­ster und Gemein­de zu beten, dass Gott sich aller erbarmt. Mit ande­ren Wor­ten, heu­te sind wir auf­ge­ru­fen, aktiv im Got­tes­dienst teil­zu­neh­men, im lie­ben­den inni­gen Gebet mit Gott ver­bun­den und für­bit­tend für unse­re Mitmenschen.

  9. Wenn die Kampf­li­ni­en so ein­fach zu erken­nen wären, könn­te man auch leicht­ver­dau­li­che Arti­kel drü­ber schreiben.

    Aber so ein­fach ist es lei­der nicht. Egal wie man zu Herrn Olden­dorfs Mei­nun­gen ste­hen mag, er hat doch in einem Punkt recht: die nai­ve und teil­wei­se regel­recht aggres­siv und mili­tant vor­ge­tra­ge­ne Über­zeu­gung der Tra­di­tio­na­li­sten, sie sei­en sozu­sa­gen der letz­te ver­blie­be­ne Hort der wah­ren Tra­di­ti­on, ver­kennt voll­kom­men, dass sie selbst ver­spon­nen sind in die beklag­ten „Ver­än­de­run­gen“ der „unter­mi­nier­ten“ Kir­che. Das Ducken im Sup­pen­tel­ler allei­ne macht die Welt leicht dechiffrierbar.…

    Wenn uns sowohl die Schrift als auch eini­ge schon lan­ge, von Rom aner­kann­te Pro­phe­ti­en aber vor Augen füh­ren, dass NIEMAND der Ver­füh­rung und Ver­wir­rung stand­hal­ten kön­ne, es sei denn Gott schenkt ihm die­se Gna­de, weil Er allei­ne die Lau­ter­keit oder Unlau­ter­keit (die sehr wohl auch tra­di­to­na­li­sti­schen Ambi­tio­nen zugrun­de lie­gen kann! — Das war ja zu Zei­ten Jesu bereits die Tra­gö­die, dass die schlimm­sten Glau­bens­fein­de die Geset­zes­treu­en waren…) des Her­zens sehen kann, dann soll­te doch in jedem eine gro­ße Bestür­zung über die prin­zi­pi­el­le eige­ne Abgrün­dig­keit und Ver­führ­bar­keit aus­ge­löst werden!

    Davon kann aber in Tra­di­k­rei­sen tat­säch­lich kei­ne Rede sein. Die theo­lo­gi­sche Argu­men­ta­ti­on bewegt sich oft auf vul­gär­stem Niveau, ist von einer plum­pen Selbst­ge­rech­tig­keit und Arro­ganz gezeich­net, die natür­lich auch for­mel­haft ein wenig Demut vor­schützt, sich aber unan­greif­bar in einer Wagen­burg ver­schanzt und ein­lädt, hier bei ihnen doch Schutz vor der kal­ten moder­ni­stisch unter­wan­der­ten Kir­che zu fin­den: Hier bei uns ist alles noch in Ord­nung. Wir fei­ern die alte Mes­se und lesen ein biss­chen Pius X., has­sen die Frei­mau­rer, wit­tern hin­ter den Fak­ten, die wir igno­rie­ren, die wah­ren Ver­schö­wrun­gen. Was braucht man mehr?

    Es ist ein­fach aus ver­nünf­ti­gen logi­schen Grün­den sofort erkenn­bar, dass die­se Art von Tra­di­tio­na­lis­mus, die sich ja zum Markt­füh­rer „der“ Tra­di­ti­on selbst erho­ben hat, gewis­ser­ma­ßen als ultra­rech­ter Kata­ly­sa­tor die an ande­rer Stel­le ange­setz­te Zer­stö­rung der Kir­che noch voll­ends in Fahrt bringt. Sie ist selbst ein Kind des Moder­nis­mus und ist nach jahr­zehn­te­lan­ger her­me­ti­scher Abrie­ge­lung betriebs­blind geworden. 

    Was die Gül­tig­keit des Novus Ordo betrifft:
    Zwei­fel bestehen auf­grund der „refor­mier­ten“ Form. Zwei­fel bestehen aber auch auf­grund der Zwei­fel an der Gül­tig­keit der Prie­ster- und Bischofs­wei­hen im Novus Ordo.

