Oktober 1956: Der heldenhafte Aufstand Ungarns

Vom 23. Oktober bis 4. November 1956 kam es in Ungarn zu einem Volksaufstand gegen die kommunistische Diktatur
Vom 23. Oktober bis 4. November 1956 kam es in Ungarn zu einem Volksaufstand gegen die kommunistische Diktatur

Von Rober­to de Mattei* 

Am 23. Okto­ber 1956 füll­ten sich die Stra­ßen Buda­pests mit jun­gen Men­schen. Sie tru­gen unga­ri­sche Fah­nen, aus denen das kom­mu­ni­sti­sche Wap­pen her­aus­ge­schnit­ten wor­den war: Das dadurch ent­stan­de­ne Loch in der Mit­te wur­de zum Sym­bol einer Nati­on, die ihr eige­nes Schick­sal wie­der selbst in die Hand neh­men woll­te. Am Abend wur­de die gewal­ti­ge Sta­lin-Sta­tue gestürzt. Vom Denk­mal blie­ben ledig­lich die Stie­fel auf dem Sockel zurück – ein bei­na­he gro­tes­kes Bild einer Macht, die den Anspruch erho­ben hat­te, die Gewis­sen zu beherr­schen, und nun plötz­lich ins Wan­ken zu gera­ten schien.

Sieb­zig Jah­re spä­ter besitzt der unga­ri­sche Auf­stand noch immer eine Kraft, die durch kei­ne bloß for­mel­le Gedenk­ver­an­stal­tung abge­schwächt wer­den soll­te. Es war die Rebel­li­on eines Vol­kes gegen eine Dik­ta­tur, die von sowje­ti­schen Waf­fen gestützt wur­de, zugleich aber auch die blu­ti­ge Wider­le­gung einer Lüge: der Behaup­tung, der Kom­mu­nis­mus ste­he für die Befrei­ung der Arbei­ter. In Buda­pest kämpf­ten die Arbei­ter Sei­te an Sei­te mit den Stu­den­ten gegen jenen Staat, der vor­gab, in ihrem Namen zu herrschen.

Nach dem Krieg war Ungarn nach und nach einem Regime unter­wor­fen wor­den, das nach dem Vor­bild der Sowjet­uni­on gestal­tet war. Die Herr­schaft von Máty­ás Ráko­si1 bedeu­te­te poli­ti­sche Geheim­po­li­zei, Ver­haf­tun­gen, mani­pu­lier­te Gerichts­ver­fah­ren, Kol­lek­ti­vie­rung und reli­giö­se Ver­fol­gung. Die Par­tei woll­te jeden Bereich des gesell­schaft­li­chen Lebens kon­trol­lie­ren. Die katho­li­sche Kir­che stell­te dabei ein beson­ders gefürch­te­tes Hin­der­nis dar, denn sie bewahr­te eine Auto­ri­tät und eine Treue, die nicht vom Staat abhän­gig waren.

Der Tod Sta­lins im Jah­re 1953 und die Anpran­ge­rung eini­ger sei­ner Ver­bre­chen durch Niki­ta Chruscht­schow im Febru­ar 1956 hat­ten Hoff­nun­gen auf einen Wan­del geweckt. Die Unru­hen in Polen ver­stärk­ten die­se Erwar­tun­gen. Am 23. Okto­ber gin­gen unga­ri­sche Stu­den­ten auf die Stra­ße und for­der­ten poli­ti­sche Frei­heit sowie den Abzug der sowje­ti­schen Trup­pen. Vor dem Gebäu­de des Rund­funks eröff­ne­te die poli­ti­sche Geheim­po­li­zei das Feu­er auf die Demon­stran­ten. Aus dem Pro­test wur­de ein Auf­stand. Die ersten sowje­ti­schen Pan­zer stie­ßen auf einen uner­war­tet hef­ti­gen Wider­stand. In den Stra­ßen der Haupt­stadt for­der­ten Jugend­li­che mit Geweh­ren und Molo­tow­cock­tails eine der größ­ten Mili­tär­mäch­te der Welt heraus.

Zu den For­de­run­gen der Auf­stän­di­schen gehör­te die Frei­las­sung von Kar­di­nal Józ­sef Minds­zen­ty, Erz­bi­schof von Esz­t­er­gom und Pri­mas von Ungarn. Er wur­de 1892 gebo­ren, 1945 zum Erz­bi­schof ernannt und 1946 von Pius XII. zum Kar­di­nal erho­ben. Bereits 1944 hat­te er unter dem Regime der Pfeil­kreuz­ler das Gefäng­nis kennengelernt.

