Papst Leo XIV besuchte in den Sommerferien Montecassino, Vallepietra und Subiaco


Papst Leo XIV. verweilte vor dem verehrten Dreifaltigkeitsfresko in Vallepietra.
Papst Leo XIV. verweilte vor dem verehrten Dreifaltigkeitsfresko in Vallepietra.

Wäh­rend sei­nes Som­mer­auf­ent­halts in Castel Gan­dol­fo unter­nahm Papst Leo XIV. bereits meh­re­re unan­ge­kün­dig­te Pil­ger­fahr­ten zu eini­gen der bedeu­tend­sten geist­li­chen Orte Mit­tel­ita­li­ens. Die pri­va­ten Besu­che führ­ten ihn zunächst zur Bene­dik­ti­ner­ab­tei Mon­te­cas­si­no und zwei Tage spä­ter zum Drei­fal­tig­keits­hei­lig­tum in Vall­epie­tra sowie zu den Bene­dik­ti­ner­klö­stern von Subia­co. Im Mit­tel­punkt aller Sta­tio­nen stan­den Gebet, Begeg­nun­gen mit den Ordens­ge­mein­schaf­ten und die Erin­ne­rung an die Wur­zeln des abend­län­di­schen Mönchtums.

Gebet um Frieden in Montecassino

Am Mon­tag, dem 20. Juli besuch­te Leo XIV. in aller Stil­le die Bene­dik­ti­ner­ab­tei Mon­te­cas­si­no. Nach Anga­ben des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes bete­te der Papst am Grab des hei­li­gen Bene­dikt und ver­trau­te ihm sei­ne Bit­te um Frie­den für jene Regio­nen der Welt an, die von Krieg, Gewalt und Blut­ver­gie­ßen gezeich­net sind.

Anschlie­ßend nahm er gemein­sam mit der Mönchs­ge­mein­schaft das Mit­tag­essen ein, bevor er nach Castel Gan­dol­fo zurück­kehr­te, wo er bis Ende Juli sei­ne Som­mer­fe­ri­en ver­brin­gen wird.

Wie Abt Luca Fal­lica spä­ter berich­te­te, war der Besuch selbst für die Gemein­schaft eine Über­ra­schung. Aus Grün­den der Ver­trau­lich­keit sei die Ankunft des Pap­stes erst weni­ge Stun­den zuvor bestä­tigt wor­den. Gera­de des­halb habe sich die Begeg­nung in einer schlich­ten und fami­liä­ren Atmo­sphä­re voll­zo­gen. Leo XIV. bete­te mit den Mön­chen die Sext, besich­tig­te das berühm­te Archiv und die Biblio­thek der Abtei und begrüß­te zudem anwe­sen­de Pil­ger und Besu­cher. Dem Abt erzähl­te der Papst, er ken­ne Mon­te­cas­si­no bereits aus sei­ner Stu­di­en­zeit in Rom und habe sich über die Rück­kehr an die­sen Ort beson­ders gefreut.

Abt Fal­lica bezeich­ne­te den Besuch als Ermu­ti­gung sowohl für das klö­ster­li­che Leben als auch für den kirch­li­chen Auf­trag der Gemein­schaft. Die gemein­sam ver­brach­ten Stun­den mit dem Nach­fol­ger Petri sei­en ein Ansporn, wei­ter­hin zum Wohl der Kir­che und der Mensch­heit zu wirken.

Montecassino – Wiege des Benediktinerordens

Die hoch über dem Liri-Tal gele­ge­ne Abtei Mon­te­cas­si­no zählt zu den bedeu­tend­sten Klö­stern der Chri­sten­heit. Sie wur­de im Jahr 529 vom hei­li­gen Bene­dikt von Nur­sia gegrün­det und gilt als Mut­ter­klo­ster des Bene­dik­ti­ner­or­dens. Hier ent­stand die Bene­dikts­re­gel, deren Leit­wort Ora et labo­ra („Bete und arbei­te“) das west­li­che Mönch­tum nach­hal­tig präg­te und ent­schei­dend zur Bewah­rung anti­ker Bil­dung sowie zur Chri­stia­ni­sie­rung Euro­pas beitrug.