    Auch weist uns doch Paul VI. selbst aus­drück­lich dar­auf hin, dass mit dem NOM eine wirk­li­che Ver­än­de­rung des Ritus inten­diert und druch­ge­führt wor­den ist:

    „Gemäß Unse­rer Anord­nung ist nun das eucha­ri­sti­sche Hoch­ge­bet durch eine grö­ße­re Anzahl von Präf­a­tio­nen berei­chert wor­den, die teils der alten Tra­di­ti­on der römi­schen Kir­che ent­nom­men, teils neu ver­faßt sind, um so die ver­schie­de­nen Aspek­te des Heils­my­ste­ri­ums deut­li­cher wer­den zu las­sen und zahl­rei­che­re Moti­ve der Dank­sa­gung anzuführen.“ 

    (Forts.)

    • (Forts.)

      Wei­ter Paul VI.:

      „Außer­dem haben Wir für das Hoch­ge­bet drei neue Tex­te hin­zu­fü­gen las­sen. Aus pasto­ra­len Grün­den und zur Erleich­te­rung der Kon­ze­le­bra­ti­on haben Wir ver­fügt, daß die Her­ren­wor­te in allen Fas­sun­gen des Kanons die glei­chen sei­en. Wir bestim­men also, daß sie in jedem eucha­ri­sti­schen Hoch­ge­bet fol­gen­der­ma­ßen lau­ten. Über das Brot: „Neh­met und esset alle davon, das ist mein Leib, der für euch hin­ge­ge­ben wird.“ Über den Kelch: „Neh­met und trin­ket alle dar­aus, das ist der Kelch des neu­en und ewi­gen Bun­des, mein Blut, das für euch und für alle ver­gos­sen wird zur Ver­ge­bung der Sün­den. Tut dies zu mei­nem Gedächt­nis.“ Die vom Prie­ster gespro­che­nen Wor­te „Geheim­nis des Glau­bens“ wer­den aus dem Kon­text der Her­ren­wor­te gelöst und als Ein­lei­tung einer Akkla­ma­ti­on der Gläu­bi­gen verwendet.

      Was den Ordo Mis­sae betrifft, sind die Riten unter Wah­rung ihrer Sub­stanz ein­fa­cher gewor­den. (Vgl. II. Vati­ka­ni­sches Kon­zil, Sacro­sanc­tum Con­ci­li­um Art. 50.) Es ent­fiel, was im Lau­fe der Zeit ver­dop­pelt oder weni­ger glück­lich ein­ge­fügt wor­den ist (Vgl. ebd. Art. 50.), vor allem bei der Berei­tung von Brot und Wein sowie bei der Brot­bre­chung und der Kommunion.

      Hin­ge­gen wur­de wie­der­her­ge­stellt nach der ehr­wür­di­gen Norm der Väter, was durch die Ungunst der Zei­ten ver­lo­ren­ge­gan­gen war. (Vgl. ebd. Art. 50.) Hier­her gehö­ren die Homi­lie (Vgl. ebd. Art. 52.), das „All­ge­mei­ne Gebet“ oder „Gebet der Gläu­bi­gen“ (Vgl. ebd. Art. 53.) und zu Beginn der Mes­se ein „Schuld­be­kennt­nis“ oder „Ritus der Ver­söh­nung mit Gott und den Brü­dern“, der die ihm zukom­men­de Bedeu­tung zurück­er­hielt.“ http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/apost_constitutions/documents/hf_p-vi_apc_19690403_missale-romanum_ge.html

      Sieht man dies genau an, und ist man wirk­lich im Geist des alten Ritus behei­ma­tet, dann kann einem nicht ent­ge­hen, dass hier weder von einem „Opfer“ noch von „Wand­lungs­wor­ten“ mehr die Rede ist. Es geht um das „Heuils­my­ste­ri­um“, um „Her­ren­wor­te“ und — ganz wich­tig — gleich zu Beginn um die Ver­söh­nung mit Gott und den Brüdern.