Als die Kom­mu­ni­sten began­nen, die unga­ri­sche Gesell­schaft zu erobern, ver­tei­dig­te Minds­zen­ty die katho­li­schen Schu­len, die kirch­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen, die Frei­heit der Erzie­hung und die Unab­hän­gig­keit der Kir­che. Das Regime erkann­te, daß es den Pri­mas bre­chen muß­te, um die eige­ne Herr­schaft zu festi­gen. Am 26. Dezem­ber 1948 wur­de er ver­haf­tet, kör­per­li­cher Gewalt und psy­chi­schem Druck aus­ge­setzt und schließ­lich vor ein Gericht gezerrt. In einem Schau­pro­zeß, der von vorn­her­ein dar­auf ange­legt war, ihn in Miß­kre­dit zu brin­gen, wur­de er am 8. Febru­ar 1949 zu lebens­lan­ger Haft verurteilt.

Der Fall Minds­zen­ty zeig­te das wah­re Gesicht der kom­mu­ni­sti­schen Ver­fol­gung: den Hir­ten zu tref­fen, ihn von sei­ner Her­de zu iso­lie­ren und sei­ne Auto­ri­tät öffent­lich zu zer­stö­ren. Doch das Gefäng­nis konn­te sein Anse­hen nicht aus­lö­schen. In den Augen vie­ler Ungarn wur­de der Kar­di­nal das Sym­bol des katho­li­schen Widerstands.

Von Rom aus ver­folg­te Pius XII. die Ereig­nis­se mit außer­or­dent­li­cher Anteil­nah­me. Am 28. Okto­ber ver­öf­fent­lich­te er die Enzy­kli­ka Luc­tuo­sis­si­mi even­tus. Dar­in rief er die Welt­kir­che dazu auf, für das blut­über­ström­te Ungarn und für die ande­ren Völ­ker im öst­li­chen Euro­pa zu beten, denen ihre Frei­heit genom­men wor­den war. Unter­des­sen war Kar­di­nal Minds­zen­ty am 30. Okto­ber frei­ge­las­sen wor­den und erreich­te Buda­pest, wo ihn begei­ster­te Men­schen­men­gen empfingen.

Am 1. Novem­ber brach­te der Papst mit einer zwei­ten Enzy­kli­ka, Laet­a­mur admo­dum, sei­ne Freu­de über die wie­der­ge­won­ne­ne Frei­heit der Kar­di­nä­le Józ­sef Minds­zen­ty und Ste­fan Wyszy­ń­ski, Erz­bi­schof von Gne­sen und War­schau, zum Aus­druck. Bei­de waren zuvor von ihren jewei­li­gen Amts­sit­zen ent­fernt wor­den und kehr­ten nun in ihre Posi­tio­nen zurück, die mit Ehre und Ver­ant­wor­tung ver­bun­den waren.

Die Illu­si­on währ­te nur weni­ge Tage. Die Regie­rung von Imre Nagy2 hat­te die Rück­kehr zum poli­ti­schen Plu­ra­lis­mus ange­kün­digt und am 1. Novem­ber die Neu­tra­li­tät Ungarns sowie den Aus­tritt des Lan­des aus dem War­schau­er Pakt erklärt. Im Mor­gen­grau­en des 4. Novem­ber begann die sowje­ti­sche Armee einen erneu­ten, mas­si­ven Angriff. Mos­kau setz­te die Regie­rung von János Kádár3 durch. Der Wider­stand wur­de ver­zwei­felt fort­ge­setzt, wäh­rend der Westen mili­tä­risch nicht ein­griff: Die Suez­kri­se war auf ihrem Höhe­punkt, und zugleich droh­te eine direk­te Kon­fron­ta­ti­on mit der Sowjetunion.

Am 5. Novem­ber ver­öf­fent­lich­te Pius XII. sei­ne drit­te Enzy­kli­ka, Datis nuper­rime. Dar­in pran­ger­te er die Zer­stö­rung der gera­de erst wie­der­her­ge­stell­ten Insti­tu­tio­nen und die mit aus­län­di­schen Waf­fen auf­ge­zwun­ge­ne Knecht­schaft an. Unter Hin­weis auf das Blut Abels erin­ner­te er dar­an, daß Gott auch über das Unrecht rich­tet, das von Herr­schern und Natio­nen began­gen wird. Weni­ge Tage spä­ter, in sei­ner Rund­funk­bot­schaft vom 10. Novem­ber, stell­te der Papst der Welt eine Fra­ge: „Kann die Welt die­sen Brü­dern gegen­über gleich­gül­tig blei­ben und sie ihrem Schick­sal über­las­sen, einer ernied­ri­gen­den Skla­ve­rei aus­ge­lie­fert?“ Doch sei­nen nach­drück­lich­sten Schritt unter­nahm er in sei­ner Rund­funk­weih­nachts­bot­schaft vom 23. Dezem­ber, in der Pius XII. offen­bar­te, daß er erwo­gen hat­te, einen Kreuz­zug zur Ver­tei­di­gung des unter­drück­ten Ungarn auszurufen.