Die Geschich­te des Klo­sters ist von wie­der­hol­ter Zer­stö­rung und ein­drucks­vol­len Wie­der­auf­bau­ten geprägt. Nach Ver­wü­stun­gen durch Lan­go­bar­den, Sara­ze­nen und Erd­be­ben wur­de die Abtei im Zwei­ten Welt­krieg wäh­rend der Schlacht um Mon­te­cas­si­no 1944 von der Army Air Forces der USA und der Roy­al Air Force Groß­bri­tan­ni­ens unter dem bri­ti­schen Ober­kom­man­do von Gene­ral Harold Alex­an­der nahe­zu voll­stän­dig zer­stört. Dabei hat­te die deut­sche Wehr­macht das Klo­ster – auch auf Bit­ten des Vati­kans und des Abtes – wegen sei­ner kul­tu­rell und reli­gi­ös her­aus­ra­gen­den Bedeu­tung nicht besetzt, um Schä­den zu ver­hin­dern. So hat­ten Hun­der­te von Zivi­li­sten aus der Umge­bung Schutz im Klo­ster gesucht. Ange­hö­ri­ge der deut­schen 1. Fall­schirm­jä­ger-Divi­si­on hat­ten bereits zuvor zusam­men mit Ver­tre­tern des Vati­kans und der Bene­dik­ti­ner­mön­che den Abtrans­port zahl­rei­cher wert­vol­ler Hand­schrif­ten, Gemäl­de, lit­ur­gi­scher Gegen­stän­de und Archiv­be­stän­de orga­ni­siert, die über­wie­gend in den Vati­kan und ande­re siche­re Orte gebracht, wur­den um sie vor den erwar­te­ten Kämp­fen und alli­ier­ten Luft­an­grif­fen zu schützen.

Die zer­stör­te Abtei wur­de zum Sym­bol des in Trüm­mern lie­gen­den Abend­lan­des. Daher mach­te der ori­gi­nal­ge­treue Wie­der­auf­bau Mon­te­cas­si­no zu einem Sym­bol der Ver­söh­nung und des Frie­dens. Kunst­hi­sto­risch beein­druckt Mon­te­cas­si­no heu­te vor allem durch sei­ne monu­men­ta­le Barock­ar­chi­tek­tur, die präch­ti­gen Kreuz­gän­ge, die von der Beu­ro­ner Schu­le gestal­te­te Kryp­ta, die Basi­li­ka sowie die inter­na­tio­nal bedeu­ten­de Biblio­thek und das histo­ri­sche Archiv mit unschätz­ba­ren Handschriftenbeständen.

Wallfahrt zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Vallepietra

Nur zwei Tage spä­ter, am Mitt­woch, dem 22. Juli, setz­te Leo XIV. sei­ne stil­len Pil­ger­fahr­ten fort. Sein erstes Ziel war das Hei­lig­tum der Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit von Vall­epie­tra im öst­li­chen Lati­um. Hier an der Gren­ze des alten Kir­chen­staa­tes zu den Abruz­zen liegt das Hei­lig­tum spek­ta­ku­lär auf rund 1.400 Metern Höhe an einer Fels­wand des Mon­te Taglia­ta. Es geht bereits auf das 5. Jahr­hun­dert zurück und gehört zu den ein­drucks­voll­sten Wall­fahrts­or­ten Mit­tel­ita­li­ens. Das dort ver­ehr­te Drei­fal­tig­keits­fres­ko stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Der Papst ver­weil­te dort im Gebet vor dem ver­ehr­ten Fres­ko der Hei­lig­sten Drei­fal­tig­keit und begrüß­te anschlie­ßend die anwe­sen­den Gläu­bi­gen sowie die Ordensleute.

Das Hei­lig­tum ist seit dem Mit­tel­al­ter Ziel gro­ßer Wall­fahr­ten. Sei­ne außer­ge­wöhn­li­che Lage in einer natür­li­chen Fels­ni­sche ver­leiht ihm bis heu­te einen beson­de­ren Cha­rak­ter. Das Gna­den­bild zählt zu den wich­tig­sten mit­tel­al­ter­li­chen Fres­ken der Regi­on und macht Vall­epie­tra zu einem bedeu­ten­den Zeug­nis volks­tüm­li­cher Fröm­mig­keit und sakra­ler Kunst.