      Die­ses Gedächt­nis­mahl zele­briert schö­ne Dank­bar­keit für emp­fan­ge­ne all­ge­mei­ne Gaben, all­ge­mei­ne fried­li­che Brü­der­lich­keit und — für mich — ist es wirk­lich der „Abschuss“, dass die Wor­te „myste­ri­um fidei“ dem Prie­ster, der doch in per­so­na Chri­sti bis­lang die­ses Geheim­nis durch sei­ne eige­ne Gestalt in die Gemein­de hin­ein­trug, ent­ris­sen und der Gemein­de als „Akkla­ma­ti­on“ über­ge­ben werden:

      „Die vom Prie­ster gespro­che­nen Wor­te „Geheim­nis des Glau­bens“ wer­den aus dem Kon­text der Her­ren­wor­te gelöst und als Ein­lei­tung einer Akkla­ma­ti­on der Gläu­bi­gen ver­wen­det.“ (s.o.)

      Paul VI. behaup­tet ziem­lich dreist, die alte Mes­se habe die Tra­di­tio­nen verdunkelt:

      (Forts.)

    • (Forts.)

      Wei­ter Paul VI.:

      „Inzwi­schen sind sowohl älte­ste lit­ur­gi­sche Quel­len neu erschlos­sen und ver­öf­fent­licht wie auch Tex­te der Ost­kir­chen ein­ge­hen­der unter­sucht wor­den. Es ergab sich bei vie­len der Wunsch, die dort vor­han­de­nen Reich­tü­mer des Glau­bens und der Fröm­mig­keit nicht län­ger im Dun­kel der Biblio­the­ken ver­bor­gen zu hal­ten, son­dern ans Licht zu brin­gen, um Herz und Sinn der Chri­sten zu erleuch­ten und zu näh­ren.“ (s.0.)

      Man müss­te mit Blind­heit geschla­gen sein, wenn man nicht die Abqua­li­fi­zie­rung des über­lie­fer­ten Ritus dar­in erken­nen wür­de! Nur ein Tot­stell-Reflex kann einen davon abhal­ten, sofort zu sehen, dass hier ein voll­kom­men ver­form­ter Ritus dem über­lie­fer­ten förm­lich ent­ge­gen­ge­setzt wur­de, angeb­lich unter Rück­griff auf die „älte­sten“ Tra­di­tio­nen, aber Paul VI. muss ja selbst zuge­ben, dass das Wesent­li­che neu erfun­den wur­de: das Hochgebet!
      Und die Mei­nung, man erneue­re gewis­ser­ma­ßen, um die gesche­he­ne Ver­fin­ste­rung der Gläu­bi­gen durch die qua­si ver­arm­te über­lie­fer­te Mess­form Pius V., dem natür­lich auch ein wenig gelob­hu­delt wird, end­lich auf­zu­he­ben wie eine ersticken­de Decke — 

      - nein: bei einer genau­en und sorg­sa­men Betrach­tung ist es unmög­lich, den alten Ritus und sei­ne Ver­nei­nung durch Paul VI. als „ein und den­sel­ben“ (Bene­dikt XVI.) anzusehen.

      Und die ver­stie­ge­ne Vor­stel­lung, das sei gül­tig, quä­le aber den Herrn und der Teu­fel sei auch noch gleich mit am Altar — mit Ver­laub, das lässt sich theo­lo­gisch über­haupt nicht hal­ten. Ich habe das schon öfters genau begrün­det und ver­zich­te daher heu­te darauf.

      Den­noch kön­nen die­se Über­le­gun­gen kei­ne vul­gä­re Milch­mäd­chen­rech­nung „Geh hin wo der alte Ritus gefei­ert wird, denn dort ist alles gut, ex ope­re ope­ra­to…“ begründen!
      Wie gesagt kommt vie­les zusam­men: sind die Prie­ster über­haupt gül­tig geweiht, fei­ert man una cum hae­re­ti­co (dann wird es schwie­rig!), wel­che Inten­tio­nen haben die Zele­bran­ten, falls sie über­haupt wirk­li­che Prie­ster sind.
      Und: Sind die tota­len Ent­hem­mun­gen und Ent­glei­sun­gen im Novus Ordo nicht tat­säch­lich Bestand­teil sei­ner Form? Wie kommt es denn sonst, dass nur in die­sem Ritus der­ar­ti­ge „Hor­ro­res“ gesche­hen, und dies kei­nes­wegs als Sonderfall?