Die Bilanz der Nie­der­schla­gung des Auf­stan­des war furcht­bar: Mehr als 2.500 Ungarn wur­den getö­tet, rund 200.000 Men­schen flo­hen aus dem Land. Es folg­ten Ver­haf­tun­gen, Ver­ur­tei­lun­gen und Repres­sa­li­en. Imre Nagy soll­te 1958 gehängt wer­den. Minds­zen­ty fand Zuflucht in der US-ame­ri­ka­ni­schen Gesandt­schaft in Buda­pest. Dort blieb er bis 1971, nach­dem er fast fünf­zehn Jah­re lang in Iso­la­ti­on gelebt hat­te – ein leben­di­ges Zeug­nis der Frei­heit, die sei­nem Vater­land ver­wei­gert wurde.

Wäh­rend des VIII. Par­tei­tags der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens (PCI) im Dezem­ber 1956 lob­te Gior­gio Napo­li­ta­no4, der seit drei Jah­ren kom­mu­ni­sti­scher Abge­ord­ne­ter war, die sowje­ti­sche Inva­si­on in Ungarn ohne jede Ein­schrän­kung. Er erklär­te, die sowje­ti­sche Inter­ven­ti­on habe dazu bei­getra­gen, die Kon­ter­re­vo­lu­ti­on zu ver­hin­dern und „den Frie­den in der Welt zu ret­ten“. Erst fünf­zig Jah­re spä­ter schrieb er in einem Buch, daß er die­se Hal­tung bereue.

Auch der Sozia­list San­dro Per­ti­ni5, der Sta­lin bereits am Tag nach des­sen Tod über­schwäng­lich gewür­digt hat­te, pran­ger­te in einem Arti­kel, der am 3. Novem­ber von der kom­mu­ni­sti­schen Tages­zei­tung L’Unità auf­ge­grif­fen wur­de, das „Gespenst der Reak­ti­on“ und den „kon­ser­va­ti­ven Kle­ri­ka­lis­mus“ an. Zugleich erklär­te er, sich den unga­ri­schen Kom­mu­ni­sten gei­stig ver­bun­den zu fühlen.

In sei­nem Buch „Buda­pest 1956. La mac­chi­na del fan­go. La stam­pa del PCI e la rivo­lu­zi­o­ne unghe­re­se: un caso esem­pla­re di dis­in­for­ma­zio­ne“ („Buda­pest 1956. Die Schmutz­kam­pa­gne. Die Pres­se des PCI und die unga­ri­sche Revo­lu­ti­on: ein exem­pla­ri­scher Fall von Des­in­for­ma­ti­on“; Lin­dau, Turin 2016) zeich­net Ales­san­dro Fri­ge­rio sorg­fäl­tig nach, wie die kom­mu­ni­sti­sche und sozia­li­sti­sche Pres­se Ita­li­ens die Auf­stän­di­schen zu dis­kre­di­tie­ren und die sowje­ti­sche Repres­si­on zu recht­fer­ti­gen ver­such­te. Beson­de­res Augen­merk legt er dabei auf die Ver­ant­wor­tung des PCI-Gene­ral­se­kre­tärs Pal­mi­ro Togliat­ti sowie der Brü­der Giu­lia­no und Gian­car­lo Pajetta.

San­dro Per­ti­ni war von Juli 1978 bis Juni 1985 Prä­si­dent der Ita­lie­ni­schen Repu­blik, Gior­gio Napo­li­ta­no von Mai 2006 bis Janu­ar 2015. Somit hat­te die Ita­lie­ni­sche Repu­blik mehr als fünf­zehn­ein­halb Jah­re lang zwei sozia­li­sti­sche bzw. kom­mu­ni­sti­sche Poli­ti­ker an ihrer Staats­spit­ze, die in den Tagen der unga­ri­schen Tra­gö­die den sowje­ti­schen Mili­tär­ein­satz offen gerecht­fer­tigt hatten.