Besuch der Benediktinerklöster von Subiaco

Im Anschluß führ­te der Weg des Pap­stes nach Subia­co, einem der wich­tig­sten Orte der bene­dik­t­i­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät. Dort besuch­te Leo XIV. zunächst das Klo­ster San Bene­det­to, das wie ein Schwal­ben­nest über der Höh­le (Sacro Spe­co) errich­tet wur­de, in der der hei­li­ge Mönchs­va­ter Bene­dikt meh­re­re Jah­re als Ein­sied­ler leb­te und sei­ne geist­li­che Beru­fung vertiefte.

Wäh­rend sei­nes Auf­ent­halts ver­weil­te der Papst in stil­ler Betrach­tung vor dem berühm­ten Fres­ko des hei­li­gen Fran­zis­kus aus dem 13. Jahr­hun­dert, der älte­sten erhal­te­nen Dar­stel­lung des Hei­li­gen aus Assi­si. Im Sacro Spe­co küss­te Leo XIV. – einer jahr­hun­der­te­al­ten Tra­di­ti­on fol­gend – das Knie der Sta­tue des hei­li­gen Bene­dikt und bete­te gemein­sam mit den Anwe­sen­den das Vaterunser.

Anschlie­ßend begab sich das Kir­chen­ober­haupt zum nahe­ge­le­ge­nen Klo­ster San­ta Sco­la­sti­ca, wo er mit der Bene­dik­ti­ner­ge­mein­schaft zu Mit­tag aß und die Kreuz­gän­ge sowie die Klo­ster­an­la­ge besich­tig­te, bevor er wie­der­um nach Castel Gan­dol­fo zurückkehrte.

Subiaco – Ursprung benediktinischer Spiritualität

Subia­co nimmt in der Geschich­te des abend­län­di­schen Mönch­tums eine Schlüs­sel­stel­lung ein. Hier leb­te Bene­dikt von Nur­sia als Ein­sied­ler, bevor er meh­re­re Klo­ster­ge­mein­schaf­ten grün­de­te und spä­ter Mon­te­cas­si­no errich­te­te. Das über der Ein­sied­ler­höh­le ent­stan­de­ne Klo­ster San Bene­det­to zählt zu den ein­drucks­voll­sten mit­tel­al­ter­li­chen Klo­ster­an­la­gen Euro­pas. Sei­ne Archi­tek­tur schmiegt sich unmit­tel­bar an den Fel­sen und ver­bin­det auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se Natur- und Kulturlandschaft.

Beson­ders kunst­hi­sto­risch her­aus­ra­gend sind die Fres­ken­zy­klen aus dem 13. bis 15. Jahr­hun­dert, dar­un­ter das berühm­te, bereits erwähn­te Por­trät des hei­li­gen Fran­zis­kus, das noch zu des­sen Leb­zei­ten ent­stand. Das benach­bar­te Klo­ster San­ta Sco­la­sti­ca ist das ein­zi­ge der ursprüng­lich drei­zen Klö­ster Bene­dikts in Subia­co und sei­ner Umge­bung, das bis heu­te besteht. Es ver­eint roma­ni­sche, goti­sche und Renais­sance-Ele­men­te und beher­berg­te im 15. Jahr­hun­dert eine der ersten Buch­drucke­rei­en Ita­li­ens. Damit wur­de Subia­co nicht nur zu einem geist­li­chen Zen­trum, son­dern auch zu einem frü­hen Ort der Ver­brei­tung huma­ni­sti­scher Bil­dung und des Buchdrucks.

Mit­tel­ita­li­en, ins­be­son­de­re das Gebiet des ehe­ma­li­gen Kir­chen­staa­tes, gehört zu den dich­te­sten geist­li­chen und kul­tu­rel­len Land­schaf­ten Euro­pas. Hier begeg­nen sich Geschich­te, Kunst und Glau­be auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se. Die zahl­rei­chen Hei­lig­tü­mer, Klö­ster und Kir­chen zie­hen seit Jahr­hun­der­ten Pil­ger, Gelehr­te und Kunst­in­ter­es­sier­te an und bie­ten bis heu­te jedem Besu­cher die Mög­lich­keit, die­sen außer­ge­wöhn­li­chen Reich­tum zu ent­decke – eine Tra­di­ti­on, die sich auch in den Besu­chen von Papst Leo XIV. fortsetzt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vati­can­Me­dia (Screen­shot)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*