      Es gibt hier kei­ne schnel­le Ant­wort, die unse­re Har­mo­nie­sucht und die Träg­heit des Den­ken befrie­di­gen könnte.

      Wir leben in einer heil­lo­sen Verwirrung. 

      Ich glau­be, dass die Emp­feh­lung, das unbe­fleck­te Herz Mari­ens zu kon­tem­plie­ren und sie um ihre mäch­ti­ge Für­spra­che anzu­ru­fen, der ein­zi­ge Schutz sein kann. Lese ich pri­vat Bücher (was natür­lich not­wen­dig ist!), kann ich — ohne leben­di­ges Lehr­amt — einer fal­schen Ver­ste­hens­wei­se erlie­gen. Es ist aber auch falsch, selbst­er­nann­te Prie­ster­bru­der­schaf­ten als Lehr­amts­er­satz anzu­him­meln — das wider­spricht dia­me­tral der Leh­re der Kir­che — die­se Leu­te haben kei­ne vom Papst unab­hän­gi­ge Lehrautorität!

      Maria aber ist der ein­zi­ge Mensch, des­sen Geist ganz rein und in Über­ein­stim­mung mit Gott ist.
      Des­halb ist sie unse­re Zuflucht in die­ser gro­ßen Not.

      • Lie­be @Zeitschnur,
        ich stim­me Ihren Aus­füh­run­gen zu. Für mich bleibt aber die Fra­ge, was bedeu­tet „gül­tig“?
        Die Ver­ge­gen­wär­ti­gung Jesu Chri­sti in Brot und Wein, die Trans­sub­stan­tia­ti­on als Höhe­punkt und Zen­trum jeder hl. Mes­se, ist mei­nes Wis­sens — neben der Zusa­ge Jesu Chri­sti — nur mög­lich durch den geweih­ten Prie­ster und sei­nem Wil­len es zu tun. Heißt dies nicht, dass wenn die­se Ver­ge­gen­wär­ti­gung kraft Auf­trag Jesu und Auto­ri­tät des Prie­sters durch die Wand­lungs­wor­te geschieht, dies zunächst ein­mal unab­hän­gig vom Ritus geschieht?
        Wenn es aber in der Bot­schaft von La Salet­te heißt: „… denn es gibt nie­mand mehr, der die Barm­her­zig­keit und die Ver­zei­hung für das Volk erfleht; es gibt kei­ne groß­her­zi­gen See­len mehr; es gibt nie­mand mehr, der wür­dig wäre, das makel­lo­se Opfer­lamm dem Ewi­gen zugun­sten der Welt auf­zu­op­fern“, wür­de dies dann bedeu­ten, dass die hll. Mes­sen nicht gül­tig sind?
        Ist die Wür­de also Vor­aus­set­zung für die Gültigkeit?
        Das Opfer, im gewan­del­ten Brot und Wein also Jesus Chri­stus selbst , kann doch nicht anders als gott­ge­fäl­lig sein, denn er kann sich selbst nicht ver­leug­nen. Wohl aber die Art und Wei­se, der Ritus, die­ses Opfer gott­ge­fäl­lig dem Höch­sten, dem All­mäch­ti­gen darzubringen.
        Lau­ert das myste­ri­um ini­qui­ta­tis nicht eigent­lich im Ritus? (Allein schon bei der Ele­va­ti­on ad popu­lum statt ad Deum?)

        Dass das Mess­op­fer schon durch Paul VI abge­schafft wor­den sei, kann ich schwer­lich glau­ben, denn es heißt bei Dani­el 12:11 „Von der Zeit an, in der man das täg­li­che Opfer abschafft und den unheil­vol­len Greu­el auf­stellt, sind es zwölf­hun­dert­neun­zig Tage. Wohl dem, der aus­hält und drei­zehn­hun­dert­fünf­und­drei­ßig Tage erreicht!“

        Noch ein­mal: was mein eigent­lich „Gül­tig­keit“ des Mess­op­fers? Bezüg­lich Trans­sub­stan­tia­ti­on und Ritus?

        Ja, ohne unse­re Mut­ter, die aller­se­lig­ste Jung­frau Maria, unse­re Mitt­le­rin und gro­ße Für­spre­che­rin bei Gott, wird es nicht mög­lich sein, die 1335 Tage auszuhalten.

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