In den sieb­zig Jah­ren, die uns von der unga­ri­schen Revo­lu­ti­on tren­nen, hat kein Ver­tre­ter der anti­kom­mu­ni­sti­schen Rech­ten jemals das Amt des ita­lie­ni­schen Staats­prä­si­den­ten erlangt. Die Selig­spre­chungs­ver­fah­ren für die ehr­wür­di­gen Die­ner Got­tes Pius XII. und Józ­sef Minds­zen­ty kom­men nicht mit jener Geschwin­dig­keit vor­an, mit der ande­re kirch­li­che Per­sön­lich­kei­ten in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zur Ehre der Altä­re erho­ben wor­den sind.

Wir hof­fen, daß auch sie unter dem Pon­ti­fi­kat Leos XIV. zur Ehre der Altä­re gelan­gen kön­nen und daß der Jah­res­tag des hel­den­haf­ten unga­ri­schen Auf­stands nicht in Ver­ges­sen­heit gerät.

*Rober­to de Mat­tei, Histo­ri­ker, Vater von fünf Kin­dern, Pro­fes­sor für Neue­re Geschich­te und Geschich­te des Chri­sten­tums an der Euro­päi­schen Uni­ver­si­tät Rom, Vor­sit­zen­der der Stif­tung Lepan­to, Autor zahl­rei­cher Bücher, zuletzt in deut­scher Über­set­zung: Ver­tei­di­gung der Tra­di­ti­on: Die unüber­wind­ba­re Wahr­heit Chri­sti, mit einem Vor­wort von Mar­tin Mose­bach, Alt­öt­ting 2017, und Das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil. Eine bis­lang unge­schrie­be­ne Geschich­te, 2. erw. Aus­ga­be, Bobin­gen 2011.

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Übersetzung/​Fußnoten: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ri­spon­den­za Romana


  1. Maty­as Rosen­feld, der spä­te­re Maty­as Rako­si, wur­de am 9. März 1892 als Sohn einer jüdi­schen Fami­lie in Ada in der Woj­wo­di­na, damals König­reich Ungarn, heu­te Ser­bi­en, gebo­ren. Er absol­vier­te ein kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung. In rus­si­scher Gefan­gen­schaft wäh­rend des Ersten Welt­krie­ges wur­de er zum über­zeug­ten Bol­sche­wi­ken. 1919 gehör­te er in Buda­pest der Regie­rung der kom­mu­ni­sti­schen Räte­re­pu­blik von Bela Kun an. Nach deren Schei­tern ging er in die Sowjet­uni­on. Von dort zur kom­mu­ni­sti­schen Agi­ta­ti­on nach Ungarn zurück­ge­kehrt, ver­brach­te er des­halb von 1925 bis 1939 im Gefäng­nis. Mit der Roten Armee kehr­te er 1944 aus der Sowjet­uni­on nach Ungarn zurück und wur­de Gene­ral­se­kre­tär der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ungarns, die bei den ersten Nach­kriegs­wah­len aber nur 17 Pro­zent der Stim­men errin­gen konn­ten. Mit Hil­fe der Sowjet­macht gelang den­noch die Macht­über­nah­me, sodaß Rako­si, „Sta­lins bester Schü­ler“, Ungarn von 1946 bis 1956 dik­ta­to­risch beherrsch­te. ↩︎
  2. Imre Nagy wur­de am 7. Juni 1896 in Kapos­var im süd­west­li­chen Ungarn gebo­ren. In rus­si­scher Gefan­gen­schaft im Ersten Welt­krieg wur­de der gelern­te Maschi­nen­schlos­ser zum Bol­sche­wi­ken und nahm in der Roten Armee an der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on teil. Er wur­de vom sowje­ti­schen Geheim­dienst Tsche­ka aus­ge­bil­det. 1919 gehör­te er wie Ráko­si der Regie­rung der kurz­zei­ti­gen kom­mu­ni­sti­schen Räte­re­pu­blik von Bela Kun an. 1929 ging er in die Sowjet­uni­on, wo er der Kom­in­tern ange­hör­te und als Infor­mant für den Tsche­ka-Nach­fol­ger NKWD arbei­te­te. 1944 kehr­te er mit der Roten Armee nach Ungarn zurück. 1944/​45 war er unga­ri­scher Land­wirt­schafts­mi­ni­ster, 1945/​46 Innen­mi­ni­ster. Damals wur­den 60.000 Ungarn­deut­sche zur Zwangs­ar­beit in die Sowjet­uni­on ver­schleppt. Als Innen­mi­ni­ster ließ er wei­te­re 200.000 Ungarn­deut­sche ent­eig­nen und ver­trei­ben. Er war dann Par­la­ments­prä­si­dent und von 1953 bis 1955 erst­mals Mini­ster­prä­si­dent. Damals pro­pa­gier­te er den „Neu­en Kurs“ des Sozia­lis­mus, fiel aber zwei Jah­ren beim Polit­bü­ro der Sozia­li­sti­schen Arbei­ter­par­tei in Ungna­de und wur­de aus sei­nen Ämtern ent­fernt. Im Zuge des unga­ri­schen Volks­auf­stan­des wur­de er im Herbst 1956 erneut kurz­zei­tig Mini­ster­prä­si­dent Ungarns. Von sowje­ti­schen Trup­pen ver­haf­tet, wur­de Nagy 1958 nach einem gehei­men Pro­zeß wegen Hoch­ver­rats hin­ge­rich­tet. ↩︎
  3. Janos Kadar, eigent­lich Janos Czer­ma­nik, wur­de am 26. Mai 1912 in Fiume (heu­te Rije­ka, Kroa­ti­en) als Sohn einer slo­wa­ki­schen Mut­ter und eines deutsch­stäm­mi­gen Vaters gebo­ren. Da die Eltern nie hei­ra­te­ten, trug er den Namen sei­ner Mut­ter. Als 17jähriger schloß er sich den Kom­mu­ni­sten an und wur­de inhaf­tiert. Im Gefäng­nis lern­te er Máty­ás Ráko­si ken­nen. 1943 wur­de er in Ver­tre­tung Ráko­sis Gene­ral­se­kre­tär der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ungarns unter dem Kampf­na­men János Kádár, den er sich 1945 auch offi­zi­ell zuleg­te. 1948 bis 1950 wur­de er Innen­mi­ni­ster und bau­te die Geheim­po­li­zei auf, die für die sta­li­ni­sti­sche Repres­si­on ver­ant­wort­lich zeich­ne­te. Nach der Nie­der­schla­gung des Volks­auf­stan­des wur­de er Ende 1956 von den Sowjets als neu­er Macht­ha­ber in Ungarn instal­liert. Er beherrsch­te das Land als Gene­ral­se­kre­tär der Sozia­li­sti­schen Arbei­ter­par­tei bis 1988. ↩︎
  4. Gior­gio Napo­li­ta­no war von 1953 bis 1996 Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ter der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens, dann von deren Nach­fol­ge­par­tei­en Par­tei des Demo­kra­ti­schen Sozia­lis­mus (PDS) und der Links­de­mo­kra­ten (DS). Von 1989 bis 2004 war er mit Unter­bre­chung Abge­ord­ne­ter zum EU-Par­la­ment, von 1996 bis 1998 ita­lie­ni­scher Innen­mi­ni­ster, von 2005 bis zu sei­nem Tod 2023 Sena­tor auf Lebens­zeit und von 2006 bis 2015 Staats­prä­si­dent von Ita­li­en. ↩︎
  5. San­dro Per­ti­ni wur­de nach dem Ersten Welt­krieg Funk­tio­när der Sozia­li­sti­schen Par­tei Ita­li­ens. Von 1935 bis 1943 war er wäh­rend der faschi­sti­schen Herr­schaft auf der Insel Ven­to­te­ne inter­niert. Nach sei­ner Frei­las­sung schloß er sich den Par­ti­sa­nen an und gehör­te zum Ent­schei­dungs­gre­mi­um, von dem das Atten­tat auf eine deut­sche Poli­zei­ein­heit in der römi­schen Via Ras­sel­la beschlos­sen wur­de. Da sich die Täter trotz eines deut­schen Ulti­ma­tums nicht stell­ten, wur­den wie ange­kün­digt im Rah­men der Haa­ger Land­kriegs­ord­nung für jeden getö­te­ten Poli­zi­sten Erschie­ßun­gen im Ver­hält­nis 1:10 vor­ge­nom­men, die bis heu­te die Gemü­ter der ita­lie­ni­schen Innen­po­li­tik bewe­gen. Die Hin­ge­rich­te­ten waren vor allem poli­ti­sche Geg­ner des Faschis­mus. Per­ti­ni hin­ge­gen wur­de von 1946 bis 1978 durch­ge­hend Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ter oder Sena­tor der Sozia­li­sti­schen Par­tei Ita­li­ens, die sich von 1945 bis zur Nie­der­schla­gung des unga­ri­schen Volks­auf­stan­des 1956 in einer Volks­front mit der Kom­mu­ni­sti­schen Par­tei Ita­li­ens befand. Von 1978 bis 1985 war Per­ti­ni Staats­prä­si­dent von Ita­li­en und anschlie­ßend bis zu sei­nem Tod im Jahr 1990 Sena­tor auf Lebens­zeit. ↩︎

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